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Do, 20:23 Uhr
04.05.2017
Heringen und Nordhausen buhlen um Urbach

Volle Halle

Es geht munter weiter mit der Diskussion im Zuge der Gebietsreform in Nordthüringen. Die Festhalle des Ortes war krachend voll, zeugt das doch, das Zusammenschlüsse von Gemeinden und Städte ein sehr emotional besetztes Thema sind…

Großes Interesse bei den Urbachern (Foto: nnz) Großes Interesse bei den Urbachern (Foto: nnz)

Der Urbacher Bürgermeister Jürgen Vopel hatte nicht nur die Bürgerinnen und Bürger von Urbach, sondern auch die Bürgermeisterin von Nordhausen, Jutta Krauth und den Bürgermeister der Landgemeinde Heringen, Maik Schröter, eingeladen. Sie sollten den Urbachern erklären, warum ein Zusammengehen mit ihren Gebietskörperschaften von Vorteil für die Bewohner des Goldenen-Aue-Ortes wäre.

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Vopel stellte zuvor die gesetzlichen Grundlagen der Gebietsreform vor und regt an, bis zum Ende der Freiwilligkeitsphase eine Entscheidung zu treffen, mit wem man sich „verheiraten“ werde. Damit besteht dann auch die Möglichkeit, sich die „Heiratsprämie“ zu sichern, Vopel geht davon aus, dass es rund 100 Euro pro Einwohner geben werde.

Dann gab er das Wort weiter an Bürgermeisterin Jutta Krauth weiter. Die dankte für die Gelegenheit, für Nordhausen zu werben. Sie wollen den Menschen in der Goldenen Aue Entscheidungshilfen an die Hand geben. Zum Beispiel die Gemeinsamkeiten wie das Industriegebiet, den Alten Stolberg, eine gute ÖPNV-Verbindung, die weiter ausgestaltet werden könnte. In Nordhausen seien die Kultur- und Freizeiteinrichtungen konzentriert. Auch die komplette Palette der Bildungseinrichtungen von der Kita bis zur Hochschule gebe es in der Kreisstadt. Für Urbach selbst und seine Bürger werden sich nichts verschlechtern, im Gegenteil, sagte Krauth, die Urbacher würden bei einem Anschluss an Nordhausen alle Vorzüge erhalten, die bislang alle anderen Ortsteile auch zu schätzen wissen.

Nach Jutta Krauth konnte Maik Schröter die Vorzüge eines Anschlusses an die Landgemeinde Heringen vorstellen. Dem ersten Bild seiner Präsentation zufolge könnte ein schicker Mercedes der neue Dienstwagen des Bürgermeisters werden. Nein, das war ein technisches Problem. Das war behoben.

Noch nicht behoben ist ein mathematisches Problem, denn selbst mit der Eingemeindung von Urbach und Görsbach käme die „neue Landgemeinde“ in der Prognose für 2030 nur auf 5.590 Einwohner, das sind 410 zu wenig, wenn man ins Gesetz schaut. Also schaute Heringen in Richtung Kleinfurra, Wolkramshausen und Nohra. Macht dann für das Jahr 2030 immerhin 7.513 Einwohner. Weiterhin wirbt Schröter mit den Vorteilen der Landgemeinde, vor allem mit den moderateren Steuern. Allerdings wird die Stadt Nordhausen die Steuern für Urbach für drei Jahre festschreiben.

Manfred König, ehrenamtlicher Ortsteilbürgermeister von Leimbach, erinnerte an die Zwangseingemeindung seiner Gemeinde nach Nordhausen. 23 Jahre später resümiert König, dass die Eingemeindung mehr Vor- als Nachteile für die Menschen in Leimbach gebracht habe. In Nordhausen würde man sagen, die 12 Ortsteile seien besser ausgestattet als die Stadt. Manfred König hat Recht, wenn man die Innenstadt verlässt.

Auch Maik Schröter hatte einen Ortsteilbürgermeister mit gebracht – den Ortsteilbürgermeister von Uthleben. Die Bürgerinnen und Bürger würden sich in der Landgemeinde wohlfühlen.

Dann waren Fragen gefragt. Zum Beispiel, wie viel Heringen für die Durchführung einer Feier gezahlt habe? Eine weitere Frage richtete sich nach der perspektivischen Auslastung der Regelschulen in Nordhausen. Die seien ausgelastet, antwortete Frau Krauth.

Wie wird die Versorgung mit Wasser, Abwasser, Energie erfolgen? Krauth: Es wird sich nichts ändern.

Wie groß soll denn Nordhausen überhaupt werden? Schröter verweist auf den Regionalen Raumordnungsplan.

Wie soll der ÖPNV gestaltet werden? Schröter: Heringen soll von Urbach schneller erreicht werden, als bislang. Krauth: Die Stadt werde die Linie in eigene Trägerschaft übernehmen.

Wie hoch ist die Pro-Kopf-Verschuldung von Nordhausen und Heringen? Heringen – 597 Euro. Nordhausen – keine Angabe. In Urbach sind das 857 Euro.

Was passiert mit Heringen, wenn Urbach und Görsbach zu Nordhausen tendieren? Heringen würde dann klagen.


Dann war es mit der Diskussion am Ende. Fazit: Zwei Bräutigamme werben um eine Braut. Es war ein erster Anlauf, er wurde von allen in der Urbacher Festhalle diszipliniert und ohne überwängliche Emotionen. Weitere Veranstaltungen werden folgen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
HausH
04.05.2017, 20:40 Uhr
Wo war denn Herr Kauschke?
Sollte die heimliche Eminenz / der Kämmerer der Landgemeinde Heringen nicht zugegen gewesen sein?

