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Mo, 07:00 Uhr
11.04.2016
nnz-Betrachtung

Alles Theater, oder was?

Das Nordhäuser Theater und das anvertraute Loh-Orchester sind wieder mal in aller Munde. Und wieder geht es um das „liebe“ Geld. Nur diesmal ist es einfach nicht vorhanden. Noch nicht...


Koste es, was es wolle – so in etwa kann man aus der Ferne die Diskussion um die zusätzliche jährliche Finanzierung für die Theater Nordhausen-Loh-Orchester Sondershausen GmbH bezeichnen. Das Land hat eine klare Ansage gemacht. Es wird seine Zuschüsse für den Kulturleuchtturm in Nordthüringen nur dann erhöhen, wenn die Gesellschafter auch mitziehen.

Für die Stadt Nordhausen wären das – tiefgestapelt rund 400.000 Euro. Zum Ende der Verhandlungen könnten es aber auch 500.000 Euro sein. In seinem Bettelbrief schreibt der Nordhäuser Oberbürgermeister an die Landesregierung in persona des Herrn Hoff, dass die Stadt Nordhausen die zusätzlichen Gelder nicht verkraften könne.

Da gibt es keine klare Ansage in Richtung Erfurt, da gibt es keinen fixen Standpunkt, da liest man nur pseudo-diplomatisches Verbeugen vor der scheinbar höheren Instanz. Hier ein Beispiel: Der Brief beginnt mit: „„Sehr geehrter Herr Minister Prof. Dr. Hoff, mit Freude haben wir wahrgenommen, dass Sie die Arbeit unserer Theater- und Orchester-GmbH wertschätzen und dazu entscheidend beitragen möchten, dass diese Arbeit fortgeführt werden kann.“ Schon da kommt man in Erfurt vor Schenkelklatschen und Amüsement vermutlich nicht in den Schlaf.

Einfach mal schreiben: Wir können nicht mehr leisten! Dann soll das Land doch sagen, dass es dem Leuchtturm den Saft abdreht! Dann soll die Landesregierung Stellung beziehen! Das, was eine schwarze Regierung nicht hinbekam, das schafft R2G. Wer hätte das gedacht? Ich nicht. Dieser Herr Hoff, das muss man wissen und konstatieren, ist einer der ausgebufftesten Politstrategen in diesem Land. Wer das bei seinem Auftritt im Ratssaal des Bürgerhauses nicht mitbekam, ist selbst Schuld. Mit dem beginne ich die Verhandlungen auf Theater-Poker-Tisch nicht mit betteln.

Wie Herr Hoff, so kann jeder Neugierige dessen Strategie auch auf der Kultur-Landkarte der einzelnen Bundesländer nachlesen. Beispiel Hessen. Laut der offiziellen Landes-Website gibt es in unserem Nachbarbundesland vier öffentlich vom Land geförderte Theater. Die bespielen das gesamte Bundesland im Zusammenspiel mit zahlreichen freien Gruppen. In Thüringen gibt es derweil mit Nordhausen, Eisenach, Meiningen, Erfurt, Weimar, Jena, Gera, Rudolstadt, Altenburg-Gera neun Theaterstandorte. Nicht mitgerechnet die Orchester. Nur zur Erinnerung: Thüringen hat ein Drittel der Einwohner Hessens, zwei Millionen.

Bleiben wir bei den 500.000 Euro, die mehr zu zahlen sind. Die müssen irgendwo hergenommen werden, noch verfügt Nordhausen nicht über eine städtische Gelddruckerei. Das zusätzliche Geld muss woanders weggenommen werden. Schön wäre es zu erfahren, wo die Stadtratsfraktionen, die wie ein Fels hinter dem Theater stehen, das Geld wegnehmen wollen? Im sozialen Bereich, bei der Kinder- und Jugendarbeit? Vielleicht kann ja noch eine Brücke gesperrt werden, für die eigentlich eine Sanierung oder Reparatur geplant war?

Ein anderer Weg wäre, die Einnahmen zu erhöhen. Ich bin gespannt, was die Wirtschaft tönen würde, wenn die Gewerbesteuer etwa um 30 oder 40 Prozentpunkte erhöht werden muss, um die zusätzliche halbe Million Euro zu erzielen. Die Hundesteuer wird es nicht bringen, die Friedhofsgebühren wohl auch nicht.

Vor 23 Jahren provozierte ich im damaligen Harzkurier/Nordhäuser Zeitung mit der Überschrift „Straßenbahn oder Ballettschuhe?“ die Politszene. In den kommenden Jahren wird man wohl die Überschrift wählen „Straßenbahn und Ballettschuhe“. Denn bis zum Jahr 2019 werden die Zuflüsse des Bundes und des Landes in Richtung Kommunen weiter abgeschmolzen. Das, mit Verlaub, ist seit fast einem Jahrzehnt zumindest den Profis in der Politik bekannt.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Leser X
11.04.2016, 07:14 Uhr
Das spricht für Thüringen
Man sollte Hessen nicht rühmen wegen seiner wenigen Theater. Nicht Thüringen hat zu viel davon, sondern Hessen zu wenig.

Und zum Geld: Deutschland ist stinkreich genug, dass seine Eliten Milliarden in fingierte Firmen stecken. Solange es so ist, muss mir keiner sagen, dass Kultur zu teuer ist.

Wir alle sind aufgefordert zu sagen: Wenn Ihr die Mittel für Kultur und Theater nicht habt, dann müsst Ihr sie eben organisieren. Nehmt es den Reichen und gebt es der Gesellschaft.

