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Sa, 12:26 Uhr
02.09.2017
Spendenaktion an der Hochschule

Sabrina hätte es so gewollt

Als Physiotherapeutin hat sie gearbeitet. War im Kindergarten, bei der Feuerwehr und im Hospiz aktiv. Die 37-jährige Sabrina aus Nordhausen hat den Kampf gegen den Krebs in der vergangenen Woche verloren. Dem Hilfeaufruf, den Verwandte und Freunde Sabrinas vor gut einem Monat gestartet hatten, konnte und kann man heute dennoch folgen...

Typisierungsaktion an der Hochschule Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel) Typisierungsaktion an der Hochschule Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)


"Sabrina wäre die erste gewesen, die hier gestanden hätte, wenn es nicht um sie selbst gegangen wäre", sagte eine Freundin Sabrinas in der Turnhalle der Nordhäuser Hochschule am Weinberg. Zusammen mit Sabrinas Ehemann, ihrer Mutter und dem Blutspendekoordinator Sven Köhn hatte man vor einem guten Monat eine Initiativgruppe gegründet und zu einer sogenannten "Typisierungsaktion" aufgerufen.

"Es musste schnell gehen", erklärte Sven Köhn, der aggressive Krebs und die Chemotherapie hatten Sabrina da schon zugesetzt. Man nahm Kontakt zur DKMS auf, der Deutsche Knochenmarksspenderdatei, fand rund 70 Ehrenamtliche Helfer, einen Termin und mit der Turnhalle der Hochschule auch einen passenden Ort.

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Trotz aller Eile kam die Hilfe für Sabrina zu spät. Dennoch werden heute an der Hochschule Spender gesucht. Man sei überrascht das sich trotz Sabrinas Tod doch noch eine Zahl an Leuten eingefunden habe, sagte Christian Wehrheid von der DKMS. In der ersten Stunde fanden rund 100 potientielle Spender ihren Weg in die Turnhalle.

Das man auch als Spender geeignet ist, ist keine ausgemachte Sache. Gewisse Vorerkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder frühere Krebserkrankungen seien Ausschlusskriterien, erklärte Wehrheid. Daher muss zunächst eine "Typisierung" erfolgen. Die dauert kaum mehr als zehn Minuten und beinhaltet neben einer grundlegenden Abfrage von Daten nur eine kleine Blutentnahme. Weltweit sind so zur Zeit etwa 30 Mio. potentielle Stammzell-Spender erfasst, 7,2 Mio. davon allein in den Datenbanken der DKMS.

Die Typisierung dauert kaum länger als zehn Minuten (Foto: Angelo Glashagel) Die Typisierung dauert kaum länger als zehn Minuten (Foto: Angelo Glashagel)


Sollte man als Spender in Frage kommen, wird man noch einmal kontaktiert und von einem Arzt einer kompletten und gründlichen Untersuchung unterzogen und schließlich in ein nahegelegenes Krankenhaus gebeten, erläuterte Wehrheid das Prozedere. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, wie Stammzellen gewonnen werden können. In der ersten Variante werden über mehrere Tage körpereigene Hormone aufgenommen wodurch Stammzellen in den Blutkreislauf gelangen und ähnlich einer Dialyse herausgefiltert werden können. Variante zwei sieht eine Extraktion aus dem Beckenkamm vor, eine Routineeingriff, allerdings unter Vollnarkose. "Niemand geht heute tatsächlich an den Rücken ran und niemand kommt mit einer Querschnittslähmung aus der Spende. Das ist die größte Mär gegen die wir ankämpfen müssen", erklärte Wehrheid.

Die Chancen heute und hier einen Spender für Sabrina zu finde, das wäre wie ein Sechser im Lotto gewesen, das sei auch allen klar gewesen, so Wehrheid weiter. Aber mit jedem neu erfassten Spender würden für andere Betroffene die Chancen steigen. Denn gelingt die Spende, dann nehme die Möglichkeit einer Heilung dramatisch zu. Je nach Ausprägung der Krankheit zwischen 40 und 80%. "Die DKMS organisiert rund 19 Transplantationen pro Tag, das sind 19 potentiell gerette Leben", sagte Wehrheid.

Und das es gut gehen kann, dass zeigte zuletzt eine ähnliche Aktion vor fünf Jahren. Damals suchte man Hilfe für einen jungen Mann aus Hohlbach, ebenfalls aus dem Kreis Nordhausen, erinnerte sich Sven Köhn,. 900 Typisierungen führte man damals durch, am Ende konnte der Patient den Krebs dank einer Spende besiegen.

Für Sabrina kam die Hilfe zu spät, für andere Betroffen könnte es die Rettung sein (Foto: privat) Für Sabrina kam die Hilfe zu spät, für andere Betroffen könnte es die Rettung sein (Foto: privat)


Und auch Sabrinas Freunde und Familie hoffen mit ihrer Aktion noch etwas gutes bewirken zu können. "Wir hätten das hier abblasen können, das hat man uns frei gestellt. Aber wir und mit uns auch die meisten Helfer sind dabei geblieben. Sabrina hätte gewollt das wir das hier machen. Auch wenn es ihr nicht mehr helfen kann.", sagte Sabrinas Freundin am Mittag. Der Dank der Familie und ihrer Freunde gelte insbesonders denen, die geholfen haben die heutige Aktion möglich zu machen und natürlich auch allen potentiellen Spendern.

Wer sich selber registrieren lassen will, der kann das noch bis 15 Uhr in der Turnhalle der Hochschule tun.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
altmeister
02.09.2017, 13:58 Uhr
Macht mit!
Meine lieben Mitleser und -kommentatoren, unabhängig von aller Meinung, vom Glauben, von persönlichen Einstellungen sollte es für Jeden ein Anliegen sein, hier mit zu machen.
Es ist nie ausgeschlossen, dass für sich selbst einmal der Bedarf an solcher Hilfe eintritt und so sollte auch das Helfen selbstverständlich sein!
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