Sa, 12:35 Uhr
09.12.2017
Wilder Müll
Der "Vogel Strauß" in uns
Die Presse schrieb über junge Müllsammler im Naturpark Südharz. Dazu eine Wortmeldung von Bodo Schwarzberg in Ihrer nnz...
Wilde Müllkippe (Foto: Bodo Schwarzberg)
Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Müll kann erfolgreich sein: Diese wilde Müllkippe befand sich 2012 an der Straße Niedersachswerfen-Woffleben. Nach einem Artikel in der nnz hierzu wurde sie beseitigt.
Es ist toll und wichtig, dass gerade Kinder als Konsumenten, Müllproduzenten und unsere ökologischen Erben mit eigenen Augen sehen und mit ihren Händen anfassen, was Vertreter der Elterngeneration illegal in unserer Landschaft entsorgen. Mir kommen dabei zwei weitere Gedanken:
Erstens: Wenn die Kinder gewiss nur ein kleines Waldgebiet zum Müllsammeln aufgesucht haben, erscheint es als sehr naheliegend, dass sich auch in zahlreichen anderen Waldgebieten, an Einmündungen und an Waldwegen Müllansammlungen befinden. Jeder, der sich draußen bewegt, kennt diese Hinterlassenschaften unserer Wegwerfgesellschaft aus eigener Anschauung. Der sich daraus ergebende zweite Gedanke ist aber, dass sich die Öffentlichkeit und hier insbesondere die im Umweltamt, Ordnungsamt und Naturschutzbehörden Verantwortlichen zu wenig um das auch noch flächendeckende Problem wilder Müll kümmern. Ja, sie sind wegen der Dimension des Müllproblems offensichtlich überhaupt nicht in der Lage dazu. Man weiß um die lästige Thematik, man hat sich irgendwo an das Problem gewöhnt.
Hierbei geht es vor allem um den nicht oder kaum abbaubaren organischen und anorganischen Müll mit Schadstoffpotenzial, wie alte Elektrogeräte, Transistoren, PCs, Farb- und Ölreste sowie Plastabfälle. Es ist gut bekannt, welche ökologische Zeitbombe da vor unseren Stadttoren tickt und auch, dass uns aus dem Müll freigesetzte Schadstoffe oder in Flüssen feingerebelte Plastteilchen über die Nahrung wieder erreichen.
Die Forderung an die Behörden kann nur lauten, a) illegale Müllentsorgung detektivisch verfolgen, b) sie nicht nur als kleine Ordnungswidrigkeit zu bestrafen und c) zugleich ausreichende Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, um den wilden Müll einzusammeln, zu recyceln bzw. so schadlos wie möglich zu entsorgen, d) Bildungsarbeit zu leisten. Das wäre auch eine wegweisende und vorbildgebende Aufgabe für Nordhausen als "Global Nachhaltige Kommune Thüringen", als die sie in diesen Tagen wieder in den Medien war.
Und der umweltbewusste Teil der Bevölkerung? Der sollte nicht müde werden, wilde Müllansammlungen an die Umwelt- und Naturschutzbehörde sowie an das Ordnungsamt zu melden und zugleich samt Fotos in die Tageszeitungen zu setzen. In diesen wird gerade vor Weihnachten viel Werbung für viele Konsumgüter gemacht, die man eigentlich, genau besehen, kaum wirklich braucht. Es wäre also nur recht und billig, auch die Folgen des Konsums vor unserer Haustür verstärkt in den Medien zu zeigen und die zuständigen Behörden damit zu konfrontieren.
Und nicht zuletzt sollten die Schulen den kleinen Müllsammlern nicht vorenthalten, wo die Wurzeln des weltweiten Müllübels liegen: Nämlich in der weitestgehenden Narrenfreiheit der globalen (Markt-)Wirtschaft, die eher noch subventioniert, denn besteuert wird, wenn sie unsere Lebensgrundlagen auch noch mit Abfällen gefährdet. Aber natürlich auch bei vielen Erwachsenen, die nicht wissen oder nicht wissen wollen, die zu bequem oder zu unsensibel sind, die bestehenden legalen Möglichkeiten zur Müllentsorgung zu nutzen.
