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Mo, 10:31 Uhr
31.10.2016
Referentenentwurf wird kritisiert

vzbv: Anlageberatung bleibt befangen

Mit dem Finanzmarktnovellierungsgesetz II will die Bundesregierung die Qualität der Anlageberatung verbessern. Eine neue EU-Richtlinie verlangt ab 2018 höhere Anforderungen zum Beispiel für Provisionen in der Beratung. Laut einer aktuellen Stellungnahme des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) verfehlt der Referentenentwurf die Ziele der Richtlinie...


„Der Referentenentwurf ist unzureichend. Er schützt das Provisionsgeschäft von Banken und Sparkassen. Verbraucher können nicht einmal erkennen, wo sie eine unabhängige Beratung bekommen und wo Provisionen oder Margen die Empfehlung eines Anlageprodukts beeinflussen“, sagt Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim vzbv.

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„Mit dem neuen Gesetz müssen Finanzinstitute Margen bei Festpreisgeschäften nicht offenlegen. Damit betreibt die Bundesregierung Interessenpolitik zu Gunsten von Banken und Sparkassen.“

Erfolgt der Verkauf von Anlageprodukten an Verbraucher per Festpreisgeschäft, wird das Finanzinstitut vom Produktanbieter nicht für die Vermittlung bezahlt, sondern übernimmt selbst den Verkauf. Es fällt also keine Provision an. Das Finanzinstitut kauft das Anlageprodukt aber zu einem festgelegten Preis und erhält es dabei günstiger als der Verbraucher.

Beim Weiterverkauf an den Verbraucher gelten trotzdem die ursprünglichen Konditionen – die Bank macht einen Gewinn (Marge) und hat damit einen Anreiz, Verbrauchern zu diesem Produkt zu raten. Der vzbv fordert, dass das neue Finanzmarktnovellierungsgesetz II festlegt, dass Banken Gewinnmargen genau wie Provisionen offengelegen müssen.

Unabhängige Beratung nicht benachteiligen

Laut EU-Finanzmarktrichtlinie muss Beratung, die als unabhängig beworben wird, provisionsfrei erfolgen. Der Gesetzentwurf definiert diese unabhängige Beratung als Honorar-Anlageberatung. Damit schafft er Wettbewerbshindernisse zu Gunsten der Provisionsberatung. „Unabhängige Beratung muss unabhängige Beratung heißen - nicht Honorarberatung. Hier werden statt dem Nutzen für Verbraucher die Kosten in den Vordergrund gestellt. Andersherum muss im Namen von Provisionsberatungen erkennbar sein, dass eine unabhängige Beratung nicht gesetzlich gewährleistet ist.“

Sicherheit bei Falschberatungen gewährleisten

Der Referentenentwurf geht abschließend nicht ausreichend auf die Schwächen der bisherigen Beratungsprotokolle ein. Diese werden künftig durch EU-weit geltende Geeignetheitserklärungen abgelöst. Um die Schwächen der bisherigen Beratungsprotokolle zu beheben, müssen die neuen Erklärungen stärker als bisher vorgesehen standardisiert werden.

Mit dem Finanzmarktnovellierungsgesetz II setzt die Bundesregierung die EU-Finanzmarktrichtlinie vom 15. Mai 2014 um. Die Richtlinie enthält unter anderem Regelungen zur Anlageberatung gegenüber Verbrauchern. Der vzbv setzt sich langfristig nicht nur für mehr Transparenz, sondern für die Trennung von Beratung und Vertrieb bei Finanzanlageprodukten ein.
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Kommentare

31.10.2016, 11.02 Uhr
Oberstudienrat | Super !
Die Zinsen habt ihr, den Banken schon genommen, die Provisionen reglementiert und nun sollen die Festpreisgeschäfte auch noch kostenlos sein ? Böse Banker, wie kommen die bloß dazu sich für Ihre Arbeit bezahlen zu lassen. Die Margen beim Bäcker schonmal überprüft ? Der ist genauso böse, weil er vom Kunden mehr verlangt als er selbst an Ausgaben hat. Oh Mist ! In der Autowerkstatt ist das ja auch so....

Eigentlich müssten die Verbraucherschützer doch auch den Girokonteninhabern auf die Finger klopfen. Die wollen für ihr Geld auch noch Zinsen haben - die Bank muss ihrerseits bei der EZB und am Interbankenmarkt dafür bezahlen, dass sie Geld auf dem Konto hat..
nämlich das Geld ihrer Kunden.

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31.10.2016, 14.19 Uhr
Leser X | Das ist der finanziell-politische-Komplex...
... der sich in der Schröter-Ära zusammenrottete, um in unheiliger Allianz zwischen der Politik und der Versicherungswirtschaft neue und effektivere Wege zu finden, den Menschen das Fell über die Ohren zu ziehen.

Um die Leute in diese Spur zu hieven, instrumentalisierte man schon damals das Vorhaben, trotz immer profitablerer, ausbeutungsintensiverer Arbeit den Menschen mit sinkenden Renten zu drohen.

Ich nenne das Kriminalität von höchster Stelle. Und was ich nicht verstehe: Was sind wir eigentlich für ein Volk, dass wir diese Halsabschneider, inzwischen unter Merkels Behehl, derart ungestraft gewähren lassen???

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31.10.2016, 15.15 Uhr
micha gerlach | naiv
Ich gehe doch auch nicht zu Media-Markt und erwarte, dass die mich kostenlos darüber beraten, welcher Kaffeevollautomat zum einen meinen Wünschen entspricht, darüber hinaus auch noch das preiswerteste Model ist und in welchem Elektronikmarkt ich es am günstigsten bekomme.

Der Berater einer Bank steht nie auf der Seite des Kunden.

Bei fast jedem Kauf informiert man sich bei unabhängigen Stellen, oder von denen man es zumindest glaubt. Ob nun Stiftung Warentest, amazon-Bewertungen, oder was auch immer. Wieso erwartet man ausgerechnet von Banken oder Sparkassen, dass sie nicht ausschließlich ihre eigenen Interessen vertreten?

Mit einer gesetzlichen Regelung zur Honorarberatung wird der Einstieg in eine Alternative der Bankberatung geschaffen, die es eigentlich schon gibt, die jedoch nur von wenigen genutzt wird.

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