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Mo, 17:00 Uhr
01.02.2016
Ausbildung in der Langen Wand

Training unter Tage

Entweder ist es dunkel und nasskalt oder sehr wahrscheinlich steil abfallend und felsig. Und Höhen- oder Platzangst sollte man auf keinen Fall haben. Und trotzdem geht es dem Bergmann von heute noch immer um längen besser als seinen Vorgängern aus alten Tagen. Den Vergleich können zwei Junge Männer an der Langen Wand gerade hautnah erleben...

Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel) Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel)

Den Job den die zwei Auszubildenden der Ilfelder Bergsicherung Robert Wilke (17) und Jacob Jünemann (21) da als ihre Berufung erwählt haben, ist beileibe kein leichter.

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Im Vergleich zu den Arbeitsbedingungen, unter denen "die Alten" schuften mussten, ist die Arbeit welche die Jungs dieser Tage im Schaubergwerk "Lange Wand" verrichten, allerdings geradezu komfortabel. Manchmal kaum 45 cm hoch sind die kleinen Seitenkammern, in denen die Bergleute vergangener Tage versucht haben, dem Ilfelder Fels liegend und allein mit Muskelkraft Kupfer, Kobalt und ein wenig Schwerspat abzutrotzen. Robert und Jacob müssen nicht mit der Spitzhacke dem Gestein zu Leibe rücken, als Azubis der Bergsicherung lernen sie in den historischen Stollen, wie, wo und wann man den "First", also die Höhlendecke, abstützen muss.

Jacob Jünemann, Robert Wilke und Ausbilder Harry Dresler im Berg (Foto: Angelo Glashagel) Jacob Jünemann, Robert Wilke und Ausbilder Harry Dresler im Berg (Foto: Angelo Glashagel)

Erfahrung im und am Berg ist das wichtigste, erzählt Dr. Dirk Vettel, Leiter der Ilfelder Bergsicherung seit 2002. Die alten Gänge der Langen Wand in direkter Nachbarschaft zum Hauptsitz der "BSI" sind da bestens geeignet um dem Nachwuchs ein wenig auf die Probe zu stellen. Unter den wachsamen Augen von Harry Dresler werden "Kerzen" eingezogen, Trockenmauern aufgeschichtet und ein wenig "beraubt". Die "Kerzen" sind schwere Holzpfähle, die an kritischen Stellen eingezogen werden, beim "berauben" löst man lockeres Gestein, erklären die beiden Azubis und werfen noch so manch anderen Fachbegriff in den Raum.

Einen Grubenvogel braucht heute kein Bergmann mehr, ein Warngerät allerdings schon. Und auch wann man den "deutschen" oder "polnischen" Türstock oder gar den "Polygonbau" einsetzen muss, will gelernt sein. In der Langen Wand ist das alles schon vor langer Zeit geschehen. Erstmals drang man um 1700 in den Berg vor und mit auf und ab fraßen sich die Kumpel bis 1860 immer weiter in den Fels hinein. Allein mit Handarbeit, ohne große technische Hilfe und unter miserablen Bedingungen. Oft werden auch die Bauern der Region sich im Winter hier ein kleines Zubrot verdient haben, erzählt Dr. Vettel auf dem Weg durch die nassen Gänge, reich geworden ist mit den Schätzen des Berges aber wohl niemand.

Trockenmauern errichten wie "die Alten" - die beiden Azubis bei der Arbeit (Foto: Angelo Glashagel) Trockenmauern errichten wie "die Alten" - die beiden Azubis bei der Arbeit (Foto: Angelo Glashagel) Kurz vor dem Höhepunkt der industriellen Revolution war am Ilfelder Hang denn auch, wie man gemeinhin sagt: "Schicht im Schacht". Erst 1979, fünf Jahre nach Gründung der Bergsicherung, wurden die Gänge wieder aufgemacht. Möglich machte das nicht zuletzt der Kalte Krieg - für den "Zivilschutz" trieb der BSI damals einen neuen Eingang in den Berg und bereitete zwei Kammern vor. Die eigentliche Intention war offiziell nur Nebeneffekt: man konnte die Gänge für Besucher öffnen.

Heute ist genießt die Lange Wand den Status eines technisches Denkmals. Ein Verein organisiert Führungen durch die Stollen und andere Events unter den wachsamen Augen der Heiligen Barbara, seit jeher Schutzpatronin der Bergleute. Und vielmehr als Traditionspflege ist vom Untertagebau in der Region heute nicht mehr geblieben. "Hauer" und "Steiger" hat so manche Familie aber noch in der älteren Generation und auch für Robert und Jacob kam die Entscheidung Bergmann zu werden mit der familiären Tradition und dem Interesse. Wenn sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben, werden sie nicht unbedingt nur am heimischen Felsen arbeiten. Geht es darum Hänge zu sichern, Stollen zu verfüllen oder aufgegebene Bergwerke unter die Lupe zu nehmen - das BSI ist dieser Tage "von Berchtesgaden bis Helgoland" aktiv, erzählt Dr. Vetter.

Aktiv von Berchtesgaden bis Helgoland - noch sind beim BSI zwei Ausbildungsplätze frei (Foto: Angelo Glashagel) Aktiv von Berchtesgaden bis Helgoland - noch sind beim BSI zwei Ausbildungsplätze frei (Foto: Angelo Glashagel)

Zur Zeit hat Vetter Leute vor Ort in Bischofferode wie auch "auf Konrad", dem möglichen Endlager bei Salzgitter, an Steilhängen über Bundesstraßen bei Hannover und im Thüringer Wald, insgesamt beschäftigt die BSI 70 Mitarbeiter. Die meisten sind ausgemachte Bergleute, im Ilfelder Stammsitz grüßt man mit "Glück auf!" statt "Guten morgen". "Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf", sagt Vetter, "man findet jedes mal andere Situationen vor".

Dennoch ist der Bergbau in Deutschland nicht mehr das, was er einmal war und so plagen auch den BSI die Nachwuchssorgen. Die zwei Ausbildungsstellen für 2016 sind noch unbesetzt. Dabei ist das Geschäft unbedingt Krisenfest, denn auch wenn es immer weniger Kumpel gibt und eine Abbaustätte nach der anderen geschlossen wird, so stehen die Stollen wie auch der Berg darüber doch so fest wie der Fels aus dem sie einst entsprungen sind. Und tun sie es mal nicht, dann ist die Bergsicherung alsbald zur Stelle. Glück auf!
Angelo Glashagel
Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel)
Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel)
Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel)
Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel)
Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel)
Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel)
Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel)
Ausbildung in der Langen Wand bei Ilfeld (Foto: Angelo Glashagel)
Autor: red

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