Di, 19:59 Uhr
15.09.2015
Jugendhilfeausschuss tagte
Unbegleitete Minderjährige
Das Flüchtlingsthema zieht sich dieser Tage durch alle Bereiche. Auch den Jugendhilfeausschuss des Landkreises beschäftigte das Thema zur heutigen Sitzung. Unter anderem wurde die Unterbringung und Betreuung unbegleiteter Kinder und Jugendlicher besprochen...
Bevor man jedoch zur Tagesordnung übergehen konnte gab es erst einmal eine Schweigeminute. Der Ausschuss gedachte damit dem kürzlich verstorbenen Torsten Wagner, der im Fachbereich Kinder- und Jugend Jahre lang gearbeitet hatte.
Danach hieß es sich mit tagesaktuellen Problemen zu befassen. Zu Gast war man dieses mal im Regenbogenhaus in Nordhausen Ost und Sabine Reich, Geschäftsführerin des Kreisjugendrings (KJR), war als Gast geladen. Der KJR betreibt das Jugendcafé in Ost, direkt gegenüber der Flüchtlingsunterkunft in der Ostrower Straße. Die Mitarbeiter sind entsprechend nah dran an der Thematik Jugend/Flüchtlinge.
Die Zahlen der Tagesbesucher sind im Café von 40 auf rund 70 Personen angestiegen, auch die Außenbereiche und Sportanlagen werden stärker genutzt. Deutsche und Asylbewerber nutzen beide die Möglichkeiten, die der Jugendclub bietet. Das läuft nicht alles konfliktfrei ab, berichtet Frau Reich, im Großen und Ganzen würden sich die Jugendlichen aber gegenseitig akzeptieren, was ein großer pädagogischer Erfolg sei. Den habe man vor allem der Seele des Clubs, dem Sozialarbeiter Marco Kühlewind, zu verdanken.
Im Anschluss informierte Alexander Scharff über den Stand der Planungen zu den Veranstaltungen am 3. Oktober, die ein Gegenpol zu einem Demonstrationszug rechter Kreise sein sollen.
Das Jugendamt berichtete im Anschluss über die Entwicklungen in Hinblick auf minderjährige, unbegleitete Ausländer. Also Jugendliche und Kinder, die ohne Sorgeberechtigte Personen nach Deutschland kommen. Das muss nicht bedeuten, das sie ganz allein sind, erläuterte die Jugendamtsmitarbeiterin Frau Schnabel, häufig seien sie in Begleitung von anderen Verwandten wie Tante, Onkel oder älteren Geschwistern. Das Familiengericht muss in diesen Fällen feststellen, ob diese als gesetzliche Vertretung oder Vormund fungieren können oder ob diese Aufgabe von den Behörden übernommen werden muss.
Zur Zeit sind die Jugendämter zuständig, in dem der Status "unbegleitet" als erstes auffällt. Das muss nicht immer gleich bei der Einreise der Fall sein und angesichts der Entwicklungen der letzten Wochen rechnet man im Jugendamt mit einem Anstieg dieser Fälle. 1000 bis 1200 unbegleitete Minderjährige werden für Thüringen prognostiziert. Bis zu 70 würden in die Obhut des Landkreises Nordhausen fallen, wenn zum Jahresbeginn gesetzliche Neuregelungen in Kraft treten. Zur Zeit sind zehn Fälle in der Betreuung des Jugendamtes.
Die Minderjährigen sollen ähnlich den Erwachsenen nach einem Schlüssel auf die Bundesländer verteilt werden. Man sei bereits mit den Trägern im Gespräch um entsprechend Plätze vorzuhalten, sagte Schnabel. Die steigenden Zahlen könnten es aber schwierig machen, dem Bedarf gerecht zu werden, weswegen man in der kommenden Woche mit den Trägern auch darüber sprechen werde, stationäre Jugendhilfeeinrichtungen bereit zu stellen, ergänzte Fachbereichsleiterin Nicole Weber.
Die Situation an den Schulen ist bekanntermaßen angespannt, gerade wenn es um Räume, Personal und die sprachlichen Barrieren geht. Man stehe im Kontakt mit dem Schulamt Worbis und sei dabei, auch ein Berufsvorbereitendes Jahr mit dem Fokus auf Spracherwerb zu etablieren. Zehn Plätze gibt es dafür zur Zeit im Landkreis.
