Do, 13:01 Uhr
28.10.2004
Briefe aus Bad Schandau (3)
Nordhausen (nnz). Wohl kaum ein Wort ist in diesem Jahr nach Hartz IV so strapaziert worden, wie der Standort Deutschland. Darüber wird auch in Bad Schandau nachgedacht, vor allem, wenn es um die Kosten geht...
Die Chefin des Parkhotels in Bad Schandau kennt die Kostensituation sehr genau. Sie muß knallhart kalkulieren. Beeinflußbar sind eigentlich nur die Werbekosten und die Personalkosten. Mit den Personalkosten liegen wir bereits am unteren Ende, gesteht Kerstin Meve-Garreis. Doch genau da soll ja – geht es nach den Vorständen der Wirtschaftsverbände und der großen Konzerne – weiter gespart werden. Und immer wieder schielen die Herren Rogowski und Co. nach Osten. Dort - in Tschechien oder Polen – arbeiten die Menschen für ein Zehntel des Lohns ihrer deutschen Kollegen. Es ist das wahre Paradies, mehr noch, wenn die niedrigen Steuern hinzukommen. Und so soll es auch in Deutschland werden: Kosten sozialisieren, Gewinne privatisieren – eine bessere Denke gibt es nicht.
Bleiben wir bei den Steuern: Klar, in Deutschland sind die Steuern hoch, vielleicht auch zu hoch. Sieht man von der Steuerverschwendung ab, die in einem schwarzen Buch Jahr für Jahr dokumentiert wird, dann fließt doch dieses Geld auch in Investitionen, die nicht nur dem Otto-Normal-Verbraucher zugute kommen, sondern eben auch den Unternehmen. Beispiel Infrastruktur: Vergleichen wir doch mal die Infrastruktur in Deutschland auf dem Wasser, in der Luft, auf Schiene und Straße mit der in Polen oder Tschechien. Die Unterschiede sind wie Tag und Nacht. Und trotzdem verlangt der Opel-Vorstandssprecher von der Bundesregierung, die Autobahnen an den deutschen Opelstandorten noch weiter auszubauen.
Die Infrastruktur wird sich in den kommenden Jahren auch bei unseren östlichen Nachbarn verbessern. Da werden Straßen vielleicht nicht aus Steuern bezahlt, Unternehmenssteuern können es ja wohl kaum sein. Das Geld kommt zum großen Teil aus dem großen Topf der Europäischen Union, in den natürlich auch Deutschland mit am kräftigsten einzahlt. Und so schaffen wir Deutschen in Polen oder Tschechien die Infrastruktur, damit sich künftig noch mehr deutsche Unternehmen dort ansiedeln können. Eben: Kosten sozialisieren!
Die nnz will – hier am Rande der Elbe - abschließend einen Ausblick in die Zukunft werfen. Ein Blick, bei dem den Herren Rogowski und Co. vielleicht die Augen leuchten: Die Lohnkosten in ihren Unternehmen werden auf das Niveau der neuen EU-Staaten abgesenkt. Dann, ja dann wird es in Deutschland wieder Arbeit geben, prognostizieren sie. Dann, ja dann, wird ein Durchschnittsverdiener nicht mehr 1.000 Euro netto in der Tasche haben, sondern eben nur noch 300 oder vielleicht 400 Euro, und dafür vermutlich 45 Stunden arbeiten müssen. Und er möge sich vielleicht auch noch sozial absichern. Bleibt zum Schluß noch die bescheidene Frage: Wer soll dann die Produkte Made in Germany kaufen?
Ist das die ersehnte Welt jener Aktiengesellschaften, die schon seit Jahren kaum noch Steuern in Deutschland zahlen? Ich glaube nicht, aber dieser Zustand ist leichter zu erreichen als die Aufgabe darüber nachzudenken, wie man den Standort Deutschland wirklich fit machen kann für die Zukunft.
Wie gesagt: Personalkosten zu senken – das ist wirklich die einfachste Sache dieser Wirtschaftswelt. Die will und die kann Kerstin Meve-Garreis mit ihrem Hotel in Bad Schandau nicht gehen. Und so denkt die Managerin schon jetzt nach, mit welchen Innovationen sie in der kommenden Saison die Gäste wieder nach Bad Schandau locken kann, vor allem neue Gäste.
