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Do, 22:16 Uhr
31.08.2017
Werkschau „PLANUNGSTABE"

Beeindruckende Resonanz

Ein absolutes Neuland – für uns als Architekten-Kammergruppe– gemeinsam mit den Familien Stabe und der Stadt – die Organisation einer Ausstellung zu Ehren des 105. Geburtstags von Friedrich Stabe sowie der Architekten und Ingenieure um ihn. Es sollte bei dieser und den vielfältigen Begleitver­an­stal­tungen für Jedermann etwas Informatives dabei sein...


Erfreulich und bemerkenswert ist, dass die kostenlose Ausstellung rückblickend bisher die meisten Besucher in das neue Bürgerhaus zog und dass bei den vier Rahmenprogrammpunkten ein weitgefächertes Teilnehmerfeld zu verzeichnen war.

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Die Werkschau gewährte Einblicke in die Entwicklung der Stadtplanung für die kriegszerstörte Stadt nach 1945 und in die damalige Architektursprache des Planungsstab(e)s. Ergänzend waren für einen Gesamteindruck zum Menschen Stabe, zu seiner Sichtweise und seinem Weltverständnis selbstgeschaffene Werke für seine Kinder und zu seinem künstlerischen Schaffen anhand von Leihgaben (Privatbesitz) mit ausgestellt.

Der Name Stabe ist untrennbar mit dem Wiederaufbau der einstigen Trümmerstadt verbunden. Auch heute, über 70 Jahre nach der Bombardierung, sind die schrecklichen Bilder nicht aus den Köpfen der Bevölkerung verschwunden. Zu verheerend war die Vernichtung der einst altehrwürdigen Reichs- und Handelsstadt. Die Auferstehung aus Ruinen ist das Verdienst vieler unermüdlicher Nordhäuser. Friedrich Stabe, seit 1948 Stadtplaner und seit 1951 Chefarchitekt in Nordhausen, war einer von ihnen.

Stadtterrasse, Engelsburg, Kino und Audimax der Hochschule sind nur einige Gebäude des Planungsstab(e)s, die das heutige architektonische Gesicht der Stadt mit prägen...

Bedanken möchten wir uns für die engagierte Mitwirkung vor allem bei der nachkommenden Stabe-Generation, der Bibliotheksleiterin Frau Seidel und dem Förderverein der Bibliothek „Nicolai in Foro“ e.V. mit Frau König und Herrn Voigt. Ein weiterer Dank gilt der Architektenkammer Thüringen, dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, der Stadt Nordhausen, der Stiftung Baukultur Thüringen, der Jugendkunstschule, zahlreichen Unternehmen aus der Region und der Bauindustrie sowie auch einigen Privatpersonen für die finanzielle Unterstützung. Besonders danken wir aber den Zeitzeugen und ehemaligen Kollegen Stabes Helga Uhl, Heinz Günter Schmidt, Walter Schmidt und Rudolf Klose und noch vielen anderen für ihre Auskünfte, Leihgaben von ergänzendem Zeichnungs- und Fotomaterial sowie ihren Beiträgen bei den Stadtspaziergängen und beim Aktionstag „STABE+SPIELE“.

Zur Eröffnung am 22.05.2017, dem 105. Geburtstag von F. Stabe, blickten die Referenten der Stadt, AKT, TMIL und der Familie auf die schwierige Wiederaufbausituation, die Leistungen des Planungsstab(e)s und den Menschen Stabe zurück! Sie würdigten ihre kreative und zukunftsweisende Leistung. Dr. Hannes Hubrich betonte die Wichtigkeit der Ausstellung insbesondere für die Schulen. Dr. Ulrich Wieler erläuterte in seinem Vortrag „Bauen aus der Not – Nordhausen als Modellstadt zum Wiederaufbau nach 1945“ die Besonderheit und die Diskrepanzen bei den Planungen für die „neue“ Stadt.

