Sa, 08:12 Uhr
29.08.2015
nnz-Forum
Biogasanlage in Nordhausen
Ein wenig Zeit ist seit dem Bau und der Inbetriebnahme der Biogasanlage am Standort Bielen inzwischen vergangen und ich möchte einmal einen kleinen Rückblick abhalten. Ein wenig aus der Sicht der Bürgerinitiative und Anwohner, die sich dagegen engagiert haben und auch aus persönlicher Sicht. Eine Nachbetrachtung von Thomas Fichtner...
Mein Dank geht an dieser Stelle noch einmal besonders an all jene, die ich durch den Themenkomplex kennengelernt habe und die sich mit engagiert haben. Wir haben leider nicht alles erreicht, aber trotzdem haben wir einen Unterschied gemacht!
Auch noch vorn weg: Ich halte diese Art von Biogasanlagen, die vorwiegend mit extra dafür angebauter Biomasse betrieben werden und eigentlich nur durch hohe Agrar- und EEG-Subventionen wirtschaftlich betreibbar sind, immer noch für falsch, für moralisch bedenklich und für nicht ganz kleinen Blödsinn. Aber, die Anlage wurde gebaut, in Betrieb genommen und läuft. Eine Schönheit ist sie nicht, aber nun ja... Ihre Auswirkungen auf und die Belästigungen der Anwohner sind – zum Glück – geringer als befürchtet ausgefallen.
Das ursprüngliche Konzept wurde offenbar nachhaltig überarbeitet und mit erweiterten Maßnahmen, zum Beispiel beim Schallschutz und bei der Auffangwanne versehen. Der Stoff- und damit Verkehrsfluss wurde wohl ebenfalls optimiert. Einem breiteren Publikum wurde ein generelles Problembewußtsein solcher Anlagen vermittelt.
Alle Beteiligten erhielten interessante Einblicke in die kommunalen Entscheidungsfindungsabläufe und welche Auswirkungen Engagement haben kann – ja, man macht sich halt nicht nur Freunde wenn man seine Bürgerrechte ausübt und hier und da im Filz stochert ;-)
Leider konnte man letztlich den Bau der Anlage nur etwas verzögern und dafür sorgen, dass wohl einiges verbessert wurde, aber man konnte ihn jedoch letztlich nicht ganz verhindern. Vielleicht auch, weil die beteiligten Akteure die Anlage unbedingt wollten?
Wie sieht es in der Branche inzwischen (Stand Sommer 2015) aus?
Übel! Etwa so übel wie auch von der BI 2013/2014 schon prognostiziert. Ich zitiere an der Stelle aus einem Artikel vom 3. August 2015 der in Die Business-Welt der Regenerativen Energiewirtschaft (http://www.iwr.de/news.php?id=29361) erschienen ist.
Biogas-Markt Deutschland: Nachfrage tendiert gegen Null
Freising - Vor einem Jahr, am 1. August 2014, ist die vierte Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2014) in Kraft getreten. Für die Biogasbranche hatten die darin enthaltenen Gesetzesänderungen dramatische Auswirkungen. Nach Angaben des Fachverbands Biogas tendiert die Nachfrage nach neuen Biogasanlagen seither "gegen Null".
Auch agrarheute.com (http://joule.agrarheute.com/ausblick-fachverband-biogas) und andere Branchen-Veröffentlichungen sehen dies ähnlich.
Man kann also sagen, dass die normative Macht des Faktischen sich letztlich auch hier durchsetzt und sich die, durch überhohe Vergütungen, deutlich überhitzte Entwicklung der Biogasbranche merklich abgekühlt hat. Leider dauerte dies etwas länger als erhofft.
Wie man sich Freunde macht - ja, Engagement hat Folgen – zumindest gab es hier und da z.B. an der Hochschule oder bei städtischen Veranstaltungen erhebliche Seitenhiebe zum Thema... ;-)
Entscheidungen werden in Nordhausen wohl eher nichtöffentlich gefällt. Und wen eine Firma mit dem Bau einer potentiell entsprechenden Gasleitung in der Nähe eines der potenziellen Standorte beginnt – Monate bevor der Standort verkündet wird und es immer noch offiziell heißt: es wird noch geprüft etc., nach der Entdeckung dieser Bautätigkeit und Nachfrage diesbezüglich beteuert wird, diese wäre eigentlich nur für generelle Erschließung usw. und hätte absolut nichts zu bedeuten – ist die Entscheidung längst gefallen!
