Mi, 19:54 Uhr
28.07.2004
War das der Anfang?
Nordhausen (nnz). Je näher vor allem Hartz IV rückt, je intensiver die restlichen Reformen wirken, um so mehr wollen sich die Menschen dagegen wehren. Nicht nur die Betroffenen wollen wieder auf die Straße gehen. Wie viel es heute in Nordhausen waren, das erfahren Sie mit dem bekannten Klick.
War das der Anfang? (Foto: nnz)
Es waren drei Frauen und die Junge Union in Nordhausen, die zu einer ersten Protest-Veranstaltung vor das Nordhäuser Rathaus gerufen hatten. Und trotz weniger Informationen – es waren fast 400 Menschen, die sich versammelten und ihrem Unmut über eine Politik des sozialen Abbaus und der sozialen Abgrenzung Luft machten. Logistisch unterstützt vom DGB, berichteten viele Redner nicht nur über ihre eigene Situation, sondern forderten von der Bundesregierung auch eine Rücknahme der so genannten Reformen. Wir können uns seit Jahren keinen Urlaub leisten und die in Berlin erhöhen sich ohne Scham ihre Diäten. Wir werden aber nicht mehr alles schlucken, wir müssen uns wehren, forderte Petra Wenkel, eine der Organisatorinnen der Aktion.
Ein älterer Mann, ein Renter, meinte, dass er sich eigentlich keine Sorgen machen müsse. Doch er erinnerte daran, dass in der Thüringer Verfassung kein Recht auf Arbeit verankert sei. Da sind die Politiker in Erfurt doch fein raus!
Viele andere Redner erinnerten an die Zeit vor 15 Jahren. In der damaligen DDR seien am Anfang auch nur einige Hundert Menschen auf die Straße gegangen und dann sei ein ganzes System gestürzt worden. Heutzutage soll zwar niemand gestürzt werden, doch ein Teil dieser Reformen müsse zurückgenommen werden. Fast flehentlich bat eine Frau mit zwei Kindern um Rücknahme, sie wisse sonst nicht, wie sie ab dem kommenden Jahr ihre Kinder ernähren könne.
Hartz IV schafft keine Arbeitsplätze – so stand es auf einem Plakat. Und da ist vermutlich das eigentliche Dilemma der reformwütigen Regierung in Berlin ausgemacht worden. Mehrere Redner, die über Jahre hinweg arbeitslos sind, sagten, sie würden jede Arbeit annehmen, doch es sei keine Arbeit da. Zu alt, zu dumm, zu überqualifiziert, schon 400 Bewerbungen geschrieben, das waren die Zitate des heutigen Abends, wenn es um Arbeitsmöglichkeiten ging.
Und so mahnte denn auch Manuel Thume von der Jungen Union zum Schluß der Demo an, für ein Industriegebiet in der Goldenen Aue einzustehen, es nicht von einigen Personen zerreden zu lassen. Schließlich müsse auch der Jugend in dieser Region eine Chance zu geben. Und dann meinte DGB-Chef Ulrich Hanneman: Wir werden beim nächsten Mal mehr, viel mehr – darauf kann der Herr Bundeskanzler einen lassen!
Das nächste Mal wird übrigens am 9. August, um 19 Uhr vor dem Nordhäuser Rathaus sein. Dann soll es eine "richtige Montags-Demo" werden.
Autor: nnz
War das der Anfang? (Foto: nnz)
Es waren drei Frauen und die Junge Union in Nordhausen, die zu einer ersten Protest-Veranstaltung vor das Nordhäuser Rathaus gerufen hatten. Und trotz weniger Informationen – es waren fast 400 Menschen, die sich versammelten und ihrem Unmut über eine Politik des sozialen Abbaus und der sozialen Abgrenzung Luft machten. Logistisch unterstützt vom DGB, berichteten viele Redner nicht nur über ihre eigene Situation, sondern forderten von der Bundesregierung auch eine Rücknahme der so genannten Reformen. Wir können uns seit Jahren keinen Urlaub leisten und die in Berlin erhöhen sich ohne Scham ihre Diäten. Wir werden aber nicht mehr alles schlucken, wir müssen uns wehren, forderte Petra Wenkel, eine der Organisatorinnen der Aktion.
Ein älterer Mann, ein Renter, meinte, dass er sich eigentlich keine Sorgen machen müsse. Doch er erinnerte daran, dass in der Thüringer Verfassung kein Recht auf Arbeit verankert sei. Da sind die Politiker in Erfurt doch fein raus!
Viele andere Redner erinnerten an die Zeit vor 15 Jahren. In der damaligen DDR seien am Anfang auch nur einige Hundert Menschen auf die Straße gegangen und dann sei ein ganzes System gestürzt worden. Heutzutage soll zwar niemand gestürzt werden, doch ein Teil dieser Reformen müsse zurückgenommen werden. Fast flehentlich bat eine Frau mit zwei Kindern um Rücknahme, sie wisse sonst nicht, wie sie ab dem kommenden Jahr ihre Kinder ernähren könne.
Hartz IV schafft keine Arbeitsplätze – so stand es auf einem Plakat. Und da ist vermutlich das eigentliche Dilemma der reformwütigen Regierung in Berlin ausgemacht worden. Mehrere Redner, die über Jahre hinweg arbeitslos sind, sagten, sie würden jede Arbeit annehmen, doch es sei keine Arbeit da. Zu alt, zu dumm, zu überqualifiziert, schon 400 Bewerbungen geschrieben, das waren die Zitate des heutigen Abends, wenn es um Arbeitsmöglichkeiten ging.
Und so mahnte denn auch Manuel Thume von der Jungen Union zum Schluß der Demo an, für ein Industriegebiet in der Goldenen Aue einzustehen, es nicht von einigen Personen zerreden zu lassen. Schließlich müsse auch der Jugend in dieser Region eine Chance zu geben. Und dann meinte DGB-Chef Ulrich Hanneman: Wir werden beim nächsten Mal mehr, viel mehr – darauf kann der Herr Bundeskanzler einen lassen!
Das nächste Mal wird übrigens am 9. August, um 19 Uhr vor dem Nordhäuser Rathaus sein. Dann soll es eine "richtige Montags-Demo" werden.


