Do, 19:00 Uhr
11.05.2017
nnz-Betrachtung
Déjà-vu oder wie ein Schuss nach hinten losgehen kann
Nun kann endlich in Nordhausen gewählt werden. Irgendwann in diesem Jahr. Die Verhinderungstaktik des Nordhäuser Landratsamtes scheint zu funktionieren, aber sie kann sich ins Gegenteil verkehren...
Geht der (Wahl)schuss 2017 nach hinten los? (Foto: J. Piper)
Wer sich die beiden "Kündigungs"schreiben von Noch-Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh genauer ansieht, der wird im ersten Schreiben über folgenden Satz "stolpern": Die Amtsniederlegung erfolgt somit per 19. Juni 2017. Geht es denn noch genauer? Aber Zeh's Schreiben beginnt eben auch mit dem Wort "beabsichtige" und das war vermutlich die Angriffsfläche und es bleibt die Frage, wer den OB hier beraten hatte.
Nun jedenfalls akzeptiert kurioserweise die kommunale Aufsicht das zweite Kündigungsschreiben, will aber delegieren und damit weiter blockieren, obwohl diese "Behörde" für die Festsetzung des Wahltermins zuständig ist, wie es sogar ein Innenstaatssekretär auf eine Anfrage im Landtag bestätigt. Aber nein, die Aufsicht und der Landrat verweisen auf das Landesverwaltungsamt. Damit vergeht wieder Zeit. Der Plan läuft.
Doch er könnte nicht aufgehen. Weil sich einige Rollen vertauscht haben - für Matthias Jendricke. Der stellte sich im Jahr 2015 der Wahl zum Landrat. Die Kandidatur innerhalb der SPD war ein Leichtes, gleiches galt vermutlich auch bei der eigentlichen Wahl samt Stichwahl. Matthias Jendricke hatte ein nicht als erquicklich zu bezeichnendes Ermittlungsverfahren und diverse Rathaus-Scharmützel überstanden. Er war für viele Wähler damals das Opfer von Intrigen und Opfer haben immer einen Vorteil, weil wählen nicht immer mit Rationalität zu tun hat. Dass Matthias Jendricke auch ein erfahrener Verwaltungsfachmann ist, bleibt unbestritten, war meiner Meinung nach aber sekundär.
Nun aber, im aktuellen Streit zwischen Zeh, Stadt und Jendricke, um Wahltermine und -chancen, haben sich die Rollen verkehrt. Der Schwarm - damit will ich mal die politisch interessierten Menschen in dieser Region bezeichnen - dieser Schwarm hat eine Intelligenz und ein Radar für Gut und Böse. Und dabei spielt es keine Rolle, ob das scheinbar Böse eigentlich Gut ist oder umgekehrt.
Der Schwarm scheint temporär entschieden zu haben, gegen das scheinbar Böse, gegen das scheinbar falsche Handeln. Gegen Jendricke. Der Schwarm sieht ihn als Taktierer des eigenen Vorteils wegen, als Verhinderer von dringenden Sanierungsvorhaben, als Gegner von Nordhausen. Das mag im Innersten von Matthias Jendricke nicht so sein, wird durch sein Agieren aber so wahrgenommen.
Ich weiß nicht, ob er das selbst nicht wahrnimmt. Ist auch egal. Schlimmer ist, dass es vermutlich niemanden in seinem Umfeld gibt, der ihm das einfach mal mitteilt. Und nun zum Dejavu: Im Jahr 2012 verlor der Mann knapp die Stichwahl gegen Klaus Zeh. Das eigentlich Unvorstellbare geschah. Das damalige Ergebnis war ebenso das Resultat von irrationalen Vorgängen im Wahlkampf. Niemand, aber auch niemand nimmt die Wortkombination "Erhöhung der Kita-Gebühren" in dieser Zeit in den Mund, selbst, wenn sie richtig ist. Matthias Jendricke stand sich vor fünf Jahren selbst im Weg zur Krönung im Rathaus und fuhr per Straßenbahn zum AKS vor den politischen Prellbock. Jetzt könnte es wieder so sein.