Kultur kann es gar nicht genug geben. Das wird einem jeden Tag aufs neue klar, wenn man sich das politisch-kulturelle Niveau in diesem Lande anschaut und antun muss...
Babette Klingert
11.04.2016, 07:38 Uhr
Unser Landrat hätte beim Theater klare Kante gezeigt!
Mit Mathias Jendricke hätte es so einen windelweichen Brief nicht gegeben.
Treuhänder
11.04.2016, 09:35 Uhr
Warum?
Warum soll der Steuerzahler für etwas zahlen, was nach meiner Meinung nach keine Zukunft hat? Heute gehen ja vorwiegend "ältere" Menschen in das Theater. Die heutige Jugend wird nicht mehr in das Theater gehen, genauso wenig, wie die heutige Jugend die Bibliothek nutzt. Die "Akteure" die heute für den Erhalt des Theaters ringen, sagen nicht, woher das zusätzliche Geld kommen soll. Genauso wurden die "Folgekosten"bei der Bibliothek nicht "diskutiert".
R-Winter
11.04.2016, 09:51 Uhr
@gretchen80
wenn Sie der meinung sind, die heutige jugend interessiert sich nicht mehr für theater und geht auch nicht mehr hin, dann hätten Sie sehen müssen, was vergangenen samstag bei der jugendclubpremiere "#romeoundjulia" los war, oder wieviele junge zuschauer der zirkus "zappelini" zwei wochen früher ins theater zog. theater ist, man mag es kaum glauben, längst nicht die totgesagte geldverschluckmaschine, die man ihm gern andichtet. vielleicht sollten Sie selbst mal wieder hingehen.
free Gigi
11.04.2016, 13:20 Uhr
früher war alles besser
gleich vornweg, ich bin aktuell kein Theatergänger würde es aber trotzdem nicht kategorisch ausschließen wollen.

Woran ich mich aber noch gern zurückerinnere, waren die Theaterbesuche gemeinsam mit der Schulklasse während der Unterrichtszeit. Das waren dann eben Wandertage mit kulturellen Hintergrund. Wahrscheinlich auch pädagogisch wertvoller als Stundenausfall oder Nachhilfe...
Johann George
11.04.2016, 13:42 Uhr
Ja, Polit-Theater
Natürlich ist es Polit-Theater, wenn OB Dr. Zeh Bettelbriefe an den Minister schreibt. Was kann ihm denn besseres passieren, als dass eine ungeliebte R2G-Regierung das Theater hier platt macht? So hat er gleich einen Sündenbock und ist den leidigen Haushaltskiller Theater endlich los.

Kulturpolitisch ist die Stadt NDH ohnehin schon tot. Das liegt am Desinteresse ihrer Entscheidungsträger. Wenn in dieser Stadt mal die privat organisierten und vor allem finanzierten Veranstaltungen (bis hin zu Volksfesten oder Ausstellungen in städtischen Museen und Kunsthäusern) wegfielen, dann bliebe NICHTS übrig.

Haben Dr. Zeh und Frau Haase jemals über tragfähige Finanzierungskonzepte für das Theater nachgedacht? Was machen die eigentlich den ganzen Tag im Rathaus?
Und Frau Mitteldorf als Landtagsabgeordnete der Regierungspartei Nr.1 ist jetzt gefragt, auch mal eine Antwort zu ihrem Lieblingsthema Theater zu geben. Oder zumindest einen Zwischenstand.

Lösungen und Ideen müssen her und keine verlogenen Jammerbriefe!
murmeltier
11.04.2016, 13:49 Uhr
Herr George
Es gibt zu wenig Kultur in Nordhausen? Da muss ich aber lachen. Jeden Tag finden sich allein in der nnz Meldungen über Vernissagen, Konzerten, Lesungen usw.

Ich brauche das alles nicht und ich glaube, ich bin nicht allein. Waren sollen Millionen Euro finanziert werden, die nur für eine elitäre Schicht bestimmt sind. Waren Sie mal im Theater, wenn die Premiere vorbei ist? Da können sich die Akteure auf der Bühne fast selbst unterhalten. Es sei denn, die Busse aus den Nachbarbundesländern sind angekommen. Doch deren Fahrgäste stehen allesamt vor dem biologischen Ende. Die drei Milllionen Euro könnte Nordhausen für Projekte gebauchen, von denen alles was haben: Infrastruktur zum Beispiel. Ich hoffe, Sie wissen was das ist?
Johann George
11.04.2016, 15:03 Uhr
Liebes Murmeltier...
...da haben Sie mich falsch verstanden. Nein, es gibt nicht zu wenig Kultur in Nordhausen, sondern glücklicherweise sehr viel. Aber damit hat die Stadtverwaltung nichts zu tun. Dass zu den Theateraufführungen Busse von außerhalb kommen ist kulturtouristisch nicht zu verachten. Denn im Bereich Tourismus ist die Stadtverwaltung ebenfalls handlungsarm.
Sonntagsradler 2
11.04.2016, 15:11 Uhr
meine Meinung
Kultur ist wichtig für unsere Gesellschaft
ob sich der eine für Kino , Theater,Museum Denkmäler.Bauwerke u.s.w Interediert ist doch Jeden selbst überlassen.Es wird Ihm in der Gesellschafft nichts vorgeschrieben.Ob der "Betterbrief"angesichts der lehren Haushaltslage (Kassen) im Land der Stadt was bringt ist fraglich aber gegenüber der Geselldchaft wünschenswert.
Tor666
11.04.2016, 22:57 Uhr
Bettelbrief
Auf der einen Seite unterstützt man uneingeschränkt, kritiklos die aktuelle Kulturbereicherung, will aber selbst keinen Cent entbehren, wenn es ans Eingemachte geht. Kann es so laufen? Ich hoffe nicht. Sollen diejenigen, die am lautesten "Willkommen" rufe und Andersdenkende beschimpfen, dafür auch Opfer bringen und nicht nur labern.
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