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Fr, 06:00 Uhr
17.03.2017
MENSCHEN – KONFLIKTE – PARAGRAFEN

Lieber schwitzen statt sitzen

29 Jahre ist er alt. Ledig. Aber Vater eines achtjährigen Kindes. Es wohnt bei der Mutter. Heiko D. ist von Beruf Maurer. Aber arbeitslos. Er bezieht eine Grundsicherung von etwa 400 Euro. Mit Hartz-4 zusammengerechnet um die 750 Euro im Monat...


Wegen Volksverhetzung steht der unscheinbar wirkende junge Mann vor Gericht. Der Strafbefehl war im September ergangen. Nach einem Vorfall, der sich im März des Vorjahres ereignete. Nach reiflichem Alkoholkonsum, der Wert ergab 1,96 Promille, hielt er die Zunge nicht mehr hinter den Zähnen.

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Damit es auch viele hören konnten, platzte es aus ihm im Bereich des Hauptbahnhofes heraus: Alle Ausländer müsste man vergasen. Bei Hitler herrschte Ordnung. Lautstark gebrüllt, blieben die Sätze nicht unerhört. Leute, die sie, schockiert, vernahmen, griffen zum Handy und verständigten die Polizei.

Das war vor einem Jahr. Ob Ausländer oder Asylsuchende gerade zugegen waren, konnte nicht belegt werden. Sätze aber, die dem Wüterich, der zudem mit geklautem Fahrrad unterwegs war, einen Strafbefehl von 30 Tagessätzen einbrachte. 750 Euro, für ihn ein Monatseinkommen, hatte er zu berappen. Das Geld hatte er nicht. Vielleicht wollte er auch nicht. Jedenfalls legte er Einspruch ein. Heiko wollte lieber Stunden leisten und den Betrag abarbeiten. Die Sache wurde deshalb gestern vor dem Amtsgericht neu verhandelt.

Ein Strafbefehl werde entweder mit Geld oder mit Freiheitsstrafe geahndet, machte ihm der Richter klar. Ein milderes Urteil könne der Einspruch nicht ergeben. Heiko D. zog ihn nach reiflicher Überlegung wieder zurück. Ihn erwartet demnächst eine Zahlungsaufforderung. Wie er damit umgehe, bleibt ihm überlassen. Er kann sich um eine für ihn günstige Abzahlung bemühen. Suchen sie sich bald eine Arbeit, motivierte ihn Richter Henning Horstmeier. Ein Maurer könne doch zupacken. Und zupackende Hände würden gebraucht. Lieber schwitzen statt sitzen.

Das Gericht sah Heiko D., der jetzt im Kyffhäuserkreis wohnt, gestern nicht das letzte Mal. Ein anderes Verfahren ist bereits anhängig. Wegen Körperverletzung.
Friedbert Specht
Autor: red

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Kommentare
Wolfi65
17.03.2017, 07:34 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema
Real Human
17.03.2017, 09:25 Uhr
Die Hetzer machen Karriere, …
… die Aufgehetzten haben den Schaden. Ein aufgehetzter Maurer hat es jetzt von seinen mickrigen H4-Bezügen abzuzahlen. „So ganz nebenbei“ ist Heiko D. sicher auch noch ein Mensch und damit „gottgemacht(?) fehlerbehaftet“. Man braucht nicht lange darüber nachzudenken, welche Leute ihn jetzt zum Märtyrer aber gleichzeitig auch zum nützlichen Patri-Id-ioten machen.

Wie sagt doch das dumme Volk, begreift es aber wohl nie: Die Kleinen werden verurteilt, die Großen aber werden gefeiert. Siehe dazu auch den Kommentar von Boris Weißtal in http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=208158 !

