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Do, 11:29 Uhr
21.01.2016
Diebstahl im Kunsthaus?

Vincent klaut schon wieder Sonnenblumen

Vincent van Gogh thematisch mit Sonnenblumen zu verbinden, wäre wie Eulen nach Athen tragen! Aber van Gogh, Sonnenblumen und Cartoons von Gerhard Glück in einen Zusammenhang zu bringen – dies schaffte sehr gekonnt die Leiterin unseres Kunsthauses, Susanne Hinsching...


Und zwar in dem Vortrag, den sie gestern zu „KUNST & KAFFEE“, der beliebten Veranstaltungsreihe des Kunsthauses Meyenburg und des Kunsthaus Meyenburg Fördervereins, hielt. Es ist gewiss nicht leicht, einen für Laien verständlichen Spannungsbogen vom Impressionismus zum Expressionismus und weiter zu den Werken Gerhard Glücks zu schlagen.

Und doch gelang dies überzeugend – und zwar anhand von Werken, die stellvertretend stehen. Der Impressionismus in der Kunst ist u.a. eng mit dem Schaffen von Claude Monet verbunden, und gewissermaßen stil- wie auch namensgebend könnte das Werk „Impression“ (1872) stehen, wo Monet den Hafen von Le Havre zeigt - die Wasserspiegelungen mit wenigen Pinselstrichen, das Schillern des Wassers wie auch das Flirren des Lichtes ausschließlich durch die Farben Rot, Gelb und Lila. Die Konturen des Hafens und der Schiffe verschwimmen zu Skizzenhaftigkeit.

Impressionismus – schön gezeigt und verständlich erklärt. Der Expressionismus ‚zertrümmert‘ gewissermaßen die bestehenden und an Akademien gelehrten Formen und steht so in Opposition zum Naturalismus – ist also nicht naturgetreu, nicht bürgerlich, nicht konventionell! Kurz eingegangen wurde im Vortrag auf die Künstlervereinigungen: die „Neue Künstlervereinigung München“ – hier u.a. vertreten durch Kandinsky, Marc, Klee, Jawlensky, Münter, Werefkin, - aus der „Der Blaue Reiter“ hervorging und auf „Die Brücke“ mit Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff, Mueller und Pechstein.

Erläutert wurde diese Kunstrichtung beispielhaft an den Werken „Das Liebespaar“ von Otto Mueller, das ihn mit seiner späteren Frau Maschka zeigt, und an Franz Marcs „Die großen blauen Pferde“ aus dem Jahr 1911. Hier sind die Körper der Pferde in kräftigem Blau gehalten, während rote und violette Farbtöne für Landschaft und Himmel vorbehalten sind. Typisch eben für den Expressionismus ist eine ‚gewisse Wandlung‘ in Verwendung und Deutung der Farben. Nach Marcs Farbenlehre steht Blau für das Prinzip der Männlichkeit; die Farbe wird von einer „Erscheinungsfarbe“ zur „Wesensfarbe“.

Und wieso ‚klaut van Gogh die Sonnenblumen‘? Diese Frage wurde mit dem Ausblick auf die am 30. Januar beginnende Ausstellung mit Cartoons von Gerhard Glück beantwortet. Am Beispiel der Darstellung der Sonnenblumen – impressionistisch – von van Gogh und einem Cartoon von Gerhard Glück – Titel ‚Vincent klaut schon wieder Sonnenblumen‘ – konnte gezeigt werden, dass dieser geschlagene Bogen zwischen Werken aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und den aktuellen Darstellungen Glücks doch nicht so weit gespannt ist wie vermutet.

Auch die Malweise und Perfektion zeigt vom großen Können Gerhard Glücks. Cartoons und Karikaturen sind eben nicht nur ‚einmal so schnell auf ein aktuelles Geschehen deutend‘ hingeworfen wie oft unterstellt wird. Es gibt also mehrere, um nicht zu sagen viele gute Gründe, im Kunsthaus ab 30. Januar diese neue Schau zu besuchen. Und es muss erst recht nicht betont werden, dass auch diese Veranstaltung „KUNST & KAFFEE“ eine gelungene war.

Auch Kaffee und Kuchen nach dem Genuss der Kunst trug zu diesem Ergebnis bei. Der Kuchen – Vielfalt wie auch Geschmack beeindruckt = impressionistisch? – und der mehr als zufriedene Ausdruck auf den Gesichtern der Teilnehmer = expressionistisch? – vielleicht wäre es möglich auch über diesen, etwas ‚schrägen‘ Vergleich sich der Thematik zu nähern?
Dr. Wolfgang R. Pientka, Vorsitzender des Fördervereins
"Blumenklau" bei Kunst & Kaffee (Foto: privat)
"Blumenklau" bei Kunst & Kaffee (Foto: privat)
"Blumenklau" bei Kunst & Kaffee (Foto: privat)
"Blumenklau" bei Kunst & Kaffee (Foto: privat)
"Blumenklau" bei Kunst & Kaffee (Foto: privat)
"Blumenklau" bei Kunst & Kaffee (Foto: privat)
Autor: red

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