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So, 08:52 Uhr
26.07.2015
Camp-Tagebuch: Tag 1

Willkommen in einer anderen Welt

Spannende Tage für über 100 Kinder aus der Nordhäuser Region im Camp Hoheneiche. In diesem Tagebuch berichtet Rüdiger Neitzke über das Leben im Camp, bei dem sich in diesem Jahr alles um eine Zeit dreht, die etwas mehr als 25 Jahre vorbei ist...


Ankunft in einem Land vor unserer Zeit: Wobei, den Eltern durfte wohl einiges nur allzu bekannt vorgekommen sein, als sie ihre Kinder gestern Nachmittag im Handwerkercamp in Hoheneiche ablieferten.

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Begrüßt durch einen authentisch gespielten Grenzsoldaten, beschenkt durch Mix-Milch und eingeführt in die alte Sprachwelt des Sozialismus tauchten die Kinder aber eben doch ein, in ein Land vor ihrer Zeit, das Land ihrer Väter und Mütter.

In den nächsten Tagen werden sie durch die Beschäftigung mit dem Theaterstück und der Rolle Pfarrer Christian Führers verstehen, dass Sozialismus, Partei und DDR nicht nur blühende Landschaften hervorbrachten, sondern auch manche Wunde in den Herzen der DDR-Bürgerinnen und –Bürger.

Es wird also eine spannende Gratwanderung. Doch dieses Unterfangen ist es uns wert, geht es doch darum zu verstehen, warum eine „Friedliche Revolution“ notwendig war und warum sie tatsächlich gelang. Nicht mit Waffen und Gewalt, sondern mit Kerzen und Gebeten.

Die Messe der Meister von Morgen (MMM)

Nach der Begrüßung durch die FDJ-Sekretärin (gespielt von Juliane Neitzke) und den Genossen Neumann (dargestellt von Detlef Schmidt) war es für die MMM-Kollektive an der Zeit, ihre Exponate vorzustellen und zu bewerben. Die Partei-Funktionäre und das begeisterte Jungvolk hatten einiges zu bestaunen. So ruht die Hoffnung des Sozialismus in der Planerfüllung durch Sputnik-Bauer (Sputnixen), Bügelperlen-Kreativ-Genossinnen (Fädl-Mädls), Mosaik-Bastlerinnen (Trümmerfrauen), DDR-Latschen-Herstellerinnen (Pittip-Latscher), Herstellerinnen von „Bespitzlern“ zur Verbesserung der Aufklärungsoperationen des Ministeriums für Staatssicherheit (Spannwanzen).

Weiterhin trugen Batik-Tücher-Herstellerinnen (Das Gewindel) und eine Waldfrucht-Marmeladen-Produktionsgenossenschaft (Die Eingemachten), sowie Broilerbrater (Dreh-Spießer), ein Triola-Orchester (Nervtröter), Datschenbauer (Die detschen Datschen), Matrizen-Hersteller (Copy Shoppers), Medaillen-Hersteller (Die Dauerbrenner) und Bastler der Leipziger Nikolai-Kirche im Miniaturformat (Nikolaifalter) zum Gelingen der festlichen Eröffnung der Messe der jungen Talente bei. Die SED-Kreisleitung bedankt sich und grüßt die Meister von morgen: Freundschaft!
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
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Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
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Camp-Tagebuch: Tag 1 (Foto: R. Neitzke/privat)
Autor: red

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Kommentare
Real Human
27.07.2015, 16:12 Uhr
Die Dummheit ist niemals gefallen, sooft auch ihr Opfer fiel!
Auf den ersten Blick hebt sich das, was über das Kirchencamp berichtet wird, sehr positiv von dem ab, was die teils philosophisch schlimm unterbelichteten „Lichtblicke“ fast allwöchentlich zu bieten hatten.

