So, 10:17 Uhr
20.03.2016
Neue Exposition im Kunsthaus
Aufbruch in die Moderne
Nachdem das Nordhäuser Kunsthaus Meyenburg fast zwei Monate sich mit viel Glück an den Wänden schmücken konnte, sind nun zwei europäische Kunstrichtungen für mehrere Wochen in der Jugendstilvilla zu Gast. Bei der Vernissage zur neuen Ausstellung unter dem Titel Impressionisten – Expressionisten – Vom Eindruck zum Ausdruck am Freitagabend war auch die nnz zugegen...
Vernissage im Kunsthaus Meyenburg (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Nordhausens Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh begrüßte die in großer Zahl erschienenen Gäste, von denen nicht wenige – dank hervorragender Öffentlichkeitsarbeit – auch einen längeren Anreiseweg nicht gescheut hatten. Ich bin stolz, dass wir eine so wunderbare Ausstellung hier in diesem Haus haben, so das Stadtoberhaupt und bezeichnete die aktuelle Schau als einen Leckerbissen. Ein großer Dank ging an die Sponsoren, zu denen wieder die Sparkasse Nordhausen, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Förderverein des Kunsthauses sowie die Nordbrand Nordhausen GmbH gehörte, ohne deren Engagement eine solche Ausstellung nicht möglich wäre.
70 Werke von insgesamt 47 Künstlern beider Stilrichtungen sind zu sehen. Sie stammen allesamt aus der Privatsammlung von Rüdiger Sundermann, der in Würzburg zu Hause ist. Und sich als profunder Kunstkenner und angenehmer Gesprächspartner an diesem Abend erwies.
Es ist eine interessante Gegenüberstellung zweier Stilrichtungen, an die sich das Kunsthaus mit der aktuellen Ausstellung gewagt hat: Impressionismus und Expressionismus – beide Kunstströmungen hatten ihre Entstehungs- und Blütezeit im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa. So unterschiedlich sie sich auch präsentierten, so hatten sie doch eines gemeinsam: sie brachen auf in die Moderne.
Das war auch die Kernaussage von Kunsthausleiterin Susanne Hinsching, die in ihrer Laudatio Entwicklung, Werke und Künstler beider Stilrichtungen äußerst tiefgründig beleuchtete. Dabei gelang ihr im besonderen Maße die Herausstellung sowohl der Verschiedenartigkeit wie auch die Verschmelzung beider Kunstrichtungen. Im Gegensatz zum Impressionismus, der nur flüchtige und oberflächliche Augenblicke darzustellen versuchte, wollten die Künstler des Expressionismus den Betrachter emotional ansprechen und dabei gesteigerte Impulse und Affekte hervorrufen, machte Hinsching die Unterschiede deutlich. Jedoch lehnten beide die akademische Malweise des 19. Jahrhunderts ab, wollten – wenn auch auf unterschiedliche Weise – provozieren. Sie bevorzugten die Freilichtmalerei, setzten Farb- und Lichterlebnisse subjektiv um. Ziel beider Kunststile sei die Emanzipation des Intellekts in ihrer Kunst gewesen, so die Laudatorin.
Vernissage im Kunsthaus Meyenburg (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Sodann ging Susanne Hinsching auf die Entstehungsgeschichte des Impressionismus ein. Dieser war keine Schule, eher ein Zusammenschluss von Malern, die sich einer feindlichen Haltung der Gesellschaft ausgesetzt sahen. Ihre Wurzeln hatte diese Stilrichtung in Frankreich und England, deren bedeutendste Vertreter Edouart Manet, Claude Monet und Paul Cezanne waren. Sie bevorzugten helle Farben, Schwarz kam kaum vor. Zudem versuchten sich viele in der Grafik, die in der Ausstellung auch reichlich vertreten ist.
