Fr, 12:07 Uhr
17.08.2001
Kirchensanierung kostet fünf Millionen
Nordhausen (nnz). Die Rettung und Sanierung der Blasii-Kirche steht momentan im Mittelpunkt des Lebens der Blasii-Gemeinde in Nordhausen. Über die gegenwärtigen Zustand und die Zukunft des Gotteshauses hat sich nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg mit der Baupflegerin Elke Bergt und mit dem Kreiskatechet i.R. Herbert Gerhardt unterhalten.
nnz: Frau Bergt, warum wurde erst im Zuge des Gastspiels von Ivan Rebroff der desolate bauliche Zustand der Blasii-Kirche entdeckt?
Elke Bergt: Die Schäden an der Blasii-Kirche sind seit längerem bekannt. Es wurden auch schon Maßnahmen in Angriff genommen, um erste Sicherungen durchzuführen. In Vorbereitung des Ivan-Rebroff-Konzerts hat nochmals eine Besichtigung mit dem Bauordnungsamt der Stadt stattgefunden. Bei dieser Besichtigung stellte sich heraus, daß der Zustand der Kirche inzwischen so schlecht ist, daß die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Das hat das Bauordnungsamt veranlaßt, die Kirche für alle Veranstaltungen zu sperren.
nnz: Wer hat die Schäden festgestellt und und auf wessen Veranlassung hin?
Elke Bergt: Zu den Schäden an dem Gebäude ist bereits im Frühjahr 2001 von der Kirchgemeinde St. Blasii ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben worden. Wir erwarten noch in diesem Monat dieses Konzept.
nnz: Welches Architektenbüro ist verantwortlich für die Schadenserfassung und die Festlegung der Sanierungsmaßnahmen?
Elke Bergt: Das verantwortliche Architekturbüro ist das Büro Geselle-Hardt-Scheler in Erfurt, das schon seit Jahren Kirchensanierung betreibt. Das Büro erstellt ein Konzept, das aus den Teilen Schadenserfassung und Sanierungsmaßnahmen besteht.
nnz: Herr Gerhardt, Sie waren über 30 Jahre Mitglied des Gemeindekirchrates von St. Blasii und haben mehrere Sanierungsmaßnahmen an dem Gebäude miterlebt. Können Sie dazu etwas sagen?
Herbert Gerhardt: Eigentlich hat uns schon über die Jahrzehnte hin der bauliche Zustand Kirche fortwährend Sorgen bereitet. Im Jahre 1949, als die Kirche wieder aufgebaut wurde, standen uns nicht die entsprechenden Kupfernägel zur Verfügung, waren wir gezwungen Eisenspritzgußnägel zu verwenden. Bereits nach zehn Jahren fielen die ersten Schieferplatten vom Dach. Erst in den siebziger Jahren konnten für das Dach und die Türme Kupfernägel beschafft und die Reparatur durchgeführt werden. Das größte Problem entstand dann Anfang der achtziger Jahre, als wir feststellten, daß das ganze Fundament in Bewegung war. Wolfgang Hartmann, der zu dieser Zeit die Außenstelle des kirchlichen Bauamtes in Nordhausen leitete, hatte sich mit Fachleuten beraten, was zu tun sei. Es wurde uns empfohlen, das Fundament mit einem Spezialzement zu verpressen. Der Schachtbau Nordhausen führte die Injektion aus. Niemand ahnte damals, welche Auswirkungen die Verpressung von Zement mit Kalk auf das Gebäude hat.
nnz: Besteht schon ein Konzept für die dringendsten Baumaßnahmen?
Herbert Gerhardt: Wir haben einen ersten Bauabschnitt festgelegt. Das wird die Sicherung und Instandsetzung des Daches zusammen mit der Sicherung der Gewölbekappen sein. Als nächster Abschnitt erfolgt dann die Instandsetzung der Mauer. Noch in diesem Jahr sollen die dringendst notwendigen Arbeiten durchgeführt werden. So müssen wir uns unbedingt um die Abführung des Regenwassers vom Blasiikirchplatz kümmern und die vorhandenen Risse im Mauerwerk müssen zumindest erst einmal provisorisch geschlossen werden, damit im Winter nicht noch mehr Wasser eindringt und die Schäden nicht noch größere Ausmaße annehmen.
nnz: Woher soll das Geld für die Sanierung der Kirche kommen?