In den Kindertagesstätten ist die Entwicklung derzeit schwer abzusehen, hieß es im Ausschuss. Erste Aufnahmen haben bereits stattgefunden, aber da es im Kindergarten anders als im Schulbereich keine Pflicht zur Teilnahme gibt, müsse man sehen wie die Entwicklung weitergeht. Unabhängig davon habe man im Landkreis mehr Plätze im KITA- und Krippenbereich schaffen können.
Georg Müller stellte die Schulnetzplanung vor und hatte eine ganze Reihe Zahlen mitgebracht. Im Landkreis gibt es derzeit 2753 Grundschüler, 2272 Regelschüler, 205 Gymnasiasten und 2057 Berufsschüler. Die Zahl der integrativ beschulten Kinder steigt weiter an, zur Zeit sind es 109 Schüler und Schülerinnen. Als Berufsschulstandort sei Nordhausen nach wie vor attraktiv und man habe mit dem Internat hier einen Standortvorteil gegenüber anderen Kreisen.
In der Investitionsplanung selber haben die Turnhalle in Ellrich, das Bleicheröder Gymnasium, das Humboldt-Gymnasium, das Berufsschulzentrum und die Schule in Niedersachswerfen Priorität und auch den Sportraum der Grundschule in Werther habe man im Blick. Insgesamt sei die Lage stabil, im Grundschulbereich ist die Entwicklung der kommenden fünf Jahre in Klettenberg, Wipperdorf und Niedergebra allerdings problematisch.
Grundsätzlich müsse man jedoch beachten, dass die Planung den Stand vom Ende des vergangenen Jahres wiedergibt, mit den Wanderungsbewegungen hatte damals noch keiner gerechnet. Eine Aktualisierung ist also wahrscheinlich. Für die Schulen dürfte das eine weitere Stabilisierung der Lage mit sich bringen, so Müller.
Als gute Nachricht zum Schluss konnte Müller noch verkünden das dass Modellprojekt in der Hortbetreuung um zwei Jahre verlängert wurde und Nicole Weber berichtete über das erste Treffen des Jugendparlaments.
Angelo Glashagel
Autor: redBevor man jedoch zur Tagesordnung übergehen konnte gab es erst einmal eine Schweigeminute. Der Ausschuss gedachte damit dem kürzlich verstorbenen Torsten Wagner, der im Fachbereich Kinder- und Jugend Jahre lang gearbeitet hatte.
Danach hieß es sich mit tagesaktuellen Problemen zu befassen. Zu Gast war man dieses mal im Regenbogenhaus in Nordhausen Ost und Sabine Reich, Geschäftsführerin des Kreisjugendrings (KJR), war als Gast geladen. Der KJR betreibt das Jugendcafé in Ost, direkt gegenüber der Flüchtlingsunterkunft in der Ostrower Straße. Die Mitarbeiter sind entsprechend nah dran an der Thematik Jugend/Flüchtlinge.
Die Zahlen der Tagesbesucher sind im Café von 40 auf rund 70 Personen angestiegen, auch die Außenbereiche und Sportanlagen werden stärker genutzt. Deutsche und Asylbewerber nutzen beide die Möglichkeiten, die der Jugendclub bietet. Das läuft nicht alles konfliktfrei ab, berichtet Frau Reich, im Großen und Ganzen würden sich die Jugendlichen aber gegenseitig akzeptieren, was ein großer pädagogischer Erfolg sei. Den habe man vor allem der Seele des Clubs, dem Sozialarbeiter Marco Kühlewind, zu verdanken.
Im Anschluss informierte Alexander Scharff über den Stand der Planungen zu den Veranstaltungen am 3. Oktober, die ein Gegenpol zu einem Demonstrationszug rechter Kreise sein sollen.
