eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Sa, 08:46 Uhr
15.10.2016
nnz-Forum

Die "Verwesung" der Eliten

Eigentlich war mit diesem Text, der bereits vor mehreren Wochen entstanden ist, der Versuch verbunden über die nnz zumindest indirekt Kontakt mit der aktuellen Thüringer Landesregierung aufzunehmen. Eigentlich...


Da sich aber bei mir mittlerweile die Auffassung durchgesetzt hat, dass auch bei RRG Hopfen und Malz verloren ist, hatte ich davon Abstand genommen. Den Lesern der nnz möchte ich den Text trotzdem nicht vorenthalten, er passt gerade so gut zu den Diskussionen über die Gebietsreform.

Anzeige Refinery (lang)
Voranstellen möchte ich die Annahme, dass es auch und gerade der Politik bekannt sein sollte, dass Gutachter häufig die Erkenntnisse zu Papier bringen, die der Auftraggeber wünscht. Deshalb erhält man nicht selten in drei verschiedenen Gutachten zu einem Thema fünf verschiedene Aussagen!

Die Tatsache, dass die gutachterbasierte Prognose für die Bevölkerungsentwicklung bis 2035 die Grundlage für die stringenten Vorgaben zur Gemeindegebietsreform (eigenständige Gemeinden erst ab 6000 Ew. zu diesem Zeitpunkt! ) darstellt, zeigt nicht nur, dass Sie erwarten, dass sich die negative Bevölkerungsentwicklung in den ländlichen Regionen fortsetzt oder sogar verstärkt, sondern zeigt auch und vor allen Dingen, dass Sie nicht gewillt sind, die politischen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass sich diese negativen Entwicklungstendenzen abschwächen oder sogar umkehren.

Sie lassen die betroffenen Regionen, die in der Regel ihre Misere nicht selbst verschuldet haben, sprichwörtlich im Regen stehen. Dabei sind die Ursachen in erster Linie politischer Natur (z.B. die sogenannte und in höchsten Tönen glorifizierte Leuchtturmpolitik, die scheinbar undurchschaubaren Fördermittelvergabepraktiken oder auch der von der jeweils höheren politischen Ebene festgelegte selbstzweckbestimmte Steuereinnahmenumverteilungsschlüssel).

Nun liegen die fundamentalen Ursachen für diese negative Entwicklung wirklich nicht bei RRG, sie beginnen mindestens schon bei Fehleinschätzungen Konrad Adenauers (sinngemäßes Zitat nach Ausführungen von Jürgen Rüttgers im focus: "Kinder bekommen die Menschen immer! "). In meiner Wahrnehmung absolut befremdlich ist aber, dass sie mit dem Anspruch angetreten sind, in der Politik vieles anders und besser zu machen. Tatsächlich wird aber alles in Frage gestellt, wenn sie eine in dieser Machart fragwürdige Gemeindegebietsreform mit aller Macht durchpeitschen ohne die dringend notwendige durchgreifende Verwaltungsstrukturreform auch nur ansatzweise in Angriff zu nehmen.

Die über 1000 hochqualifizierten aber nach allgemein bekannter Lesart extrem unterbezahlten Beamten im Landesverwaltungsamt endlich freizuschaufeln müsste ihnen doch ein Herzensbedürfnis sein, um der fachkräftemangelgeplagten freien Wirtschaft endlich etwas Luft zu verschaffen. Auch für die betroffenen Beamten wäre es ein Segen, hätten Sie doch endlich die Chance, Gehälter und Arbeitsbedingungen auszuhandeln, die ihrem Leistungsvermögen auch angemessen sind. Selbstverständlich gilt das gleichermaßen für viele andere leitende Beamte, die in anderen Bereichen der Verwaltung ihr Unwesen treiben, während ihrer bezahlten Dienstzeit im Thüringer Wald Hirsche schießen und im Urlaub vom Aussterben bedrohte Elefanten. Da sie ihren Beamten die horrenden Gehälter in der freien Wirtschaft in Thüringen offensichtlich nicht gönnen, muss man dann auch ihnen unterstellen, das allein machtpolitische Aspekte das politische Handeln dominieren.