Auch in Deutschland entstand um 1900 ein Künstlerkreis, der sich ebenfalls mit farbintensiver Freilichtmalerei beschäftigte. Dieser bildete quasi die Keimzelle des Expressionismus, der um 1905 entstand. Hatte der Impressionismus noch eine lange Entwicklungsphase zu verzeichnen, ging es beim Expressionismus weitaus schneller. Beide Richtungen existierten einige Zeit parallel nebeneinander, bis etwa zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der traditionellen bürgerlichen Ästhetik setzten die Vertreter des Expressionismus das Hässliche, Kranke und Wahnsinnige entgegen, wie es Susanne Hinsching formulierte. Die Bilder wirkten nicht selten verzerrt, die verwendeten Farben mitunter unwirklich kräftig und kontrastreich. Zudem sei die Regellosigkeit das eigentliche Wesen des Expressionismus. Den Vertretern dieser Kunstrichtung sei die freie und unverfälschte Ausdrucksfähigkeit wichtiger als die Wiedergabe der Wirklichkeit gewesen.
Hinsching führte auch die in Deutschland entstandenen beiden Künstlergemeinschaften an. Da war zum einen die Brücke, 1905 in Dresden gegründet. Als ihre wichtigsten Vertreter galten Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein, die in ihrer Kunst häufig Krieg und Ängste thematisierten. Zum anderen entstanden 1911 in München die Blauen Reiter, zu denen u.a. Franz Marc, Paul Klee und Wassily Kandinsky gehörten. Sie fanden ihre Motive maßgeblich in der unberührten Natur.
Im Kunsthaus ausgestellt (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Waren auch die künstlerischen Handschriften der Maler beider Kunststile sehr unterschiedlich geprägt waren, so verband sie jedoch die Wahl der Motive. Es ging den Künstlern beider Richtungen um das unmittelbare Erleben von Mensch, Natur und Stadt, so Susanne Hinsching abschließend. Und das darzustellen, ist dem Kunsthaus mit der neuen Ausstellung in beeindruckender Weise gelungen.
Die musikalische Untermalung der Vernissage übernahm diesmal das Nordhäuser Flötenquartett.
Die Ausstellung im Nordhäuser Kunsthaus Meyenburg ist bis zum 5. Juni 2016 täglich (außer Montag) von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Ein kultureller Ausflug beispielsweise über die Osterfeiertage zu hochkarätiger europäischer Kunst, verbunden mit einem Besuch des schmucken Meyenburg-Parks – das wäre doch mal was! Das Kunsthaus hat übrigens auch am Ostermontag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Hans-Georg Backhaus
Autor: red
Vernissage im Kunsthaus Meyenburg (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Nordhausens Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh begrüßte die in großer Zahl erschienenen Gäste, von denen nicht wenige – dank hervorragender Öffentlichkeitsarbeit – auch einen längeren Anreiseweg nicht gescheut hatten. Ich bin stolz, dass wir eine so wunderbare Ausstellung hier in diesem Haus haben, so das Stadtoberhaupt und bezeichnete die aktuelle Schau als einen Leckerbissen. Ein großer Dank ging an die Sponsoren, zu denen wieder die Sparkasse Nordhausen, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Förderverein des Kunsthauses sowie die Nordbrand Nordhausen GmbH gehörte, ohne deren Engagement eine solche Ausstellung nicht möglich wäre.
70 Werke von insgesamt 47 Künstlern beider Stilrichtungen sind zu sehen. Sie stammen allesamt aus der Privatsammlung von Rüdiger Sundermann, der in Würzburg zu Hause ist. Und sich als profunder Kunstkenner und angenehmer Gesprächspartner an diesem Abend erwies.
Es ist eine interessante Gegenüberstellung zweier Stilrichtungen, an die sich das Kunsthaus mit der aktuellen Ausstellung gewagt hat: Impressionismus und Expressionismus – beide Kunstströmungen hatten ihre Entstehungs- und Blütezeit im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa. So unterschiedlich sie sich auch präsentierten, so hatten sie doch eines gemeinsam: sie brachen auf in die Moderne.
