Di, 18:20 Uhr
24.01.2017
Aus dem Jugendhilfeausschuss
Jede Menge Fragen, jede Menge Antworten
Wie sieht der Lebensalltag der Jugend im Landkreis Nordhausen aus? Wie sind ihre Vorlieben? Wo liegen Probleme? Im Rahmen der Jugendförderplanung hatte das Nordhäuser Landratsamt jüngst eine sogenannte Lebenslagenbefragung durchgeführt. Erste Ergebnisse wurden heute vorgestellt...
Daten, Daten, Daten - der Landkreis hat rund 4.400 Schülerinnen und Schüler zu ihren Lebensumständen befragt (Foto: Angelo Glashagel)
Überischtlichere Tagesordnung, dafür häufigere Treffen – der Jugendhilfeausschuss wollte heute mit neuem Elan in das neue Jahr starten. Zur ersten Sitzung sollte es vor allem um die Lebenslagenbefragung des Landratsamtes gehen.
Hintergrund ist die Erstellung des Jugendförderplans für die Jahre 2018 bis 2022. Befragt wurden insgesamt 4.400 Schülerinnen und Schüler. Der Rücklauf war außerordentlich hoch, was auch daran gelegen haben mag das man vor Ort in die Schulen gegangen war und die Fragebögen noch am selben Tag wieder mitgenommen werden konnten. "Nur diejenigen haben keine Antworten abgegeben, die an dem jeweiligen Tag krank waren", erklärte Nicole Weber, Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales im Landratsamt, im Grunde bedeute das, dass man die gesamte Schülerschaft des Landkreises befragen konnte.
Zusammengekommen ist ein äußerst umfangreicher Fundus an Daten. Befragt wurden Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 7 und ab der 8. Klasse aufwärts, einschließlich der Berufsschulen. Den jüngeren wurden 38, den höheren Klassenstufen 51 Fragen gestellt, eine Stunde hatten sie Zeit, diese zu beantworten. Sabine Reich, unter deren Ägide die Umfrage geplant und durchgeführt wurde, sprach den Kindern- und Jugendlichen ein deutliches Lob für ihren Fleiß und die hohe Qualität der Antworten aus.
Daten, Daten, Daten - der Landkreis hat rund 4.400 Schülerinnen und Schüler zu ihren Lebensumständen befragt (Foto: Angelo Glashagel)
Sabine Reich war es auch, die den Ausschuss mitnahm auf eine kurzer Ritt durch viele, viele Daten. Die Antworten ergeben ein breit gefächertes Bild des jugendlichen Alltags im Landkreis. Manches ist überraschend, anderes konnte man wohl erwarten. So gab die Mehrzahl der Befragten an einen großen Teil ihrer Freizeit in den eigenen vier Wänden zu verbingen. Etwa 27% gaben an mehrmals die Woche im Nachbarort zu sein, mit steigendem Alter stiegen auch die Angaben in diesem Feld.
Sehr viele Befragte verbringen mehr als drei Stunden am Tag im Netz, man ist auch in der Schule online, nicht nur zu Hause. Gefragt wurde auch nach Art und Ausprägung der Freizeitaktivitäten. Was tut man und mit wem? In der Breite zeigten sich viele Interessen, meinte Reich. Manches habe sich kaum geändert, ein eigene "Clique" ist auch dieser Tage noch vielen Jugendlichen wichtig. 62% gaben an einer Clique anzugehören, 38% verneinten.
Ab wann wird der Jugendclub besucht? Ab 13, 15 oder 17 Uhr? Und warum? Für viele seien hier Freunde der ausschlaggebende Punkt oder weil man andere kennen lernen möchte. In Abstufung konnten die Kinder- und Jugendlichen auch angeben, warum einem Besuch eines Clubs entgegen steht. Schlicht andere Interessen zu haben war ein häufiger Grund, zu strenge Regeln oder Tradition die einen Besuch verbieten würden wurden hingegen kaum als Gründe genannt.
Wie sieht es in der Familie aus? Wie verhalten sich die Eltern zu einem? Gibt es eher Lob, haben die Eltern viel am Kind auszusetzen, interessieren sich für die Aktivitäten ihrer Kinder und treffen die einzelnen Punkte nicht/kaum/eher oder genau zu? Wie sieht es mit dem Taschengeld aus? (55% der Befragten ab der 8. Klasse beziehen regelmäßig Taschengeld, 24% gelegentlich und 21% bekommen gar kein Taschengeld) Wo trifft man sich? (81 von 100 sind vor allem bei Freunden zu Hause, 57 treffen sich in der Stadt, 44 im Einkaufszentrum, immerhin noch 22 wählen die Bushaltestelle als Treffpunkt). Wie steht es um die Zufriedenheit im Wohnort? Allgemein ist die eher hoch, der Umfang an Einschätzungsmöglichkeiten, der hier wie auch bei vielen anderen Punkten vorhanden war, verdeutlicht die Schwierigkeit die Ergebnisse übersichtlich zusammenfassen. So konnten die Befragten ihre Zufriedenheit (unter anderem) unter folgenden Gesichtspunkten angeben: Nachbarschaft, Spielplätze, Sauberkeit, Sicherheit, Einkaufsmöglichkeiten, Radwege, Freizeitangebote, Sport, und, und, und.
