Do, 08:39 Uhr
22.12.2016
Krippenspiel mit Olaf Schubert
Hinter der Schmerzgrenze
Gestern Abend war es wieder soweit: zum 21. mal gastierten Olaf Schubert und Kollegen mit ihrer ganz eigenen Version des Krippenspiels in Nordhausen. In diesem Jahr begaben sich Jesus und Oma Maria hinter die Schmerzgrenze des pädagogischen Alltags...
Hinter der Schmerzgrenze hilft nur noch Hysterin in Tablettenform - gestern Abend gastierten Olaf Schubert und Freunde wieder mit ihrem Krippenspiel am Nordhäuser Theater. Es ist einer der Höhepunkte im Veranstaltungskalender des Nordhäuser Jazzclubs, schon zu Zeiten als der Dresdner Comedian noch eher unbekannt war, lud man ihn und seine Kollegen nach Nordhausen ein. Den ersten Auftritt in der Rolandsstadt wurde im Clubhaus vor überschaubarem Publikum absolviert. All das war einmal, seit Jahren schon garantiert das Krippenspiel ein ausverkauftes Haus, das war auch gestern nicht anders.
An besagter Grenze verrichtet Oma Maria ihren Dienst, als sie Stabhochspringer Joseph kennen lernt. Da die beiden von der Nummer mit der unbefleckten Empfängnis so gar nichts halten, werden sie nicht nur mit Jesus gesegnet, sondern auch dazu verdammt, eine Schule zu leiten.
In den tiefen des pädagogischen Betriebs, ob beim Eignungstest oder dem Elternabend, wurde die "Schmerzgrenze" vom willkommenen Kalauer bis zur terminologisch wogenden Wortkaskade immer wieder überschritten. Inspiration hat man sich in diesem Jahr wohl auch bei Monty Python geholt, zwei der drei heiligen Könige zeigten deutliche Verwandschaft mit den Kerkerknechten aus dem "Leben des Brian", zumindest in ihrer Sprachgewandheit. Gott übernimmt auch gerne ein paar Schäfchen von Kollege Allah, solang die keinen Führerschein haben. Und mit dem Paradies mit Milch, Honig und Jungfrauen ist auch nicht mehr so leicht. Gibt ja nicht mehr soviele Imker. Von den Jungfrauen gar nicht zu sprechen. Kennste ja.
Das überschreiten der Schmerzgrenze geschieht am Abend mit Ansage. Dabei war und ist das Krippenspiel immer auch Provokation, für jetzt und immerdar, mal virtuos, mal niveaulos, mal am "Bodensatz...dem Sediment, quasi dem Klärschlamm der Gesellschaft", mal in postmodernen Bewusstseinsstrom. Und immer witzig. Irgendwie.
Am Ende wird auch in dieser Version der Geschichte Jesus ans Kreuz geschlagen, auch wenn es erst einmal ein anderes ist als jenes, das über dem Altären hängt. Und was bleibt dem Heiland dann zu tun? "Dran bleiben", ist klar. Dem Nordhäuser Publikum ist es nur zu wünschen das auch Schubert und Co. "dran bleiben" und der Stadt mit ihren jährlichen Besuchen die Treue halten. Denn was wäre Weihnachten in Nordhausen ohne das Krippenspiel? In jedem Fall weniger erheiternd.
Angelo Glashagel
Autor: redHinter der Schmerzgrenze hilft nur noch Hysterin in Tablettenform - gestern Abend gastierten Olaf Schubert und Freunde wieder mit ihrem Krippenspiel am Nordhäuser Theater. Es ist einer der Höhepunkte im Veranstaltungskalender des Nordhäuser Jazzclubs, schon zu Zeiten als der Dresdner Comedian noch eher unbekannt war, lud man ihn und seine Kollegen nach Nordhausen ein. Den ersten Auftritt in der Rolandsstadt wurde im Clubhaus vor überschaubarem Publikum absolviert. All das war einmal, seit Jahren schon garantiert das Krippenspiel ein ausverkauftes Haus, das war auch gestern nicht anders.
An besagter Grenze verrichtet Oma Maria ihren Dienst, als sie Stabhochspringer Joseph kennen lernt. Da die beiden von der Nummer mit der unbefleckten Empfängnis so gar nichts halten, werden sie nicht nur mit Jesus gesegnet, sondern auch dazu verdammt, eine Schule zu leiten.
In den tiefen des pädagogischen Betriebs, ob beim Eignungstest oder dem Elternabend, wurde die "Schmerzgrenze" vom willkommenen Kalauer bis zur terminologisch wogenden Wortkaskade immer wieder überschritten. Inspiration hat man sich in diesem Jahr wohl auch bei Monty Python geholt, zwei der drei heiligen Könige zeigten deutliche Verwandschaft mit den Kerkerknechten aus dem "Leben des Brian", zumindest in ihrer Sprachgewandheit. Gott übernimmt auch gerne ein paar Schäfchen von Kollege Allah, solang die keinen Führerschein haben. Und mit dem Paradies mit Milch, Honig und Jungfrauen ist auch nicht mehr so leicht. Gibt ja nicht mehr soviele Imker. Von den Jungfrauen gar nicht zu sprechen. Kennste ja.
Das überschreiten der Schmerzgrenze geschieht am Abend mit Ansage. Dabei war und ist das Krippenspiel immer auch Provokation, für jetzt und immerdar, mal virtuos, mal niveaulos, mal am "Bodensatz...dem Sediment, quasi dem Klärschlamm der Gesellschaft", mal in postmodernen Bewusstseinsstrom. Und immer witzig. Irgendwie.
Am Ende wird auch in dieser Version der Geschichte Jesus ans Kreuz geschlagen, auch wenn es erst einmal ein anderes ist als jenes, das über dem Altären hängt. Und was bleibt dem Heiland dann zu tun? "Dran bleiben", ist klar. Dem Nordhäuser Publikum ist es nur zu wünschen das auch Schubert und Co. "dran bleiben" und der Stadt mit ihren jährlichen Besuchen die Treue halten. Denn was wäre Weihnachten in Nordhausen ohne das Krippenspiel? In jedem Fall weniger erheiternd.
Angelo Glashagel