Das war auch die Kernaussage von Kunsthausleiterin Susanne Hinsching, die in ihrer Laudatio Entwicklung, Werke und Künstler beider Stilrichtungen äußerst tiefgründig beleuchtete. Dabei gelang ihr im besonderen Maße die Herausstellung sowohl der Verschiedenartigkeit wie auch die Verschmelzung beider Kunstrichtungen. Im Gegensatz zum Impressionismus, der nur flüchtige und oberflächliche Augenblicke darzustellen versuchte, wollten die Künstler des Expressionismus den Betrachter emotional ansprechen und dabei gesteigerte Impulse und Affekte hervorrufen, machte Hinsching die Unterschiede deutlich. Jedoch lehnten beide die akademische Malweise des 19. Jahrhunderts ab, wollten – wenn auch auf unterschiedliche Weise – provozieren. Sie bevorzugten die Freilichtmalerei, setzten Farb- und Lichterlebnisse subjektiv um. Ziel beider Kunststile sei die Emanzipation des Intellekts in ihrer Kunst gewesen, so die Laudatorin.
Vernissage im Kunsthaus Meyenburg (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Sodann ging Susanne Hinsching auf die Entstehungsgeschichte des Impressionismus ein. Dieser war keine Schule, eher ein Zusammenschluss von Malern, die sich einer feindlichen Haltung der Gesellschaft ausgesetzt sahen. Ihre Wurzeln hatte diese Stilrichtung in Frankreich und England, deren bedeutendste Vertreter Edouart Manet, Claude Monet und Paul Cezanne waren. Sie bevorzugten helle Farben, Schwarz kam kaum vor. Zudem versuchten sich viele in der Grafik, die in der Ausstellung auch reichlich vertreten ist.
Auch in Deutschland entstand um 1900 ein Künstlerkreis, der sich ebenfalls mit farbintensiver Freilichtmalerei beschäftigte. Dieser bildete quasi die Keimzelle des Expressionismus, der um 1905 entstand. Hatte der Impressionismus noch eine lange Entwicklungsphase zu verzeichnen, ging es beim Expressionismus weitaus schneller. Beide Richtungen existierten einige Zeit parallel nebeneinander, bis etwa zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der traditionellen bürgerlichen Ästhetik setzten die Vertreter des Expressionismus das Hässliche, Kranke und Wahnsinnige entgegen, wie es Susanne Hinsching formulierte. Die Bilder wirkten nicht selten verzerrt, die verwendeten Farben mitunter unwirklich kräftig und kontrastreich. Zudem sei die Regellosigkeit das eigentliche Wesen des Expressionismus. Den Vertretern dieser Kunstrichtung sei die freie und unverfälschte Ausdrucksfähigkeit wichtiger als die Wiedergabe der Wirklichkeit gewesen.
Hinsching führte auch die in Deutschland entstandenen beiden Künstlergemeinschaften an. Da war zum einen die Brücke, 1905 in Dresden gegründet. Als ihre wichtigsten Vertreter galten Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein, die in ihrer Kunst häufig Krieg und Ängste thematisierten. Zum anderen entstanden 1911 in München die Blauen Reiter, zu denen u.a. Franz Marc, Paul Klee und Wassily Kandinsky gehörten. Sie fanden ihre Motive maßgeblich in der unberührten Natur.
Im Kunsthaus ausgestellt (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Waren auch die künstlerischen Handschriften der Maler beider Kunststile sehr unterschiedlich geprägt waren, so verband sie jedoch die Wahl der Motive. Es ging den Künstlern beider Richtungen um das unmittelbare Erleben von Mensch, Natur und Stadt, so Susanne Hinsching abschließend. Und das darzustellen, ist dem Kunsthaus mit der neuen Ausstellung in beeindruckender Weise gelungen.
Die musikalische Untermalung der Vernissage übernahm diesmal das Nordhäuser Flötenquartett.
Die Ausstellung im Nordhäuser Kunsthaus Meyenburg ist bis zum 5. Juni 2016 täglich (außer Montag) von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Ein kultureller Ausflug beispielsweise über die Osterfeiertage zu hochkarätiger europäischer Kunst, verbunden mit einem Besuch des schmucken Meyenburg-Parks – das wäre doch mal was! Das Kunsthaus hat übrigens auch am Ostermontag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Hans-Georg Backhaus