Viele Bilder der Zerstörung, Originaldokumente und Planvarianten zur Neugestaltung zeigten die Notlage und die Gründe für die tatsächliche Stadtentwicklung auf. Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung wurden – vor allem von den älteren Besuchern – Erinnerungen an die damalige Zeit ausgetauscht…
Als erste Begleitveranstaltung spazierten wir mit dem Studiengang „Energetisch-Ökologischer Stadtumbau“ der Hochschule Nordhausen am 20. Juni über den Campus.

Dabei erläuterte Prof. Dr. Wagner den Werdegang der Hochschule, während Dr. Nitz die Ausführungen hinsichtlich Denkmalschutzbelange und Hartmut Stabe aus den Erinnerungen zum Schaffen seines Vaters Friedrich Stabe ergänzten. Anschließend folgte eine Vorlesung zur Thematik „Alte Dächer – Neue Energien“ sowie eine Podiumsdiskussion mit den Denkmalpflegern und Architekten. Anzumerken ist, dass die Errichtung von Solaranlagen auf Steildächern denkmalgeschützter Gebäude in Thüringen immer Einzelfallentscheidungen sein werden.

Daher wird im Sinne des jeweiligen Denkmals empfohlen, frühzeitig die Planung mit ästhetisch anspruchsvollen Vorschlägen der Behörde vorzustellen. Dies könnte beispielsweise bei einer Sanierung mit Anbau oder Erweiterung die energetische Lösung in den Neubauflächen mit Abminderung der energetischen Anforderungen auf den Bestand oder die Anwendung anderer regene­rativer Energien sein. Die lebendige Diskussion verdeutlichte, dass im Sinne der nachkommenden Generationen bewusst mit den vorhandenen Energien umgegangen werden sollte!

Der Einladung zum Stadtspaziergang am 04.August 2017 folgten unerwartet sehr viele interessierte Bürger.
Den Anfang bildete dabei die Stadtterrasse. Sie wurde im Wesentlichen unter Leitung des Architekten W. Schmidt entworfen. Für die Innengestaltung zeichnete Architekt H. G. Schmidt und für die Elektroinstallationen R. Klose mit verantwortlich. Die Zeitzeugen berichteten beim Rundgang von vielen interessanten Details während der Entwurfs- und Bauzeit, während Th. Erny als Inhaber des „Carpe Diem“ und Th. Breuer als Architekt zu den baulichen Veränderungen bei der Sanierung und den Mühen zum Erhalt wichtiger Details in 2000/2001 ergänzten. Im Foyer des repräsentativen Treppenhauses erläuterte H. Kneffel das raumbreite Gipsrelief vom Künstler Manfred Kandt aus Ückeritz. Th. Breuer berichtete auch, dass den beiden Nordhäuser Künstlern Lothar Rechtacek und Klaus - Dieter Kerwitz die gelungene Restaurierung zu verdanken ist.

Vielen war der Saal noch von den zahlreichen Tanzveranstaltungen (oft bis spät in die Nacht) bekannt. Beim nachfolgenden „Bummel“ entlang der westlichen Rautenstraße bis zum Rathausplatz wurden vielfältige Erinnerungen zwischen den Teilnehmern ausgetauscht. Seien es die nicht-essbaren Äpfel aus dem Kunstgewerbehandel „A. Dürer“, die Bückware aus dem „Schafstall“ oder die Wollknäuel aus dem Haushaltswarenladen.

Am Rathausplatz erinnerte H. G. Schmidt auch an die Zusammenarbeit im Planungsstab(e). F. Stabe, A. Weißbarth (späterer Stadtarchitekt) und L. Goutier bauten das Rathaus bis 1952 wieder auf. Das Entwurfsbüro für Hochbau Nordhausen ist noch heute für seine Leistungen und seine menschliche Atmosphäre bekannt.

