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Mi, 15:30 Uhr
03.08.2016
Für die Anwohner wird es nahezu unerträglich

Wohnen neben einem Industriegebiet

Jürgen Böning wohnt in der Ilfelder Straße in Nordhausen. Wie viele andere Bürger in diesem Areal muss er mit der Firma Eaton auskommen. Genauer gesagt, mit dem Grundlärm, der aus den Produktionsgebäuden "herüberschwabbt". Abhilfe ist hier nicht in Sicht...

Blick in die Ilfelder Straße (Foto: nnz) Blick in die Ilfelder Straße (Foto: nnz)
Jürgen Böning hatte sich bereits mehrfach an Behörden gewandt, auch im Stadtrat hatte er die Situation geschildert und nach einer Lösung gefragt. Es sei dringend Hilfe notwendig, zumal die Produktion ständig erweitert und nun auch noch ein Parkplatz angelegt werde. Auch komme es durch lange Transportfahrzeuge immer wieder zu unzumutbaren Zuständen. Jüngst erst sei an einem Fahrzeug ein Hydraulikschlauch geplatzt und Öl ausgelaufen. Die Nordhäuser Berufsfeuerwehr bestätigte diesen Vorfall. Nun aber zur Antwort aus der Stadtverwaltung:

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"Es gibt eine Baugenehmigung, zu deren Realisierung (Schaffung neuer Parkplätze im Zuge der Erweiterung der Produktion) Bäume gefällt werden müssten. Gemäß der Baumschutzsatzung der Stadt müssen Fällungen jedoch beantragt werden. Im Bescheid der Stadtverwaltung wird dann der Ausgleich dafür festgesetzt. Ein Antrag zu diesem Fall liegt uns jedoch noch nicht vor. Die Belange des Immissionsschutzes wurden im Baugenehmigungsverfahren berücksichtigt, zum Beispiel das bestimmte Stellplätze in der Nähe von Wohnbebauung nur von der Normal- (Tag-)schicht benutzt werden dürfen. Zuständig für die Kontrolle der Einhaltung der zugelassenen Lärmwerte ist die Immissionsschutzbehörde beim Landratsamt."

Also hat die nnz bei der dortigen Behörde nachgefragt. Dem verantwortlichen Fachbereich seien die Lärmbeschwerden von Anwohnern bekannt. Allerdings hat das benachbarte Industriegebiet einen Bestandsschutz. "Eine solche Konstellation, bedingt durch die im Laufe der Zeit immer dichter an den Industriestandort herangerückte Wohnbebauung, kann aus immissionsschutzrechtlicher Sicht grundsätzlich das Potential für Lärmbeschwerden aufweisen", teilt das Landratsamt mit. Für Jürgen Böning ist diese Feststellung eine bodenlose Unverschämtheit. Er habe das Haus 1992 gekauft und konnte teilweise bis zur Bochumer Straße schauen. Alle Häuser in diesem Bereich seien in den 1930er Jahren erbaut worden. Also habe sich nicht die Wohnbebauung angenähert, das einzige, was sich verändert habe, ist die Größe des Industriebetriebes, sagt Böning.
 
Gemäß der Festsetzung im rechtsgültigen Bebauungsplan der Stadt Nordhausen sind entlang einer „Messlinie“, welche unter anderem vor den Häuserfronten der benannten Straßen verläuft und eine Trennung zwischen dem Industriegebiet (GI)/Mischgebiet (MI) und dem allgemeinem Wohngebiet (WA) darstellt, tagsüber Mittelungspegel (ohne Berücksichtigung von Störmerkmalen) von 60 dB(A) und nachts von 45 dB(A) einzuhalten.
 
Auch die Anwohner der Eichsfelder Straße sind betroffen (Foto: nnz) Auch die Anwohner der Eichsfelder Straße sind betroffen (Foto: nnz)
"Seit der Etablierung der Produktionsstätte des Unternehmens am Standort Nordhausen im Jahr 1991 erfolgten sowohl orientierende Lärmpegelmessungen durch die Untere Immissionsschutzbehörde, das Fachgebiet Immissionsschutz/Chemikalienrecht des Landkreises Nordhausen und die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie als auch schalltechnische Begutachtungen durch verschiedene Ingenieurbüros. Die Ergebnisse zurückliegender Messungen zeigen je nach dem Grad der baulichen und produktionstechnischen Erweiterung der Anlage sowohl Einhaltungen als auch temporäre Überschreitungen der festgelegten immissionsschutzrechtlichen Grenzwerte."