Und die natürlich gut mit der Weisheit vertraut sind, dass dort, wo keine Kläger, auch keine Richter sind.
Bodo Schwarzberg
Autor: red
Wilde Müllkippe (Foto: Bodo Schwarzberg)
Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Müll kann erfolgreich sein: Diese wilde Müllkippe befand sich 2012 an der Straße Niedersachswerfen-Woffleben. Nach einem Artikel in der nnz hierzu wurde sie beseitigt. Es ist toll und wichtig, dass gerade Kinder als Konsumenten, Müllproduzenten und unsere ökologischen Erben mit eigenen Augen sehen und mit ihren Händen anfassen, was Vertreter der Elterngeneration illegal in unserer Landschaft entsorgen. Mir kommen dabei zwei weitere Gedanken:
Erstens: Wenn die Kinder gewiss nur ein kleines Waldgebiet zum Müllsammeln aufgesucht haben, erscheint es als sehr naheliegend, dass sich auch in zahlreichen anderen Waldgebieten, an Einmündungen und an Waldwegen Müllansammlungen befinden. Jeder, der sich draußen bewegt, kennt diese Hinterlassenschaften unserer Wegwerfgesellschaft aus eigener Anschauung. Der sich daraus ergebende zweite Gedanke ist aber, dass sich die Öffentlichkeit und hier insbesondere die im Umweltamt, Ordnungsamt und Naturschutzbehörden Verantwortlichen zu wenig um das auch noch flächendeckende Problem wilder Müll kümmern. Ja, sie sind wegen der Dimension des Müllproblems offensichtlich überhaupt nicht in der Lage dazu. Man weiß um die lästige Thematik, man hat sich irgendwo an das Problem gewöhnt.
Hierbei geht es vor allem um den nicht oder kaum abbaubaren organischen und anorganischen Müll mit Schadstoffpotenzial, wie alte Elektrogeräte, Transistoren, PCs, Farb- und Ölreste sowie Plastabfälle. Es ist gut bekannt, welche ökologische Zeitbombe da vor unseren Stadttoren tickt und auch, dass uns aus dem Müll freigesetzte Schadstoffe oder in Flüssen feingerebelte Plastteilchen über die Nahrung wieder erreichen.
Die Forderung an die Behörden kann nur lauten, a) illegale Müllentsorgung detektivisch verfolgen, b) sie nicht nur als kleine Ordnungswidrigkeit zu bestrafen und c) zugleich ausreichende Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, um den wilden Müll einzusammeln, zu recyceln bzw. so schadlos wie möglich zu entsorgen, d) Bildungsarbeit zu leisten. Das wäre auch eine wegweisende und vorbildgebende Aufgabe für Nordhausen als "Global Nachhaltige Kommune Thüringen", als die sie in diesen Tagen wieder in den Medien war.
Und der umweltbewusste Teil der Bevölkerung? Der sollte nicht müde werden, wilde Müllansammlungen an die Umwelt- und Naturschutzbehörde sowie an das Ordnungsamt zu melden und zugleich samt Fotos in die Tageszeitungen zu setzen. In diesen wird gerade vor Weihnachten viel Werbung für viele Konsumgüter gemacht, die man eigentlich, genau besehen, kaum wirklich braucht. Es wäre also nur recht und billig, auch die Folgen des Konsums vor unserer Haustür verstärkt in den Medien zu zeigen und die zuständigen Behörden damit zu konfrontieren.
Und nicht zuletzt sollten die Schulen den kleinen Müllsammlern nicht vorenthalten, wo die Wurzeln des weltweiten Müllübels liegen: Nämlich in der weitestgehenden Narrenfreiheit der globalen (Markt-)Wirtschaft, die eher noch subventioniert, denn besteuert wird, wenn sie unsere Lebensgrundlagen auch noch mit Abfällen gefährdet. Aber natürlich auch bei vielen Erwachsenen, die nicht wissen oder nicht wissen wollen, die zu bequem oder zu unsensibel sind, die bestehenden legalen Möglichkeiten zur Müllentsorgung zu nutzen.
Und die natürlich gut mit der Weisheit vertraut sind, dass dort, wo keine Kläger, auch keine Richter sind.
Bodo Schwarzberg