Autor: nnzDie Chefin des Parkhotels in Bad Schandau kennt die Kostensituation sehr genau. Sie muß knallhart kalkulieren. Beeinflußbar sind eigentlich nur die Werbekosten und die Personalkosten. Mit den Personalkosten liegen wir bereits am unteren Ende, gesteht Kerstin Meve-Garreis. Doch genau da soll ja – geht es nach den Vorständen der Wirtschaftsverbände und der großen Konzerne – weiter gespart werden. Und immer wieder schielen die Herren Rogowski und Co. nach Osten. Dort - in Tschechien oder Polen – arbeiten die Menschen für ein Zehntel des Lohns ihrer deutschen Kollegen. Es ist das wahre Paradies, mehr noch, wenn die niedrigen Steuern hinzukommen. Und so soll es auch in Deutschland werden: Kosten sozialisieren, Gewinne privatisieren – eine bessere Denke gibt es nicht.
Bleiben wir bei den Steuern: Klar, in Deutschland sind die Steuern hoch, vielleicht auch zu hoch. Sieht man von der Steuerverschwendung ab, die in einem schwarzen Buch Jahr für Jahr dokumentiert wird, dann fließt doch dieses Geld auch in Investitionen, die nicht nur dem Otto-Normal-Verbraucher zugute kommen, sondern eben auch den Unternehmen. Beispiel Infrastruktur: Vergleichen wir doch mal die Infrastruktur in Deutschland auf dem Wasser, in der Luft, auf Schiene und Straße mit der in Polen oder Tschechien. Die Unterschiede sind wie Tag und Nacht. Und trotzdem verlangt der Opel-Vorstandssprecher von der Bundesregierung, die Autobahnen an den deutschen Opelstandorten noch weiter auszubauen.
Die Infrastruktur wird sich in den kommenden Jahren auch bei unseren östlichen Nachbarn verbessern. Da werden Straßen vielleicht nicht aus Steuern bezahlt, Unternehmenssteuern können es ja wohl kaum sein. Das Geld kommt zum großen Teil aus dem großen Topf der Europäischen Union, in den natürlich auch Deutschland mit am kräftigsten einzahlt. Und so schaffen wir Deutschen in Polen oder Tschechien die Infrastruktur, damit sich künftig noch mehr deutsche Unternehmen dort ansiedeln können. Eben: Kosten sozialisieren!
Die nnz will – hier am Rande der Elbe - abschließend einen Ausblick in die Zukunft werfen. Ein Blick, bei dem den Herren Rogowski und Co. vielleicht die Augen leuchten: Die Lohnkosten in ihren Unternehmen werden auf das Niveau der neuen EU-Staaten abgesenkt. Dann, ja dann wird es in Deutschland wieder Arbeit geben, prognostizieren sie. Dann, ja dann, wird ein Durchschnittsverdiener nicht mehr 1.000 Euro netto in der Tasche haben, sondern eben nur noch 300 oder vielleicht 400 Euro, und dafür vermutlich 45 Stunden arbeiten müssen. Und er möge sich vielleicht auch noch sozial absichern. Bleibt zum Schluß noch die bescheidene Frage: Wer soll dann die Produkte Made in Germany kaufen?
Ist das die ersehnte Welt jener Aktiengesellschaften, die schon seit Jahren kaum noch Steuern in Deutschland zahlen? Ich glaube nicht, aber dieser Zustand ist leichter zu erreichen als die Aufgabe darüber nachzudenken, wie man den Standort Deutschland wirklich fit machen kann für die Zukunft.
Wie gesagt: Personalkosten zu senken – das ist wirklich die einfachste Sache dieser Wirtschaftswelt. Die will und die kann Kerstin Meve-Garreis mit ihrem Hotel in Bad Schandau nicht gehen. Und so denkt die Managerin schon jetzt nach, mit welchen Innovationen sie in der kommenden Saison die Gäste wieder nach Bad Schandau locken kann, vor allem neue Gäste.


