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Di, 12:53 Uhr
18.08.2015
Neues Schuljahr, alte Probleme:

"Personalsituation verschlechtert sich stetig"

Mit deutlichen Worten haben sich Frank Fritze und Uwe Sommermann, stellvertretende Landesvorsitzende des tlv thüringer lehrerverband, in einer Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn an die Landesregierung des Freistaates gewandt...


"Die Personalsituation an Thüringens Schulen ist, gelinde gesagt, miserabel", monierte Sommermann. "Und sie wird immer schlimmer. Es ist deshalb allerhöchste Zeit, dass die Landesregierung ihre Koalitionsversprechen umsetzt und die Schulen personell besser ausstattet!"

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Dass es in Thüringen viel zu wenig Lehrer gibt, zeige sich unter anderem an den Unterrichtsausfällen, so Frank Fritze. Zwar lägen diese laut der offiziellen Statistiken bei etwa 4%, also jeder 25. Stunde.

"Aber die Zahl der nicht wie vorgesehen gehaltenen Unterrichtsstunden ist tatsächlich viel höher. Eine 2013 vom Kultusministerium an alle Schulen geschickte schriftliche Anweisung schreibt vor, dass eine Stunde nicht als ausgefallen gilt, wenn sie fachfremd vertreten, durch Stillbeschäftigung oder Heimarbeit ersetzt wird."

An einigen Schulen fielen regelmäßig etwa 10% der Stunden aus. "Dass unsere Schüler trotzdem gut lernen und bei Leistungsvergleichen überdurchschnittlich abschneiden, ist allein dem Engagement der Lehrer zu verdanken. Diese arbeiten jedoch oft bis an die persönliche Belastungsgrenze. Langfristige Erkrankungen nehmen leider immer mehr zu."

Im Februar dieses Jahres reagierte Ministerin Klaubert auf die scharfe Kritik des tlv hinsichtlich der Unterrichtsausfälle. Sie versprach eine eingehende Prüfung der Anweisungen ihres Amtsvorgängers und entsprechende Änderungen, um 'ein ehrliches Bild bei den Stundenausfällen' zu erhalten. "Bis jetzt ist hier jedoch nichts passiert", stellt Fritze klar. "Und das ist leider bezeichnend für die Haltung des Ministeriums gegenüber den Schulen. Der tatsächliche Ausfall wird nach wie vor durch Monitoring-Verfahren kaschiert und die Lehrer und Schüler werden mit diesem Problem alleingelassen."

Dass es an Thüringens Schulen zu so hohen Unterrichtsausfällen kommt, liegt in erster Linie daran, dass es zu wenig Lehrer gibt. Dieses Problem ist ein rein rechnerisches: In Thüringen werden nach wie vor weniger Pädagogen eingestellt, als den aktiven Schuldienst verlassen. "Im Kalenderjahr 2015 werden insgesamt 500 Lehrer neu unbefristet eingestellt", berichtet Uwe Sommermann. "Das mag zunächst viel klingen. Wenn man sich jedoch vor Augen führt, dass im Schuljahr 2014/15 mehr als 700 Kollegen aus dem aktiven Dienst ausgeschieden sind, wird schnell klar, dass diese Gleichung niemals aufgehen kann."

Die Einstellungsstatistiken zeigen jedoch noch ein weiteres Problem auf: Die ursprüngliche Ausschreibung der Stellen erfolgt sowohl schulart- als auch fächerspezifisch. Aus Mangel an Bewerbern, die unter den aktuellen Bedingungen nicht in Thüringen bleiben wollen, können diese Stellen immer seltener besetzt werden. "Teilweise werden Lehrer für andere Fächer eingestellt, als sie dann tatsächlich unterrichten", berichtet Sommermann. "Aber das ist natürlich nur begrenzt möglich. Und wenn die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen an einer Schulart grundsätzlich zu gering ist, nützt es auch nichts, wenn es viele Bewerber gibt und letzten Endes fast alle Stellen besetzt werden können. Der Mangel bleibt."

Abgesehen davon, so erklärt der stellvertretende tlv Landesvorsitzende Frank Fritze weiter, gäbe es in jedem Schuljahr auch Stellen, für die die geeigneten Bewerber nicht in Thüringen angestellt werden wollen. "Eine der Ursachen hierfür ist die fehlende Verbeamtung", ist Fritze sich sicher. "In all unseren Nachbarländern außer Sachsen werden die Absolventen bei der Einstellung zu Beamten. Darüber hinaus sind die Einstellungsverfahren wesentlich unkomplizierter. Wen wundert es da, dass die jungen Leute abwandern?"

Aber auch, wer seinen Dienst in Thüringen angetreten hat, bleibt nicht unbedingt. "Manche Kollegen verlassen den Freistaat, wenn sie aus einem anderen Bundesland ein besseres Angebot bekommen." Interessanterweise hat das Kultusministerium bereits im Sommer 2012 einen Prüfbericht zum Thema erstellt, in dessen Fazit eine generelle Wiedereinführung der Verbeamtung aller Lehrer des Freistaates befürwortet wird. Angedacht war damals als Termin der 1. August 2013. "Aber auch hier ist bis zum heutigen Tag nichts geschehen", klagt Fritze auch die Handlungsunfähigkeit der aktuellen Landesregierung an. Vielmehr werde das Problem so wie alle wichtigen übrigen auch von Schuljahr zu Schuljahr vertagt.

