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Sa, 15:06 Uhr
23.12.2017
100 Jahre Theater Nordhausen

Ilsetraut Glock als Bühnenbildnerin in Nordhausen

Nachdem im Jahr 2017 vielfach an die 100-jährige Historie des Stadttheaters in der Promenade erinnert wurde, soll auf ein besonderes Kapitel im Leben der Künstlerin und Kunstmäzenin Ilsetraut Glock hingewiesen werden, das auch damit zu tun hat...


Ihr Geburtsname war Ilsetraut Grabe. Sie kam am 8. April 1915 in Nordhausen am Harz zur Welt und starb am 30. Januar 2013 in Bonn mit fast 98 Jahren. Nach dem Abitur hatte sie Kunst in Hannover und Hildesheim studiert. In einem Lebenslauf schrieb sie:

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„Ich wurde dann Lehrerin in Nordhausen in der Wiedigsburgschule, heiratete am 12. 7. 1941 in Nordhausen den Dipl. Landwirt Ernst Glock, wohnhaft in Berlin. 1944 wurde unsere erste Tochter Anne in Nordhausen geboren. Wir erlebten im April 1945... in der Aktienbrauerei in zwei Luftangriffen den Untergang der Stadt. Nach dem Krieg arbeitete ich als Bühnenbildnerin am Stadttheater.“ Wie kam es dazu?

Eine wichtige Begegnung in Bezug auf diese Etappe ihres künstlerischen Werdeganges hatte Frau Glock am 13. Mai 1945, so erzählte sie. Die amerikanische Besatzungsmacht hatte die Nordhäuser Bevölkerung aufgefordert, für die auf dem neu angelegten Ehrenfriedhof beigesetzten Opfer Blumen niederzulegen. Ohne diese symbolische Handlung gab es keine Ausweise, keine Lebensmittelkarte. Auf dem Weg dorthin kam Ilsetraut Glock, eine eifrige Theatergängerin, mit dem Intendanten Ernst Fisch ins Gespräch.

Als er erfuhr, dass sie in Hannover Malerei bei Prof. Herman Wöhler und an der Werkkunstschule in Hildesheim studiert hatte und kurz nach der Aufnahme an die Kunsthochschule Berlin nach Beginn des II. Weltkrieg ihre Ausbildung leider abbrechen musste, ermunterte er sie, als Bühnenbildnerin tätig zu werden.

So begann ihre dreijährige Tätigkeit am Stadttheater Nordhausen, das damals als Ausweichquartier in der „Harmonie“, jetzt Jugendclubhaus, seine Spielstätte gefunden hatte, während man sich in Nordhausen trotz großer Bombenschäden besonders auch der Wohnhäuser entschloss, das Stadttheater, das Bürgertheater möglichst schnell wieder aufzubauen.

Der Roland und die Hexe (Foto: Archiv Kneffel) Der Roland und die Hexe (Foto: Archiv Kneffel) Zeugnis von diesem Vorhaben legten im Januar 1948 symbolisch auch der Roland und die Hexe ab, die als gezeichnetes Paar nebst Sprechtext in der Tageszeitung „Thüringer Volk“ auftraten und warben. Ilsetraut Glock schuf Bühnenbilder für Jean-Paul Sartres existenzialistische Stücke „Die Fliegen“ oder „Geschlossene Gesellschaft“. Intendant Fisch bestätigte ihr im Sommer 1946, dass Frau Ilsetraut Glock als Bühnenbildnerin arbeitet und in letzter Zeit u. a. die Entwürfe zu Hebbels „Maria Magdalena“, Schnitzlers „Anatol“, Shakespeares „Wie es euch gefällt“, Wildes „Ein idealer Gatte“ und „Der Froschkönig“ ausgeführt und die Herstellung ihrer Bühnenbilder überwacht und geleitet habe.

Sie habe ungewöhnliches Talent gezeigt und bewiesen, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen und dem zeitbedingten Materialmangel den besonderen Stil jedes Werkes gerecht zu werden vermochte. In einer vom Dichter Rudolf Hagelstange 1946 geschriebenen Rezension über Schnitzlers Komödie „Anatol“ heißt es: „ Im Rahmen des Ganzen wiegt auch das Verdienst von Ilsetraut Glock, die mit reizenden und die Schnitzlerische Luft gut erfassenden Bühnenbildern aufwartete.“

Hagelstange lobte als damaliger Theaterkritiker generell den von ihr angewandten sparsamen Einsatz der Mittel, die Bühnengestaltung mit Licht, das war neu und revolutionär.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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