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Di, 17:34 Uhr
03.04.2018
BEOBACHTUNGEN BEI EINEM OSTERSPAZIERGANG

Allerlei am Weg sich fand

Der Winter hatte sich Ostern noch einmal unliebsam in Erinnerung gebracht. 35 Zentimeter Neuschnee. Das war selbst für die Rostocker und Urlauber zuviel. Strandspaziergänge im Schnee statt im Sand. Jetzt ist die Macht des Winters endgültig gebrochen...

Vom Sturm aus der Wurzel gerissen, liegen mächtige Kiefernbäume im Wald am Kuhberg kreuz und quer. (Foto: Kurt Frank) Vom Sturm aus der Wurzel gerissen, liegen mächtige Kiefernbäume im Wald am Kuhberg kreuz und quer. (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen. Welch ein Gewimmel gestern, am Ostermontag. In Scharen zog es die Menschen hinaus in die Natur. Oder in Gaststätten. Bevorzugt zum Chinesen. Zeitweise fand sich kein Parkplatz mehr beim Restaurant in der Parkallee. Rege Geschäftigkeit bei ihresgleichen im Gehege. In das „Sonneneck“ fand sich um die Mittagszeit hingegen kaum jemand ein. Waran das wohl liegen mag?

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Nach dem Mahle zog es diesen und jenen in den Stadtpark. Über ihn schrieb der Nordhäuser Mittelschullehrer Heinrich Heine 1914: „In Verbindung mit der Kastanienallee und dem Hartmannsdamm bietet der Park herrliche Spazierwege. Die Kastanienallee, von drei Reihen großer Bäume, gepflanzt 1836, eingefasst, ist namentlich im Sommer sehr belebt.“

Die Allee lichtete sich. Das dichte Buschwerk, in dem viele Vögel brüteten, sucht man vergebens. Von den dominanten Schwarzpappeln, die der Lehrer als herausragend erwähnte, fiel erst kürzlich eine weitere der wütenden Friederike zum Opfer. Der Restbestand, altersschwach, fällt womöglich beim nächsten Sturm. Bescheidene Frage an das Sachgebiet Umwelt und Grünordnung der Stadtverwaltung: Wäre es nicht ratsam, bevor sie alle verschwinden, rechtzeitig neue zu pflanzen - als Wahrzeichen des Parks? Auf Naturverjüngung setzen bringt nichts.

Heinrich Heine erlebte gepflegte Wege. Teilweise schreitet derzeit der Spaziergänger auf festen bekiesten Wegen, um gleich danach wie auf einem Teppich über weiches, verwittertes Laub zu gehen, das im Herbst keinen Harken sah. Stellenweise dick daliegend, droht es den Rasen zu ersticken. Der Park-Frühjahrsputz steht wohl noch an? Und die Erweiterung des Kinder-Spielplatzes, von dem der Mittelschullehrer seinerzeit vielleicht nur träumte.

Vom Zollhäuschen wohl nicht. Er erlebte es. Nicht als eine beliebte Stätte der Einkehr bei Kaffee, Kuchen und kleinem Imbiss. Als solches war es bei älteren Spaziergängern jahrelang sehr beliebt. Gern weilten sie an warmen und sonnigen Tagen auch auf der Terrasse im Schatten der Bäume. Im Vorjahr entdeckten es Steven Panse und Vater Mario neu: als andere Art der amerikanischen Küche. Namen wie Cowboy Burger, Tiki Hawai, Hot Dogs standen auf der Speisekarte. Sollte es nicht wieder werden, was es war: ein gemütliches Cafe?

Stellenweise schon sehr licht ist es im Kuhberg-Wald geworden. Auch die Bäume, die sich nur noch an andere anlehnen, um nicht zu stürzen, will man aufbereiten. (Foto: Kurt Frank) Stellenweise schon sehr licht ist es im Kuhberg-Wald geworden. Auch die Bäume, die sich nur noch an andere anlehnen, um nicht zu stürzen, will man aufbereiten. (Foto: Kurt Frank)
Auch der Kuhberg werde von den Nordhäusern viel und gern aufgesucht, um sich zu erholen, hatte Naturfreund Heine vor 104 Jahren schon beobachtet. So war es auch gestern. Die Luft, schrieb er, sei rein, die Geräusche der Stadt fern. Wer sich ruhig verhalte, könne wilde Kaninchen beobachten. Die sind ausgestorben. Eine rechte Erholung bot der Kuhberg gestern allerdings nicht. Die böse Friederike hinterließ Spuren.

Nach der großen und sehr erfolgreichen Aufräumungsaktion im Gehege, die nnz gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Klaus Zeh im April 2014 startete, erfolgten keine nennenswerten Einsätze mehr. Man sieht es. (Foto: Kurt Frank) Nach der großen und sehr erfolgreichen Aufräumungsaktion im Gehege, die nnz gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Klaus Zeh im April 2014 startete, erfolgten keine nennenswerten Einsätze mehr. Man sieht es. (Foto: Kurt Frank)
Ihrer Wurzeln beraubt, liegen dicke Kieferbäume kreuz und quer dar nieder. Andere halten sich nur noch an Nachbarbäumen fest. Von den zuhauf herumliegenden Astwerk und Gestrüpp ganz zu schweigen. Wildnis und Naturreservat. Für Igel und anderes Getier ideal. Wer soll die Stämme aufbereiten? „Eine Firma hierzulande, die wir beauftragten“, sagt Axel Axt, der Stadtförster. Der Sturm habe nicht nur den Kuhberg heimgesucht. Auch den Bereich Alter Stolberg, wo man im Einsatz sei. Die gröbsten Schäden, ist der Förster optimistisch, wolle man bis in den Mai beseitigen.

Im Gehege sei nichts geplant, sagt Axt. Nach der großen und erfolgreichen Aufräumungsaktion, die nnz gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Klaus Zeh im April 2014 ins Leben gerufen hatte, tat sich nicht nennenswertes mehr. Man sieht es.
Kurt Frank
Autor: red

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