Frank Fritze und Uwe Sommermann beschlossen die Pressekonferenz mit einer eindeutigen Botschaft: "Unsere bereits drei Jahre alte Forderung ist zu Beginn des neuen Schuljahres aktueller denn je, und wir richten uns direkt an den Ministerpräsidenten und seine Landesregierung, wenn wir erneut fordern: Stoppt den Lehrerkollaps!“
Autor: red

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Kommentare
henry12
18.08.2015, 13:31 Uhr
Dumme Kinder
sind wichtig für die Zukunft dieses Landes. Oder schraubt einfach die Forderungen herunter. Wie geschehen bei
den Anforderungen an die Abi - Prüfung oder mit Einführung
vom Bachelor-Studium.
NDHler
18.08.2015, 15:51 Uhr
Rot Rot Grün ...
... hat zu Lieberknechts Zeiten immer zu diesem Thema die große Klappe gehabt. Lehrer sollten eingestellt und die Zahl der Ausfallstunden gesenkt werden. Alles Lüge? Alles nur leere Wahlbersprechen? Anstatt in Thüringen seine Arbeit zu verrichten geistert Herr Ramelow lieber als Schlichter im Bahnstreick durch Deutschland. Traurig ist das!
Kritiker2010
19.08.2015, 11:10 Uhr
Wie heißt es so schön: Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!
Da unsere Tochter im vergangenen Jahr in der 9. Klasse des Herder-Gymnasiums akribisch jede Stunde notiert hat, die ausgefallen ist oder vertreten wurde, konnte ich über ein halbes Jahr eine detaillierte Statistik erstellen.

Hiernach betrug der Ausfall ca. 15%. Hinzu kommen ca. 10% Vertretungsstunden, in denen aber oft kein Lehrer erschien oder unterrichtsfremde Beschäftigungen gemacht wurden. Summa summarum also etwa 25% Ausfall. Interessanterweise steigt die Ausfall-Quote regelmäßig im Verlauf der Schuldauer an. Einige Lehrer scheinen heute nur wenige Wochen nach den Ferien durchzuhalten.

Ich verstehe, dass Lehrer ein stressiger Job sein kann und ich verstehe auch, dass gute und engagierte Lehrer auch mal ausbrennen können. Und ja, es gibt auch viele Lehrer, die bestrebt sind, trotz der Defizite guten Unterricht zu machen und durchzuhalten. Aber leider wird das Bild immer wieder von vielen negativen Ausnahmen geprägt: Lehrer die angeblich an Burn-Out erkrankt sind und über Jahre Stellen blockieren, während sie ein vergnügliches Privatleben führen; Lehrer, die wegen Ihrer Alkoholabhängigkeit wiederholt in Behandlung sind und dennoch Grundschüler unterrichten dürfen anstatt sie aus dem Dienst zu entlassen und die Stelle neu zu vergeben; Lehrer, die geplante OPs in die Schulzeit legen, obwohl in den Ferien genug Zeit wäre; Lehrer, die Ihre Urlaubsreisen in die Schulzeit legen und viele andere unglaubliche Erscheinungen.

Vor einigen Jahren regte ich im Zuge der Zusammenlegung der Herder-Schulteile Nordhausen und Ilfeld gegenüber der Herder-Schulleitung an, dass sich die Schulleiter verschiedener Schulen doch einmal gemeinsam an die Öffentlichkeit wenden mögen, um das Problem publik zu machen und zu verhindern, dass sich die Defizit-Spirale weiter dreht. Man erwiderte jedoch, dass man dies seinem Dienstherren gegenüber nicht verantworten könne.

Es fehlt einfach an vielen Stellen an Verantwortungsgefühl, bei einigen Lehrern, Schulleitungen und auch in den Behörden. Aber um den Misstand zu verwalten, dafür sind sicher immer genügend Mittel und Mitarbeiter vorhanden.

Also leben wir weiter mit Abiturklassen mit knapp 30 Schülern, hohen Ausfallquoten und Hochschulprofessoren, die über immer weniger geeignete Studienbewerber klagen. Toll!
Wolfi65
19.08.2015, 12:32 Uhr
Wie und wo?
will die Linke vertreten durch Herrn Ramelow an Gelder kommen?
Das Kapital haben doch wohl andere unter ihren Federn.
Und diese Klientel passt schon auf, das es den kleinen Mann nicht zu gut geht.
Wo kommen wir denn schließlich da hin, wenn der kleine Mann genauso gut Leben würde, wie die Konzernchefs und selbsternannten Politchefs dieses schönen Landes.
Und das ist nicht nur in Thüringen so.
Des weiteren gibt es doch wohl noch Hunderttausende Fachkräfte in Deutschland einzugliedern....
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