Di, 13:45 Uhr
21.11.2017
die Enthusiasten
Der Elektro-Check
Die Welt bewegt sich weiter, egal was kommt. Die eigentlich spannende Frage ist Angesichts schwindender Ressourcen und sich anbahnender Umwälzungen aber nicht die nach dem "ob", sondern nach dem "wie". Die nnz will in dieser kleinen Reihe mit Enthusiasten, Skeptikern und Technikern über die Fragen von heute und morgen sprechen, über Grüne Energie, Elektroautos und Verbrennungsmotoren. Den Anfang machen die Elektro-Enthusiasten von InTraSol...
Die Zukunft wird elektrisch und das nicht erst in ein paar Jahrzehnten, sondern schon bald. Da ist man sich bei der Firma InTraSol sicher. Das junge Unternehmen hat sich auf Elektromobilität spezialisiert und ist dank ihrem Carsharing Projekt "mobeno" im letzten Jahr immer wieder in den Schlagzeilen gewesen.
Die beiden Unternehmensgründer Sebastian Kupfer und Eric Benkenstein stehen der Idee vom elektrifizierten Straßenverkehr von Haus aus positiv gegenüber, in der breite der Gesellschaft herrscht hingegen noch viel Skepsis. Macht Elektromobilität überhaupt Sinn? Würde ein Boom der Elektrofahrzeuge nicht das Stromnetz an die Grenzen seiner Belastbarkeit bringen? Gerade im Winter? Was wird in der kalten Jahreszeit eigentlich aus der Reichweite? Und wo sollen all die neuen Fahrzeuge ihren Strom "tanken"? Wo die einen Chancen erkennen, sehen andere mögliches Chaos.
In Zukunft müssten die Stromnetze vor allem "smarter" werden. "Ein Stromkabel ist heute nur ein umwickelter Kupferdraht. Mit intelligenter Steuerungstechnik an den Endpunkten kann man Energieerzeugung und -verbrauch intelligenter gestalten und auch dezentrale Erzeuger in das Netz einbinden", erklärt Kupfer. Im Elektroauto sieht er hier auch eine ganz andere Chance - nicht nur als stromverbrauchender Gebrauchsgegenstand, sondern als Stromspeicher. "Es gibt da interessante Rechenbeispiele. Wenn Sie zwei Millionen Elektroautos auf den Straßen haben, dann entspricht das in etwa der Speicherkapazität aller Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland", erklärte der Ingenieur, mehr Elektromobilität könnte also nicht nur Be- sondern auch Entlastung für das Netz sein, wenn Fahrzeuge die gerade nicht unterwegs sind, Strom zwischenspeichern und bei Bedarf wieder in das Netz einspeisen.
Sebastian Kupfer und Eric Benkenstein stehen dem Thema Elektromobilität von Haus aus positiv gegenüber (Foto: Angelo Glashagel)
Bei den Bleiakkus früherer Tage habe es definitiv deutliche Leistungseinbrüche gegeben, die moderne Lithium-Ionen Technologie hingegen stecke niedrige Temperaturen deutlich besser weg, meint man bei InTraSol, auch wenn es natürlich weiter Verluste gebe. Bei Minus 10 Grad seien Leistungsverlust von 15 bis 20% realistisch. Wenn man nicht vorheizt.
Via Smartphone App ließen sich die Fahrzeuge schon im Stand vorwärmen, sind sie dabei noch an das Stromnetz angeschlossen, würde dabei auch die Reichweite nicht beeinträchtigt. Steuern lässt sich das ganze per App auf dem Telefon. "Wenn es kalt wird werden unsere Fahrzeuge ab 7:30 Uhr vortemperiert. Während alle anderen noch kratzen müssen, können unsere Kunden direkt losfahren", meinte Eric Benkenstein, ein Service für die Carsharing Kundschaft und auch ein kleiner, sichtbarer Werbegag für die Fahrzeuge der Firma.
