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Fr, 12:26 Uhr
04.12.2015
Neue Forschungsergebnisse der Gedenkstätte

Chaos und Rationalisierung

Die Historiker Stefan Hördler und Jens-Christian Wagner stellen ihre neuen Forschungsergebnisse und Publikationen zur Geschichte des KZ-Systems im letzten Kriegsjahr vor. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Spannungsverhältnis zwischen politisch-ideologischen und ökonomisch-utilitaristischen Maximen sowie zwischen Chaos und Rationalisierung...

In seinem Buch „Ordnung und Inferno“ erweitert Stefan Hördler das in der Forschung vertretene Bild, die Schlussphase der nationalsozialistischen Konzentrationslager sei durch Desorganisation, Chaos und Willkür geprägt gewesen.

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Auf einer dichten und vielerorts neuen Quellenbasis zeigt er, dass ab März 1944 nicht Chaos, sondern eine umfassende Neuordnung des KZ-Systems einsetzte, und dass das letzte Kriegsjahr eine eigenständige Phase in der Genese der Lager darstellte. Ab 1944 verfolgte das NS-Regime zwei Ziele: erstens eine von außen (so durch den Rüstungsminister Albert Speer) forcierte Ökonomisierung und zweitens eine von innen (Lager-SS) geforderte Stabilisierung des Lagersystems. Zur Analyse beider Dimensionen führt der Autor den Begriff der Rationalisierung ein, unter dem sowohl die Massenmorde als auch eine utilitaristisch ausgerichtete »Auslese« der arbeitsfähigen Häftlinge als Teile dieser Entwicklung zusammengefasst werden können.

Neue Publikation von Stefan Hördler, Leiter der Gedenkstätte Mittelbau Dora (Foto: Wallstein Verlag) Neue Publikation von Stefan Hördler, Leiter der Gedenkstätte Mittelbau Dora (Foto: Wallstein Verlag)

Jens-Christian Wagner legt eine aktualisierte und erweiterte Neuauflage der Monografie „Produktion des Todes“ zur Geschichte des KZ Mittelbau-Dora vor, dessen dichtes Netz von Außenlagern in den letzten beiden Kriegsjahren den Harz überzog. Tausende Häftlinge starben beim Bau unterirdischer Rüstungsanlagen, die den Nationalsozialisten den propagierten »Endsieg« bringen sollten. Jens-Christian Wagner untersucht auf Grundlage weitgehend unveröffentlichter Quellen aus zahlreichen Archiven die Kooperation von SS und Rüstungsindustrie und das Wechselverhältnis von Vernichtung und Arbeit. Differenziert stellt der Autor Opfergruppen und exemplarische Täterbiografien dar und fragt nach der Einbindung der Lager in ihr gesellschaftliches Umfeld: Welche Auswirkungen hatte das Hineinwachsen des Lagersystems in die Tätergesellschaft, wie wirkte sich die Präsenz der KZ-Häftlinge auf die Bevölkerung in der Umgebung der Lager aus?

Stefan Hördler und Jens-Christian Wagner stellen ihre Forschungsergebnisse am 7. Dezember um 20 Uhr in den Räumen des Wallstein Verlags in Göttingen, Geiststraße 11, vor. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu Gespräch und Diskussion.

Die Buchvorstellung findet in Kooperation mit dem Wallstein Verlag innerhalb einer Veranstaltungsreihe in Göttingen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Organisiert wird die Reihe von einem Bündnis verschiedener Gruppen und Institutionen, in dem seit vielen Jahren auch die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora vertreten ist.
Autor: red

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