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Fr, 15:17 Uhr
01.07.2016
Südharz Klinikum

Neue Technik für die Nuklearmedizin

Schnellere Verfahren, weniger Belastung, höhere Auflösung - am Südharz-Klinikum stellte man heute den frisch renovierten Trakt für die Nuklearmedizin wie auch die drei neuen "Gamma Kameras" vor...

Neue Technik, neue Räume - am Südharzklinikum wurde die Nuklearmedizin auf den neuesten Stand gebracht (Foto: Angelo Glashagel) Neue Technik, neue Räume - am Südharzklinikum wurde die Nuklearmedizin auf den neuesten Stand gebracht (Foto: Angelo Glashagel)

20 Tonnen Beton sind im neuen Trakt der Nuklearmedizin in den letzten neun Monaten allein in der Decke verbaut worden. In Glasscheiben und Türen ist Blei, hinter den Wänden mehrere Zentimeter Magnesit, die ist dünner hat dafür aber eine höhere Dichte als die 28cm dicke Schicht Schwerbeton, die man auch hätte verbauen können.

Die Strahlenschutzmaßnahmen werden nicht nur vom Gesetz vorgeschrieben, sie sind auch bitter nötig, weil die neuen Gerätschaften, drei "Doppelkopf-Gamma-Kameras", eine davon mit angeschlossenem Computertomograph und eine inklusive "PET", als Positronenemissionstomograph, hochsensibel arbeiten. Schon ein Patient, der an einem nicht ordentlich versiegelten Raum vorbeiläuft, könnte auf die Anlage "einstrahlen" und so die Ergebnisse verfälschen, erklärte Chefarzt Dr. Gert Zinger, der in den letzten Wochen und Monaten den Aufbau seines neuen Arbeitsbereiches begleitet hat.

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Die grundlegende Technik kennt er schon lange, seit 34 Jahren arbeitet der Arzt in der Nuklearmedizin, seit gut 20 Jahren gibt es die Gamma Kameras. Seitdem hat sich viel getan, berichtet Zinger, wo man früher die Festplatten der Geräte noch unter äußerster Vorsicht waagerecht mit zwei Händen tragen musste, passen die Speicher heute in die Tasche des Arztkittels. Mit den drei Neuanschaffungen können man schneller arbeiten und müsse dabei nur die Hälfte der bisher üblichen Dosis an Radiopharmaka verabreichen.

Dabei handelt es sich um eine Mischung aus speziellen Medikamenten und leicht radioaktivem Material, das sich in den Bereichen des Körpers ablagert, welche die Mediziner untersuchen wollen. Durch den höheren Stoffwechsel bösartiger Zellen fangen die betroffenen Bereiche unter der Bestrahlung der Kameras dann an zu "leuchten". Die Mixturen können die Mediziner dank entsprechender Labore auch im Südharz-Klinikum selber herstellen, nur wenige Meter von den Geräten entfernt.

Dr. Gert Zinger arbeitet seit 34 Jahren als Nuklearmediziner und begleitete den Aufbau seines neuen Bereiches  (Foto: Angelo Glashagel) Dr. Gert Zinger arbeitet seit 34 Jahren als Nuklearmediziner und begleitete den Aufbau seines neuen Bereiches (Foto: Angelo Glashagel) Vor allem aber kann man mit den High-Tech Kameras heutzutage sehr viel genauer arbeiten, erklärte Zinger stolz, auch bösartige Zellen von wenigen Millimetern Größe könnten so sehr genau identifiziert werden, was wiederrum den Chirurgen und damit am Ende auch den Patienten das Leben leichter macht. "Der kleine Primärtumor, der interessiert uns", sagt Zinger, und erläutert das man in der Nuklearmedizin Funktionsstörungen erkennen könne, bevor eine Krankheit zur Änderungen im "Bau", also zu tatsächlichen physischen Veränderungen führe, die dann zum Teil bereits gesehen oder ertastet werden können.

Insofern ist Nuklearmedizin Früherkennung. Man kann den Abfluss einer Niere quantitativ sehr genau messen, Steinhindernisse sichtbar machen, im Herzen Sauerstoffarmut feststellen, Knochentumore finden, kann Rheumatikern und Orthopäden bei ihren Fällen helfen und, und, und.

Gamma Kamera Nummer drei, mit PET (Foto: Angelo Glashagel) Gamma Kamera Nummer drei, mit PET (Foto: Angelo Glashagel)

Gekostet hat die Anlage inklusive Umbau rund 5,5 Millionen Euro, erzählte SHK-Geschäftsführer Guido Hage. Die Mittel hat man selber aufgebracht, Förderungen von Staatsseite gab es nicht. Es sei ein Vorteil von kommunalen Krankenhäusern, das man auch für solche Dinge Geld ausgeben könne, wenn man nicht allein auf den Gewinn schauen müsse, so Hage. Für das Haus ist es eine weiterer Schritt auf dem Weg zum onkologischen Zentrum und festigt auch den Status als Maximalversorger der Region, so der Geschäftsführer weiter.

Noch herrscht in den neuen Räumen leichte Baustellenatmosphäre, der TÜV hat den Bereich allerdings bereits abgenommen, in den kommenden Wochen sollen alle drei Maschinen sukzessive in Betrieb genommen werden. Der Umzug werde im Vollbetrieb geschehen, maximal einen Tag wolle man schließen, sagte Dr. Zinger. Das Team, das neben dem Chefarzt aus einem Medizinphysiker, einem Radiochemiker und drei Assistenzärzten besteht, hat sich im Vorfeld fortgebildet und Lehrgänge und Hospitanzien an anderen Häusern absolviert, um sich mit der modernen Technik und den möglichen Messmethoden vertraut zu machen.

Im eigenen Haus ging das nicht. Die bisherigen Gamma-Kameras, zwischen 10 und 20 Jahre alt, waren nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Und vergleichbare Technik gibt es im Umkreis erst wieder an der medizinischen Hochschule Hannover.
Angelo Glashagel
Autor: red

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