eic kyf msh nnz uhz tv nt
Mo, 11:01 Uhr
17.08.2015
Pkw-Maut

Belastung für alle Autofahrer?

Die Einführung einer Pkw-Maut in Deutschland entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen Inländer die Maut-Abgabe über eine niedrigere Kfz-Steuer erstattet bekommen, sodass das Vorhaben unterm Strich nur ausländische Fahrer belastet...


Das EU-Recht untersagt aber die Benachteiligung von Ausländern. Sollte es die Bundesregierung also nicht schaffen, diesen Vorwurf zu widerlegen, könnte ein anschließender Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) die Pkw-Maut in der aktuell vorgesehenen Form stoppen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt warnt vor weiteren finanziellen Belastungen für Wirtschaft und Verbraucher.

Anzeige Refinery (lang)
„Vieles spricht aktuell für einen Stopp der Pkw-Maut-Regelungen. Selbst ein Auftragsgutachten des Bundesverkehrsministeriums konnte nicht hinreichend widerlegen, dass eine mittelbare Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit vorliegt“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Eine solche mittelbare Diskriminierung wäre ein Verstoß gegen zentrale Prinzipien der EU.

„Wenn der Europäische Gerichtshof die Pkw-Maut aufhalten sollte, bleibt noch die Frage, was genau untersagt wird“, so der IHK-Chef. Naheliegend sei, dass letztlich nur die Absenkung der Kfz-Steuer zur Entlastung der deutschen Autofahrer als europarechtswidrig gelten könnte. Logische Konsequenz wäre, dass die Infrastrukturabgabe von allen – auch von Inländern – per Saldo gezahlt werden muss. „Dies würde eine weitere Belastung von Wirtschaft und Verbrauchern in Höhe von drei Milliarden Euro bedeuten“, schätzt Grusser ein. Er fordert die Politik deshalb auf, Wort zu halten und eine solche Folge auf jeden Fall zu vermeiden.

Die geplante Pkw-Maut sei aber nicht nur europarechtlich, sondern auch als Beitrag zur Infrastrukturfinanzierung stark umstritten. Der Straßenverkehr in Deutschland werde über die Lkw-Maut, die Mineralöl- und die Kfz-Steuer bereits mit 50 Milliarden Euro jährlich belastet. Schon ein Teil dieser Mittel würde ausreichen, um die bestehende Investitionslücke vollständig zu schließen.

„Der politische Flurschaden ist derweil groß. Direkte Nachbarländer wie Österreich und die Niederlande – enge Handelspartner Deutschlands – sind verärgert. Sie haben bereits öffentlich mit Klagen gedroht“, merkt der IHK-Hauptgeschäftsführer an. Unter den Verkehrspolitikern in Brüssel gebe es die Wahrnehmung, dass Deutschland integrationshinderliche Gesetze ohne Rücksicht auf die Interessen der Nachbarländer verabschiedet. Auch Industrie- und Handelskammern sowie Ländervertreter aus deutschen Grenzregionen hätten darauf hingewiesen, dass Folgen für den kleinen Grenzverkehr und dadurch für Einzelhandels- und Tourismusbetriebe zu befürchten sind.
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Paulinchen
17.08.2015, 11:41 Uhr
Eines will mir nicht in den Kopf
Ist Deutschland ein souveräner Staat, ja oder nein. In Europa gibt es wenige Staaten, in denen besteht keine Steuerpflicht, was wäre denn, wenn Deutschland die Maut einführt, auf der „Grundlage“, wie es der EU recht ist und danach die Kfz-Steuer ein Jahr später reduziert, oder gar abschafft? Darf denn ein Land nicht über seine inneren Angelegenheiten allein bestimmen?

Schauen wir mal nach Ungarn, vor acht Tagen ist diese Regierung bei der EU in Ungnade gefallen, weil sie die Grenze zu Serbien mit Stacheldraht versieht. Na das ist aber eine Sache, die geht ja nun mal gar nicht, nur fällt in dem Grund der Errichtung niemand etwas besseres ein. Allein mit REDEN, löst man keine Probleme. Jedoch muss ich einräumen, dass ich unserem Staat nicht so recht über den Weg traue in Sachen Maut.