Und damit kommt der Betrachter immer mehr zu der Erkenntnis, dass es völlig egal ist, welche Farben die Fahnen haben, die sich die gerade Regierenden um die Hüften binden. Und Sie wundern sich über Resignation und in den letzten Jahren schwindende Wahlbeteiligung? Dann werden sie sich bald noch mehr wundern, denn der (scheinbare) Ausweg ist mittlerweile für viele die passive und auch aktive Verachtung der politischen Akteure in allen europäischen, nationalen, regionalen und lokalen Hierarchieebenen und in der zweiten Stufe (der Verzweiflung) die Unterstützung von Radikalisten per Kreuzchen auf dem Wahlzettel und später unter Umständen auch durch aktive Beteiligung an Aktionen, die den tatsächlichen Zustand der Gesellschaft auf erschreckende Weise dokumentieren. Wenn sie etwas genauer hinschauen, könnten sie eventuell bemerken, dass dieser Prozess nicht erst bevorsteht.

Verstecken Sie sich bitte nicht mehr hinter gebetsmühlenartig vorgetragen Aufforderungen zu Bürgerengagement und Zivilcourage. Schaffen Sie bitte die Rahmenbedingungen dafür, dass solches Tun auch Früchte tragen kann und nicht zur Selbstzerstörung der mutigen Aktivisten beiträgt. Zu diesen Rahmenbedingungen gehört neben der nachhaltigen Durchsetzung von Ordnung und Sicherheit zu jeder Tag- und Nachtzeit auch eine überschaubare und effiziente Verwaltung mit entsprechend veränderten Regelwerkstexten, deren Umsetzung nicht mehr vorrangig den jeweils thematisch beteiligten Lobbys, sondern allen verantwortungsbewussten und zukunftsorientierten Menschen gleichermaßen zugute kommt. Es setzt weiterhin voraus, dass echte Wertschöpfung und Verwaltung der geschöpften Werte wieder in ein gesundes Verhältnis gesetzt werden. Davon sind wir gegenwärtig soweit entfernt wie die politischen Ansichten Oskar Lafontaines von den politischen Positionen eines Edmund Stoiber.
Fönix, der Name des Autors ist der Redaktion bekannt

Fönix ist konservativer Humanist ohne jegliche Bindung an irgendeine Partei, der dabei ist, sich endgültig angeekelt von der Politik abzuwenden und sich mittlerweile sowohl eine Zentralregierung als auch Regionalregierungen nach Vorbild des germanischen Thing herbeisehnt.
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Anzeige symplr (6)
Kommentare
Gudrun1974
15.10.2016, 09:50 Uhr
@fönix: Dann ab in den Thing
Es stört Sie so ziemlich alles, fönix. Sie sehen nicht, wie sich Politiker Tag für Tag abschuften unter Hintenanstellung Ihres Privatlebens.

Sie wollen bei der Gebietsreform, dass alles , so bleibt, wie es bei der CDU war.

Dann machen Sie ihren Thing auf, da passen Sie hin.
Pe_rle
15.10.2016, 11:57 Uhr
Riese87
"wie sich Politiker Tag für Tag abschuften"
mir kommen die Tränen, bestrimmt bei Häppchen essen und Sektempfang.
Falls ich mal Zeit habe ,werde ich die Politiker mal bedauern.
Ich wäre eher dafür. Politiker mal 3 Monate , drei Schichten in die Produktion in Accord arbeiten zu lassen.
Das würde bestimmt manchen Politiker zu Vernunft bringen.
Vernunft fängt beim ausgeben von Steuergeldern an.
So verkehrt ,Riese87,ist der obige Beitrag nicht.
Zum Wohle des Volkes passiert schon lange nichts mehr
Zukunft
15.10.2016, 12:21 Uhr
Genau so ist es.
Die Verwaltungen werden immer mehr aufgebläht. An Streichung von Stellen oder die Nichtbesetzung von Stellen wird garnicht gedacht. Warum auch? Wenn das Geld knapp wird, werden die Steuern einfach hochgesetzt. Und was wird in den Verwaltungen noch ohne die Beteiligung von Dritten selbst gemacht? Spannende Frage. Verwaltungsmenschen und gewählte Kommunalpolitiker würden in der freien Wirtschaft nicht, aber auch gar nicht zu recht kommen.
Liane Enzinger
15.10.2016, 20:11 Uhr
Eliten verwesen nicht, sie sind inhaltsleer.
Die Eliten verwesen nicht, sie sind lebendig. Ständig in Bewegung, medienomipräsent. Doch sie sind inhaltsleer.

Einfache Frage: Welches wirklich wichtige politische LeitProjekt könnte die jetzige Landesregierung verfolgen und medial spielen, wenn es die Gebietsreform nicht gäbe, die Schwarz Rot übrig gelassen hat?

