Fr, 11:30 Uhr
29.10.2004
Ein berühmter Sohn Heringens wird 150
Nordhausen (nnz). Seine Bilder sind künstlerische Zeugnisse einer schillernden Epoche, in die er mit seiner Neigung zum Mystizismus und seiner ausgeprägten Faszination für die germanische Mythologie hervorragend hinein passt. Die Rede ist von Hermann Hendrich, dessen 150. Geburtstag am Wochenende in Thale groß begangen wird.
Ein berühmter Sohn Heringens wird 150 (Foto: nnz)
Ich denke an meinen Geburtsort Heringen, wo ich am 31. Oktober 1854 geboren bin, wo ich schon als kleines Kind einen tiefen Eindruck von dem alten Schloss empfing, wo meine Großmutter die Harzmärchen und vom Hexenspuk in der Walpurgisnacht auf dem Brocken erzählte – wohl die erste Anregung für mein späteres Schaffen, schieb einst Hermann Hendrich, dessen 150. Geburtstag man am Wochenende in Thale mit mehreren Veranstaltungen begeht. Nur in seinem Heimatort scheint der große Künstler, der seinen Geburtsort durch sein künstlerisches Schaffen in die Welt trug, vergessen. Lediglich eine Tafel an Geburtshaus in der Straße der Einheit 22 erinnert derzeit in Heringen an den berühmten Sohn der Stadt.
Das Geburtshaus war einst das Oberbackhaus in Heringen. Nachdem es 1590 bei einem Brand ein Raub der Flammen geworden war, wurde es wieder aufgebaut. Durch eine weitere Feuersbrunst im Jahr 1727 fiel das Haus wiederum in Schutt und Asche, wurde aber sofort wieder errichtet. 1847 erwarb der Oberbäcker August Hendrich, der die Bäckerei bereits seit 1838 in Pacht hatte, das Gebäude. Dort erblickte Sohn Hermann am 31. Oktober 1854 morgens um 2 Uhr das Licht der Welt. Da die Einnahmen aus dem Geschäft immer weniger wurden, verkaufte Vater August 1859 das Grundstück und übernahm die Wippermühle in Kleinfurra.
Hier in Kleinfurra machte ich meine ersten schüchternen Schritte ins Reich der Kunst, indem ich alles kopierte und zeichnete, was mir vors Gesicht kam. Das Leben in der herrlichen Natur, die Wanderungen in der großartigen Harzlandschaft mit ihren von Märchen und Sagen umwobenen Ruinen, Felsen nnd Höhlen haben naturgemäß meine ganze künstlerische Entwicklung stark beeinflusst, so Hermann Hendrich in seinen Jugenderinnerungen.
Nach der Lehre bei Theodor Müller in Nordhausen ging er 1872 nach Hannover, wo er für eine Lampenfabrik einen Katalog zeichnete. In der großen Stadt besuchte er die Wagner-Aufführung Tannhäuser, die ihn nachhaltig inspirierte. In Hermann Hendrich wuchs der Wunsch, diese Musik zeichnerisch darstellen zu können. Die Kunstanstalt in Berlin (1875), eine Studienreise nach Norwegen (1876) und eine Anstellung als Zeichner in Amsterdam (1878) waren weitere Stationen des Heringers in seinem künstlerischen Entwicklung. 1882 heiratete er Clara Becker. Auf der anschließenden Hochzeitsreise nach Auburn (USA) präsentierte der junge Maler seine Gemälde erstmals der Öffentlichkeit auf einer Ausstellung. Die folgenden Jahre gelten als die fruchtbarsten im Schaffen von Hermann Hendrich. In München malte er fünf große Landschaftsbilder mit Motiven aus der Beowulfsage (1885). Auf der Jubiläumsausstellung der Königlichen Akademie der Künste war er mit dem Gemälde Am Meer vertreten. Seine große Stunde kam, als 1889 der Kaiser auf ihn aufmerksam wurde. Der Monarch bestellte bei Hendrich ein Bild mit dem Titel Atlantis. Der Heringer Künstler wurde berühmt. Auf zahlreichen Ausstellungen in Berlin und München verzückte er die kunstinteressierte und verwöhnte Fachwelt mit seinen phantasievollen und ausdrucksstarken Bildern.
1901 wurde in Anwesenheit des Staatsministers von Böttcher auf dem Hexentanzplatz in Thale die Walpurgishalle eingeweiht. Dieser Moment empfand Hendrich selbst als persönlicher Höhepunkt seiner Lebens- und Schaffensfreudigkeit. 1910 wurde ihm der Professorentitel verliehen. Am 24. Oktober 1924 feierte der große Künstler in den Vier Jahreszeiten in Berlin mit Freunden und Kunstinteressierten seinen 70. Geburtstag. Fast zeitgleich enthüllte man in seiner Geburtsstadt Heringen die Erinnerungstafel an seinem Geburthaus. 1929 ernannte ihn die Stadt Thale zum Ehrenbürger. Im gleichen Jahr fand in Berlin eine Ausstellung anlässlich seines 75. Geburtstages statt. Danach nahm das öffentliche Interesse an Hendrichs Werken stark ab. Neue Kunstrichtungen prägten die Zeit, der Hendrich jedoch sehr skeptisch gegenüberstand. 1931 eröffnete man im Roten Rathaus in Berlin noch eine Ausstellung seiner Werke. Am 18. Juli 1931 kam Hermann Hendrich in Schreiberau bei einem Unfall ums Leben.