Das die Infrastruktur bisher eher zu Wunschen übrig lässt, das sieht man auch bei den Elektro-Enthusiasten. Auf Deutschlands Autobahnen gebe es rund 350 Schnellladesäulen mit jeweils immer nur einem Anschluss. "Wenn zwei oder drei Leute ihr Fahrzeug laden wollen wird es schnell eng", sagt Kupfer. Man sehe sich hier seit langem einer Henne-Ei Diskussion gegenüber: ohne Ladenetz ist Elektromobilität nicht praktikabel, ohne Fahrzeuge ein Ladenetz nicht rentabel.
Dieses grundsätzliche Problem hat überhaupt erst zur Gründung der Nordhäuser Firma geführt. Man löst das Dilemma indem man beides macht: Fahrzeuge bereitstellen und Ladeinfrastruktur aufbauen. Nach Aussagen der Unternehmer läuft das Geschäft gut, rund 150 Kunden zählt man im Carsharing Bereich, an anderer Stelle ist die Expertise der Nordhäuser zunehmend gefragt. An fünf weiteren Standorten in Nordhausen wolle man im kommenden Jahr Stationen einrichten, mit je zwei Parkplätzen und Lademöglichkeiten, wobei immer ein Platz dem Carsharing vorbehalten sein soll.
Über die Region hinaus werde es in absehbarer Zukunft ebenso voran gehen, da ist man sich sicher. "Eine Schnellladestation bringt heute 50 kw. Da brauch man ungefähr eine halbe Stunde um die Akkus zu laden", erklärte Kupfer, "in fünf Jahren wird es Ladestationen mit 350 kw Leistung geben. Das ist das laden dann nur noch eine Sache von Minuten". Statt einzelnen Ladestationen könnte es dann Ladeparks geben. Das zweite "Riesenthema", gerade im Bereich Nutzfahrzeuge, werde die Brennstoffzelle. Reichweiten von 500 Kilometern und Tankpausen von wenigen Minuten verspreche die technische Entwicklung hier.
Sollte der Elektromobilität Erfolg beschieden sein, dann wird man auch in anderen Bereichen mit Veränderungen rechnen müssen. Für die Verbraucher könnte es günstiger werden, meint Kupfer, die Elektrofahrzeuge benötigen weniger Komponenten als etwa ein Dieselfahrzeug. Auf derlei Veränderungen müsse sich dann aber auch die Wirtschaft einstellen, gerade die Zuliefererbetriebe. Für Energielieferanten könnten sich auch nach dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) neue Absatzmöglichkeiten auf tun. Grundsätzlich müsse man sich von der Verschwendung verabschieden, meint Unternehmer Kupfer. "Ein Zwei-Tonnen-Fahrzeug für eine Person ist nicht mehr zeitgemäß, davon müssen wir wegkommen. Es wäre gut wenn wir stattdessen wieder mehr Ein- oder Zweisitzermodelle sehen würden".
Die junge Firma hat im letzten Jahr viele Unterstützer für ihre Ideen gefunden, von der Kirche bis zum Wohnungsbauunternehmen. Mit dabei ist seit neuestem auch die EVN. Der Energieversorger betreibt seit längerem Ladesäulen im Stadtgebiet, nun will man die eigene Kundschaft mit Sonderkonditionen verstärkt für die Elektromobilität gewinnen und wird deswegen das "mobeno" Projekt unterstützen.
Im Zuge dessen wird man heute Abend ab 18:30 Uhr im Energieservice-Centre der EVN in der Rautenstraße eine Informationsveranstaltung durchführen. Mit dabei ist dann auch Eric Benkenstein von InTraSol und steht Rede und Antwort in Sachen Elektromobilität.
Im nächsten Beitrag dieser Reihe wird die nnz einen genaueren Blick auf die technische Entwicklung werfen.
Angelo Glashagel
Autor: redDie Zukunft wird elektrisch und das nicht erst in ein paar Jahrzehnten, sondern schon bald. Da ist man sich bei der Firma InTraSol sicher. Das junge Unternehmen hat sich auf Elektromobilität spezialisiert und ist dank ihrem Carsharing Projekt "mobeno" im letzten Jahr immer wieder in den Schlagzeilen gewesen.