Antwort: Keines.

Deshalb wird dieses Projekt mit aller Macht und großem Tamtam geplant. Nur so ist die Existenz einer Regierung (samt angehängten politischem Apparat) zu rechtfertigen.

Genauso rechtfertigt übrigens die Opposition ihr Dasein.

Der Rest der Arbeit in einem Minibundesland wie Thüringen ist simples Verwaltungsmanagement (Polizei, Kommunales und Bildung. Mehr steht den Länder qua Verfassung nicht zu) weil der Rest entweder vor Ort in den Kommunen geregelt wird oder oben in Berlin und Brüssel.

Wohin dann aber mit den mitteklassigen Politikern ala Primas, Mitteldorf und Co.

Sie würden in Depressionen verfallen, weil sie sich medial nicht mehr wiederfinden könnten. (Und aufgrund schlechter Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt nur schwer Fuß fassen könnten).

Oft sind die Dinge recht simpel.

Liane Enzinger, M.A.
Treuhänder
16.10.2016, 08:31 Uhr
Eliten?
Ich kann diesen Begriff "Eliten" nicht mehr hören. In der Politik geht es doch nicht um Fachwissen. Da sind Leute unterwegs, die außer einem Schulabschluss nichts weiter vorweisen können. Aber das ist vielleicht so gewollt, denn selbst denkende Menschen und Menschen mit einer eigenen Meinung sind weder in der Politik gefragt noch wo anders.

Es werden nur Leute zum "nachsprechen" und "ausführen" gebraucht. Widerspruch können die sogenannten"Eliten" nicht ertragen, weil das sind zumeist Personen die ein vermindertes Selbstwertgefühl haben und sich nur über die berufliche Stellung definieren und diese Stellung konnten sie nur auf Grund der "richtigen" Beziehungen oder der "richtigen" Parteizugehörigkeit erlangen. Wer hätte vor 26 Jahren gedacht, dass diese System so funktioniert?
Andreas Dittmar
16.10.2016, 10:45 Uhr
Es gibt immer etwas zu optimieren.
Dafür kann man auch mal im Vorfeld einer Beraterfirma oder einem Professor für irgendwelche Gutachten einen fürstlichen Betrag zahlen . Wichtig ist nur, das besonders "wichtige" Leute auch im neuen System gut bezahlte Posten bekommen oder behalten. Dafür muß allerdings irgendwo etwas eingespart werden.

Daten aus Pass u. Meldewesen, Katasterdaten, Kennziffern aus Industrie, Steuerdaten werden auf alle Fälle den Weg aus den Aktenschränken in die Cloud finden. Natürlich gibt es da gesetzliche Anforderungen an den Datenschutz und auch an der Tatsache das die Daten nur in Deutschland gespeichert werden dürfen, wird niemand rütteln. Die Maschine die die Daten speichert kann man in einem Hochsicherheitstrakt, den man irgendwo in der Pampa in MVP oder SaAnh. hochzieht aufbauen. Dann hätte man kostengünstig den ersten Part gelöst. Dateneingabe- und Abruf übernehmen dann "zertifizierte" externe Dienstleister irgendwo in Rumänien, Polen oder anderen Ländern in Osteuropa. Bürgertelefone und Infohotlines kann man auch durch die weite Welt routen.

Auch Support im Fehlerfall, wenn dann mal der Behörden-PC streikt oder das Netzwerk nicht so richtig will, Da muß nicht unbedingt der teure PC-Notdienst vor Ort antreten. Per Fernwartung kann sich da auch der Dienstleister aus Indonesien oder Indien dran versuchen. Wenn man sich solche Großaufträge an Land ziehen kann, wird auch dort Datenschutz großgeschrieben. Alternativ kann sich auch der Bürger dann selbst verwalten, wie man es schon vom Telefon, Strom und Gasanbieter gewohnt ist. Schulen und Polizei dünnt man vielleicht etwas weiter aus. Da wird aber nicht mehr viel zu holen sein. Die Arbeiten in der Kommune selbst, wie Baum und Strauchschnitt, Wegebau, Winterdienst uvm. kann man auch noch an Billigfirmen vergeben. Eines wird sich nicht ändern : Bekannte Gesichter werden natürlich auch weiterhin am Ort des Geschehens bürgernah und medienwirksam präsent sein, vielleicht als CEO oder VicePresident.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)