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Di, 11:31 Uhr
20.10.2015
Lesung in der Flohburg

Verborgene Wunden - Spätfolgen der DDR

Schwere Traumata hinterlassen Spuren, auch noch Jahre nach den eigentlichen Ereignissen. Das gilt auch für Gefangene der DDR-Diktatur. Karl-Heinz Bomberg, Arzt und Betroffener in einem, setzt sich demnächst in der Flohburg mit dem Thema der individuellen Spätfolgen der DDR-Diktatur auseinander...

Karl-Heinz Bomberg liest am 30. Oktober aus dem gerade erschienenen Buch „Verborgene Wunden“, ein Kompendium zu Spätfolgen politischer Traumatisierung in der DDR und ihre transgenerationale Weitergabe.

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Darin befast er sich mit den Spätfolgen politischer Traumatisierung in der ehemaligen DDR. Bomberg lässt dabei auch Experten zu Wort kommen, die in der aktuellen Begutachterpraxis psychischer Traumafolgestörungen sowie zu Besonderheiten der Behandlung im Bereich psychoanalytischer Therapie, Verhaltenstherapie und alternativer Traumatherapiemethodik tätig sind.

Neben den Auswirkungen auf diejenigen, die dem Trauma ausgesetzt waren, betrachtet Bomberg außerdem, was das Erlebte für Familien und Nachkommen bedeutet hat.

Bomberg selbst ist Arzt für psychosomatische Medizin, der psychische Traumafolgestörungen begutachtet und in Berlin in eigener Praxis therapiert. Und er kann aus eigener Erfahrung aus seiner Zeit vor, während und nach der Haft in DDR-Gefängnissen berichten und sich bei seiner Gutachtertätigkeit in die Lage seiner Patienten hinein versetzen. 26 Jahre nach dem Fall der Mauer sieht er mit Abstand und dem ihm eigenen Humor und Einfühlvermögen auf die Vergangenheit zurück, etwa wenn er über Ärzte und Stasi Offiziere sagt: “Beide können gut hören. Der eine zu-, der andere ab.“ oder aber wenn er das Lied vom Besuch seiner Frau im Gefängnis mit leiser, kaum vernehmbarer Stimme singt:

„Die Tür geht auf:
Sie kriegen heut Besuch.
Wie aufgeschreckt, laß ich von meinem Buch.
Entwöhnt von Licht und menschlichem Kontakt,
hab ich die Freude tief in mir verpackt...“

„Mehr als 25 Jahre nach dem Mauerfall streiten ehemals politisch Verfolgte noch immer um einen angemessenen Umgang mit den Folgeschäden der SED-Diktatur. Mit den SED Unrechtsbereinigungsgesetzen wurde der erste Schritt zur Aufarbeitung vollzogen. Dennoch üben zahlreiche Opferverbände Kritik an zu geringen Rentenzahlungen, Defiziten in den Anerkennungsverfahren von haft- und verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden und gesellschaftlicher Verharmlosungstendenzen und fordern Nachbesserung.“, so Bomberg in seinem Buch.

Im Anschluss an die Lesung mit Gespräch wird Karl-Heinz Bomberg einige Lieder zur Gitarre und Texte aus seinem Repertoire vortragen. Bei seinen Liedern begleitet ihn Erika Kunz am Klavier. Ein Eintritt wird nicht erhoben.
Autor: red

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Kommentare
Wolfi65
20.10.2015, 11:58 Uhr
Man sollte sich nicht nur...
an den eventuellen Spätfolgen der DDR Diktatur ergötzen, sondern die realen und jetzigen Probleme in Angriff nehmen, denn es gibt genug ehemalige BRD Inhaftierte, welche auch Probleme haben und denen auch nicht geholfen wird.
Keine Arbeit und keine Wohnung. Das ewige Karussell der freien Marktwirtschaft. Was will denn da noch ein Vorbestrafter am Arbeitsmarkt sich für Chancen ausrechnen? Mit den Worten selbst Schuld, kann aber auch in der Scheindemokratie vieles verniedlicht und abgetan werden. Da braucht es keiner DDR Diktatur.
henry12
20.10.2015, 14:50 Uhr
Eine einzige Spätfolge
Geht da eigentlich jemand freiwillig hin oder nur die mit Spätfolgen ?
Leser X
20.10.2015, 15:41 Uhr
Wer kümmert sich eigentlich...
... um die Spätfolgen sozialer Art, die viele noch heute nach 25 Jahren "Einheit" erleiden müssen?
emmerssen
20.10.2015, 16:03 Uhr
Ich glaube nicht.....
das sich unserer ,,schöner'' Staat das bieten läßt, wenn man gegen ihn arbeitet. Beispiel gefällig: Pegida - alles Verbrecher die da demonstrieren!
Nowhere Man
20.10.2015, 18:03 Uhr
Interessante Einblicke
Die abgegebenen Kommentare geben interessante Einblicke in die Gedankenwelt der Leute, die zur Wendezeit nicht schnell genug in`s " Wir sind ein Volk-Wunderland " kommen konnten.

Es gibt Leute, und nicht wenige, die Spätfolgen haben, und noch heute darunter leiden. Allerdings werden vorhergehende Kommentatoren das Problem so nicht kennen, denn ihrer bediente sich das SED-Regime liebend gern als Zuträger und Informanten.

Eines muss man allerdings auch diesen Leuten zu Gute halten. Wenn sich zu Festveranstaltungen zum Tag der deutschen Einheit Akteure der Wendezeit wie Jutta Wehmann, Fritz Krey und Rudolf Rüther zusammen mit Herrn Primas ehren lassen, dann haben sie wohl auch im Laufe der 25 Jahre vergessen weswegen wir damals auf die Straße gegangen sind.
Gute Nacht Deutschland !
Rabaucka
20.10.2015, 18:11 Uhr
Jetzt ist aber mal gut...
Mittlerweile sind bereits 25 Jahre seit der Wiedervereinigung vergangen! Langsam reicht es aber mit dem Rumgeheule der DDR-posttraumatisierten! Es ist nunmal der Kapitalismus, es ist nunmal eine Leistungsgesellschaft! Das Einzige was einem passieren kann ist, dass man nicht Schritt hält und zurückbleibt! Das muss man jedoch nicht, man kann sich selbst einfach mal ins Zeug legen, Ärmel hochkrempeln und nach Vorne blicken und aufhören auf den Ungerechtigkeiten der DDR rumzuhacken. Einfach mal sein Leben im hier und jetzt ordnen...und an die nächsten Generationen denken, denen man nicht nur ständiges Jammern beibringen sollte, sondern Fortschrittlichkeit!
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