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Fr, 15:00 Uhr
28.10.2016
25 Jahre Bund der Vertriebenen in Nordhausen

Vertreibung, Flucht und Versöhnung

Einst waren sie "Umsiedler" oder "Neubauern", in keinem Fall Flüchtlinge oder Vertriebene. Das gab, das durfte es nicht geben. Zumindest nicht bis zur Wende 1989/90. Auch im Südharz nutzte die Vertriebenen von damals und ihre Hinterbliebenen die neue Freiheit nach der Wende und organisierten sich im "Bund der Vertriebenen". Heute traf man sich in Bleicherode zum 25. Jubiläum...

Als Gastredner sprachen Egon Primas, Manfred Grund und auch Frank Rostek über die eigenen Wurzeln. Wie in so mancher Familienbiografie hierzulande sind Flucht und Vertreibung teil der Geschichte. "Wir haben uns mit dem Schicksal angefreundet", sagte Bleicherodes Bürgermeister Frank Rostek, heute gelte es das beste aus der Heimat zu machen, die man habe, auch unter zunehmend schwierigen Bedingungen.

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Das Thema ist dieser Tage wieder aktuell, allerdings unter anderen Vorzeichen, darauf ging auch der Vorsitzende des Nordhäuser BdV, Egon Primas ein. "Identität schützen und Menschenrechte achten" lauten die diesjährigen Leitworte des Vertriebenenbundes. Die Bräuche christlichen Ursprungs machten einen beträchtlichen Teil der individuellen, kulturellen und europäischen Identität. Es gelte die "Identitätsmerkmale der Volksgruppen zu schützen" solange sie sich im Rahmen der Menschenrechte bewegten.

Die aktuelle Flüchtlingsdebatte habe man aufgegriffen und mit eigenen Inhalten gefüllt, selten habe so großes Interesse an der Arbeit des BdV bestanden. 65 Mio. Menschen sind heute weltweit auf der Flucht oder werden vertrieben, erklärte Primas, Deutschland sei dabei ein begehrtes Ziel. Für die Schicksale der modernen Flüchtlinge habe man Verständnis, "wer um Leib und Leben fürchten müsse, den müssen wir schützen und aufnehmen", sagte Primas der nnz.

Wer aber die heutigen Herausforderungen mit der Vertreibung der Deutschen nach dem Krieg vergleiche, dessen Analyse bewege sich gefährlich an der Oberfläche. Konflikte habe es auch damals gegeben, etwa zwischen Katholiken und Protestanten, so Primas, vielerorts seien Ehen zwischen den Konfessionen auf Jahre hin de facto verboten gewesen. Es habe aber auch für jeden eine Aufgabe gegeben, beim Wiederaufbau habe jeder anpacken können, weil die Leute ausgebildet waren und deutsch sprechen konnten. Eine Rückkehr sei damals nicht möglich gewesen, heute sei das anders. Wer als Kriegsflüchtling dieser Tage Aufnahme finde, der habe heute die Chance mit Ende der Bedrohung auch wieder zurückkehren, in Deutschland finde man Aufnahme auf Zeit, so Primas.

Zum 25. Jubiläum ehrte der BdV auch einige seiner verdienten Mitglieder, darunter auch Erika Schirmer. Die 90-jährige war für ihr Lebenswerk jüngst mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Neben die Vertreibung müsse man auch die Versöhnung stellen, sagte Schirmer, was sie in den 14 Schulen in Polen, in denen sie auch heute noch aktiv ist, immer wieder erlebe.
Angelo Glashagel
Autor: red

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