Daten, Daten, Daten - der Landkreis hat rund 4.400 Schülerinnen und Schüler zu ihren Lebensumständen befragt (Foto: Angelo Glashagel)
In Sachen Selbstbild, Sorgen und Probleme wurde ein Gefühl des Allein seins sowie Überforderung, hoher Erwartungsdruck und die Angst etwas falsch zu machen häufiger als Probleme angegeben, letzteres vor allem bei den Kindern der 5. bis 7. Klassen. Viele sind aber auch mit sich zufrieden und "auf einiges Stolz". Manchen ist häufig auch "alles egal", was aber durchaus eine über die Zeiten hinweg jugendtypische Einstellung sein könnte. "Insgesamt sind die Jugendlichen braver und zielstrebiger als wir oft denken", sagte Reich angesichts der Antworten.
Von besonderem Interesse waren für Reich auch die Angaben zum Problembewusstsein der Jugendlichen, etwa zu Themen wie Drogen, Armut, Gewalt, Kriminalität, Ausländerfreindlichkeit, Lehrstellenmangel oder fehlende öffentliche Verkehrsmittel. 19 Prozent der Befragten gaben an schon einmal bestohlen worden zu sein, 25 Prozent wurden schon einmal geschlagen, immerhin 9 Prozent schon einmal sexuell belästigt. "Das ist sehr ernst zu nehmen und es gibt auch hier für uns einen planerischen Auftrag", sagte Reich.
An der Auswertung der Ergebnisse arbeite man seit rund zwei Wochen erklärte Sabine Reich, abgeschlossen ist die Analyse noch nicht, die heute vorgestellten Ergebnisse waren lediglich Ausschnitte. Noch einmal zwei Wochen brauche man, dann könne man zumindest die eigenen Einschätzungen zunächst abschließen, so Reich. Die Daten sollen aber auch darüber hinaus weiter ausgewertet werden und anderen Einrichtungen wie etwa den einzelnen Schulen zur Verfügung gestellt werden.
Angelo Glashagel
Autor: red
Daten, Daten, Daten - der Landkreis hat rund 4.400 Schülerinnen und Schüler zu ihren Lebensumständen befragt (Foto: Angelo Glashagel)
Überischtlichere Tagesordnung, dafür häufigere Treffen – der Jugendhilfeausschuss wollte heute mit neuem Elan in das neue Jahr starten. Zur ersten Sitzung sollte es vor allem um die Lebenslagenbefragung des Landratsamtes gehen.
Hintergrund ist die Erstellung des Jugendförderplans für die Jahre 2018 bis 2022. Befragt wurden insgesamt 4.400 Schülerinnen und Schüler. Der Rücklauf war außerordentlich hoch, was auch daran gelegen haben mag das man vor Ort in die Schulen gegangen war und die Fragebögen noch am selben Tag wieder mitgenommen werden konnten. "Nur diejenigen haben keine Antworten abgegeben, die an dem jeweiligen Tag krank waren", erklärte Nicole Weber, Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales im Landratsamt, im Grunde bedeute das, dass man die gesamte Schülerschaft des Landkreises befragen konnte.
Zusammengekommen ist ein äußerst umfangreicher Fundus an Daten. Befragt wurden Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 7 und ab der 8. Klasse aufwärts, einschließlich der Berufsschulen. Den jüngeren wurden 38, den höheren Klassenstufen 51 Fragen gestellt, eine Stunde hatten sie Zeit, diese zu beantworten. Sabine Reich, unter deren Ägide die Umfrage geplant und durchgeführt wurde, sprach den Kindern- und Jugendlichen ein deutliches Lob für ihren Fleiß und die hohe Qualität der Antworten aus.
Daten, Daten, Daten - der Landkreis hat rund 4.400 Schülerinnen und Schüler zu ihren Lebensumständen befragt (Foto: Angelo Glashagel)
Sabine Reich war es auch, die den Ausschuss mitnahm auf eine kurzer Ritt durch viele, viele Daten. Die Antworten ergeben ein breit gefächertes Bild des jugendlichen Alltags im Landkreis. Manches ist überraschend, anderes konnte man wohl erwarten. So gab die Mehrzahl der Befragten an einen großen Teil ihrer Freizeit in den eigenen vier Wänden zu verbingen. Etwa 27% gaben an mehrmals die Woche im Nachbarort zu sein, mit steigendem Alter stiegen auch die Angaben in diesem Feld.