Denn ich kann mich nicht des Eindruckes erwehren, dass wir drei Jahre später, doch die Hand des Staates in der Hosentasche spüren. Leider haben uns die Politiker in der Vergangenheit zu oft nicht die ganze Wahrheit gesagt.
Micha123
17.08.2015, 14:38 Uhr
KFZ Steuer, Maut und die Milliarden ...
Aufgrund von Schwerbehinderung haben wir in der Familie ein Fahrzeug, welches befreit ist von der Steuer. Jeder, der ähnliche Fälle in seinem Umfeld oder selbst hat, der weiß - dass das auch nur ein kleiner Beitrag ist - sonst hat man genügend Kosten - durch Behinderungen usw. Aber die Befreiung ist besser als gar nix.

So.. was soll dann werden? Ich fand darauf noch keine Antwort. Die Maut soll auch von allen Inländern gezahlt werden, d.h. wir müssen dann auch Maut zahlen. Da wir aber eh keine Steuer zahlen - wovon soll man dann etwas zurückbekommen.

Das erinnert mich sehr stark an die "GEZ Reform" - also Rundfunkbeitrag. 15 Jahre waren wir befreit, mussten nichts bezahlen. Das ganze nennt sich Nachteilausgleich für Behinderte. Aus einfachem Grund, ein Mensch mit Schwerbehinderung kann oft nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen. Veranstaltungen etc. alles ist nicht oder nur schwer möglich. Darum eben die Befreiung von der GEZ, damit man überhaupt noch etwas mitbekommt.
Und von 2 Jahren.. was machte unsere Regierung oder wer auch immer - da hieß es dann plötzlich jeder muss bezahlen, auch die, die befreit waren. Monatlich nun 6 Euro. Das sind im Jahr 72 Euro.

Für Menschen mit einer geringen Rente oder Einkommen ist das schon sehr viel Geld. Natürlich haben wir uns dagegen gestemmt. Erläuterten alles usw. Aber nein - das ist nun Gesetz und man muss bezahlen. Als dann der Geldeintreiber von der Stadt vor der Türe stand.. da haben wir dann brav bezahlt.

Geht man einfach davon aus, dass es vielleicht in Deutschland eine Millionen Menschen gab, welche GEZ befreit waren - rechnet man dies hoch, so hat man 72 Mio. Euro im Jahr zusätzlich. Naja, der WDR Intendant erhählt jährlich ca. 360.000 Euro - irgendwo muss das Geld ja herkommen... .

Und so wird es auch mit der Maut kommen - neue Gesetze, neue Regeln - Zack, der Rubel rollt wieder kräftig!
Vor allem, man überlege einmal den ganzen Aufwand.. jeder der dann im Land Maut bezahlen muss, wird eine Plakete erhalten und kann es dann von der Steuer wieder zurückholen. Warum übermittelt man nicht jedem KFZ Halter mit der jährlichen Steuerabrechnung eine Plakete und gut ist. Aber man muss das ja wahrscheinlich alles fein trennen. Die Ämter wollen ja etwas zu tun haben.

Es gehört einfach an jede Grenze wieder ein Übergang und eine Kontrollstelle. Vor allem an den großen Autobahnen. Dort kann Maut kassiert werden, dort kann Personenkontrolle gemacht werden. Dort können die kaputten LKW Printen aus dem Verkehr gezogen werden. Ein Europa ohne Grenzen - die Zeit dafür ist noch lange nicht reif.
Real Human
17.08.2015, 15:11 Uhr
Eines will mir nicht in den Kopf:
Wie können souveräne Bürger immer wieder solche Grantlhuber-Parteien wie die CDU/CSU wählen? Dass solcher pöbulistischer Blödkram letztlich vor dem EuGH landen musste, war doch schon vor der Bundestagswahl von 2013 klar.

Sinnvoller wäre es doch wohl gewesen, im Geiste – eines in Sonntagsreden so oft propagierten – einigen Europas europaweit sämtliche Straßennutzungsgebühren abzuschaffen und stattdessen europaweit eine EINHEITLICHE Mineralölsteuer anzustreben. Wer viel fährt nutzt eben auch die öffentlichen Straßen stärker ab und verbraucht allgemein auch mehr Treibstoff. Die Mineralölsteuer ist die gerechteste, effektivste und unbürokratischste Steuer.

