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Mo, 08:46 Uhr
25.04.2016
Kisker im Heringer Schloss

„Gespräch mit dem Saurier“

Am Samstag laden die Mitglieder der „Dichterstätte Sarah Kirsch“ und die Interessengemeinschaft Schloss Heringen Lyrikfreunde ab 14.30 Uhr in einen Raum der Sonderausstellung der Künstlerin Karin Kisker in das Heringer Schloss ein...

Wie es seit Jahren Gepflogenheit ist, steht Sarah Kirsch in ihrem Geburtsmonat im Mittelpunkt der Lesung des Fördervereins. Dieses Mal wird an ihre Anfänge des Dichtens in Halle erinnert, an den Gedichtband „Gespräch mit dem Saurier“, 1965 erschienen.

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Damals war sie mit dem Dichter Rainer Kirsch verheiratet, der in der Aprilveranstaltung mit ihr gemeinsam vorgestellt wird. Beide waren der Bildenden Kunst gegenüber sehr aufgeschlossen, so dass zum Auftakt des Nachmittags Gedichte von ihnen über den Niederländer Pieter Bruegel, über Pablo Picasso und den Hallenser Maler Albert Ebert, der vor 40 Jahren starb, vorgetragen werden.

Rainer Kirsch wurde 1934 in Döbeln geboren, studierte Geschichte und Philosophie. Einen Namen machte er sich als Lyriker, Essayist, Nachdichter und Kinderbuchautor. 1957 wurde er von der Universität verwiesen und musste sich in der Produktion „bewähren“. Mit seiner Frau Sarah Kirsch studierte er ab 1964 am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig und war danach freiberuflicher Schriftsteller. Kirsch gehörte zur so genannten „Sächsischen Dichterschule“, war Mitglied mehrerer Akademien der Künste. Beim Eulenspiegel Verlag erschien seine vierbändige Werkausgabe. Der Dichter verstarb am 4. September 2015 in Berlin. Im November 2014 hielt er sich gemeinsam mit mehreren Literaten im Geburtshaus seiner ersten Frau in Limlingerode auf, las Gedichte von ihr, wanderte auf dem „Grünen Junipfad.“

Kisker im Schloss Heringen - im Mittelpunkt der Lesung wird das Werk der Dichterin Sarah Kirsch stehen (Foto: Heidelore Kneffel) Kisker im Schloss Heringen - im Mittelpunkt der Lesung wird das Werk der Dichterin Sarah Kirsch stehen (Foto: Heidelore Kneffel)

In die Händelstadt Halle an der Saale, gelegen an der alten Salzstraße, kam Ingrid Bernstein (Sarah Kirsch) von Halberstadt aus im Jahr 1954, um bis 1959 Biologie zu studieren und mit dem Diplom abzuschließen. Dort nahm auch ihr Dichten seinen Anfang in der Rathausstraße 7, und zwar „Im Stuckgewölb... Es handelte sich um hohe Räume mit gebogenen Fenstern, durch die das Mondlicht jetzt fiel... Die gekachelte Herrschaftsküche in H. mit dem Geruch der Weinkelterei,“ wie sich die Dichterin später erinnern wird.

Diese Stadt sah zu DDR-Zeiten in vielen Teilen sehr desolat aus. Sie wohnte mit ihrem Mann Rainer im Zentrum, im Hinterhof über einer Weinkelterei, deren Gerüche sie begleiteten. „Grüns Weinstuben“ hieß die Gaststätte, die heute als „Weinstube“ weiterhin existiert.

Im „Schwingrasen“, 1991 in der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart erschienen, erzählt sie in einigen Prosaminiaturen über ihre Zeit in Halle, in „Pfeffer und Salz“, „Waldhorn“, „Katzenpfote“, „Versteinerte Wälder“, und „Nachtarbeit“. In „Versteinerte Wälder“ liest man: „... doch dann war ich ... in der Universitätsstadt bei einer … Freundin zu Gast ... Ich besuchte sie sommers auf dem Balkon dem Museum für Vorgeschichte hart vis-à-vis. Lehnte auch Prinz Herzlos über die schmale Brüstung.“ Dieses Haus mit zierlichem Balkon befindet sich schräg gegenüber des Landesmuseums für Vorgeschichte an einem Platz mit Platanen. Im Museum ist heute das Original der Himmels-scheibe von Nebra in geheimnisvollem Dunkel zu sehen.
Rainer Kirsch war wie erwähnt 1957 wegen abweichender ideologischer Auffassungen in einigen seiner Verse vom Studium suspendiert worden und sollte sich in der Produktion bewähren, wie das genannt wurde. Bei Sarah Kirsch heißt es dazu in „Versteinerte Wälder“: „Prinz Herzlos, der aber anders hieß, war wegen Rilkescher Gedichte, die er ja schrieb, reglementiert relegiert, nun kletterte sein Kurs an meiner Börse... Die Arbeitswelt als Strafkolonie – wassen komplizierter Gedankengang fürn Arbeiterstaat.“

Rathausstraße in Halle (Foto: Heidelore Kneffel) Rathausstraße in Halle (Foto: Heidelore Kneffel) Im Jahr 1960 heirateten Ingrid Bernstein und Rainer Kirsch, und Ingrid, legte sich als Dichtende den Namen „Sarah“ als Pseudonym zu. Das literarische Schreiben wurde nun ihre Berufung. Das einvernehmliche Miteinander des Paares dauerte nicht so lange. Im „Waldhorn“ erfährt man: „Als ich bei Prinz Herzlos da lebte hatte ich immer ein Schwanengewand in meiner hölzernen Dienstmädchentruhe... Mitunter, wenn er nicht anwesend war oder tief schlief, weil ich Schlaftee ihm reichte, flog ich über die Stadt mit anderen Schwänen. Wir schnatterten unsere Herzen frei...“. Die in den ersten 1960-er Jahren entstandenen Gedichte der beiden erschienen als „Gespräch mit dem Saurier“ 1965 im Verlag Neues Leben Berlin als Hardcover, illustriert von Roland Paris, mit 107 Seiten. Der befreundete Künstler Paris, aus Sondershausen stammend, schuf dazu neun farbige Tafeln. 1964 malte er auch ein Ölgemälde „Bildnis Sarah und Rainer Kirsch“. Dazu gibt es eine besondere Geschichte, die am Samstag zu erfahren sein wird.

Das gemeinsame Lyrikbuch enthält 26 Gedichte Sarah Kirschs und 23 von Rainer Kirsch. Es handelt sich um einen einprägsam gestalteten Band, der Titel leuchtet in Rot, der Schrifttyp ist die Garamond, die der Pariser Claude Garamond, 1499-1561, ein Typograf, Stempelschneider, Schriftgießer und Verleger schuf und die bis heute gern in Literaturbänden verwendet wird. Immer legten die beiden Dichtenden Wert darauf, dass ihre Bücher in einem soliden Gewand erschienen.

Unser bibliophiler Band vom „Gespräch mit dem Saurier“ stammt aus der Bibliothek von Fritz J. Raddatz, wie auf einem Aufkleber ersichtlich, dem bekannten Feuilletonisten, Essayisten und Biographen, geboren 1931 in Berlin, der sich 2015 in der Schweiz mit Ankündigung das Leben nahm. Sarah Kirsch und er kannten sich, er hat über ihr Dichten geschrieben
Heidelore Kneffel
Autor: red

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