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Do, 13:36 Uhr
29.10.2015
Arbeit, Ausbildung, Flüchtlinge

Die Zukunft findet man nicht im Rückspiegel

Die neuen Zahlen vom Thüringer Arbeitsmarkt legte die Nordhäuser Arbeitsagentur heute bei Schachtbau vor. Neben wiederholt guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt ging man auch auf Ausbildung, Fachkräftemangel und den Umgang mit Asylbewerbern ein...

Die Zahl der Arbeitslosen ist gesunken. Wieder einmal. Das konnte heute Karsten Froböse, Leiter der Nordhäuser Arbeitsagentur, in den Räumen des Schachtbau bekannt geben.

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Auf dem Ausbildungsmarkt geht der Trend auch nach unten, allerdings mit anderer Tendenz. Sowohl die Zahl der Bewerber als auch die Zahl der Ausbildungsstellen gingen zurück, man verzeichnete aber dennoch deutlich mehr freie Stellen als Bewerber. Aus Nordhausen sind 250 freie Plätze gemeldet, im Kyffhäuserkreis sind es 46 und im Eichsfeld 145.

Seit fünf Jahren zeigen die Zahlen in Sachen Ausbildung nur in eine Richtung: nach unten. Vor zehn Jahren sah das noch ganz anders aus. Da kamen auf 100 Ausbildungsplätze 217 Bewerber und auf dem Arbeitsmarkt sah man sich einer Arbeitslosenquote von fast 20 % gegenüber.

Heute gebe es gerade für junge Leute beste Chancen in der Region gibt, Karsten Froböse wird nicht müde das immer wieder zu betonen. Beispiel Schachtbau: 804 Mitarbeiter und 88 Azubis hat der Nordhäuser Traditionsbetrieb derzeit. Ausgebildet werden elf verschiedene Berufe vom Mechaniker über den Bergmann bis zum Spezialtiefbauer. Die Übernahmequote liegt bei 94,4 %, erklärte Heino Kupfer, Personalchef im Unternehmen. Vor allem im Bereich Bergbau ist man auf der Suche, "wenn es da mehr Interessenten gäbe würden wir auch noch mehr ausbilden", sagte Kupfer. Auch in anderen Bereichen herrscht Mangel, gerade mal ein Zerspanungsmechaniker hat seine Ausbildung dieses Jahr im Schachtbau aufgenommen.

v.l. Michael Ehrhardt, Dominik Steinecke, Heino Kupfer und Krasten Froböse (Foto: Angelo Glashagel) v.l. Michael Ehrhardt, Dominik Steinecke, Heino Kupfer und Krasten Froböse (Foto: Angelo Glashagel)

v.l. Michael Ehrhardt, Dominik Steinecke, Heino Kupfer und Krasten Froböse

Dabei legt sich die Firma durchaus ins Zeug. Man bietet Praktika und Schnuppertage an, ist an fast allen Regelschulen der Region und manchmal auch darüber hinaus präsent, bezahlt die Azubis nach Tarif und doch bekommt man nicht alle, die man gerne hätte.

"Wir werden unseren Bedarf nicht allein aus der Region decken können", erklärte Froböse. Wenn die industrielle Basis wegbreche, weil nicht genügend Arbeitskräfte da sind, dann werde das auch Auswirkungen auf andere Bereiche haben.

Potential sieht die Agentur hier bei Einwanderern und das nicht erst seit die Flüchtlingskrise akut geworden ist. Der Integration in den Arbeitsmarkt steht vor allem die Sprachbarriere im Weg. Deswegen will man in Zusammenarbeit mit den Bildungsträgern vor Ort Sprachkurse für Flüchtlinge mit hoher Bleibeperspektive organisieren. Und man will erste Schritte in Richtung Ausbildung gehen. "Wir haben das im Blick, was die Region braucht. Das sind nicht Hilfskräfte sondern Fachkräfte und dafür bedarf es der Ausbildung", sagte Froböse. Eine Vorrangprüfung für Deutsche und EU-Bürger wie sie bei der Jobvermittlung üblich ist, entfällt im Ausbildungsbereich und vorbereitende Maßnahmen wie Praktika, Erstqualifierungen und Ausbildungsbegleitung die für schwerer zu vermittelnde Einheimischen probate Mittel sind, ließen sich auch bei der Qualifizierung der Zuwanderer einsetzen. Zudem sind die Mitarbeiter der Agentur bei Sprachkursen zugegen und versuchen mit den Menschen ins Gespräch zu kommen um sich so einen Überblick über die vorhandenen Qualifikationen zu verschaffen. Doch das braucht Zeit.

Die Ängste einiger Menschen seien nachvollziehbar, sagte Froböse, aber die Situation heute sei eine gänzlich andere als noch vor Jahren und er plädierte dafür, nach vorne zu blicken. "Sie werden die Zukunft nicht im Rückspiegel finden", sagte der Leiter der Nordhäuser Agentur, "wir haben einen Plan was der beste Weg ist an dieser Stelle und den werden wir umsetzen. Aber man wird Geduld haben müssen."

Bei Schachtbau war man zu Gast, weil die Flüchtlinge nicht die einzige Möglichkeit sind, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Ein Problem sei, das Jugendliche das Studium der Ausbildung zunehmend vorziehen würden. Dabei habe man auch mit einer Ausbildung gute Chancen auf höhere berufliche Weihen. Heino Kupfer hatte deswegen zwei junge Kollegen mitgebracht, die diesen Weg gegangen sind.

Da war zum einen Dominik Steinecke, der seine Ausbildung im Betrieb 1996 begonnen hatte, danach Schlosser und Vorarbeiter war und heute Meister für Maschinenstahlbau ist. Einen bisher noch ungewöhnlicheren Weg ging Michael Ehrhardt. Er hatte erst seine Ausbildung absolviert und im Betrieb gearbeitet, bevor er sein Fachabitur nachholte und in der Folge seinen Bachelorabschluss als Projektingenieur machte.

Eigentlich sei das nicht der Plan gewesen, sagte der junge Mann, seine Entscheidung habe ihm aber viele Vorteile gebracht und er könne den Weg zum Studium über eine vorherige Ausbildung nur empfehlen. Für Absolventen, die vorher nicht auch praktisch gearbeitet haben, gestalte sich der Berufseinstieg wesentlich schwieriger. Und auch ein Betrieb wie Schachtbau sieht es natürlich lieber, wenn ihre Akademiker sich auch die Hände schmutzig machen können.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Kruemelmonster
18.11.2015, 11:01 Uhr
jetzt geht es bergab
Nach den hier im Artikel mal positiv genannten Beispielen geht es nun stramm bergab.
Heute steht die erste Kündigungswelle an. Es sollen um die 30 Angestelle entlassen werden! Schweinerei, von wegen Fachkräftemangel. Mangel an Weitsicht und Fähigkeit zum Wirtschaften!!
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