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Di, 12:28 Uhr
09.11.2004

Rettern über die Schulter geschaut

Nordhausen (nnz). Blaß und ohne tastbaren Puls liegt der Sechzigjährige auf dem Boden seiner Neubauwohnung, als ihn die Rettungssanitäter vorfinden. Was ist los mit ihm, vielleicht eine Vergiftung oder doch ein Herzinfarkt? Die nnz hat zugesehen, was im Notfall getan werden muß.

Rettern über die Schulter geschaut (Foto: nnz) Rettern über die Schulter geschaut (Foto: nnz)
Der Alte röchelt und reagiert nicht auf die Ansprache der Rettungssanitäter. Die packen sofort den Monitor zur Überwachung der Vitalfunktionen aus. Wenn kein Puls tastbar ist, dann besteht die Gefahr des plötzlichen Herztodes, meist ausgelöst durch einen Infarkt. Die Folge, das Herz pumpt kein Blut mehr, es kommt zum Kammerflimmern, einer schnellen Rythmusstörung. Der Patient muß wiederbelebt werden mittels des Defibrillators. Stromstöße regen hierbei das Herz zum Schlagen an. Geschieht diese Wiederbelebung in den ersten fünf Minuten des Herzversagens besteht eine Chance den Menschen zu retten.

Ob es angenehm ist, kann der Patient dem Reporter nicht mitteilen, denn er hat das Glück nur eine Puppe zu sein. Da er atmen, erbrechen und sprechen kann, außerdem über einen tastbaren Puls und Venen verfügt, ist der Simulatormann ein ideales Übungsobjekt für Rettungsassistenten und Notärzte. Heute trainierten sie unter anderem das oben beschriebene Szenario.

Vier Notärzte des Südharzkrankenhauses fliegen auf dem Rettungshubschrauber Christoph 37 mit. Gemeinsam mit den Kollegen von den Rettungsorganisationen DRK und den Johannitern, die im Landkreis den Rettungsdienst sicherstellen, nutzten sie die Möglichkeit mit dem fast echten Patienten zu üben.

Organisiert wurde diese Weiterbildung von der Deutschen Rettungsflugwacht in Zusammenarbeit mit dem Bundesgrenzschutz. Der BGS stellt auch die Piloten für den Nordhäuser Christoph zur Verfügung. Im nächsten Jahr möchte das Team der DRF und der Uniklinik Tübingen deutschlandweit 25 Kurse mit Simulationspuppen durchführen. Ziel dieser Schulungen ist die Erhöhung der Patientensicherheit in der Akutmedizin.

Ausbilder Dr. Gerson Conrad ist von der Wirksamkeit des Trainings überzeugt. "An der Puppe können die Retter auch seltene und komplikationsträchtige Zwischenfälle üben. Erleben sie ähnliches dann im Ernstfall werden sie sich erinnern, was sie hier gelernt haben." Die simulierten Übungen werden auf Video aufgezeichnet und hinterher in der Gruppe gemeinsam angeschaut und diskutiert. Dann darf kritisiert werden. "Menschen machen Fehler, auch wenn sie Ärzte sind. Hier schadet es niemandem, ist sogar hilfreich für den Lerneffekt." sagt Dr. Conrad.

Die Retter sind engagiert bei der Sache und mühen sich um den etwas unflexiblen Patienten aus Plaste. Sie versuchen einen Tubus in seinen Schlund zu schieben, um ihn an das Beatmungsgerät anzuschließen, außerdem erhält er eine Infusion. Dank Herzdruckmassage "überlebt" er schließlich.

Erleidet ein Mensch einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder wird Opfer eines Unfalls, dann rücken die Retter entweder nur mit dem Rettungswagen oder zusätzlich auch mit dem Hubschrauber aus. Der dient in erster Linie dazu den Notarzt schnell zum Patienten zu bringen. Die Erstversorgung findet meist an Ort und Stelle im Rettungswagen statt. Ist der Patient stabil wird er in ein Krankenhaus mit entsprechender Notfallversorgung gebracht, im Bedarfsfall auf dem Luftweg. Zur Sicherheit bekommt der Verletzte dabei eine Narkose, egal ob er Flugangst hat oder nicht.

Die Versorgung von internistischen Notfällen, die rund 70 % der Einsätze ausmachen, sowie von Unfallopfern, ist in Nordhausen weitgehend gesichert, wie Andreas Poppe als Leiter des Rettungsdienstes zu berichten weiß. Besonders kritische Fälle werden nach Jena, Bad Berka oder Göttingen gebracht.

Eigentlich sollte den Teilnehmern des Lehrgangs heute ein BGS Rettungshubschrauber zur realitätsnahen Übung zur Verfügung stehen. Auf Grund des schlechten Wetters mit Schneeregenschauern konnte er seinen Flug nicht antreten. Der hauseigene Christoph 37 durfte nicht ersatzweise für die Übung verwendet werden, da er im Bedarfsfall sofort einsatzbereit sein muß.

Für die Notärzte, in Nordhausen grundsätzlich Anästhesisten und Intensivmediziner, und die Rettungsassistenten lohnte sich die ungewöhnliche Übung trotzdem. Trainer Gerson Conrad war begeistert wie eingespielt die Teams sind und wie schnell sie auf die sich ändernden Situationen reagieren. Im Ernstfall kommt die zugegeben nicht ganz billige Ausbildung uns allen zugute. Weitere Kurse zu speziellen Themen wie Kinderunfällen oder Vergiftungen sind geplant. So können alle im Landkreis Nordhausen sicher sein, daß ihnen im Notfall schnell und richtig geholfen wird.
Autor: wf

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