So, 13:00 Uhr
10.04.2016
71. Jahrestags der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora
Damit ihre Stimmen niemals verklingen
Mit der Kranzniederlegung vor dem Mahnmal am Krematorium des ehemaligen KZ Mittelbau-Dora gedachte man heute der Opfer des KZ-Lagersystems. Der Blick in die Vergangenheit sollte dabei auch Perspektiven für die Gegenwart eröffnen...
In diesen Tagen müsste man sich wieder fragen, was Europa zusammenhält, sagte Thüringens Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner. "Es ist nicht der Euro, sondern der Schwur von Buchenwald, der Europa zusammenhält", so Werner anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora durch Alliierte Truppen. Die lange Friedensphase, in der man seit 1945 lebe, sei auch ein Erbe der NS-Zeit.
Auch in diesem Jahr hatten es noch einmal einige Überlebende zurück nach Nordhausen geschafft, trotz ihres fortgeschrittenen Alters. Sie kamen aus Belgien, Italien, Polen, der Ukraine und Israel. Ihnen und den anderen 60.000 Häftlingen, die zwischen August 1943 und April 1945 die Hölle von Dora durchleiden mussten, galt das heutige Gedenken. Jeder Dritte Häftling überlebte nicht, etwa 20.000 Menschen starben an Hunger, Kälte, Unterernährung und purer Erschöpfung, wurden gefoltert und ermordet. Wieviele mehr auf den Todesmärschen kurz vor Kriegsende ihr Leben ließen, kann man nur vermuten.
Heute ist nicht nur buchstäblich Gras über die Sache gewachsen, weite Teile des ehemaligen Lagers, vor allem die Grundmauern der 50 oberirdischen Häftlingsbaracken, liegen inzwischen versteckt in einem Wald. Den modernen Betrachter lässt das dass einstige Ausmaß des Lagers kaum erahnen. Auch deswegen will sich die Gedenkstätte in den kommenden Jahren verstärkt darauf konzentrieren, die alten Spuren behutsam wieder sichtbar zu machen.
Mit den Baracken hatte man bereits 2008 im Rahmen der "International Summer Camps" der Gedenkstätte begonnen, erläuterte der Leiter der Gedenkstätte, Dr. Stefan Hördler, es gehe darum die funktionalen und historischen Strukturen des Lagers sichtbar zu machen. "Gedenken braucht Wissen", sagte Hördler, und die Gedenkstätte brauche Menschen, die ihr in ihre Arbeit wissenschaftlich, pädagogisch aber auch menschlich vertreten.
Für die Überlebenden trat Albert van Hoey vor das Mikrofon. Der ehemalige Buchenwald und Dora-Häftling ist heute Vorsitzender des Häftlingsbeirates. Er berichtete über seine Erfahrungen in Dora und wie er den Schrecken überstand.
Stimmen wie die des Herrn van Hoey werden bald verstummen, der älteste Gast des Tages war bereits 102 Jahre alt. Für die Gedenkstätten sei es "eine Umbruchsphase" sagte Ministerin Werner, in Buchenwald reflektiere das die neue Dauerausstellung bereits, die kommende Woche offiziell eröffnet werden soll. Der Bund und das Land stünden hinter den Gedenkstätten, wüssten um ihre Bedeutung, so die Ministerin weiter, und meinte an die Häftlinge gewandt: "Wir werden alles tun, damit ihre Stimmen niemals verklingen".
Angelo Glashagel
Autor: redIn diesen Tagen müsste man sich wieder fragen, was Europa zusammenhält, sagte Thüringens Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner. "Es ist nicht der Euro, sondern der Schwur von Buchenwald, der Europa zusammenhält", so Werner anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora durch Alliierte Truppen. Die lange Friedensphase, in der man seit 1945 lebe, sei auch ein Erbe der NS-Zeit.
Auch in diesem Jahr hatten es noch einmal einige Überlebende zurück nach Nordhausen geschafft, trotz ihres fortgeschrittenen Alters. Sie kamen aus Belgien, Italien, Polen, der Ukraine und Israel. Ihnen und den anderen 60.000 Häftlingen, die zwischen August 1943 und April 1945 die Hölle von Dora durchleiden mussten, galt das heutige Gedenken. Jeder Dritte Häftling überlebte nicht, etwa 20.000 Menschen starben an Hunger, Kälte, Unterernährung und purer Erschöpfung, wurden gefoltert und ermordet. Wieviele mehr auf den Todesmärschen kurz vor Kriegsende ihr Leben ließen, kann man nur vermuten.
Heute ist nicht nur buchstäblich Gras über die Sache gewachsen, weite Teile des ehemaligen Lagers, vor allem die Grundmauern der 50 oberirdischen Häftlingsbaracken, liegen inzwischen versteckt in einem Wald. Den modernen Betrachter lässt das dass einstige Ausmaß des Lagers kaum erahnen. Auch deswegen will sich die Gedenkstätte in den kommenden Jahren verstärkt darauf konzentrieren, die alten Spuren behutsam wieder sichtbar zu machen.
Mit den Baracken hatte man bereits 2008 im Rahmen der "International Summer Camps" der Gedenkstätte begonnen, erläuterte der Leiter der Gedenkstätte, Dr. Stefan Hördler, es gehe darum die funktionalen und historischen Strukturen des Lagers sichtbar zu machen. "Gedenken braucht Wissen", sagte Hördler, und die Gedenkstätte brauche Menschen, die ihr in ihre Arbeit wissenschaftlich, pädagogisch aber auch menschlich vertreten.
Für die Überlebenden trat Albert van Hoey vor das Mikrofon. Der ehemalige Buchenwald und Dora-Häftling ist heute Vorsitzender des Häftlingsbeirates. Er berichtete über seine Erfahrungen in Dora und wie er den Schrecken überstand.
Stimmen wie die des Herrn van Hoey werden bald verstummen, der älteste Gast des Tages war bereits 102 Jahre alt. Für die Gedenkstätten sei es "eine Umbruchsphase" sagte Ministerin Werner, in Buchenwald reflektiere das die neue Dauerausstellung bereits, die kommende Woche offiziell eröffnet werden soll. Der Bund und das Land stünden hinter den Gedenkstätten, wüssten um ihre Bedeutung, so die Ministerin weiter, und meinte an die Häftlinge gewandt: "Wir werden alles tun, damit ihre Stimmen niemals verklingen".
Angelo Glashagel



