Und ja, durch so ein Engagement lernt man nicht nur interessante Leute kennen, nein, man erkennt auch schnell wer hier mit wem interagiert. Das ist etwa genauso informativ und interessant, wie ein Besuch bei den Neujahresempfängen der Parteien, wo ja auch die eigentlich politischen Gegner sehr gern zu Besuch kommen...
Schon aus dem Grund möchte jedem raten sich ruhig mal einzumischen, sich für etwas zu engagieren, oder wenn möglich solche Veranstaltungen einfach mal zu besuchen!
Euer Einfluss, liebe Mitbürger, ist nicht nur auf die StimmABGABE an der Wahlurne beschränkt, nein durch direktes Interesse an den Vorgängen vor Eurer Haustür könnt ihr viel eher und viel besser etwas erreichen. Nicht immer 100% von dem was ihr erreichen wollt, aber stets mehr als nur mit einem Kreuz auf einem Stimmzettel unter Tausenden!
PS: Übrigens, wer mag kann das hier gern – natürlich auch unter Nickname – kommentieren. Ich frage ja in natura auch nicht vorher nach eurem Ausweis zwecks Identitätsfeststellung, bevor ich mit euch rede.
Ach so und: Ich danke an der Stelle noch einmal demjenigen, der kürzlich mit seiner Aussage: Wer gegen Biogasanlagen ist, ist ein scheiss Putin-Versteher! (Ich nehme an weil man angeblich durch Millionen (!) solcher Anlagen total unabhängig von ausländischem Öl und Gas werden würde???) mich letztlich dazu animierte diese Nachlese doch endlich mal fertig zu stellen. :-) Ach so, mein Russisch ist übrigens auch weiterhin eher «плохо»...
Thomas Fichtner
Autor: redMein Dank geht an dieser Stelle noch einmal besonders an all jene, die ich durch den Themenkomplex kennengelernt habe und die sich mit engagiert haben. Wir haben leider nicht alles erreicht, aber trotzdem haben wir einen Unterschied gemacht!
Auch noch vorn weg: Ich halte diese Art von Biogasanlagen, die vorwiegend mit extra dafür angebauter Biomasse betrieben werden und eigentlich nur durch hohe Agrar- und EEG-Subventionen wirtschaftlich betreibbar sind, immer noch für falsch, für moralisch bedenklich und für nicht ganz kleinen Blödsinn. Aber, die Anlage wurde gebaut, in Betrieb genommen und läuft. Eine Schönheit ist sie nicht, aber nun ja... Ihre Auswirkungen auf und die Belästigungen der Anwohner sind – zum Glück – geringer als befürchtet ausgefallen.
Was hat die BI eigentlich erreicht?
Nun, von den anvisierten Standorten wurde von den Verantwortlichen letztlich der Sinnvollere ausgewählt, nämlich der mit der deutlich besseren Verkehrsinfrastrukturanbindung. Damit wurden viele der Problemfelder erheblich entschärft.Das ursprüngliche Konzept wurde offenbar nachhaltig überarbeitet und mit erweiterten Maßnahmen, zum Beispiel beim Schallschutz und bei der Auffangwanne versehen. Der Stoff- und damit Verkehrsfluss wurde wohl ebenfalls optimiert. Einem breiteren Publikum wurde ein generelles Problembewußtsein solcher Anlagen vermittelt.
Alle Beteiligten erhielten interessante Einblicke in die kommunalen Entscheidungsfindungsabläufe und welche Auswirkungen Engagement haben kann – ja, man macht sich halt nicht nur Freunde wenn man seine Bürgerrechte ausübt und hier und da im Filz stochert ;-)
Leider konnte man letztlich den Bau der Anlage nur etwas verzögern und dafür sorgen, dass wohl einiges verbessert wurde, aber man konnte ihn jedoch letztlich nicht ganz verhindern. Vielleicht auch, weil die beteiligten Akteure die Anlage unbedingt wollten?
Wie sieht es in der Branche inzwischen (Stand Sommer 2015) aus?
Übel! Etwa so übel wie auch von der BI 2013/2014 schon prognostiziert. Ich zitiere an der Stelle aus einem Artikel vom 3. August 2015 der in Die Business-Welt der Regenerativen Energiewirtschaft (http://www.iwr.de/news.php?id=29361) erschienen ist.