Das Jugendamt berichtete im Anschluss über die Entwicklungen in Hinblick auf minderjährige, unbegleitete Ausländer. Also Jugendliche und Kinder, die ohne Sorgeberechtigte Personen nach Deutschland kommen. Das muss nicht bedeuten, das sie ganz allein sind, erläuterte die Jugendamtsmitarbeiterin Frau Schnabel, häufig seien sie in Begleitung von anderen Verwandten wie Tante, Onkel oder älteren Geschwistern. Das Familiengericht muss in diesen Fällen feststellen, ob diese als gesetzliche Vertretung oder Vormund fungieren können oder ob diese Aufgabe von den Behörden übernommen werden muss.
Zur Zeit sind die Jugendämter zuständig, in dem der Status "unbegleitet" als erstes auffällt. Das muss nicht immer gleich bei der Einreise der Fall sein und angesichts der Entwicklungen der letzten Wochen rechnet man im Jugendamt mit einem Anstieg dieser Fälle. 1000 bis 1200 unbegleitete Minderjährige werden für Thüringen prognostiziert. Bis zu 70 würden in die Obhut des Landkreises Nordhausen fallen, wenn zum Jahresbeginn gesetzliche Neuregelungen in Kraft treten. Zur Zeit sind zehn Fälle in der Betreuung des Jugendamtes.
Die Minderjährigen sollen ähnlich den Erwachsenen nach einem Schlüssel auf die Bundesländer verteilt werden. Man sei bereits mit den Trägern im Gespräch um entsprechend Plätze vorzuhalten, sagte Schnabel. Die steigenden Zahlen könnten es aber schwierig machen, dem Bedarf gerecht zu werden, weswegen man in der kommenden Woche mit den Trägern auch darüber sprechen werde, stationäre Jugendhilfeeinrichtungen bereit zu stellen, ergänzte Fachbereichsleiterin Nicole Weber.
Die Situation an den Schulen ist bekanntermaßen angespannt, gerade wenn es um Räume, Personal und die sprachlichen Barrieren geht. Man stehe im Kontakt mit dem Schulamt Worbis und sei dabei, auch ein Berufsvorbereitendes Jahr mit dem Fokus auf Spracherwerb zu etablieren. Zehn Plätze gibt es dafür zur Zeit im Landkreis.
In den Kindertagesstätten ist die Entwicklung derzeit schwer abzusehen, hieß es im Ausschuss. Erste Aufnahmen haben bereits stattgefunden, aber da es im Kindergarten anders als im Schulbereich keine Pflicht zur Teilnahme gibt, müsse man sehen wie die Entwicklung weitergeht. Unabhängig davon habe man im Landkreis mehr Plätze im KITA- und Krippenbereich schaffen können.
Georg Müller stellte die Schulnetzplanung vor und hatte eine ganze Reihe Zahlen mitgebracht. Im Landkreis gibt es derzeit 2753 Grundschüler, 2272 Regelschüler, 205 Gymnasiasten und 2057 Berufsschüler. Die Zahl der integrativ beschulten Kinder steigt weiter an, zur Zeit sind es 109 Schüler und Schülerinnen. Als Berufsschulstandort sei Nordhausen nach wie vor attraktiv und man habe mit dem Internat hier einen Standortvorteil gegenüber anderen Kreisen.
In der Investitionsplanung selber haben die Turnhalle in Ellrich, das Bleicheröder Gymnasium, das Humboldt-Gymnasium, das Berufsschulzentrum und die Schule in Niedersachswerfen Priorität und auch den Sportraum der Grundschule in Werther habe man im Blick. Insgesamt sei die Lage stabil, im Grundschulbereich ist die Entwicklung der kommenden fünf Jahre in Klettenberg, Wipperdorf und Niedergebra allerdings problematisch.
Grundsätzlich müsse man jedoch beachten, dass die Planung den Stand vom Ende des vergangenen Jahres wiedergibt, mit den Wanderungsbewegungen hatte damals noch keiner gerechnet. Eine Aktualisierung ist also wahrscheinlich. Für die Schulen dürfte das eine weitere Stabilisierung der Lage mit sich bringen, so Müller.
Als gute Nachricht zum Schluss konnte Müller noch verkünden das dass Modellprojekt in der Hortbetreuung um zwei Jahre verlängert wurde und Nicole Weber berichtete über das erste Treffen des Jugendparlaments.
Angelo Glashagel


