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Do, 09:10 Uhr
16.06.2016
Nachbarn sind zunehmend genervt

Lärm, Polizei, Notarzt am Geiersberg

Am Geiersberg in Nordhausen betreibt die Arbeitwohlfahrt Thüringen (AWO) eine Jugendwohngemeinschaft. Am Geiersberg leben und Wohnen aber auch noch anderen Familien. Und die haben jetzt genug mit der Situation rund um die Wohngemeinschaft…


In der vergangenen Woche erlebte der Geiersberg wieder eine dieser Nächte. Ein Leser schrieb der nnz: “Es gab in dieser Nacht wieder eine große Unruhe die kein Ende nehmen wollte, obwohl die Polizei vor Ort war. Es vergeht keine Woche, in der nicht Notarzt, Polizei oder Feuerwehr sich um die Jugendlichen kümmern, obwohl das Heim in professioneller Hand ist.”

Das Jugendamt des Landkreises Nordhausen belegt die Einrichtung mit jungen Menschen, die der normalen Umgebung von Jugendlichen so einige Probleme haben. Die Aufsicht jedoch übt das das Landesjugendamt aus. Das antwortet auf eine entsprechende Anfrage der nnz: “Am 9. Juni 2016 entfernten sich einigen Jugendliche regelwidrig und trotz entsprechender Intervention der diensthabenden Erzieher 22:00 Uhr die Einrichtung. Aufgrund angezeigter Lärmbelästigung durch Anwohner erschienen zwei Polizisten und die Jugendlichen kehrten nach einem Gespräch mit der Polizei zurück. Später an diesem Abend gab es ein weiteres unerlaubtes Verlassen der Einrichtung, eine erneute Lärmbelästigung und dadurch schließlich einen weiteren Polizeieinsatz, der bis 0:30 Uhr andauert. Die Entweichung und nächtliche Ruhestörung wurden im Nachgang pädagogisch mit den Jugendlichen ausgewertet und Konsequenzen be- und ausgesprochen. Über ein aktuell gehäuftes Auftreten derartiger Vorkommnisse ist - abgesehen von den geschilderten Geschehnissen - hier nichts bekannt. Beschwerden durch Anwohner gegenüber dem Landesjugendamt liegen ebenfalls nicht vor.”

Die Recherchen bei der Nordhäuser Polizei ergaben ein anders Bild. Die Unruhe soll deshalb ausgebrochen sein, weil ein 15 Jahre altes Mädchen in eine andere Einrichtung verlegt werden sollte. Deshalb sei sie aus der Einrichtung abgehauen und wollte sich in Richtung Frankfurt absetzen. Bestimmt 50 mal sei in den zurückliegenden Monaten nach dem Mädchen gesucht worden. An diesem 9. Juni kehrte sie wieder zurück, sei dann jedoch in eine andere Einrichtung verlegt worden. Sie ist der Polizei als - so der interne Sprachgebrauch - Dauerausreißerin bestens bekannt.

Am Geiersberg werden laut Landesjugendamt 14 Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren bis zur Volljährigkeit durch sechs sozialpädagogische Fachkräfte betreut. Die Gründe für die Unterbringung der Kinder und Jugendlichen sind individueller Natur, meist kommt der Hilferuf von überforderten Eltern, in einigen Fällen auch von den Jugendlichen selbst gegenüber dem Jugendamt der Kreisverwaltung.

Wer sich als Nordhäuser Bürger, als Leidtragender, gegen die Zustände dieser Nachbarschaft “wehren” will, der stößt auf die übliche bürokratische Wand. Frank Z. (Name von der Redaktion geändert) ging es so. Im Ordnungsamt der Stadt Nordhausen sei man nicht zuständig, die Kompetenz liege dafür in Erfurt. Eine ehemalige Beauftragte für Bürgerfragen der Stadt, riet ihm, er solle sich doch an seine eigene Kindheit erinnern. Der damals in der Stadtverwaltung für die Ordnung für Ort zuständige Mitarbeiter bat um Verständnis für die Leitung des Heims. Und im Landratsamt habe der zuständige Dezernent Stefan Nüßle dem Mann geraten, sich in seiner Freizeit um die Jugendlichen zu kümmern, schließlich wohne er gegenüber. Und schließlich riet ihm ein ehemaliger Bürgerbeauftragte für den Freistaat, er solle doch privatrechtlich gegen die Ruhestörungen vorgehen.

Herr Z. und viele Nachbarn stehen den Zuständen in der Einrichtung macht- und hilflos gegenüber. Sie verzweifeln, auch, weil ihnen niemand richtig zuhört und niemand wirkliche Hilfe anbieten kann oder will.
Peter-Stefan Greiner
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Kommentare

16.06.2016, 10.12 Uhr
milfhunter | sofort durchgreifen!
die pädagogen gehören unverzüglich entlassen und die kinder auf andere einrichtungen verteilt, denn diese form von nachbarschafts-terror kennt keine grenzen. das weiß ich aus eigener erfahrung. was ich hier lesen muss, ist nichts anderes als eine vorankündigung extremer gewaltausbrüche von jugendlichen, für die sich niemand zuständig fühlt.

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16.06.2016, 11.39 Uhr
Peppone | Bleibt zu hoffen,
dass es sich bei der neuen Einrichtung für die 50zig fache Dauerausreisserin um eine Jugendpsychatrische Klinik mit entsprechendem Schließsystem handelt. Sozialpädagogen sind da m. E. die falschen Ansprechpartner.

Ansonsten müssen die Kinder irgendwo wohnen. Irgend wen wird es immer treffen. Unterbringung im Wald oder im Industriegebiet wäre für eine notwendige Sozialisierung nicht unbedingt förderlich.

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16.06.2016, 12.09 Uhr
Interna | Jugendliche, die aus dem Elternhaus in
eine Einrichtung eingewiesen werden, haben eine sozial-emotionale und oft auch eine kriminelle Vergangenheit. Sie treffen dort ohne große Probleme auf Kinder und Jugendliche mit gleichen Problemen in der Vergangenheit.
Die konsequente und zielorientierte Hilfe und Förderung muss individuell und von gut ausgebildeten Fachkräften abgesichert werden.
Ich finde, die Einrichtung muss Auskunft geben, welcher Personalschlüssel angewandt wird und ob Tuscheleien hinter vorgehaltener Hand stimmen, dass Lernende der provita unentgeltlich als pädagogische Kräfte eingesetzt werden und sich "freischwimmen dürfen", indem sie allein im Schichtdienst eingesetzt werden und Verantwortung tragen ! Also Antworten findet man sicher in den Schicht- und Einsatzplänen. Vielleicht nimmt die Einrichtung dazu auch Stellung, wer und mit welcher Qualifikation verantwortlich war?

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