Ob allerdings die Darstellung des Lebens in der „DDR“ der Wirklichkeit gerecht wurde, daran habe sicher nicht nur ich meine Zweifel. Schon die Wortwahl „Jungvolk“ (wohl für die DDR-Pionierorganisation?) lässt da arge Zweifel aufkommen.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Jungvolk) Natürlich gab es erschreckende Gemeinsamkeiten zwischen der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ und der Hitler-Jugend. Beide dienten der ideologischen Abrichtung von Kindern und Jugendlichen mit noch viel zu geringer eigener Lebenserfahrung zu willfährigen Untertanen sowie späterem oder potenziellem „Kanonenfutter“.

Sowohl der Marxismus/Leninismus/Maoismus/usw. als auch der italienische Faschismus und der deutsche Nationalsozialismus stimmen in ihrem Anspruch überein, sich als die einzig glücklichmachenden Weltanschauungen zu begreifen. Allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass die faschistischen Ideologien Glück nur für die eigene Ethnie oder „Rasse“ fordern. Ist dies in dem Kirchenworkshop thematisiert worden?

Und sind nicht auch das Christentum, der Islam und das Judentum in einem gewissen Sinn totalitär? Hat das europäische Christentum den Marxismus nicht erst zur staatlichen Macht verholfen, in dem es selbst bei der Sozialen Frage versagt und den Ersten Weltkrieg (wie viele Kriege zuvor) nicht verhindert hat?

Interessante Einsichten finden sich dazu auf http://buber.de/christl/unterrichtsmaterialien/soziale_frage:

„Vor allem für den Protestantismus war das 19. Jahrhundert geprägt von einer unheilvollen Ehe von Thron und Altar. Ursache hierfür war die Tatsache, daß seit Luther die Landesfürsten gleichzeitig Oberhäupter der evangelischen Landeskirchen waren. Da die Landesfürsten zu allererst an der Ruhe und der Erhaltung ihrer Macht interessiert waren, wurde aus dem progressiven Charakter der Kirchen (den die protestantischen Kirchen zumindest bis ins 18. Jahrhundert hinein noch trugen) ein Sprachrohr der reaktionären Kräfte. Lange Zeit verschloß sie sich vor den Veränderungen und Umbrüchen der Industriellen Revolution; wenn überhaupt, dann war sie nur zu karitativen Maßnahmen bereit, die das Sozialgefüge jedoch nicht antasteten. Eine staatskonforme und obrigkeitshörige Theologie der Ordnung und eine uminterpretierte Zwei-Reiche-Lehre heiligten den Fürst von Gottes Gnaden und die Gesellschaftsordnung. Ursachen für das soziale Elend sah die Kirche lange Zeit in der Revolution, dem Kommunismus, mangelndem Kirchgang und dem allgemeinen Werteverfall. Es trug sehr zur antikirchlichen Wendung der Arbeiterschaft bei, daß sie erst spät anfing (1880), sich sozialpolitisch zu engagieren.“

Hat sich bis heute Wesentliches geändert? Wieso dulden es die beiden großen deutschen christlichen Kirchen, dass den Kapitalismus bejahende Parteien wie die CDU und die CSU das Eigenschaftswort „christlich“ in ihren Namen führen dürfen und damit zahlreiche Wähler hinters Licht führen? War die „DDR“ nicht in vieler Hinsicht viel „(ur)christlicher“ als das heutige kapitalistische Deutschland?

Übrigens wäre man auf einer Messe der Meister von Morgen (MMM) niemals auf die Idee gekommen, eine Obsoleszenz (Lebensdauer) für ein Produkt einzuplanen – höchstens eine MINDESTfunktionsdauer! So befinden sich noch heute in einigen Ex-DDR-Haushalten funktionstüchtige Küchenmaschinen aus dieser Zeit. Trug Margot H. etwa Kulturgene der legendären Schwäbischen Hausfrau in sich?

Auch waren die „Spannwanzen“ von der Stasi – verglichen mit den Helden von der Never Say Anything (Mal spaßeshalber bei Wikipedia eingeben!) – doch wohl ganz armselige Wichte!

Und überhaupt, hatte das Christentum nicht selbst eine sehr lange totalitäre Phase? Hatte?

Zum Schluss noch etwas aus der Rubrik: „Denn erstens kommt es oft so, doch zweitens etwas anders als man denkt!“: https://www.youtube.com/watch?v=G_9pVbTb0TM
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