Aber vielleicht ist auch alles anders, vielleicht kippt das Thüringer Verfassungsgericht auch diese Gebietsreform, vielleicht kippt auch die gesamte Landesregierung? Dann bleibt er immer noch Landrat und es hat den Anschein, dass ihm dieser Job richtig Spaß macht. Und mal ehrlich, als Landrat kann man immer ein wenig die Stadt mitregieren.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red
Geht der (Wahl)schuss 2017 nach hinten los? (Foto: J. Piper)
Wer sich die beiden "Kündigungs"schreiben von Noch-Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh genauer ansieht, der wird im ersten Schreiben über folgenden Satz "stolpern": Die Amtsniederlegung erfolgt somit per 19. Juni 2017. Geht es denn noch genauer? Aber Zeh's Schreiben beginnt eben auch mit dem Wort "beabsichtige" und das war vermutlich die Angriffsfläche und es bleibt die Frage, wer den OB hier beraten hatte.
Nun jedenfalls akzeptiert kurioserweise die kommunale Aufsicht das zweite Kündigungsschreiben, will aber delegieren und damit weiter blockieren, obwohl diese "Behörde" für die Festsetzung des Wahltermins zuständig ist, wie es sogar ein Innenstaatssekretär auf eine Anfrage im Landtag bestätigt. Aber nein, die Aufsicht und der Landrat verweisen auf das Landesverwaltungsamt. Damit vergeht wieder Zeit. Der Plan läuft.
Doch er könnte nicht aufgehen. Weil sich einige Rollen vertauscht haben - für Matthias Jendricke. Der stellte sich im Jahr 2015 der Wahl zum Landrat. Die Kandidatur innerhalb der SPD war ein Leichtes, gleiches galt vermutlich auch bei der eigentlichen Wahl samt Stichwahl. Matthias Jendricke hatte ein nicht als erquicklich zu bezeichnendes Ermittlungsverfahren und diverse Rathaus-Scharmützel überstanden. Er war für viele Wähler damals das Opfer von Intrigen und Opfer haben immer einen Vorteil, weil wählen nicht immer mit Rationalität zu tun hat. Dass Matthias Jendricke auch ein erfahrener Verwaltungsfachmann ist, bleibt unbestritten, war meiner Meinung nach aber sekundär.
Nun aber, im aktuellen Streit zwischen Zeh, Stadt und Jendricke, um Wahltermine und -chancen, haben sich die Rollen verkehrt. Der Schwarm - damit will ich mal die politisch interessierten Menschen in dieser Region bezeichnen - dieser Schwarm hat eine Intelligenz und ein Radar für Gut und Böse. Und dabei spielt es keine Rolle, ob das scheinbar Böse eigentlich Gut ist oder umgekehrt.
Der Schwarm scheint temporär entschieden zu haben, gegen das scheinbar Böse, gegen das scheinbar falsche Handeln. Gegen Jendricke. Der Schwarm sieht ihn als Taktierer des eigenen Vorteils wegen, als Verhinderer von dringenden Sanierungsvorhaben, als Gegner von Nordhausen. Das mag im Innersten von Matthias Jendricke nicht so sein, wird durch sein Agieren aber so wahrgenommen.
Ich weiß nicht, ob er das selbst nicht wahrnimmt. Ist auch egal. Schlimmer ist, dass es vermutlich niemanden in seinem Umfeld gibt, der ihm das einfach mal mitteilt. Und nun zum Dejavu: Im Jahr 2012 verlor der Mann knapp die Stichwahl gegen Klaus Zeh. Das eigentlich Unvorstellbare geschah. Das damalige Ergebnis war ebenso das Resultat von irrationalen Vorgängen im Wahlkampf. Niemand, aber auch niemand nimmt die Wortkombination "Erhöhung der Kita-Gebühren" in dieser Zeit in den Mund, selbst, wenn sie richtig ist. Matthias Jendricke stand sich vor fünf Jahren selbst im Weg zur Krönung im Rathaus und fuhr per Straßenbahn zum AKS vor den politischen Prellbock. Jetzt könnte es wieder so sein.
Aber vielleicht ist auch alles anders, vielleicht kippt das Thüringer Verfassungsgericht auch diese Gebietsreform, vielleicht kippt auch die gesamte Landesregierung? Dann bleibt er immer noch Landrat und es hat den Anschein, dass ihm dieser Job richtig Spaß macht. Und mal ehrlich, als Landrat kann man immer ein wenig die Stadt mitregieren.
Peter-Stefan Greiner

