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Do, 07:47 Uhr
30.06.2016
historischer Schatz bei Niedersachswerfen entdeckt

Wir vergessen euch nie

Ein historisch bedeutsamer Schatz, ein Kulturdenkmal für Bergleute wurde in Harztor gefunden. Dies nach vielen Jahren durch Zufall. Das Denkmal galt seit Mitte der 90er Jahre als verloren, war angeblich gestohlen worden. nnz-Leser Tim Schäfer würde das historische Erbe gerne bergen...

Es handelt sich um ein Denkmal für verunglückte Bergleute, Hauer und Zwangsarbeiter, in Niedersachwerfen am Anhydrit Kohnsteintagebau bei Nordhausen/Harztor.

Das Denkmal trägt die Aufschrift: „Wir vergessen Euch nie“. Das historische Foto zeigt das Denkmal, wie es vor Ort am Tagebau in Niedersachwerfen im Gipswerk Jahrzehnte zu finden gewesen ist. Irgendwann, etwa Mitte der 90er Jahre war es dann plötzlich verschwunden. Angeblich gestohlen. Wegen des wertvollen Natursteins? Aber das Kulturdenkmal der Hauer und Zwangsarbeiter wurde deponiert, möglicherweise wurden die Diebe gestört. Oder das große Denkmal war zu schwer? Es findet sich heute noch ein Krankabel um den Rumpf des Denkmals. Das Denkmal der Bergleute und Zwangsarbeiter wurde jetzt in der Nähe des Tagebaus in Niedersachwerfen durch Zufall wieder aufgefunden. Der Fundort soll solange nicht veröffentlicht werden, bis das weitere Schicksal geklärt ist.


Die Schriftanordnung und die Gestaltung des Denkmals sind in schlichter Anordnung, die an den Bauhausstil erinnert, künstlerisch meisterlich gestaltet. Auf massivem Naturstein. Darauf wird an mindestens 18 verunglückte Bergleute und Zwangsarbeiter erinnert. Teils darauf auch gut bekannte Familiennamen aus Harztor. Vor vielen Jahren arbeiteten Hauer als Bergleute im Tagebau an der steilen und langen Wand, um Anhydrit aus dem Fels zu gewinnen. Dies geschah oft nur an Seilen gesichert oder auf Trittbrettern und Vorsprüngen.

Mittels Borhämmern wurden Sprengpatronen gesetzt und verkabelt, um mittels elektrischer Zündung Nutzgestein zu erzeugen. Die Arbeit an der langen, steilen Wand des Tagebaus war gefahrgeneigt. Viele Arbeitsunfälle gingen tödlich aus. Hauer stürzten ab oder wurden auch von Steinen erschlagen oder zerquetscht.

Aber auch Namen von dort eingesetzten Zwangsarbeitern sollen darauf verzeichnet sein. Ein Novum und prägendes Merkmal dieses Kulturdenkmales der Bergmänner. Periodisch kam es wiederholt zum Zwangsarbeitereinsatz am und im Kohnstein. In der Umgebung gab es auch das KZ Mittelbau-Dora mit vielen dislozierten Nebenlagern sowie gesonderten Zwangsarbeiterlagern. Häftlinge haben hier zum Teil schwerste Arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen ausführen müssen. Zuletzt kamen Häftlinge zur Zwangsarbeit einige Zeit nach 1945 auch an den Kohnstein. Aber die Bergleute, besonders die Hauer und Steiger, hatten wahrscheinlich eine Jahrhunderte lang währende Tradition auch in der Gewinnung von Gips und Anhydrit und anderem Nutzgestein. Davon hat Nordhausen in seinen historischen Bauten wie der alten Stadtmauer schon besonders profitiert (Kupferhammer bei Niedersachswerfen).


Das Gipswerk Niedersachswerfen gehörte einst zur BASF Tochter Ammoniakwerk Merseburg und später als unselbständiger Betriebsteil zu den Leuna- Werken. In Hitlerdeutschland und später wurden insbesondere Zwangsarbeiter eingesetzt. Heute ist der Kohnstein an der Gemeinde Harztor, OT Niedersachwerfen bei Nordhausen immer noch ein Anhydrit Bergwerk. Der Betreiber heißt Kohnstein Bergwerks GmbH. Im Niedersachswerfer Kohnstein wird derzeit ein Teil des Abraumes von Stuttgart 21 (Bahnhofsneubau, Bahnlinien) eingelagert und das Material soll angeblich zur Renaturierung am Kohnstein verwendet werden.

Bergleute sind eine stolze Gemeinschaft, die auch Ihre Denkmale und Tradition pflegen. Der Autor schlägt vor, das Denkmal zu bergen und auf dem Friedhof in Niedersachwerfen oder einem anderen geeigneten Platz wieder aufzustellen. Damit das alte Gelöbnis der Bergleute wirklich erfüllt wird: „Wir vergessen Euch nie“.
Tim Schäfer, Harztor
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