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Sa, 09:40 Uhr
12.09.2015
Thüringer Lehrerverband

Alle Klassenfahrten aussetzen

Mit einer drastischen Aussage reagierte der Landesvorsitzende des tlv thüringer lehrerverband, Rolf Busch, auf die jetzt bekannt gewordene Kürzung des Budgets für Lehrer-Dienstreisen...


"Wenn das so ist, dann sollten alle Klassenfahrten vorerst abgesagt werden!", so Buschs Kommentar zur aktuellen Lage. Dabei sei der tlv keineswegs gegen das Lernen am anderen Ort, wie es in der Pädagogensprache heißt. "Aber mit diesem letzten Tropfen ist das Fass übergelaufen. Klassenfahrten sind für die Lehrerinnen und Lehrer in Thüringen einfach nicht mehr zumutbar."

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Das Problem, so Busch weiter, sei ein vielschichtiges und "dem tlv schon seit Jahren ein Ärgernis." Auch das zwischenzeitlich erwirkte Gerichtsurteil, das den begleitenden Lehrern den Anspruch auf die Erstattung ihrer Reisekosten zusichert, habe daran nichts geändert. Denn gleichzeitig gäbe es eine Verzichtserklärung, deren freiwillige Unterzeichnung die Schule von der Erstattungspflicht entbindet.

"Allerdings – und das ist die Crux – darf der Lehrer diese Erklärung nicht unterzeichnen, wenn er weiß, dass kein Geld mehr im Topf ist", erläutert Busch das Dilemma. Andererseits dürfe die Schulleitung die Reise jedoch nur dann genehmigen, wenn die Kostenübernahme vorher geklärt ist. "Das heißt, wenn das Budget aufgebraucht ist, der Lehrer aber trotzdem auf eigene Kosten mit seiner Klasse fahren möchte und deshalb die Verzichtserklärung unterschreibt, begeht er einen Rechtsbruch. Warum das so ist, weiß das Ministerium allein."

Der rechtliche Aspekt sei aber nur ein Teil des Problems. "Hinzu kommt ein schier undurchdringlicher Wust an bürokratischem Aufwand beim Abruf der Ministeriumsgelder", erklärt Busch. "Wenn Ministerin Klaubert jetzt betont, dass in diesem Jahr 240.000 Euro mehr zur Verfügung stehen, als 2014 abgerufen wurden, dann verschweigt sie dabei einen entscheidenden Punkt." Tatsächlich seien die Gelder deshalb nicht abgerufen worden, weil die bürokratischen Bedingungen Vorgänge unnötig verkomplizierten. "Das bedeutet aber nicht, dass das Geld nicht gebraucht wurde", so Busch. "Der Anteil, den Thüringens Lehrer aus eigener Tasche gezahlt haben, ist nämlich deutlich höher als das, was vom Ministerium kam." Zu diesen Zuzahlungen seien die Lehrer gezwungen, weil oftmals bei der Buchung der Fahrten die Höhe des Budgets noch gar nicht klar sei. Deshalb könnten viele Dienstreisen von vornherein nur nach Unterzeichnung einer Verzichterklärung vom Schulleiter genehmigt werden.

"Der tlv würde es sehr bedauern, wenn es künftig keine Klassenfahrten mehr gäbe", stellt Busch klar. Aber damit diese auch für die Lehrer zumutbar seien, müsse das Kultusministerium drei wesentliche Dinge verändern. "Die völlig unsinnige Verzichterklärung muss komplett abgeschafft werden. Es muss ein ausreichend hohes Budget für die Abdeckung der Reisekosten zur Verfügung stehen. Und es muss möglich sein, über diese Gelder rechtzeitig und unbürokratisch zu verfügen."
Autor: red

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Kommentare
Kritiker2010
12.09.2015, 11:03 Uhr
Meine Güte, die armen Lehrer
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich denke, dass Lehrer ein hohes Maß an Verantwortung bei der Aufgabe, die nächste Generation unserer Gesellschaft heranziehen, tragen und dies auch honoriert werden sollte.

Jedoch wird diese Verantwortung eben schon mit einem vergleichsweise hohem Gehaltsniveau und Arbeitsplatzsicherheit (insbesondere bei Beamten) vergütet, das es ohne weiteres ermöglicht, die eigenen Kosten für die Beteiligung an einer Klassenfahrt zu tragen.

Im Vergleich dazu haben viele andere Menschen in diesem Lande, die einer deutlich belastenderen Arbeit nachgehen und dabei auf ein weitaus geringeres Niveau sozialer und finanzieller Sicherheit blicken, keine Möglichkeit, sich Spesen erstatten zu lassen. Diese Menschen haben aber auch Kinder an den Schulen und müssen für die Kosten der Klassenfahrten auch selbst aufkommen.

Mit Bedauern muss ich anmerken, dass sowohl bei den Exkursionen, als auch bei Klassenfahrten meiner Tochter bisher der Aspekt des "Lernens an einem anderen Ort" ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielte. Primär handelt es sich um Spaß-Ausflüge mit dem Leitthema "Fressen, Shoppen, Gaudi".

Weiterhin möchte ich anmerken, dass eine Klassenfahrt nur alle zwei Jahre wohl auch ausreichen würde, da der Unterricht ohnehin durch diverse Exkursionen unterbrochen wird und in Summe mit der teils extremen Ausfallsituation dafür sorgen dürfte, dass der vorgesehenen Lehrstoff kaum geschafft werden kann.

Eine Reduzierung der Anzahl und des Umfanges der Klassenfahrten würde sich demnach positiv auf die klammen Portmonees der Lehrer auswirken und auch die Ausfallzeiten an den Schulen reduzieren.
Motte83
12.09.2015, 11:28 Uhr
Steuererklärung
Natürlich ist es wünschenswert, wenn Arbeitnehmer Reisekosten stets erstattet bekommen. Aber gerade bei Klassenfahrten ist trotz der Aufsichtspflicht doch auch ein kleiner Freizeitfaktor vorhanden, oder? Zumal gerade Jugendherbergen den Begleitpesonen die Unterkunft oft kostenfrei oder stark vergünstigt stellen. Das wird in der Diskussion leider durch den TLV außer Acht gelassen.

Wenn keine Reisekosten erstattet werden, können Lehrer die nachgewiesenen Auslagen ja auch steuerlich absetzen.
Janko
12.09.2015, 15:00 Uhr
@ verrückt-na-und?
Betreuen Sie mal ein Wochenende lang 25 Jugendliche, wenn DIE denken, jetzt haben sie Freizeit und könnten vor allem nachts machen, was sie wollen. Danach gehen Sie bitte am Montag wie gewöhnlich auf Arbeit und dann schreiben Sie und ich uns noch einmal, wie viel vom "kleinen Freizeitfaktor" vorhanden war.
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