Sehr viele Befragte verbringen mehr als drei Stunden am Tag im Netz, man ist auch in der Schule online, nicht nur zu Hause. Gefragt wurde auch nach Art und Ausprägung der Freizeitaktivitäten. Was tut man und mit wem? In der Breite zeigten sich viele Interessen, meinte Reich. Manches habe sich kaum geändert, ein eigene "Clique" ist auch dieser Tage noch vielen Jugendlichen wichtig. 62% gaben an einer Clique anzugehören, 38% verneinten.
Ab wann wird der Jugendclub besucht? Ab 13, 15 oder 17 Uhr? Und warum? Für viele seien hier Freunde der ausschlaggebende Punkt oder weil man andere kennen lernen möchte. In Abstufung konnten die Kinder- und Jugendlichen auch angeben, warum einem Besuch eines Clubs entgegen steht. Schlicht andere Interessen zu haben war ein häufiger Grund, zu strenge Regeln oder Tradition die einen Besuch verbieten würden wurden hingegen kaum als Gründe genannt.
Wie sieht es in der Familie aus? Wie verhalten sich die Eltern zu einem? Gibt es eher Lob, haben die Eltern viel am Kind auszusetzen, interessieren sich für die Aktivitäten ihrer Kinder und treffen die einzelnen Punkte nicht/kaum/eher oder genau zu? Wie sieht es mit dem Taschengeld aus? (55% der Befragten ab der 8. Klasse beziehen regelmäßig Taschengeld, 24% gelegentlich und 21% bekommen gar kein Taschengeld) Wo trifft man sich? (81 von 100 sind vor allem bei Freunden zu Hause, 57 treffen sich in der Stadt, 44 im Einkaufszentrum, immerhin noch 22 wählen die Bushaltestelle als Treffpunkt). Wie steht es um die Zufriedenheit im Wohnort? Allgemein ist die eher hoch, der Umfang an Einschätzungsmöglichkeiten, der hier wie auch bei vielen anderen Punkten vorhanden war, verdeutlicht die Schwierigkeit die Ergebnisse übersichtlich zusammenfassen. So konnten die Befragten ihre Zufriedenheit (unter anderem) unter folgenden Gesichtspunkten angeben: Nachbarschaft, Spielplätze, Sauberkeit, Sicherheit, Einkaufsmöglichkeiten, Radwege, Freizeitangebote, Sport, und, und, und.
Daten, Daten, Daten - der Landkreis hat rund 4.400 Schülerinnen und Schüler zu ihren Lebensumständen befragt (Foto: Angelo Glashagel)
In Sachen Selbstbild, Sorgen und Probleme wurde ein Gefühl des Allein seins sowie Überforderung, hoher Erwartungsdruck und die Angst etwas falsch zu machen häufiger als Probleme angegeben, letzteres vor allem bei den Kindern der 5. bis 7. Klassen. Viele sind aber auch mit sich zufrieden und "auf einiges Stolz". Manchen ist häufig auch "alles egal", was aber durchaus eine über die Zeiten hinweg jugendtypische Einstellung sein könnte. "Insgesamt sind die Jugendlichen braver und zielstrebiger als wir oft denken", sagte Reich angesichts der Antworten.
Von besonderem Interesse waren für Reich auch die Angaben zum Problembewusstsein der Jugendlichen, etwa zu Themen wie Drogen, Armut, Gewalt, Kriminalität, Ausländerfreindlichkeit, Lehrstellenmangel oder fehlende öffentliche Verkehrsmittel. 19 Prozent der Befragten gaben an schon einmal bestohlen worden zu sein, 25 Prozent wurden schon einmal geschlagen, immerhin 9 Prozent schon einmal sexuell belästigt. "Das ist sehr ernst zu nehmen und es gibt auch hier für uns einen planerischen Auftrag", sagte Reich.
An der Auswertung der Ergebnisse arbeite man seit rund zwei Wochen erklärte Sabine Reich, abgeschlossen ist die Analyse noch nicht, die heute vorgestellten Ergebnisse waren lediglich Ausschnitte. Noch einmal zwei Wochen brauche man, dann könne man zumindest die eigenen Einschätzungen zunächst abschließen, so Reich. Die Daten sollen aber auch darüber hinaus weiter ausgewertet werden und anderen Einrichtungen wie etwa den einzelnen Schulen zur Verfügung gestellt werden.
Angelo Glashagel