Biogas-Markt Deutschland: Nachfrage tendiert gegen Null
Freising - Vor einem Jahr, am 1. August 2014, ist die vierte Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2014) in Kraft getreten. Für die Biogasbranche hatten die darin enthaltenen Gesetzesänderungen dramatische Auswirkungen. Nach Angaben des Fachverbands Biogas tendiert die Nachfrage nach neuen Biogasanlagen seither "gegen Null".
Auch agrarheute.com (http://joule.agrarheute.com/ausblick-fachverband-biogas) und andere Branchen-Veröffentlichungen sehen dies ähnlich.
Man kann also sagen, dass die normative Macht des Faktischen sich letztlich auch hier durchsetzt und sich die, durch überhohe Vergütungen, deutlich überhitzte Entwicklung der Biogasbranche merklich abgekühlt hat. Leider dauerte dies etwas länger als erhofft.
Was lief nach meiner Ansicht nicht optimal?
Leider gelang es der Gegenseite wohl ein wenig die Anwohner der jeweiligen Standorte gegeneinander auszuspielen. Dies wurde insbesondere klar, als die Standortauswahl bekannt gegeben wurde. Auch war, nach meinen Eindrücken, besonders in Bielen ein Großteil (nicht alle!) der Betroffenen lange Zeit eher passiv – vielleicht dachte man hier auch, dass der ehemalige Landrat und der nahe Flugplatz den Bau schon letztlich verhindern würden?Was nehme ich aus der ganzen Sache mit?
Politik ist definitiv kein anständiges Geschäft! Worte kann man viele machen, aber an entsprechenden Taten mangelt es bei vielen unserer Volksvertretern oft.Wie man sich Freunde macht - ja, Engagement hat Folgen – zumindest gab es hier und da z.B. an der Hochschule oder bei städtischen Veranstaltungen erhebliche Seitenhiebe zum Thema... ;-)
Entscheidungen werden in Nordhausen wohl eher nichtöffentlich gefällt. Und wen eine Firma mit dem Bau einer potentiell entsprechenden Gasleitung in der Nähe eines der potenziellen Standorte beginnt – Monate bevor der Standort verkündet wird und es immer noch offiziell heißt: es wird noch geprüft etc., nach der Entdeckung dieser Bautätigkeit und Nachfrage diesbezüglich beteuert wird, diese wäre eigentlich nur für generelle Erschließung usw. und hätte absolut nichts zu bedeuten – ist die Entscheidung längst gefallen!
Und ja, durch so ein Engagement lernt man nicht nur interessante Leute kennen, nein, man erkennt auch schnell wer hier mit wem interagiert. Das ist etwa genauso informativ und interessant, wie ein Besuch bei den Neujahresempfängen der Parteien, wo ja auch die eigentlich politischen Gegner sehr gern zu Besuch kommen...
Schon aus dem Grund möchte jedem raten sich ruhig mal einzumischen, sich für etwas zu engagieren, oder wenn möglich solche Veranstaltungen einfach mal zu besuchen!
Euer Einfluss, liebe Mitbürger, ist nicht nur auf die StimmABGABE an der Wahlurne beschränkt, nein durch direktes Interesse an den Vorgängen vor Eurer Haustür könnt ihr viel eher und viel besser etwas erreichen. Nicht immer 100% von dem was ihr erreichen wollt, aber stets mehr als nur mit einem Kreuz auf einem Stimmzettel unter Tausenden!
PS: Übrigens, wer mag kann das hier gern – natürlich auch unter Nickname – kommentieren. Ich frage ja in natura auch nicht vorher nach eurem Ausweis zwecks Identitätsfeststellung, bevor ich mit euch rede.
Ach so und: Ich danke an der Stelle noch einmal demjenigen, der kürzlich mit seiner Aussage: Wer gegen Biogasanlagen ist, ist ein scheiss Putin-Versteher! (Ich nehme an weil man angeblich durch Millionen (!) solcher Anlagen total unabhängig von ausländischem Öl und Gas werden würde???) mich letztlich dazu animierte diese Nachlese doch endlich mal fertig zu stellen. :-) Ach so, mein Russisch ist übrigens auch weiterhin eher «плохо»...
Thomas Fichtner
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.