Die Behörde kündigt jedoch an, nach dem Abschluss der laufenden Bauarbeiten, spätestens jedoch im vierten Quartal dieses Jahres, die Lärmsituation gutachterlich prüfen zu lassen.

Dabei werde wohl nichts herauskommen, sagt eine ältere Anwohnerin, die schon Jahrzehnte in der Eichsfelder Straße wohnte. Man habe sich daran gewöhnt, leiser geworden sei es nicht. Was ihr und Nachbarn Angst mache, das seien die Gasbehälter, die sich unmittelbar am Ende der Ilfelder Straße befinden. "Ich hoffe, dass die nicht irgendwann einmal explodieren", sagt sie und geht zurück ins Haus.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
U. Alukard
03.08.2016, 19:53 Uhr
Über einen neuen Standort nachdenken
sollten die Entscheidungsträger bei EATON wie auch im Bauamt!
Die "Schaffung neuer Parkplätze im Zuge der Erweiterung der Produktion" könnte auch auf dem IFA Gelände nebenan geschehen.

Die Erweiterung der Produktion kann auch in einem der schönen neuen Industriegebiete passieren!

Man könnte auch die Häuschen platt machen und für die Bewohner außerhalb neue Häuser bauen, dann ist Platz für eine Erweiterung bis zur nächsten Metallbude.

EATON hat in NDH schon viel verdient, nun ist Zeit zum Geld Investieren!
Treuhänder
03.08.2016, 21:12 Uhr
Wirtschaft
Die Wirtschaft steht doch in unserem Land an "erster Stelle". Es geht ja schließlich um Arbeitsplätze. Die Politik kann so von der Wirtschaft unter "Druck" gesetzt werden. Wenn das Problem der Lärmbelästigung bisher nicht gelöst worden ist, glaube ich auch, dass sich auch zukünftig nichts ändern wird.
pitti7
03.08.2016, 21:18 Uhr
Wie wäre es mit...
...ein bischen Bewegung? Tag-und Normalschicht hört sich verdammt nach bewegungsdefizären Job's an,da schadet doch ein kleiner Fußmarsch zur und von der Arbeitsstelle doch keineswegs,oder? ;-) Also das Projekt 'P' streichen und stattdessen mehr in Klimatechnik investieren damit im 'Sommer' der Lärm IN der Produktionshalle bleibt!...auch NACHT's! ;-)
Ansonsten den Anwohnern noch eine angenehme Tages-und Nachtruhe! :-)
Gallo
04.08.2016, 10:49 Uhr
sorry,
...aber wer sich 1992 ein Haus direkt neben einem Werk kauft, das in Schichten arbeitet, der muss doch wissen worauf er sich einlässt. Beim Kauf gab es doch deswegen auch bestimmt einen Preisnachlass.
Ein Umzug in das Industriegebiet Goldene Aue ist wahrscheinlich nicht möglich, da die Stadt bzw. das Land den Umzug nicht bezahlen werden und außerdem die Fläche im neuen Industriebegiet für Solarzellen reserviert ist :-)
K03
04.08.2016, 14:06 Uhr
@Gallo....
Ich gehe ja mit Ihrer Meinung mit, aber wie man dem Artikel entnehmen kann, gibt es viele Anwohner die bereits lange vor 1991/1992 dort ein Haus gekauft haben und dementsprechend keinen Preisnachlass hatten. Im Gegenteil.... der Wiederverkaufswert sinkt erheblich je mehr sich EATON in der Umgebung breit macht!
Nameless
04.08.2016, 21:23 Uhr
Recherchieren
Man sollte sich mal alte Luftbilder der Stadt anschauen was dort einmal gestanden hat.
Der Bahnhof war schließlich mal fast außerhalb der Stadt.
Dieses Gebiet war schon immer Industrie Gebiet und wer der Meinung ist oder war sich in mitten diesem ein Haus zu Bauen/Kaufen der ist doch wohl selber schuld und sollte aufhören jetzt rumzuheulen.

Gleiches gilt für den Parkplatz.
Ich weiß aus sicherer Quelle das sich die Anwohner über Mitarbeiter der Firma EATON pausenlos beschweren da diese Ihnen die Parkplätze vor der Haustür voll stellen.
Nun baut die Firma neue Parkplätze und auch das ist den Nachbarn nicht recht.
Was soll man da noch tun? Das sind in meinen Augen alte verbitterte läute die sich den ganzen tag nur über irgendetwas aufregen weil es sonst zu langweilig wird.
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