Fr, 11:23 Uhr
22.04.2016
Wirtschaftsforum der Volksbanken und Raiffeisenbanken:
IT-Sicherheit ist Achillesferse vieler Unternehmen
Die Digitalisierung wird unsere Zukunft bestimmen – doch mit ihr einher gehen Risiken, für die Unternehmen und Organisationen oft nur unzureichend gewappnet sind. Das war das Fazit des Wirtschaftsforums im Kaisersaal in Erfurt...
Blick in den Kaisersaal (Foto: privat)
Blick in den Kaisersaal
Rund 300 mittelständische Unternehmer informierten sich auf Einladung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Thüringen über Big Data und Datensicherheit.
Für den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Carsten Schneider ist die Digitalisierung die dritte Revolution nach Industrialisierung und Globalisierung. Der Druck, sich permanent zu verändern, wächst ständig und es gibt keine Sicherheiten.
Der aus Erfurt stammende Politiker beklagte eine hohe Skepsis in Deutschland gegenüber neuen Entwicklungen und spannte den Bogen von Techniken wie dem Fracking über Stuttgart 21 bis zum Freihandelsabkommen TTIP. Es sei von großer Bedeutung, jetzt den Anschluss bei der Digitalisierung nicht zu verpassen und zum Beispiel bei Industrie 4.0 an der Spitze der Entwicklung zu stehen. Er begrüßte, dass die Fraunhofer Gesellschaft an einer sicheren Cloud arbeite: Wer will sensible Unternehmensdaten schon in den USA lagern?
Zur Eröffnung des Wirtschaftsforums hatte Peter Herbst, Vorstandsmitglied der Nordthüringer Volksbank, betont, bei den Kreditgenossenschaften werde trotz des Angebots moderner Lösungen wie Mobile Banking die Dienstleistung immer ein Gesicht haben. Er kritisierte, dass in der Bundespolitik die Zuständigkeit für die Digitalisierung auf unterschiedliche Ministerien verteilt sei. In seiner Reaktion darauf befürwortete Schneider die Bündelung unter dem Dach eines Ministeriums nach der nächsten Bundestagswahl.
Wie man Cyberattacken erfolgreich abwehrt, demonstrierte Mark Semmler. Der Diplom-Informatiker war früher ein Hacker. Heute schützt er als Berater für IT-Sicherheit Unternehmen vor kriminellen Angriffen aus dem Web. Dass die bedarfsgerechte Absicherung von Informationen eine große Herausforderung darstellt, zeigte er mit einem Live-Hacking-Experiment. Die große Anfälligkeit vieler Unternehmen und Organisationen für Datenspionage erklärt er mit teils veralteten Techniken bzw. Standards.
So seien E-Mails unsicher bis zum Anschlag, weil die SMTP-Protokolle, mit denen man sie verschickt, aus einer Zeit stammen, da waren die Gummistiefel noch aus Holz. Es sei eine Illusion, 100 Prozent Sicherheit von Virenscannern zu erwarten. Diese würden viel zu lange brauchen, um Infektionen zu erkennen. Deshalb seien funktionstüchtige Backups zur Datensicherung unabdingbar, weil sonst komplette Unternehmen lahmgelegt würden. In den letzten Monaten habe der noch immer in Umlauf befindliche Virus Loki mit der Verschlüsselung kompletter Datenbestände, z.B. eines Krankenhauses, große Schäden angerichtet. Die Sensibilisierung der Mitarbeiter und angemessene organisatorische Vorkehrungen sind nach Einschätzung Semmlers entscheidende Ansatzpunkte.
Heiko Langenhan, Geschäftsführer der Computer System GmbH in Ilmenau, betonte, es gebe oft schon kleine Schritte, die viel bringen. Sein Unternehmen ist Dienstleistungs- und Beratungspartner für IT-Infrastrukturlösungen. Die Gefahren lauern nach seiner Einschätzung gerade auch in den Unternehmen selbst, im leichtsinnigen Umgang mit Informationen und Technik.
Umrahmt wurde das Wirtschaftsforum von dem Autoren und Wissenschaftskabarettisten Vince Ebert. Als Consultant bei einer Unternehmensberatung entdeckte er einst sein kabarettistisches Talent. Unter der Überschrift Big Dadaismus warb der studierte Physiker auf humoristische Art für menschliche Kreativität und unorthodoxe Ideen als Gegenpol zur Logik von Computern. Computer sind Rechenmaschinen, die sich keine Gedanken über Sinnhaftigkeit und Absurdität machen können. Computer rechnen – Gehirne verstehen.