Die meisten „großen Reformatoren“ sollten nicht nur gefeiert werden! Man sollte auch "würdigen", was sie „so ganz nebenbei“ noch bewirkt haben.
Wolfi65
17.03.2017, 11:00 Uhr
Nochmal zum mitlesen
Die sogenannte Grundsicherung ist das absolute Lebensminimum, was einem in diesen feinen Rechtstaat zusteht.
Davon kann und wird nichts abbezahlt.
Auch nicht in Miniraten, denn dann bleibt ja zum Leben nichts mehr übrig, oder man zahlt ein Leben lang ab.
Oder soll vielleicht der Angeschuldigte mit Hunger zum Rechtschaffenden Bürger umerzogen werden?
Aber solange man an der anderen Seite des Verteilungs-Tisches sitzt, kann man große Sprüche klopfen.
Gehard Gösebrecht
17.03.2017, 11:11 Uhr
Schöne Sprüche
"Maurer und zupackende Hände werden gebraucht."
Da fallen mir gleich die schönen Sprüche der pseudo Regierung Merkel ein.
Wir brauchen Fachkräfte!
Fragt sich wohl bloß wo denn?
So lange es Millionen Arbeitslose gibt, braucht man einen Arbeitslosen nicht mit Durchhalteparolen einschüchtern zu versuchen.
Alles leere Worte einer so doch unabhängigen Justiz.
NDHler
17.03.2017, 12:46 Uhr
Arbeitsloser Maurer!
Das ist ja eigentlich ein Wiederspruch in sich!
Fragen sie mal bei einschlägigen Firmen nach und alle werden bestätigen, dass Maurer dringend gesucht werden. Allerdings nicht mit dieser Vorgeschichte bzw. Strafakte. Das nächste Verfahren wegen Köperverletzung ist ja bereits im Anmarsch. Welcher Arbeitgeber stellt denn so jemanden ein, vielleicht sollte sich der junge Mann darüber mal Gedanken machen!
Würde sich Heiko D. etwas im Zaum halten hätte er auch einen sicheren Arbeitsplatz!
Mein Mitleid hält sich hier in Grenzen!
Wolfi65
17.03.2017, 13:38 Uhr
So so
Wer eine oder mehrere Eintragungen im Führungszeugnis hat, wird als Maurer ohne Führungsverantwortung nicht mehr eingestellt. Da frage ich mich jetzt aber wirklich wieso in diesem Staate noch so viele in der Regierung sitzen. Von sogenannten Vorbildern in irgendwelchen Fußballvereinen ganz zu schweigen. War da nicht auch einmal ein Herr Hartz .......... Aber Veruntreuung und Unterschlagung in Millionenhöhe zählen bei der Justiz weniger als ein Faustschlag.
NDHler
17.03.2017, 15:29 Uhr
Wolfi65
Da haben sie völlig Recht @Wolfi65! In Politik und Wirtschaft laufen genügend Verbrecher herum! Seitens der Politik fallen mir da gleich Herr Fischer oder Herr Gysi ein. Aber Vorsicht hier darf man ja nichts sagen oder behaupten, es droht der Knast! Oder Herr Özdemir der meint auf Fotos vor illegalen Drogen zu posieren, usw.!
Interessant ist dabei aber WAS derjenige auf dem Gewissen hat!
Ich als Arbeitgeber würde mir jedenfalls genau überlegen, ob ich jemanden einstelle, der die Judenvergasung so klasse findet, dass er das „Prozedere“ gern auf alle heute hier lebenden Ausländer anwenden möchte! Dazu kommt dann noch (man beachte während das erste Verfahren schon läuft) das zweite wegen Köperverletzung hinzu!
Jetzt frage ich Sie @Wolfi65, würde sie diesen Mann einstellen und wenn ja mit welchen Beweggründen? Um ihm eine Chance zu geben?! Einem der auf das erste laufende Verfahren gleich noch eine Körperverletzung draufpackt?! Ich nicht!
Wolfi65
17.03.2017, 16:36 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema des Beitrages
Wolfi65
17.03.2017, 17:12 Uhr
Ja, ich würde den einstellen
Um zu schauen, ob hinter den Sprüchen auch eine Arbeitsleistung steht.
Real Human
18.03.2017, 10:48 Uhr
VORBILD Joschka Fischer?
Für den 29jährigen Heiko D. sind hoffentlich noch längst nicht „alle Züge abgefahren“. Das zeigt gerade die Biografie des Abbrechers Joschka Fischer: Gymnasium abgebrochen, Fotografenlehre abgebrochen dafür eine Karriere als politischer Straßenrowdy begonnen … und doch am Ende deutscher Außenminister geworden ... mehrfach(?) Ehrendoktor und Ehrenbürger.

„Ich [...] habe erkannt, wie Gewalt die eigenen Gesichtszüge verzerrt, selbst wenn man meint, sie aus guten Gründen einsetzen zu können. [...] Ich habe damals Unrecht getan, und ich habe mich dafür zu entschuldigen bei allen, die davon betroffen waren." (https://de.wikipedia.org/wiki/Joschka_Fischer)

Wie schäbig sind dagegen die ANONYMEN Politiker-Beschimpfungen gegen Herrn Fischer, Herrn Gysi und Herrn Özdemir!?

„Ich als Arbeitgeber [Sind sie wirklich selbstständig „NDHler“?] würde mir jedenfalls genau überlegen, ob ich jemanden einstelle, der die Judenvergasung so klasse findet, dass er das ‚Prozedere‘ gern auf alle heute hier lebenden Ausländer anwenden möchte!“

Judenvergasung ein „Prozedere“?!
Das erinnert mich an: „Die Nazis waren eigentlich gar nicht so übel, nur die Sache mit den Juden, das hätten sie lieber sein lassen sollen!“

Joschka Fischer hat „die Kurve gekriegt“, bei Heiko D habe ich meine Zweifel. Aber, wie war das mit der Hoffnung noch mal? Auch diese Schicksale sind gute Argumente für ein wohlüberlegtes BGE. Mit dessen Einführung hätte dann niemand mehr einen Grund, zum Gewalttäter zu werden!

@ Wolfi65: Welches Menschenbild haben sie eigentlich? Hat „der Mensch an sich“ einen positiven Wert oder bekommt er diesen erst durch seine Arbeitsleistung bzw. Nützlichkeit? Im letzteren Fall geschähe es uns Arbeit-“nehmern“ nämlich ganz recht, wenn wir eines Tages durch klaglose Roboter („Hubots“) ersetzt werden sollten.

Jörg Birkefeld
Wolfi65
18.03.2017, 13:59 Uhr
Aber Herr Birkefeld
Sie haben mich völlig falsch verstanden.
Es geht hier darum, ob Jemand seine Äußerungen in der Öffentlichkeit durch Leistung für die Gesellschaft untermauern kann, oder nur hole Phrasen drischt.
Wenn das Letztere zutrifft, dann sollte man doch ein wenig ruhiger werden und die zu Wort kommen lassen, welche aktiv sich in die Gesellschaft einbringen können und wollen.
Selbstverständlich haben auch Arbeitssuchende ein Recht mitzubestimmen.

Aber solche zeitlich unpassenden Auftritte, wie am Bahnhofsvorplatz, kann ich auch nicht gut hießen.
Man sollte eben nicht von Dingen reden, welche sich weit vor der eigenen Ankunft(Geburt) zugetragen haben sollen.
Das viele Arbeitsplätze in Zukunft durch Automatisierung wegfallen werden, ist auch kein Geheimnis mehr.
Dann hat der Mensch im realen Kapitalismus BRD noch einen pro Kopf Wert von ca. 400,-Euro.
Und ich stimme Ihnen vollkommen zu.
Das ist eine Art von Menschenfeindlichkeit, aber nicht von meinerseits.
MFG
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