Herbert Gerhardt: Da wir voraussichtlich für die Gesamtsanierung vier bis fünf Millionen Mark brauchen, ist es klar, daß die St. Blasii-Gemeinde die finanziellen Mittel nie allein aufbringen kann. Darum sind wir auf Fördermittel angewiesen. Wir haben Kontakt aufgenommen zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz, zu verschiedenen anderen Stiftungen und wir werden uns um Städtebau-Fördermittel bemühen.
nnz: Die Bevölkerung zum Spenden aufrufen ist die eine Seite, die Aktivitäten der Kirche die andere. Gibt es diesbezüglich schon Gedanken?
Herbert Gerhardt: Es sind schon alle Kontakte zur Landeskirche hergestellt, um an innerkirchliche Mittel zu gelangen. Wir bemühen uns, auch über die Gesamtkirche (EKD) finanzielle Hilfe zu bekommen. Aber bis jetzt haben wir noch keine definitiven Zusagen.
nnz: Wie hat sich die Stadt zu dem Problem Blasii-Kirche positioniert?
Herbert Gerhardt: Sofort nach Bekanntwerden der Probleme hat sich die Oberbürgermeisterin Rinke bereiterklärt, sich aktiv für die Blasii-Kirche einzusetzen. Ich bin überzeugt, daß sie das sehr nachdrücklich bei der Landesregierung tun wird, um dort die Wichtigkeit der Sanierungsmaßnahmen deutlich zu machen. Des weiteren wird sich Frau Rinke in ihrer Funktion als Synodale für unser Anliegen stark machen.
nnz: Ein abschließendes Wort zur Spendenbereitschaft der Bürger Nordhausen, des Landkreises und überregional?
Herbert Gerhardt: Für Kirchen zu spenden hat in Nordhausen schon eine gewisse Tradition. Zum Beispiel die St. Jakobi-Kirche ist unter Friedrich Christian Lesser vor allem von Spenden finanziert worden. Nach dem 2. Weltkrieg ist die Justus-Jonas-Kirche am Stadtrand von Nordhausen entstanden und für den Bau sind enorme Spendengelder zusammengekommen. Selbst zur Erhaltung der Blasii-Kirche sind seit den sechsziger Jahren immer wieder großzügige Spenden eingegangen. Mir ist vom Gemeindepfarrer, Herrn Peter Lipski, bekannt, daß die Spendenbereitschaft sehr groß ist. Dafür herzlichen Dank. Uns freut auch, daß Landtagsabgeordnete ihre aktive Unterstützung zugesagt haben.
nnz: Wir bedanken uns für das Gespräch
Autor: nnznnz: Frau Bergt, warum wurde erst im Zuge des Gastspiels von Ivan Rebroff der desolate bauliche Zustand der Blasii-Kirche entdeckt?
Elke Bergt: Die Schäden an der Blasii-Kirche sind seit längerem bekannt. Es wurden auch schon Maßnahmen in Angriff genommen, um erste Sicherungen durchzuführen. In Vorbereitung des Ivan-Rebroff-Konzerts hat nochmals eine Besichtigung mit dem Bauordnungsamt der Stadt stattgefunden. Bei dieser Besichtigung stellte sich heraus, daß der Zustand der Kirche inzwischen so schlecht ist, daß die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Das hat das Bauordnungsamt veranlaßt, die Kirche für alle Veranstaltungen zu sperren.
nnz: Wer hat die Schäden festgestellt und und auf wessen Veranlassung hin?
Elke Bergt: Zu den Schäden an dem Gebäude ist bereits im Frühjahr 2001 von der Kirchgemeinde St. Blasii ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben worden. Wir erwarten noch in diesem Monat dieses Konzept.
nnz: Welches Architektenbüro ist verantwortlich für die Schadenserfassung und die Festlegung der Sanierungsmaßnahmen?
Elke Bergt: Das verantwortliche Architekturbüro ist das Büro Geselle-Hardt-Scheler in Erfurt, das schon seit Jahren Kirchensanierung betreibt. Das Büro erstellt ein Konzept, das aus den Teilen Schadenserfassung und Sanierungsmaßnahmen besteht.
nnz: Herr Gerhardt, Sie waren über 30 Jahre Mitglied des Gemeindekirchrates von St. Blasii und haben mehrere Sanierungsmaßnahmen an dem Gebäude miterlebt. Können Sie dazu etwas sagen?
