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Fr, 16:55 Uhr
15.05.2026
Nach mehr als 15 Jahren und endlosem Bahn-Ärger

Nordhausen hat wieder eine Bahnhofstoilette

Wenn selbst das Fernsehen kommt, dann muss die Eröffnung einer Bahnhofstoilette in Nordhausen durchaus eine Top-Nachricht sein. Und tatsächlich: Mehr als 15 Jahre hat es gedauert, bis die Rolandstadt wieder über eine funktionierende Toilette an diesem wichtigen Verkehrsknotenpunkt verfügt...

Thorsten Schwarz (rechts) und Landrat Matthias Jendricke eröffneten am Freitag, zum Start des Bahnhofsfestes, die öffentliche Toilette am Nordhäuser Bahnhof.  (Foto: ssc) Thorsten Schwarz (rechts) und Landrat Matthias Jendricke eröffneten am Freitag, zum Start des Bahnhofsfestes, die öffentliche Toilette am Nordhäuser Bahnhof. (Foto: ssc)
Dank der Nordhäuser Verkehrsbetriebe, die das stille Örtchen für Nordhausen in langer Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn regelrecht erkämpft haben.
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2008 war die erste Bahnhofstoilette, die sich im selben Gebäude vis-à-vis von Gleis 1 befand, nach einer Sanierung eröffnet worden. „Durch Vandalismus musste diese nach gut einem Jahr wieder geschlossen werden“, rekapitulierte Verkehrsbetriebe-Chef Thorsten Schwarz.

Etwas nebulös ist dann die Zwischenzeit. Auch im nnz-Archiv kommt man nicht ganz nach. Fakt ist: Gemeinsam mit Sabine Riebel von der Stadt versuchte Schwarz damals, eine Lösung mit der Deutschen Bahn zu finden. „Es gab mehrere Anläufe“, so Schwarz. Mehrfach blieb man frustriert zurück.

Vandalismussicher: die neue Unisex-Toilette.  (Foto: ssc) Vandalismussicher: die neue Unisex-Toilette. (Foto: ssc)
Im April 2022 gab es eine Container-Idee, wie sie jüngst in Niedersachswerfen am Busbahnhof umgesetzt wurde. Doch die fand im Nordhäuser Stadtrat keinen Gefallen. Im selben Jahr gab es für Schwarz aus seinem Aufsichtsrat dann den Auftrag, noch einmal einen Versuch mit der Deutschen Bahn zu starten und ein Gebäude anzumieten. Die Verkehrsbetriebe sollten die öffentliche Toilette betreiben.

Doch gut zwei Jahre dauerten schließlich die Mietvertragsverhandlungen mit der Deutschen Bahn über eine 5,2 Quadratmeter große Toilette. „Im Januar 2025 konnten wir dann endlich den Mietvertrag unterzeichnen“, so Schwarz. Es sollte noch einmal ein Jahr und vier Monate dauern, ehe das stille Örtchen eröffnet werden konnte.

Eigentlich wollten die Verkehrsbetriebe die Einrichtung noch vor Weihnachten vergangenen Jahres eröffnen. Doch es gab, so Schwarz, einige Schwierigkeiten mit dem „sehr, sehr trägen System Deutsche Bahn“. Da sprächen schon mal zehn verschiedene Leute in einer Videokonferenz über eine einzelne Abzweigdose. „Letzten Dienstag hat die Bahn es endlich geschafft, dass wir Strom bekommen“, sagte Schwarz.

Blick in die neue Toilette am Nordhäuser Bahnhof.  (Foto: ssc) Blick in die neue Toilette am Nordhäuser Bahnhof. (Foto: ssc) Karsten Tölle vom gleichnamigen Planungsbüro hat während der Odyssee wohl die meisten grauen Haare bekommen. „Wir hatten während der Bauphase beispielsweise kein Wasser und keinen Strom. Die Fliesenleger haben das Wasser in Kanistern gebracht und mussten mit Akkuwerkzeug arbeiten. Und wäre es nach der Bahn gegangen, hätte der Wickeltisch für über 200 Kilogramm Belastung sicher sein sollen. Jetzt tun es auch 80 Kilogramm“, nennt Tölle nur einige Beispiele.

„Mir ist heute trotzdem nicht zum Feiern. Es hat einfach viel zu lange gedauert“, sagte Landrat Matthias Jendricke (SPD). Selbst eine kleine Stadt wie Ellrich habe seit Jahren eine vernünftige Toilette am Bahnhof. Für Nordhausen als Oberzentrum sei die Nachricht, dass eine Toilette eröffnet werde, kein gutes Zeugnis, so Jendricke.

Jahrelang habe man sich im Stadtrat in quälende Diskussionen begeben, ohne zu einer Lösung zu kommen. Dabei sei eine öffentliche Toilette die ureigenste Aufgabe einer Kommune. Dass zur heutigen Eröffnung weder der Oberbürgermeister noch Vertreter der Stadt Nordhausen anwesend seien, sei bezeichnend, so Jendricke.

Nun die reinen Fakten: Die neue barrierefreie Unisex-Toilette ist ein 5,2 Quadratmeter großer gefliester Raum hinter einer grünen Plastiktür. Der Zugang erfolgt direkt vom Fahrradparkplatz aus, also genau auf der Rückseite des Gebäudes, in dem sich früher die Toilette befand. Drinnen funktional eingerichtet – mit einer vandalismussicheren Toilette und einem Waschbecken aus Edelstahl, einem Spiegel sowie einem Wickeltisch.

