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Mo, 08:54 Uhr
14.09.2015
Peter Genßler im Interview

Nie aus den Augen verloren

In der vergangenen Woche wurde im Bürgerhaus in Nordhausen eine Ausstellung zum Lebenswerk von Günter Groh eröffnet. Groh hatte sich zu Lebzeiten ein Porträt von Peter Genßler gewünscht. Dazu ein Interview mit Genßler...

Peter Genßler (rechts) mit dem Sohn von Günter Groh (Foto: I. Bergmann) Peter Genßler (rechts) mit dem Sohn von Günter Groh (Foto: I. Bergmann)
nnz: Herr Genßler, der verstorbene Ehrenbürger Günter Groh hat sich von Ihnen ein Portrait gewünscht.

Genßler: Ja, da stimmt. Als er erfuhr, dass der Stadtrat der Stadt Nordhausen ihn zum Ehrenbürger ernennen möchte, wünschte er sich als Geschenk von der Stadt, dass ich ihn porträtiere.

nnz: Was glauben Sie, warum er sich dafür gerade für Sie entschied?

Genßler: Das kann ich natürlich nicht genau sagen und nur vermuten. Ich war von 1971 bis 1975 Schüler bei ihm am jetzigen Humboldt-Gymnasium, aber das waren sehr viele in seinem langen Berufsleben als Kunstlehrer, auch jene, die sich nach der Schulausbildung für eine künstlerische Laufbahn entschieden. Aber wir haben uns in den nachfolgenden 40 Jahren nie aus den Augen verloren, sei es als ich in Berlin und Dresden studierte oder später als ich wieder nach Nordhausen zog, standen wir immer im losen Kontakt.

Wir schrieben uns oder trafen uns. Aber ich glaube, um auf die Frage zurückzukommen, unsere Beziehung beruhte auf gegenseitigem Respekt, Achtung und vielleicht auch auf einer Art “Seelenverwandtschaft”. Und nicht zuletzt glaube ich, dass er wissen wollte: “Wie macht er das? Wie setzt er es um?"

nnz: Herr Genßler, bei einem Portrait ist es aber nicht geblieben. Wie kam es, dass Sie ein weiteres und 2 Büsten von ihm fertigten?

Genßler: Für mich stand sofort fest, dass ich seinem Wunsch gern nachkommen möchte und wir verabredeten uns zum Modellsitzen bei mir im Atelier in Bleicherode. Nach zwei Stunden und mehreren Kohlezeichnungen machten wir beide Pause und ich fotografierte ihn als Grundlage für meine weitere Arbeit. Nach einem Kaffee und einem gemütlichen Plausch fotografierte ich ihn ein weiteres Mal.

Und ich war erstaunt über die Verwandlung. War er auf dem 1. Bild müde, abgespannt und vom Alter gezeichnet, so war nach zwei Stunden und dem angeregten Gespräch auf dem 2. Bild wieder der “alte Groh” zu sehen, dem der Schalk aus den Augen blickte und der Glück und innere Zufriedenheit ausstrahlte. Das wollte ich unbedingt malen.

nnz: Sie haben auch noch 2 Büsten von Günter Groh gemacht?

Genßler: Ja, ich bin nun mal nicht nur Maler, sondern mit Leib und Seele auch Bildhauer. Nur in der Plastik wird ein Porträt sozusagen eine runde Sache. Da Profil und alle möglichen Ansichten sind da drin. Es sieht bei jedem Licht anders aus. Auch das wollte ich ihm zeigen.

Leider verstarb er vor der Fertigstellung der Gemälde und auch der Büsten. Das hat mich so getroffen und traurig gemacht, dass ich weder an den Bildern noch den Büsten weiter arbeiten konnte. Und so ist ein alter Lehrspruch von Groh auf tragische Weise Realität geworden, denn er sagte immer: “Man muss ein Bild so malen, dass man jederzeit aufhören kann, und es ist trotzdem ein sich geschlossenes Ganzes.“ Was ich jetzt ausgestellt habe, ist das Ergebnis unserer Arbeit im Frühjahr. Weiteres Arbeiten daran würde die Authentizität zerstören.

nnz: Herr Genßler, kann man Ihre Arbeiten zu Günter Groh in Nordhausen besichtigen?

Genßler: Ja, die Büsten, die Acryl-Gemälde und die Kohlezeichnungen sind noch in der Ausstellung zur Ehrung des Lebenswerkes von Günter Groh im Foyer des Bürgerhauses bis 22. Oktober 2015 zu den Öffnungszeiten der Bibliothek zu sehen. Darüber hinaus lade ich aber auch alle Interessierten zum Tag des Offenen Ateliers am 19. und 20. September von 10-18 Uhr in mein Atelier, in Bleicherode, Burgstraße 29, ein.

nnz: Vielen dank für das Gespräch
Autor: red

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