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Di, 16:53 Uhr
28.06.2016
19. Limlingeröder Diskurse

Begegnungen - Ein Resümee

Am Sonntag wurde das Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch in Limlingerode nach notwendigen mehrmonatigen Reparaturarbeiten, durch die Gemeinde Hohenstein veranlasst, wieder zugänglich für die literarischen Veranstaltungen der Mitglieder des Fördervereins, die ihrerseits keine Mühe scheuten...

Zusätzliche Stühle waren notwendig, um allen Gästen Platz zu bieten, die einen kurzweiligen, in vielen Momenten mit Humor gespickten Tag mit der Dichterin Kerstin Hensel, der Lyrikexpertin Carola Opitz-Wiemers, dem Metallkünstler Lutz-Martin Figulla erlebten.

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Geistig-sinnliches und Lukullisches gab es in Hülle und Fülle, Freude war auf allen Seiten spürbar. Die beiden literarisch ambitionierten Frauen aus Berlin waren überrascht, so ein zahlreiches aufgeschlossenes Publikum anzutreffen. Aber, wer die Limlingeröder Diskurse seit neunzehn Jahren verfolgt, weiß, wie atmosphärisch angenehm diese Juniveranstaltung verläuft.

Auch das 2. Halbjahr bietet literarische Leckerbissen. Am 30. Juli 2016 wird der Schriftsteller, Dramatiker, Drehbuchautor, Regisseur und Lyriker Thomas Brasch (1945-2001) vorgestellt. Schon sein weites literarisches Betätigungsfeld lässt aufhorchen und das Motto des Nachmittags eine Ahnung über diese Persönlichkeit zu: „Mein einziges Leben ist zwischen 2 Ländern: / das dauert so lange Leben dauern kann, / mein einziges Leben heißt, wie kann ich ändern / diese einzige Welt...“ Das Ehepaar Stefanie und Mathias Schick haben sich seit geraumer Zeit diesem Einzelgänger gewidmet und werden ihn auf ihre einfühlsame Art, wie sie es schon seit Jahren einmal im Jahr in der Dichterstätte tun, vorstellen.

19. Limlingeröder Diskurse im Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch (Foto: Heidelore Kneffel) 19. Limlingeröder Diskurse im Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch (Foto: Heidelore Kneffel)

Am 6. August wartet eine weitere ungewöhnliche Begegnung auf die Gäste. Franziska Beyer-Lallauret wird aus ihrem Gedichtband „Warteschleifen auf Holz“, im Oktober 2015 veröffentlicht, lesen. Das Motto „Moorwärts sinken die Wolken / Das Katzentier kommt und geht“, stammt aus einem Gedicht, das sie Sarah Kirsch widmete. In Mittweida 1977 geboren, studierte sie Germanistik und Französisch in Leipzig und Rennes, lebt heute in Frankreich und unterrichtet deutsche Literatur in speziellen Abibac-Klassen. Sie bringt ihre langjährige Freundin mit, die Pianistin Christine Goldstein, die in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater studiert hat.

Jetzt unterrichtet sie Klavier am Landesgymnasium Wernigerode und spielt in Limlingerode am braunen Klavier Schuhmann, Grieg, Debussy, Skriabin. Der 27. August bringt eine Begegnung mit dem Lyrikband „Sonnenpferde und Astronauten“. Gedichte junger Menschen aus der DDR sind darin versammelt: Wolf Biermann, Volker Braun, Sarah Kirsch u. a. Der schön ausgestattete Band mit Illustrationen von Ronald Paris & Horst Zickelbein wurde 1964 in Halle von Gerhard Wolf herausgegeben und ist ein Klassiker der Lyrik geworden. Der 24. September bietet eine Begegnung mit dem Schriftsteller Hermann Hesse. Besonders hervorgehoben wird dabei seine Betätigung als Malender: „Licht und Farbe schwingt von Welt zu Welt“. In Limlingerode endet die Kunstausstellung von Lutz-Martin Figulla.

19. Limlingeröder Diskurse im Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch (Foto: Heidelore Kneffel) 19. Limlingeröder Diskurse im Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch (Foto: Heidelore Kneffel) Am 29. Oktober wird es die Begegnung mit der Österreicherin Christine Lavant geben. Von ihr stammt: „Ich habe eine Welt und diese Welt brennt! Und wo etwas brennt, da entsteht Kraft. Und diese Kraft reißt mit!“ Zur Welt kam dieser ungewöhnliche Mensch 1915 in Österreich bei St. Stefan im Lavatal, sie starb 1973. Zu unrecht war sie im Literaturbetrieb fast vergessen, seit 2015 erlebt sie eine Renaissance, so auch im Geburtshaus Sarah Kirschs, die dieser Lyrikerin zugetan war. An diesem Oktobertag beginnt die HausART 2/2010 mit Katrin Röder aus Halle mit feinsinnigen Collagen. Sie ist Jahrgang 1963, studierte an der Hochschule für Kunst und Design Halle Burg Giebichenstein im Studiengang Malerei/Grafik, Fachgebiet Textil, 1998 erhielt sie das Diplom. Weitere künstlerische Ausbildungen folgten. Seit 2000 lebt sie freischaffend in Halle.

19. Limlingeröder Diskurse im Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch (Foto: Heidelore Kneffel) 19. Limlingeröder Diskurse im Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch (Foto: Heidelore Kneffel)

Ein weiterer Höhepunkt für Literaturfans dürfte es am 19. November in Limlingerode geben – vorgestellt wird Georg Trakl, geboren 1887 in Salzburg, gestorben 1914 in Krakau, einzigartig als Dichter des Expressionismus und des Symbolismus: „Hingehaucht in klaren Lüften / Hängen Möven silbergrau.“ oder „Unter Dornenbogen / O mein Bruder klimmen wir blinde Zeiger gen Mitternacht.“ Ein überraschender Nachmittag erwartet die Gäste am 17. Dezember, denn „Herr Wolf erwartet Gäste und bereitet ein Essen vor“. Dieser Band erschien 1990 im Verlag „Janus press“, gegründet von Gerhard Wolf und seiner Frau Christa. Der Text stammt von Christa Wolf, die Grafiken von Peter Hussel. Man trete getrost herein!
Heidelore Kneffel
Autor: red

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