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Do, 10:00 Uhr
25.01.2018
Leben und arbeiten mit der Generation Z

Arbeiten? Meinst du Youtube oder Twitter?

Eigentlich ist das Problem so alt wie die Menschheit selbst: wird man selber reifer an Jahren, erscheinen die jüngeren Mitmenschen zunehmend seltsam. In Zeiten, in denen qualifizierter Nachwuchs zur Mangelware wird, wird das Generationenthema zu einem ernsthaften Problem. Im Bürgerhaus diskutierte man gestern deswegen über den Umgang mit der "Generation Z"...

Generation Z - was ist eigentlich mit der Jugend los? (Foto: Angelo Glashagel) Generation Z - was ist eigentlich mit der Jugend los? (Foto: Angelo Glashagel)

Es gab die "Baby Boomer", die in der Nachkriegswelt aufwuchsen, die "verlorene Generation X" die sich zum Sound von Kurt Cobain in kollektiver Perspektivlosigkeit wälzte, die "Generation Y", gut ausgebildet, Technikaffin und egozentrisch, zuweilen auch "Millenials" oder "Generation Me" genannt. Und jetzt: die "Generation Z". Bezeichnet werden die Jahrgänge zwischen 1995 und 2010, was die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von ihren Vorgängern abheben soll ist der Umgang mit der digitalen Welt, die diese Generation nicht so sehr als Wandel, sondern schon als selbstverständlichen Teil der Alltagswirklichkeit wahrgenommen hat.

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Für geplagte Unternehmen mit Nachwuchssorgen beginnt der Spaß da aber anscheinend erst. Im Bürgerhaus lud der Regionalbeirat für Arbeitsmarktpolitik Nordthüringen zur Fachtagung rund um die "Generation Z" mit Impulsvorträgen, Workshops und Präsentationen. Die Staatssekretärin des Thüringer Ministeriums für Arbeit ist da, der Landrat, Unternehmer, Professoren, Personaler aus großen Firmen und Mittelständler. Der Schuh drückt offensichtlich.

Man wolle versuchen aufzuzeigen was sich geändert hat und wie die Erwartungshaltungen heute aussehen, sagte sagte Hans-Georg Müller, Vorsitzender des Nordthüringer Regionalbeirates, "Wie denken und handeln junge Arbeitnehmer? Ich denke wir treffen mit dem Thema den Kern der aktuellen Entwicklung".

Was ist nur mit der Jugend los? Im Bürgerhaus versuchte man gestern Antworten zu finden (Foto: Angelo Glashagel) Was ist nur mit der Jugend los? Im Bürgerhaus versuchte man gestern Antworten zu finden (Foto: Angelo Glashagel)

Eine die es wahrscheinlich besser weiß als die meisten ist Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt. Die Professorin der privaten Hochschule Göttingen hat sich in langen Befragungen in Unternehmen und unter Mitgliedern der ominösen Generation mit dem neuen Nachwuchs auseinandergesetzt. Dass der erste Griff am morgen zum Handy geht, sei für die Generation Z so normal wie für andere der Kaffee. Da wird noch schnell ein Foto vor dem Spiegel gemacht bevor es aus dem Haus geht oder der Teller Pommes im Schnellrestaurant abgelichtet. Für die "Community". Die Generation Z sei "social", also nicht sozial im herkömmlichen Sinne, sondern beständig digital vernetzt.

Und das heißt nicht, dass was der alternde Millenial oder ergrauende Nirvana-Fan denkt. Auf Facebook, gerade eben noch der Inbegriff des sozialen Netzwerks, geht man erst "wenn man alt ist". "Insta"(gramm) und Snapchat sind da beliebter. Telefonieren "nervt ab", nicht chillig genug. Audionachrichten per WhatsApp zu verschicken sei einfacher, da hat man mehr Zeit zu reagieren und kann sich überlegen, wie man antwortet statt im verstörend direkten Gespräch sofort zur Reaktion gezwungen zu sein, berichtet die Professorin von ihren Erfahrungen mit ihrem Forschungsobjekt.

Der altgediente Ausbilder freilich schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn der Neuzugang im Team nicht mal mehr telefonieren kann oder vielmehr will und seine Position auch zu halten gedenkt. Die Jugend habe heute häufig eine partizipative Erziehung genossen, erläutert die Professorin, daheim haben die Eltern Kompromisse angeboten, die Kinder dürfen mitentscheiden. Wenn im Betrieb dann klare Ansagen gemacht werden und der Azubi zu diskutieren anfängt, sind die Konflikte vorprogrammiert. Wer an die "Generation Z" herankommen wolle ohne den Rest der Mannschaft zu verprellen, der werde sich mehr in "situativen Führen" üben müssen, meint die Professorin.

Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt berichtet von ihren Erkenntnissen aus dem Umgang mit der Generation Z (Foto: Angelo Glashagel) Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt berichtet von ihren Erkenntnissen aus dem Umgang mit der Generation Z (Foto: Angelo Glashagel)

Wobei Frau Prof. Mörstedt auch klarstellt, dass es sich bei ihren Beschreibungen eher um Tendenzen, nicht um klar zu definierende Gegebenheiten handelt. Die Prägungen einer Generation fallen im Individuum zwar unterschiedlich aus, lassen sich breiter aber über Bildungs- und Berufsstandgrenzen hinaus beobachten. Der Babyboomer Gartenfachmann wird sich in bestimmten Kontexten wahrscheinlich ähnlich verhalten wie der Babyboomer Konzernchef. Die gesellschaftliche Sozialisierung der Kinder- und Jugendjahre prägt beide.

Von der Theorie ging man weiter in die Praxis. Da war zum einen Ina Schmücking vom Landratsamt Nordhausen, die einige Ergebnisse der Befragung ausführte, die der Landkreis im Zusammenhang mit der Erstellung des neuen Jugendhilfeplans unter Nordhausens "Generation Z" durchgeführt hat. René Zimprich, Personalleiter bei Schachtbau, berichtete aus den Alltagserfahrungen seiner Abteilung.

Was also tun mit der Generation Z? Dem eigenen Unternehmen, auch wenn es kleiner ist, vielleicht etwas mehr digitalen Anstrich verpassen? Die Firmen-WhatsApp Gruppe einrichten? Oder hoffen, dass die lieben Kleinen recht bald groß werden? Denn mit zunehmenden Alter und ähnlichen Lebenserfahrungen rücken die Generationen erfahrungsgemäß wieder näher aneinander. Die nächste Buchstabengeneration steht dann bestimmt schon in den Startlöchern und man kann sich wieder kollektiv fragen, was bloß mit dieser Jugend los ist.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Fönix
25.01.2018, 11:05 Uhr
Genialer Beitrag, genau so ist es !
Ob das "situative Führen" ausreicht, um von der jungen Generation Leistungen abzurufen, die es im globalen Hamsterrad (weniger prosaisch: Wettbewerb) braucht, ist noch nachzuweisen, wobei branchenspezifisch sicherlich unterschiedliche Ausprägungen und Mechanismen zum Tragen kommen werden. Nicht ohne Grund jammern sehr viele Unternehmen über Fachkräftemangel und fordern von der Politik Maßnahmen, die die älteren, alten und sogar ganz alten Erfahrungsträger möglichst lang im Arbeitsmarkt halten (ob freiwillig oder mit Zwang, bleibt noch abzuwarten). Warum wohl ? Auch darauf gibt dieser Beitrag Antwort, wenn man es versteht, auch zwischen den Zeilen zu lesen ...
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