Mi, 18:01 Uhr
09.06.2004
Privateigentum ist hinderlich
Nordhausen (nnz). Privates Eigentum ist ein hohes Gut, privates Eigentum verpflichtet. Es kann aber auch hinderlich sein. Um einen solchen Fall geht es in Nordhausen. Ihre nnz berichtet...
Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) hat noch einmal klargestellt, dass sich der Park Hohenrode in Privatbesitz befindet - und dass damit die Zugriffsmöglichkeiten der Stadt entsprechend eingeschränkt sind: "Uns sind quasi die Hände gebunden, trotzdem haben und werden wir nicht locker lassen", so Frau Rinke. Die Stadt habe unzählige Angebote an die Eigentümer unterbreitet: "Mit Blick auf die in mehrfacher Hinsicht Einmaligkeit des Parks hatten wir angeboten, den Park auf Stadtkosten zumindest zu pflegen und damit in seinen Grundstrukturen zu erhalten - das wurde abgelehnt und zuvor angelaufenen Pflegearbeiten mussten daraufhin sofort gestoppt werden."
Die Stadt habe auch ein Kaufangebot für den Park unterbreitet - das sei an zu hohen finanziellen Forderungen seitens der Besitzer gescheitert. "Hohenrode steht auf unserer Prioritätenliste - doch uns sind auch finanzielle Grenzen gesetzt." Selbst ein Pachtangebot der Stadt sei ausgeschlagen worden. "Förmlich auf der Hand lag natürlich die Idee, den Park als externes Projekt in die Landesgartenschau einzubeziehen und eine kleine Fläche vor der Villa zu gestalten - auch dies war aus finanziellen Gründen nicht realisierbar", so Frau Rinke.
Selbst zum Bundespräsidenten Johannes Rau - als Schirmherr der Deutschen Stiftung Denkmalschutz - habe Rinke Kontakt aufgenommen, um zu erreichen, dass Hohenrode durch die Stiftung gefördert werde, und ein ähnlicher Antrag sei auch beim Thüringer Landesamt für Denkmalpflege gestellt worden - beide Verfahren seien noch nicht zu einem positiven Ende gebracht worden. Denn auch hier habe der Eigentümer selbstverständlich das entscheidende Wörtchen mitzureden. Selbst das Projekt, die Umweltakademie Nordthüringen auf dem Standort Hohenrode anzusiedeln, sei gescheitert.
"Nicht zuletzt haben sich auch Bürger, Vereine und Verbände für die Bewahrung dieses für Nordhausen so wichtigen Erbes eingesetzt - hier von mangelnder Leidenschaft zu sprechen, ist nicht fair", so Barbara Rinke, in Richtung Bündnisgrüne. Zumal es der Stadt gelungen sei, zu verhindern, dass Hohenrode zu einem Standort von mehr als 20 Eigenheimen wurde - was einer Zerstörung des Parkes gleichgekommen wäre.
Ein weiteres Beispiel für das Engagement der Bürgerschaft sei "die hochinteressante Diplomarbeit und Veröffentlichung von Barbara Vogt von der Universität Hannover zum Park Hohenrode, die vom Wissenschaftlichen- und Förderverein unserer Fachhochschule herausgegeben und von vielen Nordhäusern und Freunden der Stadt unterstützt wurde. Diese Arbeiten könnten eine hervorragende theoretische Grundlage für die Sanierung von Hohenrode bilden - die Betonung liegt auf `könnte´, denn auch hier gilt: Ohne Zustimmung des Eigentümers geht nichts", so Frau Rinke.
Der Park Hohenrode
Die Villa mit Nebengebäuden und Teepavillon wird 1874/75 gebaut. Die gesamte Park-Anlage wird entworfen von den damals sehr prominenten Architekten Ludwig Bohnstedt und Heinrich Siesmayer - dem Schöpfer des Frankfurter Palmengartens. Bauherr ist der Mitbesitzer der damaligen Nordhäuser Kautabakfabrik Carl Kneif. Er ist zugleich Gründungsmitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Die Villa mit ihrer repräsentativen Schaufassade und Terrasse im Süden ist im Original-Zustand im Osten durch einen Wintergarten erweitert, der in den 60er Jahren abgerissen wird. Die Villa ist zweigeschossig mit einem Mezzaningeschoss unter einem flachen Zeltdach. Die Terrasse war mit einer Balustrade umgeben, deren Eckpfeiler Vasen trugen. Der Park mit seinen zahllosen besonderen und seltenen Bäumen ist heute die einzige Siesmayer-Anlage ohne Flächenverluste, störende Einbauten oder Überformungen und damit ein Juwel - sowohl aus architektonischer als auch aus botanischer Sicht.