Autor: red
Blick in den Kaisersaal (Foto: privat)
Blick in den Kaisersaal
Rund 300 mittelständische Unternehmer informierten sich auf Einladung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Thüringen über Big Data und Datensicherheit.
Für den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Carsten Schneider ist die Digitalisierung die dritte Revolution nach Industrialisierung und Globalisierung. Der Druck, sich permanent zu verändern, wächst ständig und es gibt keine Sicherheiten.
Der aus Erfurt stammende Politiker beklagte eine hohe Skepsis in Deutschland gegenüber neuen Entwicklungen und spannte den Bogen von Techniken wie dem Fracking über Stuttgart 21 bis zum Freihandelsabkommen TTIP. Es sei von großer Bedeutung, jetzt den Anschluss bei der Digitalisierung nicht zu verpassen und zum Beispiel bei Industrie 4.0 an der Spitze der Entwicklung zu stehen. Er begrüßte, dass die Fraunhofer Gesellschaft an einer sicheren Cloud arbeite: Wer will sensible Unternehmensdaten schon in den USA lagern?
Zur Eröffnung des Wirtschaftsforums hatte Peter Herbst, Vorstandsmitglied der Nordthüringer Volksbank, betont, bei den Kreditgenossenschaften werde trotz des Angebots moderner Lösungen wie Mobile Banking die Dienstleistung immer ein Gesicht haben. Er kritisierte, dass in der Bundespolitik die Zuständigkeit für die Digitalisierung auf unterschiedliche Ministerien verteilt sei. In seiner Reaktion darauf befürwortete Schneider die Bündelung unter dem Dach eines Ministeriums nach der nächsten Bundestagswahl.
Wie man Cyberattacken erfolgreich abwehrt, demonstrierte Mark Semmler. Der Diplom-Informatiker war früher ein Hacker. Heute schützt er als Berater für IT-Sicherheit Unternehmen vor kriminellen Angriffen aus dem Web. Dass die bedarfsgerechte Absicherung von Informationen eine große Herausforderung darstellt, zeigte er mit einem Live-Hacking-Experiment. Die große Anfälligkeit vieler Unternehmen und Organisationen für Datenspionage erklärt er mit teils veralteten Techniken bzw. Standards.
So seien E-Mails unsicher bis zum Anschlag, weil die SMTP-Protokolle, mit denen man sie verschickt, aus einer Zeit stammen, da waren die Gummistiefel noch aus Holz. Es sei eine Illusion, 100 Prozent Sicherheit von Virenscannern zu erwarten. Diese würden viel zu lange brauchen, um Infektionen zu erkennen. Deshalb seien funktionstüchtige Backups zur Datensicherung unabdingbar, weil sonst komplette Unternehmen lahmgelegt würden. In den letzten Monaten habe der noch immer in Umlauf befindliche Virus Loki mit der Verschlüsselung kompletter Datenbestände, z.B. eines Krankenhauses, große Schäden angerichtet. Die Sensibilisierung der Mitarbeiter und angemessene organisatorische Vorkehrungen sind nach Einschätzung Semmlers entscheidende Ansatzpunkte.
Heiko Langenhan, Geschäftsführer der Computer System GmbH in Ilmenau, betonte, es gebe oft schon kleine Schritte, die viel bringen. Sein Unternehmen ist Dienstleistungs- und Beratungspartner für IT-Infrastrukturlösungen. Die Gefahren lauern nach seiner Einschätzung gerade auch in den Unternehmen selbst, im leichtsinnigen Umgang mit Informationen und Technik.
Umrahmt wurde das Wirtschaftsforum von dem Autoren und Wissenschaftskabarettisten Vince Ebert. Als Consultant bei einer Unternehmensberatung entdeckte er einst sein kabarettistisches Talent. Unter der Überschrift Big Dadaismus warb der studierte Physiker auf humoristische Art für menschliche Kreativität und unorthodoxe Ideen als Gegenpol zur Logik von Computern. Computer sind Rechenmaschinen, die sich keine Gedanken über Sinnhaftigkeit und Absurdität machen können. Computer rechnen – Gehirne verstehen.

