Do, 08:36 Uhr
23.09.2004
Ausweg wird immer schwieriger
Nordhausen (nnz). Es ist keine gute Nachricht: Die Mitarbeiter der Schuldner- und Insolvenzberatung der AWO-Beratungsstelle haben alle Hände voll zu tun. Ihre Zwischenbilanz in der nnz ist ernüchternd und beängstigend gleichermaßen.
Die Zwischenbilanz der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zeigt einen weiteren erheblichen Anstieg der Nachfrage überschuldeter Menschen in unserem Landkreis. Bereits Ende August wurde in diesem Jahr die Anzahl der Fälle für das gesamte Jahr 2003 erreicht. Bisher suchten 404 Haushalte Rat, weil Ihnen die finanziellen Problem über den Kopf gewachsen sind.
Arbeitslosigkeit, Überschätzung der eigenen finanziellen Möglichkeiten, Konsumzwang, niedrige Einkommen und gescheiterte Existenzgründungen sind immer wieder die Hauptursachen von Überschuldung. Die drei Beratungsfachkräfte der Awo werden bei 55 Prozent aller Ratsuchenden mit dem Ziel aufgesucht, ein Verbraucherinsolvenzverfahren zu beantragen. In ausführlichen Gesprächen erhalten diese Klienten Informationen über die außergerichtliche Vorbereitung, den Insolvenzantrag sowie die einzelnen Phasen des Verfahrens. Ohne fachkundige Hilfestellung würde kaum ein Schuldner die Hürden des außergerichtlichen Einigungsverfahrens oder des 35-seitigen Antragsformulars bewältigen.
Das Durchschnittsalter der Personen, die Auswege aus der Schuldenfalle suchen, beträgt 40 Jahre. Studien und Erfahrungen belegen allerdings, dass eine steigende Anzahl Jugendlicher überschuldet ist. Aber häufig werden Handyschulden, Kredite oder Versandhausschulden von Eltern oder Großeltern übernommen, so dass den jungen Schuldnern der Weg in die Beratungsstelle erspart bleibt. Ob damit eine dauerhafte Erziehung zum vernünftigen Umgang mit Geld erreicht wurde, kann nur angezweifelt werden. Bei Bedarf kann von der Awo-Beratungsstelle z. B. für Lehrer und Erzieher auch der Kontakt zur Fachberatungsstelle Schuldnerberatung hergestellt werden, um Arbeitsmaterialien zur präventiven Arbeit mit Jugendlichen zu erhalten.
Als sehr bedenklich ist der Anstieg der Mietschuldner zu werten. Auch Schulden bei öffentlichen Gläubigern wie dem Landratsamt, den Kommunen oder dem Finanzamt, Verbindlichkeiten bei Telekommunikationsunternehmen oder Versicherungen können immer häufiger von den Rat Suchenden nicht beglichen werden.
Im Jahr 2004 wurden von den Beratungsfachkräften bisher 25 Anträge für ein Verbraucherinsolvenzverfahren fertig gestellt und von den Betroffenen beim Insolvenzgericht in Mühlhausen eingereicht. Allerdings ist die eigentliche Eröffnung der Verfahren auf Grund der Vielzahl der dort eingehenden Anträge mit Wartezeiten bis zu mehreren Monaten verbunden.
Deshalb bemühen sich die Mitarbeiter der Beratungsstelle auch in einigen Fällen um Entschuldungswege ohne die Inanspruchnahme eines privaten Insolvenzverfahrens. Dabei werden auf der Grundlage der Vermittlung zwischen Schuldner und Gläubigern realistische Ratenvereinbarungen getroffen, zeitweilige Stundungen und andere Zahlungserleichterungen erreicht. Ein Problem, das die Beratungsarbeit ständig begleitet, ist immer wieder die Verweigerung der Banken, jedem Bürger ein Konto auf Guthabenbasis zu eröffnen. Hier werden Betroffene unterstützt, sich bei ungerechtfertigter Ablehnung gegen diese zu wehren und Schlichtungsstellen um Klärung zu bitten.
Autor: nnzDie Zwischenbilanz der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zeigt einen weiteren erheblichen Anstieg der Nachfrage überschuldeter Menschen in unserem Landkreis. Bereits Ende August wurde in diesem Jahr die Anzahl der Fälle für das gesamte Jahr 2003 erreicht. Bisher suchten 404 Haushalte Rat, weil Ihnen die finanziellen Problem über den Kopf gewachsen sind.
Arbeitslosigkeit, Überschätzung der eigenen finanziellen Möglichkeiten, Konsumzwang, niedrige Einkommen und gescheiterte Existenzgründungen sind immer wieder die Hauptursachen von Überschuldung. Die drei Beratungsfachkräfte der Awo werden bei 55 Prozent aller Ratsuchenden mit dem Ziel aufgesucht, ein Verbraucherinsolvenzverfahren zu beantragen. In ausführlichen Gesprächen erhalten diese Klienten Informationen über die außergerichtliche Vorbereitung, den Insolvenzantrag sowie die einzelnen Phasen des Verfahrens. Ohne fachkundige Hilfestellung würde kaum ein Schuldner die Hürden des außergerichtlichen Einigungsverfahrens oder des 35-seitigen Antragsformulars bewältigen.
Das Durchschnittsalter der Personen, die Auswege aus der Schuldenfalle suchen, beträgt 40 Jahre. Studien und Erfahrungen belegen allerdings, dass eine steigende Anzahl Jugendlicher überschuldet ist. Aber häufig werden Handyschulden, Kredite oder Versandhausschulden von Eltern oder Großeltern übernommen, so dass den jungen Schuldnern der Weg in die Beratungsstelle erspart bleibt. Ob damit eine dauerhafte Erziehung zum vernünftigen Umgang mit Geld erreicht wurde, kann nur angezweifelt werden. Bei Bedarf kann von der Awo-Beratungsstelle z. B. für Lehrer und Erzieher auch der Kontakt zur Fachberatungsstelle Schuldnerberatung hergestellt werden, um Arbeitsmaterialien zur präventiven Arbeit mit Jugendlichen zu erhalten.
Als sehr bedenklich ist der Anstieg der Mietschuldner zu werten. Auch Schulden bei öffentlichen Gläubigern wie dem Landratsamt, den Kommunen oder dem Finanzamt, Verbindlichkeiten bei Telekommunikationsunternehmen oder Versicherungen können immer häufiger von den Rat Suchenden nicht beglichen werden.
Im Jahr 2004 wurden von den Beratungsfachkräften bisher 25 Anträge für ein Verbraucherinsolvenzverfahren fertig gestellt und von den Betroffenen beim Insolvenzgericht in Mühlhausen eingereicht. Allerdings ist die eigentliche Eröffnung der Verfahren auf Grund der Vielzahl der dort eingehenden Anträge mit Wartezeiten bis zu mehreren Monaten verbunden.
Deshalb bemühen sich die Mitarbeiter der Beratungsstelle auch in einigen Fällen um Entschuldungswege ohne die Inanspruchnahme eines privaten Insolvenzverfahrens. Dabei werden auf der Grundlage der Vermittlung zwischen Schuldner und Gläubigern realistische Ratenvereinbarungen getroffen, zeitweilige Stundungen und andere Zahlungserleichterungen erreicht. Ein Problem, das die Beratungsarbeit ständig begleitet, ist immer wieder die Verweigerung der Banken, jedem Bürger ein Konto auf Guthabenbasis zu eröffnen. Hier werden Betroffene unterstützt, sich bei ungerechtfertigter Ablehnung gegen diese zu wehren und Schlichtungsstellen um Klärung zu bitten.



