Fr, 10:27 Uhr
06.08.2004
Einen Tag früher
Nordhausen (nnz). Am Montag soll in Nordhausen wieder demonstriert werden. Vor allem gegen die Reformen der Bundesregierung und für eine Rücknahme der Agenda 2010. Die Organisatoren wollen an die Traditon der Wende-Demos anküpfen, kommen jedoch damit einen Tag zu früh.
Montags sei in Nordhausen zur Wende nicht demonstriert worden, wissen die Nordhäuser. Der August-Bebel-Platz war immer dienstags im Wendeherbs- und –winter der Jahre 1989/90 gefüllt. Wie dem auch sei: Wir sind das Volk, das war schon bereits am 28. Juli zu lesen. Da hatten drei Nordhäuser Frauen zu einer Protstveranstaltung vor dem Rathaus aufgerufen. Mehr als 300 Nordhäuser kamen an diesem Mittwochabend und machten ihrem Unmut über Hartz und Co richtig Luft. Zu diesem Mittwochabend wurde eher spontan und unorganisiert aufgerufen. Jetzt sind die Organsiatoren bereits professineller ans Werk gegangen. Es bleibt abzuwarten, wie viele Nordhäuser sich am Montag auf den Weg an Rathaus machen werden.
Rund 10.000 Hartz-IV-Betroffene gibt es statistisch gesehen im Landkreis Nordhausen. Das sind zwar nur etwas mehr als zehn Prozent der gesamten Bevölkerung, doch die Auswirkungen des Arbeitslosengeldes II sind jetzt schon erahnbar. Auch im Landkreis Nordhausen wird Kaufkraft verloren gehen, Experten rechnen für ganz Deutschland mit mehr als 9 Milliarden Euro. Dieser Kaufkraftverlust wird in erster Linie wieder den kleinen und mittelständischen Unternehmer treffen, während bei Aldi und Co alles beim Alten bleiben könnte.
Die sozialen, menschlichen und psychologischen Folgen der Hartz-Auswirkungen sind jetzt kaum einzuschätzen, sie sind einfach nicht in Zahlen zu fassen. Sie werden, da sind sich Sozialwissenschaftler einig, einen Riß in der Gesellschaft hinterlassen. Der Riß, er wird im Osten ungleich breiter und tiefer verlaufen als im Westen.
Jetzt wurde angekündigt, daß einige Wohlfahrtsverbände in diesem Deutschland plötzlich im kommenden Jahr zig Tausende von Arbeitsplätzen anbieten wollen. Da können die Menschen ja richtig aufatmen, vor allem die Empfänger von ALG II. Sie können dann arbeiten, für einen Stundenlohn von einem bis zwei Euro.
Mehrere nnz-Leser haben sich im Forum den drei Frauen angeschlossen, die sich friedlich gegen die Politik einer sozialdemokratisch geführten Bundesregierung auflehnen wollen. Auch das ist letztlich das Resultat derer, die vor 15 Jahren den Mut des Widerstandes hatten. Einige wird man vielleicht am kommenden Montag auf dem Platz vor dem Rathaus wiedersehen.
Und auch dort, wo einst in der DDR die Wende auf den Weg gebracht wurde, in Leipzig, soll wieder mit einem Friedensgebet begonnen werden. Das Friedensgebet mit anschließender Demonstration sei für den 30. August geplant, berichtet die "Berliner Zeitung". "Die Menschen fühlen sich ohnmächtig gegenüber dem drastischen Sozialabbau", sagte Christian Führer, Pfarrer der Nikolai-Kirche.
Es herrsche heute "eine bedrohliche Unruhe", eine politische Alternative sei nicht in Sicht, meinte Führer. "Das macht die Situation für die Menschen so trostlos und scheinbar ausweglos." Die Proteste könnten nach Ansicht des Leipziger Pfarrers zu einer Bewegung werden. Im Herbst 1989 sei der SED-Unrechtsstaat auf friedliche Weise hinweggefegt worden. "Eine genauso große Bewegung brauchen wir für den zweiten Teil der friedlichen Revolution, der noch aussteht - nämlich den inneren Frieden in Deutschland herzustellen", sagte Führer. Der könne nur erreicht werden, indem der Abbau des Sozialstaates gestoppt wird.