Autor: nnzNordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) hat noch einmal klargestellt, dass sich der Park Hohenrode in Privatbesitz befindet - und dass damit die Zugriffsmöglichkeiten der Stadt entsprechend eingeschränkt sind: "Uns sind quasi die Hände gebunden, trotzdem haben und werden wir nicht locker lassen", so Frau Rinke. Die Stadt habe unzählige Angebote an die Eigentümer unterbreitet: "Mit Blick auf die in mehrfacher Hinsicht Einmaligkeit des Parks hatten wir angeboten, den Park auf Stadtkosten zumindest zu pflegen und damit in seinen Grundstrukturen zu erhalten - das wurde abgelehnt und zuvor angelaufenen Pflegearbeiten mussten daraufhin sofort gestoppt werden."
Die Stadt habe auch ein Kaufangebot für den Park unterbreitet - das sei an zu hohen finanziellen Forderungen seitens der Besitzer gescheitert. "Hohenrode steht auf unserer Prioritätenliste - doch uns sind auch finanzielle Grenzen gesetzt." Selbst ein Pachtangebot der Stadt sei ausgeschlagen worden. "Förmlich auf der Hand lag natürlich die Idee, den Park als externes Projekt in die Landesgartenschau einzubeziehen und eine kleine Fläche vor der Villa zu gestalten - auch dies war aus finanziellen Gründen nicht realisierbar", so Frau Rinke.
Selbst zum Bundespräsidenten Johannes Rau - als Schirmherr der Deutschen Stiftung Denkmalschutz - habe Rinke Kontakt aufgenommen, um zu erreichen, dass Hohenrode durch die Stiftung gefördert werde, und ein ähnlicher Antrag sei auch beim Thüringer Landesamt für Denkmalpflege gestellt worden - beide Verfahren seien noch nicht zu einem positiven Ende gebracht worden. Denn auch hier habe der Eigentümer selbstverständlich das entscheidende Wörtchen mitzureden. Selbst das Projekt, die Umweltakademie Nordthüringen auf dem Standort Hohenrode anzusiedeln, sei gescheitert.
"Nicht zuletzt haben sich auch Bürger, Vereine und Verbände für die Bewahrung dieses für Nordhausen so wichtigen Erbes eingesetzt - hier von mangelnder Leidenschaft zu sprechen, ist nicht fair", so Barbara Rinke, in Richtung Bündnisgrüne. Zumal es der Stadt gelungen sei, zu verhindern, dass Hohenrode zu einem Standort von mehr als 20 Eigenheimen wurde - was einer Zerstörung des Parkes gleichgekommen wäre.
Ein weiteres Beispiel für das Engagement der Bürgerschaft sei "die hochinteressante Diplomarbeit und Veröffentlichung von Barbara Vogt von der Universität Hannover zum Park Hohenrode, die vom Wissenschaftlichen- und Förderverein unserer Fachhochschule herausgegeben und von vielen Nordhäusern und Freunden der Stadt unterstützt wurde. Diese Arbeiten könnten eine hervorragende theoretische Grundlage für die Sanierung von Hohenrode bilden - die Betonung liegt auf `könnte´, denn auch hier gilt: Ohne Zustimmung des Eigentümers geht nichts", so Frau Rinke.
Der Park Hohenrode
Die Villa mit Nebengebäuden und Teepavillon wird 1874/75 gebaut. Die gesamte Park-Anlage wird entworfen von den damals sehr prominenten Architekten Ludwig Bohnstedt und Heinrich Siesmayer - dem Schöpfer des Frankfurter Palmengartens. Bauherr ist der Mitbesitzer der damaligen Nordhäuser Kautabakfabrik Carl Kneif. Er ist zugleich Gründungsmitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Die Villa mit ihrer repräsentativen Schaufassade und Terrasse im Süden ist im Original-Zustand im Osten durch einen Wintergarten erweitert, der in den 60er Jahren abgerissen wird. Die Villa ist zweigeschossig mit einem Mezzaningeschoss unter einem flachen Zeltdach. Die Terrasse war mit einer Balustrade umgeben, deren Eckpfeiler Vasen trugen. Der Park mit seinen zahllosen besonderen und seltenen Bäumen ist heute die einzige Siesmayer-Anlage ohne Flächenverluste, störende Einbauten oder Überformungen und damit ein Juwel - sowohl aus architektonischer als auch aus botanischer Sicht.


