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Mo, 15:25 Uhr
09.10.2017
NACH EINER DISKUSSIONSRUNDE IM LANDRATSAMT

Ein Plädoyer für die Dorfchronik

Chroniken sind eine Form der Geschichtsschreibung. Sie speichern Wissen über eine längst vergangene Zeit und halten die Gegenwart fest. In den ländlichen Gemeinden gibt es leider nur wenige gute Beispiele für eine kontinuierliche Geschichtsforschung, zudem werde eine Darstellung der Ortsgeschichte im Internet selten genutzt...

Nordhausen. Chroniken sollten wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten. Auch im kleinsten Ort. Das ergab eine Diskussionsrunde mit der nnz im Landratsamt und den Experten Hubert Rein, Hans-Jürgen Grönke und Jürgen Wolter. Rein ist im Landratsamt beschäftigt, Grönke war langjähriger Stadtarchivar und leitet heute den Geschichts -und Altertumsverein, Wolter ist Computer-Experte, gestaltet die Ortschronik Wolkramshausen.

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Es habe Zeiten gegeben, da erfuhr die Chronik gesetzlich eine Auferstehung. Die Volkskammer der DDR hatte 1975 ein Gesetz erlassen, wonach Chroniken unter anderem in den Städten und Gemeinden zu führen waren. Hubert Rein, im damaligen Rat des Kreises für die Denkmalpflege zuständig, erinnert sich: Die Koordinierung der umfangreichen Arbeit oblag der Abteilung Kultur des Rates des Kreises, die seinerzeit Kurt Wilke leitete.

Demnach hatte jede Gemeinde einen geeigneten Bürger ausfindig zu machen und ihn mit dieser Aufgabe zu betrauen. Anliegen war, Vergangenes zu erforschen, aufzuschreiben, Gegenwart erlebbar zu machen und auch Zukünftiges in Betracht zu ziehen. Mitarbeiter der Abteilung Kultur nahmen sich der ehrenamtlichen Chronisten an. Auch Hubert Rein half bei der Umsetzung der Aufgaben. Die Ehrenamtlichen erhielten für ihr Forschen und Schreiben eine Aufwandsentschädigung.

Bis 1989 erfolgte diese Geschichtsschreibung mit ordentlichen Ergebnissen und anspruchsvollen Publikationen. Erstellt werden konnte unter anderem eine Liste über Denkmale im Landkreis. Erforscht wurde die Geschichte der Pfeilerbasilika in Großlohra. Flächendeckend – in jedem Ort - habe es einen Chronisten gegeben, sagt Rein.

Expertenrunde, von links: Jürgen Wolter, Hubert Rein, Hans-Jürgen Grönke. Sie plädieren für eine Renaissance der Dorfchroniken (Foto: Kurt Frank) Expertenrunde, von links: Jürgen Wolter, Hubert Rein, Hans-Jürgen Grönke. Sie plädieren für eine Renaissance der Dorfchroniken (Foto: Kurt Frank)

Expertenrunde, von links: Jürgen Wolter, Hubert Rein, Hans-Jürgen Grönke. Sie plädieren für eine Renaissance der Dorfchroniken. Foto: Kurt Frank

Nach der Wende endete die staatliche Leitungsstruktur für alle Ortschronisten. Was sie zu Papier brachten, blieb in ihrem Besitz. Andere, die über viele Jahre leidenschaftlich bei der Sache waren, forschten und schrieben weiter. So wie Otto Pabst aus Hainrode. Der 90-Jährige sitzt heute noch am Computer. Was er zusammenträgt, kommt auch dem Heimat -und Museumsverein Hainrode zugute und findet sich auf dessen Internetseite wider, gestaltet von Gudrun Zeitler und ihrem Team.

Eine flächendeckende Geschichtsforschung in den Dörfern erfolge gegenwärtig im Landkreis Nordhausen nicht mehr, bedauern Rein, Grönke und Wolter. Lobend heben sie die vier Städte im Kreis hervor, die, über entsprechend gute Voraussetzungen verfügend, sich im Internet anschaulich darstellten. Neben Hainrode kann der Internetnutzer Wissenswertes auch über Wolkramshausen erfahren. Dennoch sind es nur wenige Beispiele, die auf eine kontinuierliche Geschichtsforschung schließen lassen.

tto Pabst aus Hainrode ist Ortschronist aus Leidenschaft. Im Bild links im Gespräch mit dem langjährigen Stadtverordneten Helmut Bornkessel (Foto: Kurt Frank) tto Pabst aus Hainrode ist Ortschronist aus Leidenschaft. Im Bild links im Gespräch mit dem langjährigen Stadtverordneten Helmut Bornkessel (Foto: Kurt Frank)

Otto Pabst aus Hainrode ist Ortschronist aus Leidenschaft. Im Bild links im Gespräch mit dem langjährigen Stadtverordneten Helmut Bornkessel. Foto: privat

Ergebnisse liegen aber vor. Mit der nach der Wende verbundenen Arbeitslosigkeit hierzulande gab es befristete ABM-Stellen durch die zuständigen Arbeitsämter. Entsprechend geeignete Personen erhielten eine dreijährige Tätigkeit, sich unter anderem auch mit Geschichtsforschung und -schreibung zu befassen. Die Ergebnisse können sich in vielen Dörfern sehen lassen. Leider schlummern sie im stillen Kämmerlein. Von der Darstellung der Ortsgeschichte im Internet ganz zu schweigen.

Hans-Jürgen Grönke unterbreitete einen Vorschlag, der nicht von der Hand zu weisen ist: Landrat und Oberbürgermeister der Stadt sollten jemanden in ihren Verwaltungen beauftragen, die Bürgermeister der einzelnen Landgemeinden anzuschreiben mit der Bitte, die Personen einzuladen, die bereits in den Orten chronistisch aktiv waren, und auch solche, die Interesse hätten. In einer zentralen Zusammenkunft im Landratsamt oder anderswo geben dann Experten Anregungen. Das, lehre die Erfahrung, habe in der Vergangenheit Früchte getragen. Chroniken müssten weiter geschrieben und neue erstellt werden, unterstreicht Grönke.

Auch Inge Schieke aus Günzerode hatte akribisch Geschichte der kleinen Gemeinde erforscht, mit Bildern untermauert und zu Papier gebracht. Die Arbeit ruht in der Schublade, wird nur zu Jubiläen oder Feierlichkeiten genutzt. Ins Internet zu stellen, fehlen wohl auch Kenntnisse. Computer-Mann Jürgen Wolter aus Wolkramshausen wäre bereit zu helfen. Ein Anruf – 03633450577 – genügt. E-Mail: wolter@wernrode.de Gerold Reinhardt, der örtliche Bürgermeister, wäre gut beraten, sich um die Sache zu kümmern.
Kurt Frank
Autor: red

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