Aufgrund der umfassenden Besichtigung der Stadtterrasse erfuhr der Spaziergang am 18.08.17 seine Fortsetzung. Kino, Töpfertorscheiben, Theater und Engelsburg/Lutherplatz waren die Besichtigungspunkte. H. G. Schmidt und H. Kneffel berichteten in der sehr gut erhaltenen Eingangshalle des Kinos aus der Errichtungszeit sowie von den architektonischen und künstlerischen Gestaltungsprinzipien.

Bei den Töpfertorscheiben besichtigten wir auf der Südseite der West-Wohnscheibe den Innenhof mit den 2003 ergänzten Balkonen und Loggien. Im Theater war es leider nicht kurzfristig möglich, einen Anblick des noch erhaltenen vielzitierten Kronleuchters zu erhalten. Dies kann aber sicher bei einer Theaterführung (z. Bsp. zum Theaterjubiläum Ende Oktober 2017) bei Interesse individuell nachgeholt werden…

Als Finale der Ausstellung lud ein Aktionstag am 26. August ab 10 Uhr Kinder und Junggebliebene ein, gemeinsam mit den Stabe-Nachkommen selbstkreiertes oder –gebasteltes Spielzeug oder das Kartenquartett der Familie Stabe auszuprobieren. Allerhand Zuspruch fand das Floßbauen mit Holz und Kork sowie das Spielen mit dem Planungsstab(e) - Memory. Eifrig wurden auch mit der Jugendkunstschule hölzerne „Roboter“ zusammengeknüpft und zum Leben erweckt. Spaß hatten wir auch daran, mit den Stabe-Stelzen zu laufen oder einfach mit dem Pinsel Wasserbilder auf der Brüstung des Brunnens zu malen und diesen beim Auflösen (Trocknen) zuzusehen.

Die gemeinsame Veranstaltung hatte den Akteuren: Jugendkunst­schule, Stadtbibliothek, Familie Stabe, Künstler A. Schumann und Architekten sehr viel Freude bereitet. Die Idee im Rahmen der Weihnachtsveranstaltungen der Bibliothek zu einem StabeSpieleNachmittag mit einfachen Materialen wie Nussschalen, Wäscheklammern, Korken sowie Holz einzuladen, wurde geboren. Weitere Informationen hierzu werden rechtzeitig bekannt gegeben. Wir freuen uns schon jetzt auf den Besuch von Jung und Alt!

Mit der Ausstellung gelang es, interessierten Gästen die Kreativität und das Schöpfertum der damaligen Zeit zu vermitteln, die Nordhäuser in ihrer eigenen Geschichte zu verorten und sich mit der Bedeutung des Wiederaufbaus in der Stadtgeschichte auseinanderzusetzen. Die Werkschau veranschaulichte den damals von der ostdeutschen Bauakademie vorgegebenen Wandel der städtebaulichen und architektonischen Leitbilder von den „Nationalen Traditionen“ der frühen 1950er Jahre zur immer sachlicher werdenden Nachkriegsmoderne1. Ein Teil der Ausstellung kann noch bis Ende Septem­ber in der Bibliothek zu deren Öffnungszeiten kostenlos besichtigt werden. Anschließend wird sie an unter­schied­lichen Standorten thüringenweit wandern, um vom Wirken des Planungsstab(e)s in Nordhausen beim Wieder­aufbau zu berichten.

Am Empfang liegt eine Broschüre zur Werksschau aus, die gegen eine Schutzgebühr von 3 € auch käuflich erworben werden kann.
Edith Baars, Kathrin Rembe, Dr. Michael Flagmeyer, Hartmut Stabe, Barbara Roesch, Pia Wienrich
auch im Namen der Familien Stabe, der Jugendkunstschule und der Stadtbibliothek
Werkschau „PLANUNGSTABE" (Foto: privat)
Werkschau „PLANUNGSTABE" (Foto: privat)
Werkschau „PLANUNGSTABE" (Foto: privat)
Werkschau „PLANUNGSTABE" (Foto: privat)
Werkschau „PLANUNGSTABE" (Foto: privat)
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Werkschau „PLANUNGSTABE" (Foto: privat)
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