In Heringen wird Bürgermeister Fritz Helbing in der nächsten Stadtratssitzung den Vorschlag einbringen, eine Straße nach dem großen Sohn der Stadt zu benennen. Wird der Vorschlag angenommen, würde man Hermann Hendrich in seiner Geburtsstadt endlich die Ehre zuteil werden lassen, die dem großen Künstler gebührt.
Autor: rh
Ein berühmter Sohn Heringens wird 150 (Foto: nnz)
Ich denke an meinen Geburtsort Heringen, wo ich am 31. Oktober 1854 geboren bin, wo ich schon als kleines Kind einen tiefen Eindruck von dem alten Schloss empfing, wo meine Großmutter die Harzmärchen und vom Hexenspuk in der Walpurgisnacht auf dem Brocken erzählte – wohl die erste Anregung für mein späteres Schaffen, schieb einst Hermann Hendrich, dessen 150. Geburtstag man am Wochenende in Thale mit mehreren Veranstaltungen begeht. Nur in seinem Heimatort scheint der große Künstler, der seinen Geburtsort durch sein künstlerisches Schaffen in die Welt trug, vergessen. Lediglich eine Tafel an Geburtshaus in der Straße der Einheit 22 erinnert derzeit in Heringen an den berühmten Sohn der Stadt.Das Geburtshaus war einst das Oberbackhaus in Heringen. Nachdem es 1590 bei einem Brand ein Raub der Flammen geworden war, wurde es wieder aufgebaut. Durch eine weitere Feuersbrunst im Jahr 1727 fiel das Haus wiederum in Schutt und Asche, wurde aber sofort wieder errichtet. 1847 erwarb der Oberbäcker August Hendrich, der die Bäckerei bereits seit 1838 in Pacht hatte, das Gebäude. Dort erblickte Sohn Hermann am 31. Oktober 1854 morgens um 2 Uhr das Licht der Welt. Da die Einnahmen aus dem Geschäft immer weniger wurden, verkaufte Vater August 1859 das Grundstück und übernahm die Wippermühle in Kleinfurra.
Hier in Kleinfurra machte ich meine ersten schüchternen Schritte ins Reich der Kunst, indem ich alles kopierte und zeichnete, was mir vors Gesicht kam. Das Leben in der herrlichen Natur, die Wanderungen in der großartigen Harzlandschaft mit ihren von Märchen und Sagen umwobenen Ruinen, Felsen nnd Höhlen haben naturgemäß meine ganze künstlerische Entwicklung stark beeinflusst, so Hermann Hendrich in seinen Jugenderinnerungen.
Nach der Lehre bei Theodor Müller in Nordhausen ging er 1872 nach Hannover, wo er für eine Lampenfabrik einen Katalog zeichnete. In der großen Stadt besuchte er die Wagner-Aufführung Tannhäuser, die ihn nachhaltig inspirierte. In Hermann Hendrich wuchs der Wunsch, diese Musik zeichnerisch darstellen zu können. Die Kunstanstalt in Berlin (1875), eine Studienreise nach Norwegen (1876) und eine Anstellung als Zeichner in Amsterdam (1878) waren weitere Stationen des Heringers in seinem künstlerischen Entwicklung. 1882 heiratete er Clara Becker. Auf der anschließenden Hochzeitsreise nach Auburn (USA) präsentierte der junge Maler seine Gemälde erstmals der Öffentlichkeit auf einer Ausstellung. Die folgenden Jahre gelten als die fruchtbarsten im Schaffen von Hermann Hendrich. In München malte er fünf große Landschaftsbilder mit Motiven aus der Beowulfsage (1885). Auf der Jubiläumsausstellung der Königlichen Akademie der Künste war er mit dem Gemälde Am Meer vertreten. Seine große Stunde kam, als 1889 der Kaiser auf ihn aufmerksam wurde. Der Monarch bestellte bei Hendrich ein Bild mit dem Titel Atlantis. Der Heringer Künstler wurde berühmt. Auf zahlreichen Ausstellungen in Berlin und München verzückte er die kunstinteressierte und verwöhnte Fachwelt mit seinen phantasievollen und ausdrucksstarken Bildern.
1901 wurde in Anwesenheit des Staatsministers von Böttcher auf dem Hexentanzplatz in Thale die Walpurgishalle eingeweiht. Dieser Moment empfand Hendrich selbst als persönlicher Höhepunkt seiner Lebens- und Schaffensfreudigkeit. 1910 wurde ihm der Professorentitel verliehen. Am 24. Oktober 1924 feierte der große Künstler in den Vier Jahreszeiten in Berlin mit Freunden und Kunstinteressierten seinen 70. Geburtstag. Fast zeitgleich enthüllte man in seiner Geburtsstadt Heringen die Erinnerungstafel an seinem Geburthaus. 1929 ernannte ihn die Stadt Thale zum Ehrenbürger. Im gleichen Jahr fand in Berlin eine Ausstellung anlässlich seines 75. Geburtstages statt. Danach nahm das öffentliche Interesse an Hendrichs Werken stark ab. Neue Kunstrichtungen prägten die Zeit, der Hendrich jedoch sehr skeptisch gegenüberstand. 1931 eröffnete man im Roten Rathaus in Berlin noch eine Ausstellung seiner Werke. Am 18. Juli 1931 kam Hermann Hendrich in Schreiberau bei einem Unfall ums Leben.
In Heringen wird Bürgermeister Fritz Helbing in der nächsten Stadtratssitzung den Vorschlag einbringen, eine Straße nach dem großen Sohn der Stadt zu benennen. Wird der Vorschlag angenommen, würde man Hermann Hendrich in seiner Geburtsstadt endlich die Ehre zuteil werden lassen, die dem großen Künstler gebührt.