Herbert Gerhardt: Eigentlich hat uns schon über die Jahrzehnte hin der bauliche Zustand Kirche fortwährend Sorgen bereitet. Im Jahre 1949, als die Kirche wieder aufgebaut wurde, standen uns nicht die entsprechenden Kupfernägel zur Verfügung, waren wir gezwungen Eisenspritzgußnägel zu verwenden. Bereits nach zehn Jahren fielen die ersten Schieferplatten vom Dach. Erst in den siebziger Jahren konnten für das Dach und die Türme Kupfernägel beschafft und die Reparatur durchgeführt werden. Das größte Problem entstand dann Anfang der achtziger Jahre, als wir feststellten, daß das ganze Fundament in Bewegung war. Wolfgang Hartmann, der zu dieser Zeit die Außenstelle des kirchlichen Bauamtes in Nordhausen leitete, hatte sich mit Fachleuten beraten, was zu tun sei. Es wurde uns empfohlen, das Fundament mit einem Spezialzement zu verpressen. Der Schachtbau Nordhausen führte die Injektion aus. Niemand ahnte damals, welche Auswirkungen die Verpressung von Zement mit Kalk auf das Gebäude hat.
nnz: Besteht schon ein Konzept für die dringendsten Baumaßnahmen?
Herbert Gerhardt: Wir haben einen ersten Bauabschnitt festgelegt. Das wird die Sicherung und Instandsetzung des Daches zusammen mit der Sicherung der Gewölbekappen sein. Als nächster Abschnitt erfolgt dann die Instandsetzung der Mauer. Noch in diesem Jahr sollen die dringendst notwendigen Arbeiten durchgeführt werden. So müssen wir uns unbedingt um die Abführung des Regenwassers vom Blasiikirchplatz kümmern und die vorhandenen Risse im Mauerwerk müssen zumindest erst einmal provisorisch geschlossen werden, damit im Winter nicht noch mehr Wasser eindringt und die Schäden nicht noch größere Ausmaße annehmen.
nnz: Woher soll das Geld für die Sanierung der Kirche kommen?
Herbert Gerhardt: Da wir voraussichtlich für die Gesamtsanierung vier bis fünf Millionen Mark brauchen, ist es klar, daß die St. Blasii-Gemeinde die finanziellen Mittel nie allein aufbringen kann. Darum sind wir auf Fördermittel angewiesen. Wir haben Kontakt aufgenommen zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz, zu verschiedenen anderen Stiftungen und wir werden uns um Städtebau-Fördermittel bemühen.
nnz: Die Bevölkerung zum Spenden aufrufen ist die eine Seite, die Aktivitäten der Kirche die andere. Gibt es diesbezüglich schon Gedanken?
Herbert Gerhardt: Es sind schon alle Kontakte zur Landeskirche hergestellt, um an innerkirchliche Mittel zu gelangen. Wir bemühen uns, auch über die Gesamtkirche (EKD) finanzielle Hilfe zu bekommen. Aber bis jetzt haben wir noch keine definitiven Zusagen.
nnz: Wie hat sich die Stadt zu dem Problem Blasii-Kirche positioniert?
Herbert Gerhardt: Sofort nach Bekanntwerden der Probleme hat sich die Oberbürgermeisterin Rinke bereiterklärt, sich aktiv für die Blasii-Kirche einzusetzen. Ich bin überzeugt, daß sie das sehr nachdrücklich bei der Landesregierung tun wird, um dort die Wichtigkeit der Sanierungsmaßnahmen deutlich zu machen. Des weiteren wird sich Frau Rinke in ihrer Funktion als Synodale für unser Anliegen stark machen.
nnz: Ein abschließendes Wort zur Spendenbereitschaft der Bürger Nordhausen, des Landkreises und überregional?
Herbert Gerhardt: Für Kirchen zu spenden hat in Nordhausen schon eine gewisse Tradition. Zum Beispiel die St. Jakobi-Kirche ist unter Friedrich Christian Lesser vor allem von Spenden finanziert worden. Nach dem 2. Weltkrieg ist die Justus-Jonas-Kirche am Stadtrand von Nordhausen entstanden und für den Bau sind enorme Spendengelder zusammengekommen. Selbst zur Erhaltung der Blasii-Kirche sind seit den sechsziger Jahren immer wieder großzügige Spenden eingegangen. Mir ist vom Gemeindepfarrer, Herrn Peter Lipski, bekannt, daß die Spendenbereitschaft sehr groß ist. Dafür herzlichen Dank. Uns freut auch, daß Landtagsabgeordnete ihre aktive Unterstützung zugesagt haben.
nnz: Wir bedanken uns für das Gespräch

