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Do, 20:00 Uhr
24.09.2015
Cranach Ausstellung eröffnet

Ein Gemälde, viele Geschichten

Vom Original fehlt jede Spur, über die Kopie aber gibt es jede Menge zu berichten: die Rede ist von der "Auferstehung der Lazarus", gemalt von Lucas Cranach dem Jüngeren. Zum 500. Geburtstag des großen Künstlers eröffnet auch die Flohburg eine Ausstellung ihm zu Ehren und nimmt Nordhausens verlorenen Kunstschatz genau unter die Lupe...

Es ist ein Bild, das viele Geschichten erzählt: die "Auferstehung des Lazarus" oder manchem vielleicht besser bekannt als das "Meyenburg-Epitaph". Gemalt hat es Lucas Cranach der Jüngere im Jahr 1558 im Gedenken an den Nordhäuser Bürgermeister Michael Meyenburg.

Die posthume Ehre wurde dem Bürgermeister der kleinen Reichsstadt zu Teil, weil er in aufgewühlten Zeiten regen Kontakt zu den bedeutenden Männern seiner Tage hielt. Als "Reformatorengruppe" sind sie auf seinem Grabgemälde von Cranach abgebildet worden: Phillip Melanchthon, Johannes Bugenhagen, Caspar Cruciger, der gebürtige Nordhäuser Justus Jonas, Erasmus von Rotterdam und natürlich Martin Luther selbst. Bis auf Erasmus soll Meyenburg sie alle gekannt haben und über so auch Kontakt zu den Cranach-Brüdern erhalten haben.


Heidelore Kneffel hat die neue Ausstellung in der Flohburg konzipiert und mit viel Engagement, Handarbeit und Liebe zum Detail vieles rund um das über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Gemälde zusammengetragen. Die einzelnen Personen und ihre Geschichte werden vorgestellt und natürlich darf auch das Schicksal des Werkes selbst, ein Paradebeispiel für "Ironie der Geschichte", an so einer Stelle nicht fehlen.

Denn das, was heute noch in der Blasii-Kirche zu sehen ist, ist nur eine Kopie, gefertigt im Jahr 1927. Das Original wurde schon damals verstaut und schien sicher vor den Folgen des Krieges, oder so hoffte man zumindest. Das Ergebniss kennen viele Nordhäuser: die Kopie überstand die Bombenangriffe, was aus dem Original geworden ist, weiß niemand. Vielleicht wurde es geraubt, vielleicht ist es verbrannt, in jedem Fall ist die Stadt seitdem um einen echten Kunstschatz ärmer.

Das Gemälde ist der Kern der Ausstellung, doch auch drumherum gibt es viel zu entdecken. Da ist der frühe Lutherkult, der anhand archäologischer Funde gezeigt werden kann, die alten und neuen Lutherdenkmäler und auch das geschriebene (oder vielmehr gedruckte) Wort der Reformation, wie es sich in der Himmelgartenbibliothek findet. Besonders schön: der "Lutherplatz", ein Gemälde von Hans Meyer Kassel aus dem Jahr 1920, ist endlich einmal an prominenter Stelle zu sehen. Für gewöhnlich hängt die monumentale Stadtansicht, vor den Augen der breiten Öffentlichkeit leider gut versteckt, in den oberen Geschossen des Rathauses.

Eröffnet wurde die Ausstellung von Dr. Klaus Zeh und dem Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises Südharz, Andreas Schwarze. Neben gewichtigen Worten, alten Dokumenten und schönen Scherben hatte man zumindest musikalisch auch einen Bruch gewagt. Statt klassischer Klänge zeigte der Schlagzeuger Sven Ehrhardt wie man Licht, Musik und Geschichte kreativ verbinden kann.

Es gab und gibt für Lutherfreunde, Geschichtsinteressierte und Kunstliebhaber in der nächsten Zeit einiges zu entdecken in der Flohburg. Die Cranach Ausstellung kann zu den regulären Museumsöffnungszeiten besucht werden und wird noch bis zum 31. Januar zu sehen sein.
Angelo Glashagel
Eine Ausstellung, ein Bild, viele Geschichten - in Nordhausens stadtgeschichtlichem Museum wurde heute die Cranach Ausstellung eröffnet (Foto: Angelo Glashagel)
Eine Ausstellung, ein Bild, viele Geschichten - in Nordhausens stadtgeschichtlichem Museum wurde heute die Cranach Ausstellung eröffnet (Foto: Angelo Glashagel)
Eine Ausstellung, ein Bild, viele Geschichten - in Nordhausens stadtgeschichtlichem Museum wurde heute die Cranach Ausstellung eröffnet (Foto: Angelo Glashagel)
Eine Ausstellung, ein Bild, viele Geschichten - in Nordhausens stadtgeschichtlichem Museum wurde heute die Cranach Ausstellung eröffnet (Foto: Angelo Glashagel)
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