Das wäre aber schade, er kümmert sich doch sonst um alles und jeden. Als zukünftiger Neubürger sollte man ihn schon kennenlernen.
René Fullmann
04.05.2017, 21:43 Uhr
Die Stadt lehnt sich zu weit aus dem Fenster...
Bei der Einwohnerversammlung in Urbach lehnte sich Frau Krauth mit der Aussage, dass alle Sportstätten in Stadteigentum künftig auch gepflegt werden, aus meiner Sicht zu weit aus dem Fenster. Die Stadt Nordhausen verhandelt mit diversen Ortschaften um Eingemeindungen. Wenn sie dort in allen das gleiche Versprechen abgibt und dann bei vielleicht künftig mehr als 30 Ortsteilen dies sicherstellen möchte, frage ich mich zum Einem mit welchen Ressourcen (Zeit und Personal) in einer Stadt im Haushaltssicherungskonzept dies abgesichert wird und Zweites wie wird es im Haushalt verbucht wird, wenn nur maximal 2 % im Verwaltungshaushalt für freiwilige Ausgaben veranschlagt werden dürfen. Wir dürfen alle gespannt sein, speziell die Sportvereine....
free Gigi
05.05.2017, 06:01 Uhr
Welche genau?:
"... im Gegenteil, sagte Krauth, die Urbacher würden bei einem Anschluss an Nordhausen alle Vorzüge erhalten..."
Peppone
05.05.2017, 07:34 Uhr
Gibts auch richtige Vorteile?
Am Industriegebiet sind beide Städte fifty-fifty beteiligt. Die kulturellen Einrichtungen stehen auch Heringer Bürgern offen. Oder macht man am Theater Ausweiskontrolle - "nur für Nordhäuser"? Ins Kino kommt man als Heringer auch problemlos herein. In allen anderen kulturellen Einrichtungen schaut es genau so aus. Auch zur Fachhochschule darf man als Heringer gehen....

Und das beim Wasser alles so bleibt wie es ist, glaubt Frau Krauth doch selbst nicht. Man hält sich doch keine zwei Verbände. Es sei denn, man hat ein Brett vor dem Kopf.
Hero
05.05.2017, 09:31 Uhr
Zum Thema Sportvereine
sollte man mal die Sportvereine in den 5 Ortsteilen fragen.
Herr Vopel wenn sie die Pro Kopfprämie haben wollen, dann gehen sie nach NDH den die anderen 5 Orte warten schon 7 Jahre auf die Auszahlung der Gelder. Ich denke das dieses Geld schon verbraten wurde. Aber warum wird hier eigentlich so ein Theater gemacht ? Da man mit Urbach und Görsbach auch nicht die geforderte Einwohnerzahl schaft, gehen wir doch alle nach NDH .
René Fullmann
05.05.2017, 09:33 Uhr
Der Kämmerer ist im Urlaub
Der Kämmerer der Landgemeinde Heringen befindet sich im wohlverdienten Urlaub und war deshalb gestern nicht anwesend.

@ N. Baxter: Frau Krauth hat dies zwar gesagt, die Umsetzung sehe ich bei der Anzahl an künftigen Ortsteilen gefährdet. Mit der Haushaltssicherung bleibt kein weiterer Spielraum für künftige Mehrausgaben für freiwillige Ausgaben...
NDHler
05.05.2017, 09:59 Uhr
Marcio
Mit mehr Ortsteilen und mehr Einwohnern bekommt Nordhausen automatisch mehr Geld vom Land. Das dürfen sie nicht vergessen. Außerdem wird Nordhausen wahrscheinlich durch den Verlust des Kreissitzes üppig entschädigt werden und damit einen Teil der Schulden weiter abbauen und zum anderen auch Fördergelder für weitere Investitionen abrufen können.

Viel wichtiger ist aber der Blick in die Zukunft, Nordhausen wird in ein paar Jahren seine Schulden abgebaut haben und durch seine Wirtschaftskraft auf gesunden Füßen stehen. Für Heringen reicht die geforderte Einwohnerprognose nicht einmal mit Urbach und Görsbach. Selbst dann müsste man sich nach weiteren Gemeinden umsehen. Das soll nicht herabwürdigend klingen, es sind aber nun mal die Fakten. Realistisch gesehen glaube ich nicht, dass diese Landesregierung einem Wechsel von Urbach und Görsbach nach Heringen zustimmen wird.
I.H.
05.05.2017, 10:35 Uhr
Am besten den ganzen Kreis eingemeinden.
Durch diese ganze Eingemeindungsmanitis gibt es nicht einen einzigen Einwohner mehr. Nicht ein einziger Verwaltungsjob fällt weg. Im Gegenteil, es gibt zehn neue.

Dieser Schwachsinn ist genau so sinnvoll wie die restliche schwachsinnige "Gebietsreform"! Erinnert mich alles ganz stark an den Rat des Kreises Nordhausen. Irgendwelche ferne Gestalten entscheiden über das Wohl oder besser das Unwohl von Menschen in Werna, Hamma, Sophienhof...

In zehn Jahren haben die Leute dann wieder die Schnauze voll von Fremdbestimmung und es geht in den Orten, wie 1990 wieder von vorne los.

Wann verschwinden endlich solche Phantasiestaaten wie "Thüringen" oder "Sachsen-Anhalt" samt ihrer Politik-Darsteller? Das wäre doch zur Abwechslung sogar mal etwas Vernünftiges.
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