Schade, dass es auf dem Mond keine Atmosphäre, keine richtigen Alpen und kein Hofbräuhaus gibt …

(@ Paulinchen: Welche Partei haben Sie am 22.09.2013 gewählt?)
E20
17.08.2015, 15:48 Uhr
@Joerg B. - nicht zuende gedacht
die Idee mit der einheitlichen Mineralölsteuer ist ja prinzipiell völlig ok, kann aber leider nicht funktionieren, da es ja in Europa jede Menge privatisierte Autobahnen gibt(siehe Italien, Frankreich ...) Wie soll denn das mit deren Einnahmen verrechnet werden?
Paulinchen
17.08.2015, 16:14 Uhr
Joerg B.
Mit etwas Intelligenz, können Sie meine gewählte/n Partei/en im letzten Satz herauslesen!
just_me_74
17.08.2015, 18:22 Uhr
tja..
am meisten stört mich nicht einmal die Steuer (ja, so abgestumpft bin ich schon) denn es werden eh wieder neue erfunden, sollte es die Maut nicht schaffen.
Siehe Solibeitrag, wo unverholen über die Umwandlung in eine Steuer nachgedacht wird. Erbärmlich..
Wirklich stören tue ich mich an dem Aufbau einer Überwachungsinfrastruktur um eine Maut zu kontrollieren! Diese Datenberge in den Händen unserer Regierung?!
Niemals möchte ich, dass auch nur die Möglichkeit besteht, dass jeder unserer Schritte (oder Fahrwege) nachvollziehbar wird.

jmho
Real Human
18.08.2015, 15:45 Uhr
Danke @ E20, danke @ Paulinchen!
@ E20: Wir haben im Grundgesetz den Artikel 15, von dem leider kaum jemand etwas weiß:

„Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung gilt Artikel 14 Abs. 3 Satz 3 und 4 entsprechend.“

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Erläuterung, die ich ausgerechnet auf http://islam.de/19921 gefunden habe.

Es hängt also allein vom politischen Willen der Wähler ab, wie in DEUTSCHLAND von diesem GG15 Gesetze und Verordnungen abgeleitet werden könnten. EUROPAWEIT sieht es freilich ganz anders aus. Der Privatisierungswahn der 1990er Jahre hat hier Vieles unmöglich gemacht. Übrigens hat die deutsche FDP (Friede ihrer Asche!) mindestens 2x einen Anlauf zur ersatzlosen Streichung dieses Artikels unternommen. Die europäischen Wähler bräuchten sich als ersten Schritt lediglich konsequent mehrheitlich für linke Parteien zu entscheiden, um eine Sozialisierung von strategischem Privateigentum in die Wege zu leiten – notfalls auch auf revolutionärem Wege!

Das ist aber so realistisch, wie dass ein Koma-Patient einen 100-Meter-Lauf gewinnen könnte. Anders sähe es schon aus, wenn diese Koma-Homo-Sapiens ihren Geist eines Tages in einen „Homo Sapiens 2.0“ „uploaden“ könnten. Davon aber träumt ausgerechnet ein gewisser Ray Kurzweil. Und der ist („Oh Schreck!“) ausgerechnet technischer Direktor von Google. (Ich denke, dass er auch nach der Umstrukturierung von Google einflussreich bleiben wird.) Der noch hypothetische Tag, an dem Uploading und damit eine quasi Bewusstseinserweiterung der Menschheit möglich sein könnte, wird unter Transhumanisten „Singularität“ genannt.

Aber dann spielen die Träume der menschlichen Vernunft, wie z.B. „Freie Fahrt für freie Bürger“ sowieso keine Rolle mehr! Und „unter uns“: Doch wenn es soweit wäre, würden Sie sich die Weisheit eines (vergleichsweisen) Schimpansen auf ihre „Festplatte“ uploaden lassen? (Doch höchstens um mal zu wissen, wie ein solches „nichtmenschliches Tier“ tickt?)

@ E20 hat Recht: Die schimpansengleichen Privatschmarotzer werden sich ihre Privatautobahnen von komatösen Demokraten nicht wegnehmen lassen. Aber kein Hindernis ist unbezwingbar. Das haben die friedlichen (Konter-?) Revolutionen von 1989 gezeigt. Vielleicht ist das nächste Wunder ja eine technologische (Konter-?) Revolution?

@ Paulinchen: Tschuldigung, dass ich ihren Kommentar nicht aufmerksam genug gelesen habe. Also tippe ich wegen der undeutlichen Kritik an der ungarischen Lösung und Ihren sonstigen ziemlich populistischen Kommentaren mal auf die AfD!

Hier noch ein vielleicht interessanter Link:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/transhumanismus-bring-mir-den-kopf-von-raymond-kurzweil-13696362.html
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)