Die beiden Unternehmensgründer Sebastian Kupfer und Eric Benkenstein stehen der Idee vom elektrifizierten Straßenverkehr von Haus aus positiv gegenüber, in der breite der Gesellschaft herrscht hingegen noch viel Skepsis. Macht Elektromobilität überhaupt Sinn? Würde ein Boom der Elektrofahrzeuge nicht das Stromnetz an die Grenzen seiner Belastbarkeit bringen? Gerade im Winter? Was wird in der kalten Jahreszeit eigentlich aus der Reichweite? Und wo sollen all die neuen Fahrzeuge ihren Strom "tanken"? Wo die einen Chancen erkennen, sehen andere mögliches Chaos.
Das Stromnetz
Das deutsche Stromnetz arbeitet schon jetzt an der Grenze der Belastbarkeit, kommen tausende oder gar Millionen von Elektroautos dazu, droht der Kollaps - diesem Horrorszenario mag Sebastian Kupfer nicht folgen, zieht stattdessen den Vergleich zur "Staubsaugerapokalypse". Als die Haushaltsgeräte in Mode kamen hätte man sich auch Sorgen um die Stabilität des Netzes gemacht, grundlos, wie sich gezeigt habe. Heute sei die Technik effizienter, das Stromnetz weiter, Deutschland sogar einer der größten Stromexporteure.In Zukunft müssten die Stromnetze vor allem "smarter" werden. "Ein Stromkabel ist heute nur ein umwickelter Kupferdraht. Mit intelligenter Steuerungstechnik an den Endpunkten kann man Energieerzeugung und -verbrauch intelligenter gestalten und auch dezentrale Erzeuger in das Netz einbinden", erklärt Kupfer. Im Elektroauto sieht er hier auch eine ganz andere Chance - nicht nur als stromverbrauchender Gebrauchsgegenstand, sondern als Stromspeicher. "Es gibt da interessante Rechenbeispiele. Wenn Sie zwei Millionen Elektroautos auf den Straßen haben, dann entspricht das in etwa der Speicherkapazität aller Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland", erklärte der Ingenieur, mehr Elektromobilität könnte also nicht nur Be- sondern auch Entlastung für das Netz sein, wenn Fahrzeuge die gerade nicht unterwegs sind, Strom zwischenspeichern und bei Bedarf wieder in das Netz einspeisen.
Sebastian Kupfer und Eric Benkenstein stehen dem Thema Elektromobilität von Haus aus positiv gegenüber (Foto: Angelo Glashagel)
Der Winter naht!
Die kalte Jahreszeit kommt und die Fahrer von Elektroautos müssen zittern, womöglich sogar wortwörtlich. Denn wer viel heizt, der verbraucht Energie und das verringert die Reichweite. Also lieber Kaltstart, sonst geht dem Elektrofahrzeug bald die Puste aus.Bei den Bleiakkus früherer Tage habe es definitiv deutliche Leistungseinbrüche gegeben, die moderne Lithium-Ionen Technologie hingegen stecke niedrige Temperaturen deutlich besser weg, meint man bei InTraSol, auch wenn es natürlich weiter Verluste gebe. Bei Minus 10 Grad seien Leistungsverlust von 15 bis 20% realistisch. Wenn man nicht vorheizt.
Via Smartphone App ließen sich die Fahrzeuge schon im Stand vorwärmen, sind sie dabei noch an das Stromnetz angeschlossen, würde dabei auch die Reichweite nicht beeinträchtigt. Steuern lässt sich das ganze per App auf dem Telefon. "Wenn es kalt wird werden unsere Fahrzeuge ab 7:30 Uhr vortemperiert. Während alle anderen noch kratzen müssen, können unsere Kunden direkt losfahren", meinte Eric Benkenstein, ein Service für die Carsharing Kundschaft und auch ein kleiner, sichtbarer Werbegag für die Fahrzeuge der Firma.
