Do, 08:22 Uhr
23.06.2016
Erzähltheater in der Traditionsbrennerei
Freche Göre, Dame von Welt & komische Alte
Es gibt manche Kulturveranstaltung, da muss man als Veranstalter in Nordhausen hoffen, das überhaupt jemand kommt, gerade bei ausgefalleneren Programm. Die Sparkasse hingegen musste für den dritten Besuch des Erzählerduos "Fabula Drama" noch nicht einmal Werbung machen. Aus gutem Grund...
Zwei Damen, ganz in Rot gekleidet, stehen auf dem Hof der Traditionsbrennerei und erzählen Geschichten. Märchen um genau zu sein, Grimm'sche Klassiker, russische Erzählungen vom Zarewitsch und der Baba Yaga, indische Mythen.
Das Publikum sind keineswegs Kindergartengruppen oder Schulklassen, sondern Erwachsene und es blieb kein Platz unbesetzt. Zum dritten Mal hat die Kreissparkasse das Erzählerduo "Fabula Drama" für ihr kulturelles Sommerprogramm nach Nordhausen geholt, nach dem Park Hohenrode und der Traditionsbrennerei hatte man gestern mit der alten Brennerei in ein weiteres Kulturdenkmal der Stadt geladen um den Gästen "etwas für die Seele zu bieten", wie sich Sebastian Gräser von der Kreissparkasse ausdrückte.
Bekanntschaft mit Nordhausen hatten Sabine Kolbe und Kerstin Otto mit ihren Märchengeschichten genau da gemacht, wo man es eigentlich erwarten würde: bei den Grundschulen, die sie seit sechs Jahren mit einer Märchenwanderung beglücken.
Sabine Kolbe und Kerstin Otto alias "Fabula Drama" gastierten gestern wieder in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Aber die beiden Damen können auch Märchen für Erwachsene erzählen. Im Park Hohenrode etwa ging es damals um lustige und erotische Miniaturen aus dem französischen Mittelalter, im Tabakspeicher um die Märchen der Gebrüder Grimm in ihrer rohen und für das moderne Empfinden äußerst brutalen Urfassung.
Gestern nun stellte man das weibliche Wesen im Märchen gänzlich in den Mittelpunkt - vom "Feinsliebchen" und naive Mädchen über junge Frauen, die greise Alte, (Stief-)Mütter und Großmütter, Töchter, Prinzessinnen und Hexen. Dabei kitzeln sie aus wohlbekannten Geschichten immer noch etwas mehr heraus, machen etwa beim Rotkäppchen deutlich, das es da eigentlich ziemlich deutlich um Wollust, Verführung wenn nicht gar Vergewaltigung geht.
Sabine Kolbe und Kerstin Otto alias "Fabula Drama" gastierten gestern wieder in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Oder sie befassen sich mit dem Schöpfungsmythos in der indischen Tradition, in der der Mann am Ende nicht mehr ohne Frau leben kann, sie aber schon ohne ihn. Oder auch mit weniger populären Geschichten, wie etwa der von der klugen Bauerstochter, die Königin wird.
Viel Tamtam machen die beiden dabei nicht. Requisiten gibt es kaum, Mikrofone und andere technische Verstärkung auch nicht, dafür viel Improvisation und Charme. Die Zahl der Zuschauer begrenzt der Verzicht auf Verstärkung und die gewollte Nähe zum Publikum, weswegen gestern auch nicht jeder eine Karte ergattern konnte. Mit etwas Glück wird es aber wohl nicht beim dritten Besuch bleiben und man wird in Nordhausen auch im kommenden Jahr wieder Märchen für Erwachsene hören können.
Angelo Glasagel
Autor: redZwei Damen, ganz in Rot gekleidet, stehen auf dem Hof der Traditionsbrennerei und erzählen Geschichten. Märchen um genau zu sein, Grimm'sche Klassiker, russische Erzählungen vom Zarewitsch und der Baba Yaga, indische Mythen.
Das Publikum sind keineswegs Kindergartengruppen oder Schulklassen, sondern Erwachsene und es blieb kein Platz unbesetzt. Zum dritten Mal hat die Kreissparkasse das Erzählerduo "Fabula Drama" für ihr kulturelles Sommerprogramm nach Nordhausen geholt, nach dem Park Hohenrode und der Traditionsbrennerei hatte man gestern mit der alten Brennerei in ein weiteres Kulturdenkmal der Stadt geladen um den Gästen "etwas für die Seele zu bieten", wie sich Sebastian Gräser von der Kreissparkasse ausdrückte.
Bekanntschaft mit Nordhausen hatten Sabine Kolbe und Kerstin Otto mit ihren Märchengeschichten genau da gemacht, wo man es eigentlich erwarten würde: bei den Grundschulen, die sie seit sechs Jahren mit einer Märchenwanderung beglücken.
Sabine Kolbe und Kerstin Otto alias "Fabula Drama" gastierten gestern wieder in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Aber die beiden Damen können auch Märchen für Erwachsene erzählen. Im Park Hohenrode etwa ging es damals um lustige und erotische Miniaturen aus dem französischen Mittelalter, im Tabakspeicher um die Märchen der Gebrüder Grimm in ihrer rohen und für das moderne Empfinden äußerst brutalen Urfassung.
Gestern nun stellte man das weibliche Wesen im Märchen gänzlich in den Mittelpunkt - vom "Feinsliebchen" und naive Mädchen über junge Frauen, die greise Alte, (Stief-)Mütter und Großmütter, Töchter, Prinzessinnen und Hexen. Dabei kitzeln sie aus wohlbekannten Geschichten immer noch etwas mehr heraus, machen etwa beim Rotkäppchen deutlich, das es da eigentlich ziemlich deutlich um Wollust, Verführung wenn nicht gar Vergewaltigung geht.
Sabine Kolbe und Kerstin Otto alias "Fabula Drama" gastierten gestern wieder in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Oder sie befassen sich mit dem Schöpfungsmythos in der indischen Tradition, in der der Mann am Ende nicht mehr ohne Frau leben kann, sie aber schon ohne ihn. Oder auch mit weniger populären Geschichten, wie etwa der von der klugen Bauerstochter, die Königin wird.Viel Tamtam machen die beiden dabei nicht. Requisiten gibt es kaum, Mikrofone und andere technische Verstärkung auch nicht, dafür viel Improvisation und Charme. Die Zahl der Zuschauer begrenzt der Verzicht auf Verstärkung und die gewollte Nähe zum Publikum, weswegen gestern auch nicht jeder eine Karte ergattern konnte. Mit etwas Glück wird es aber wohl nicht beim dritten Besuch bleiben und man wird in Nordhausen auch im kommenden Jahr wieder Märchen für Erwachsene hören können.
Angelo Glasagel