Die Demo in Nordhausen beginnt am Montag (9. August 2004) um 19 Uhr auf dem Rathausplatz
Autor: nnzMontags sei in Nordhausen zur Wende nicht demonstriert worden, wissen die Nordhäuser. Der August-Bebel-Platz war immer dienstags im Wendeherbs- und –winter der Jahre 1989/90 gefüllt. Wie dem auch sei: Wir sind das Volk, das war schon bereits am 28. Juli zu lesen. Da hatten drei Nordhäuser Frauen zu einer Protstveranstaltung vor dem Rathaus aufgerufen. Mehr als 300 Nordhäuser kamen an diesem Mittwochabend und machten ihrem Unmut über Hartz und Co richtig Luft. Zu diesem Mittwochabend wurde eher spontan und unorganisiert aufgerufen. Jetzt sind die Organsiatoren bereits professineller ans Werk gegangen. Es bleibt abzuwarten, wie viele Nordhäuser sich am Montag auf den Weg an Rathaus machen werden.
Rund 10.000 Hartz-IV-Betroffene gibt es statistisch gesehen im Landkreis Nordhausen. Das sind zwar nur etwas mehr als zehn Prozent der gesamten Bevölkerung, doch die Auswirkungen des Arbeitslosengeldes II sind jetzt schon erahnbar. Auch im Landkreis Nordhausen wird Kaufkraft verloren gehen, Experten rechnen für ganz Deutschland mit mehr als 9 Milliarden Euro. Dieser Kaufkraftverlust wird in erster Linie wieder den kleinen und mittelständischen Unternehmer treffen, während bei Aldi und Co alles beim Alten bleiben könnte.
Die sozialen, menschlichen und psychologischen Folgen der Hartz-Auswirkungen sind jetzt kaum einzuschätzen, sie sind einfach nicht in Zahlen zu fassen. Sie werden, da sind sich Sozialwissenschaftler einig, einen Riß in der Gesellschaft hinterlassen. Der Riß, er wird im Osten ungleich breiter und tiefer verlaufen als im Westen.
Jetzt wurde angekündigt, daß einige Wohlfahrtsverbände in diesem Deutschland plötzlich im kommenden Jahr zig Tausende von Arbeitsplätzen anbieten wollen. Da können die Menschen ja richtig aufatmen, vor allem die Empfänger von ALG II. Sie können dann arbeiten, für einen Stundenlohn von einem bis zwei Euro.
Mehrere nnz-Leser haben sich im Forum den drei Frauen angeschlossen, die sich friedlich gegen die Politik einer sozialdemokratisch geführten Bundesregierung auflehnen wollen. Auch das ist letztlich das Resultat derer, die vor 15 Jahren den Mut des Widerstandes hatten. Einige wird man vielleicht am kommenden Montag auf dem Platz vor dem Rathaus wiedersehen.
Und auch dort, wo einst in der DDR die Wende auf den Weg gebracht wurde, in Leipzig, soll wieder mit einem Friedensgebet begonnen werden. Das Friedensgebet mit anschließender Demonstration sei für den 30. August geplant, berichtet die "Berliner Zeitung". "Die Menschen fühlen sich ohnmächtig gegenüber dem drastischen Sozialabbau", sagte Christian Führer, Pfarrer der Nikolai-Kirche.
Es herrsche heute "eine bedrohliche Unruhe", eine politische Alternative sei nicht in Sicht, meinte Führer. "Das macht die Situation für die Menschen so trostlos und scheinbar ausweglos." Die Proteste könnten nach Ansicht des Leipziger Pfarrers zu einer Bewegung werden. Im Herbst 1989 sei der SED-Unrechtsstaat auf friedliche Weise hinweggefegt worden. "Eine genauso große Bewegung brauchen wir für den zweiten Teil der friedlichen Revolution, der noch aussteht - nämlich den inneren Frieden in Deutschland herzustellen", sagte Führer. Der könne nur erreicht werden, indem der Abbau des Sozialstaates gestoppt wird.
Die Demo in Nordhausen beginnt am Montag (9. August 2004) um 19 Uhr auf dem Rathausplatz