Chaos an der Tankstelle
Elektromobilität ist unpraktisch. Mal eben anhalten und tanken geht nicht, man muss warten bis sich die Akkus wieder aufgeladen haben und das dauert seine Zeit. Erst recht wenn jemand anderes die wenigen vorhandenen "Zapfsäulen" belegt. Nimmt die Zahl der Elektrofahrzeuge zu, ist das Chaos vorprogrammiert.Das die Infrastruktur bisher eher zu Wunschen übrig lässt, das sieht man auch bei den Elektro-Enthusiasten. Auf Deutschlands Autobahnen gebe es rund 350 Schnellladesäulen mit jeweils immer nur einem Anschluss. "Wenn zwei oder drei Leute ihr Fahrzeug laden wollen wird es schnell eng", sagt Kupfer. Man sehe sich hier seit langem einer Henne-Ei Diskussion gegenüber: ohne Ladenetz ist Elektromobilität nicht praktikabel, ohne Fahrzeuge ein Ladenetz nicht rentabel.
Dieses grundsätzliche Problem hat überhaupt erst zur Gründung der Nordhäuser Firma geführt. Man löst das Dilemma indem man beides macht: Fahrzeuge bereitstellen und Ladeinfrastruktur aufbauen. Nach Aussagen der Unternehmer läuft das Geschäft gut, rund 150 Kunden zählt man im Carsharing Bereich, an anderer Stelle ist die Expertise der Nordhäuser zunehmend gefragt. An fünf weiteren Standorten in Nordhausen wolle man im kommenden Jahr Stationen einrichten, mit je zwei Parkplätzen und Lademöglichkeiten, wobei immer ein Platz dem Carsharing vorbehalten sein soll.
Über die Region hinaus werde es in absehbarer Zukunft ebenso voran gehen, da ist man sich sicher. "Eine Schnellladestation bringt heute 50 kw. Da brauch man ungefähr eine halbe Stunde um die Akkus zu laden", erklärte Kupfer, "in fünf Jahren wird es Ladestationen mit 350 kw Leistung geben. Das ist das laden dann nur noch eine Sache von Minuten". Statt einzelnen Ladestationen könnte es dann Ladeparks geben. Das zweite "Riesenthema", gerade im Bereich Nutzfahrzeuge, werde die Brennstoffzelle. Reichweiten von 500 Kilometern und Tankpausen von wenigen Minuten verspreche die technische Entwicklung hier.
Sollte der Elektromobilität Erfolg beschieden sein, dann wird man auch in anderen Bereichen mit Veränderungen rechnen müssen. Für die Verbraucher könnte es günstiger werden, meint Kupfer, die Elektrofahrzeuge benötigen weniger Komponenten als etwa ein Dieselfahrzeug. Auf derlei Veränderungen müsse sich dann aber auch die Wirtschaft einstellen, gerade die Zuliefererbetriebe. Für Energielieferanten könnten sich auch nach dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) neue Absatzmöglichkeiten auf tun. Grundsätzlich müsse man sich von der Verschwendung verabschieden, meint Unternehmer Kupfer. "Ein Zwei-Tonnen-Fahrzeug für eine Person ist nicht mehr zeitgemäß, davon müssen wir wegkommen. Es wäre gut wenn wir stattdessen wieder mehr Ein- oder Zweisitzermodelle sehen würden".
Die junge Firma hat im letzten Jahr viele Unterstützer für ihre Ideen gefunden, von der Kirche bis zum Wohnungsbauunternehmen. Mit dabei ist seit neuestem auch die EVN. Der Energieversorger betreibt seit längerem Ladesäulen im Stadtgebiet, nun will man die eigene Kundschaft mit Sonderkonditionen verstärkt für die Elektromobilität gewinnen und wird deswegen das "mobeno" Projekt unterstützen.
Im Zuge dessen wird man heute Abend ab 18:30 Uhr im Energieservice-Centre der EVN in der Rautenstraße eine Informationsveranstaltung durchführen. Mit dabei ist dann auch Eric Benkenstein von InTraSol und steht Rede und Antwort in Sachen Elektromobilität.
Im nächsten Beitrag dieser Reihe wird die nnz einen genaueren Blick auf die technische Entwicklung werfen.
Angelo Glashagel