Eine Lichtschranke schaltet bei Benutzung draußen ein rotes Licht. Ist die Toilette frei, zeigt sie den Wartenden dies grün an. Menschen mit Behinderungen können über einen speziellen Schlüssel die Toilette kostenlos nutzen. Jeder und jede andere wird 50 Cent zahlen, um die Tür zu öffnen.

Momentan funktioniert das elektronische Schließsystem noch nicht. Aber spätestens in einer Woche soll es so weit sein. Den Schlüssel kann man sich bis dahin im Service-Center der Verkehrsbetriebe zu den Öffnungszeiten holen.

Die Kosten für den Bau belaufen sich auf rund 50.000 Euro, die sich die beiden Gesellschafter der Verkehrsbetriebe, Landkreis und Stadt Nordhausen, teilen. Hinzu kommen jährlich etwa 26.000 Euro Betriebskosten für Reinigung, Miete an die Deutsche Bahn und Toilettenpapier. Die Deutsche Bahn hat sich an den Kosten nicht beteiligt, verdient über die Miete vielmehr sogar noch daran.

Bleibt nur zu hoffen, dass nicht gleich wieder Vandalen am Werk sind. Aus diesem Grund soll die Toilette nachts auch geschlossen bleiben.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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Kommentare
Filzstift und Lineal
15.05.2026, 17:09 Uhr
Es hätte sich zur Einweihung der Toilette gehört ....
... den Bürgermeister von Nordhausen zum 1. Wasserlassen einzuladen.
Warren
15.05.2026, 17:59 Uhr
In den letzten 2 Stunden
würden gemäß Click-Through-Rate mindestens 50 Tausend Interessenten gezählt.
Wutz
15.05.2026, 18:08 Uhr
Die Bahnhoftoilette
gab es schon 2005 und wurde auch im Zuge der Umbauten für die Landesgartenschau 2004, 2002 oder 2003 eröffnet. Ich kenne die demolierte Toilette noch in einem einwandfreiem Zustand aus dem Jahr 2005. Also kann sie nicht erst 2008 eröffnet worden sein
Anmerkung der Redaktion: Im Text steht auch, dass sie 2008 nach einer Renovierung wieder eröffnet wurde. Sprich, es gab die Toilette schon vor 2008.
Totofino
15.05.2026, 18:22 Uhr
typisch DB
die ganze Geschichte fügt sich in das Gesamtbild seit der Privatisierung ein, einfach katastrophal, dafür wünscht man sich, dass eine Kommune Gebäude der DB enteignen dürfte.
Anerkennentswert, das es den Akteuren der Verkehrsbetriebe und der Stadt gelungen ist dieses Projekt umzusetzen.
Obwohl natürlich das Angebot an öffentlichen Toiletten im Stadtgebiet von NDH allgemein auch völlig unzureichend ist, da besteht Nachholbedarf, da hilft auch kein herumfaseln von "Oberzentrum", denn so etwas gehört auch zur Aussenwirkung einer Stadt.
Paulinchen
15.05.2026, 19:18 Uhr
Wir sollten...
...nicht die Schuld bei der Stadt oder Bahn suchen, sondern bei denen, die einfach alles zerstören.
Bleibt zumindest die Hoffnung, dass die Anlage das Bahnhofsfest gut überstehen kann.
Manchmal frage ich mich, leben in unserem Nordhausen tatsächlich die meisten Randalierer, Beschmierer und Zerstörer?
Quasselstrippe0815
15.05.2026, 19:25 Uhr
Erhobener Zeigefinger
Also in Sachen Bahnhofstoilette braucht Herr Jendricke mal nicht den erhobenen Zeigefinger in Richtung Stadtverwaltung zu heben. Bis zum Jahr 2012 wurde Nordhausen von einer Oberbürgermeisterin aus den Reihen der SPD geführt, Herr Jendricke selbst war bis 2015 Bürgermeister in der Stadt und nun sitzt Frau Rieger von der SPD auf diesem Posten. Auch im Stadtrat war die SPD während dieser Zeit stark vertreten. Mit Ruhm haben sie sich alle nicht bekleckert.
Adavia
15.05.2026, 19:37 Uhr
Dass man überhaupt über eine Toilette ...
Dass man überhaupt über eine Toilette an einem Bahnhof berichten muss, zeigt doch umso mehr, wie besch... es in Stadt und Land steht.

Aber, nach mehr als einem läppischen Jahrzehnt, wünsche ich nun jedem Notdurftgeplagten allerbeste Erfolge. Wir alle wissen, wie selig diese Art der Erlösung sein kann ;)
ToKo
15.05.2026, 19:58 Uhr
Herzlichen Glückwunsch 😀😃
Was kann es besseres für Nordhausen geben... 😀😃
Kritiker86
16.05.2026, 07:18 Uhr
Was....
Für eine Leistung. Hut ab, sag ich nur. Nach der kurzen Zeit so eine tolle Bahnhostoilette zu zaubern nach 15 Jahren ist schon eine Leistung. Das spiegelt die aktuelle Situation Deutschlands ziemlich gut wieder. Aber immer weiter so.....wird schon.
Di72
16.05.2026, 08:52 Uhr
Schön, aber auch ein Problem...
...sowohl im Text, als auch in den Bildern wird kein Urinalbecken erwähnt. Gibt es keins? Ich kann auch keinen Toilettendeckel auf dem Foto erkennen.
Wenn nicht, wird die Toilette auch von 'Stehpinklern' benutzt.
Wer möchte sich dann als Frau auf solch ein vollgespritztes Becken setzen? Eklig!
Leser X
16.05.2026, 09:15 Uhr
Der Beitrag wurde gespeichert und die Freigabe beantragt.
Irrenhaus
16.05.2026, 09:36 Uhr
Der Beitrag wurde gespeichert und die Freigabe beantragt.
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