Sa, 09:00 Uhr
18.07.2015
25 Jahre Universalbeton in Heringen
Gemeinsam kann man alle Stürme meistern
Während in Heringen am vergangenen Wochenende das Schützenfest unter dem Motto "25 Jahre Wende" groß gefeiert wurde, beging man anderswo im Ort ebenfalls ein Jubiläum des Wandels: vor einem Vierteljahrhundert brach auch für Universalbeton eine neue Zeit an. Zur Feier des Tages öffnete man die Tore des Werkes und erinnerte auch daran, dass die Geschichte am Standort Heringen noch viel weiter zurückreicht...
Die industrielle Tradition begann in Heringen nämlich schon Ende des 19. Jahrhunderts, mit der Gründung einer Straßenbaufirma im Jahr 1896. Betonrohrfertigung und Kiesgrube folgten bald, der Anfang war gemacht.
Wie in so vielen anderen Betrieben auch folgten unter den Nazis wenig ruhmreiche Jahre: in Heringen wurden unter anderem die Betonbauteile für den Aufbau des Mittelwerkes im Kohnstein und dem dazugehörigen Konzentrationslager Dora gefertigt.
Mit dem Ende des Krieges und dem Beginn der DDR sollte der Standort einen Aufschwung nehmen, an dessen Höhepunkt insgesamt 1169 Menschen im "VEB Betonwerk Heringen" arbeiteten und zwar nicht nur in der Fertigung, sondern auch in den anderen Bereichen, die ein Großbetrieb in der DDR vorhalten musste: eigene Küche, "Polytechnik", Datenverarbeitung, Kontroll- und Berichtswesen oder auch technische und ökonomische Leitung. Tätigkeiten wie Be- und Entladung mussten 24 Stunden am Tag sichergestellt werden und auch der Bereich Instandhaltung war Personalintensiv.
Nach dem Krieg fing man wieder klein an: 19 Menschen gingen in Heringen wieder an die Arbeit (Foto: Universalbeton Heringen GmbH & Co. KG)
Heute sieht das freilich ganz anders aus: etwa 350 Personen arbeiten noch am Standort Heringen. Das sind zwar bedeutend weniger als 1989, Universalbeton ist damit aber immer noch der größte Arbeitgeber in Heringen und Umgebung. Und die Produktivität der Arbeiter habe sich in den vergangenen 25 Jahren um das fünf- bis zehnfache gesteigert, meint Universalbeton Geschäftsführer Dr. Jens Stark.
Nach dem Krieg hatte man 1948 wieder ganz klein anfangen müssen: 8 Facharbeiter, 10 Ungelernte und ein Betriebsleiter produzierten Dach-, Gips-, und Hohlblocksteine, Brunnenringe, Betonrohre und Wegeplatten. Nach der Zusammenlegung mit anderen Betrieben zum "VEB", zum "Volkseigenen Betrieb" waren es 1952 schon 158 Beschäftigte, was die Heringer zu einem Schwergewicht der Branche machte.
Mitte der 50er investierte der Staat kräftig in das Werk und wollte in kurzer Zeit eine komplexe Industrieanlage hochziehen, Rohstoff- und Arbeitskräftemangel sowie Streitigkeiten um die technologische Ausrichtung der Fabrik verzögerten die Fertigstellung jedoch. Zunächst stellte man Teile für Einfamilienhäuser und Bedarfselemente für die Baubetriebe und Produktionsgesnossenschaften der Bezirke Erfurt und Halle her.
Anfang der 60er Jahre wird von Seiten des Staates beschlossen, die Wirtschaftszweige der DDR weiter umzukrempeln. Für Heringen hat das zur Folge, das 1964 erst das Werk in Roßla den Heringern zugeordnet wird und kurz darauf die Standorte Rudolstadt mitsamt Arnstadt hinzukommen.
Mitte der 50er Jahre investiert der Staat kräftig in den Betrieb bei Heringen (Foto: Universalbeton Heringen GmbH & Co. KG)
Anfang der 70er bricht für die Betonwerke mit der Einführung des "mehrgeschossigen Gewerbebaus" wieder eine neue Zeit an. Gemeint ist das Plattenbauverfahren, welches das Bild der ostdeutschen Städte bis 1990 und darüber hinaus prägen wird. Zwischen 1970 und 1990 fertigt man in Heringen 10 Millionen Quadratmeter "Bruttogeschossfläche", das entspricht etwa 2900 kompletten Gebäuden. Außerdem entsteht Betonpflaster, das vornehmlich in den Westen exportiert wurde.
Der Umbruch 1990 ging mit ähnlichen Entwicklungen einher, wie sie auch in anderen Betrieben der DDR beobachtet werden konnten. Es wurde heftig diskutiert: Sozialismus verbessern oder das Modell der Bundesrepublik übernehmen. Das Ergebnis ist bekannt.
Erste Kontakte mit Unternehmen aus dem Westen hatte es bereits Ende `89 gegeben, doch es sollte bis Mitte des Jahres 1990 dauern, ehe aus dem VEB endgültig die Universalbeton Heringen GmbH wurde.
Allein auf dem Markt zu bestehen, ohne Weisungen von "oben", war ungewohnt und vielleicht wäre man wie so viele andere Betriebe mit der Zeit aufgerieben oder zerstückelt worden. Es kam aber anders, dank der Übernahme durch die Firma HABAU im Oktober 1992. Rückblickend habe es keine bessere Lösung für die Heringer geben können, meint Geschäftsführer Stark.
Das Heringer Werk hat sein Gesicht verändert in den vergangenen 25 Jahren: altes musste weichen, neues kam hinzu (Foto: Universalbeton Heringen GmbH & Co. KG)
Zum Jubiläum, an dem auch die Stadt Heringen den Wandel vor 25 Jahren feierte, öffnete man zum zweiten Mal die Tore des Werkes für die Öffentlichkeit. Das Fabrikgelände hat sein Angesicht geändert, das Heizhaus und viele der Betonsilos sind verschwunden, neue Hallen hinzugekommen. Heute werden hier individuelle Fertigteile speziell angefertigt, dazu kommen Wandplatten, Spannbeton und schwere Stützen und Träger.
All das konnte man sich vergangenen Samstag bei einer kleinen Führung durch das Werk ansehen. Gekommen waren nicht nur Beschäftigte und Ehemalige mit ihren Familien, sondern auch Landrat Matthias Jendricke, Heringens Bürgermeister Maik Schröter, einige Partner aus der Region und sogar eine Delegation aus Polen.
Die Resonanz sei sehr gut gewesen, sagte Geschäftsführer Jens Stark, das Wetter war bestens, die Pensionäre des Betriebes standen äußerst pünktlich, also bereits um Zehn, vor ihren ehemaligen Werkstor und die Angebote drumherum wie das Kegeln auf einer Wiese am Werk fanden ebenfalls Anklang.
Und wie sehen die nächsten 25 Jahre aus? Die Ausrichtung auf die Zukunft habe begonnen, sagt Stark, "wir werden in allen Bereichen sinnvoll investieren, von der Energiegewinnung bis zu neuen Produktionsmethoden aus Forschung und Entwicklung. Unsere gesamte Kraft und unser Wissen werden wir für eine erfolgreiche Produktion von Fertigteilen einsetzen." Wer gemeinsam die Zukunft gestaltet, der könne alle Stürme meistern.
Angelo Glashagel
Autor: redDie industrielle Tradition begann in Heringen nämlich schon Ende des 19. Jahrhunderts, mit der Gründung einer Straßenbaufirma im Jahr 1896. Betonrohrfertigung und Kiesgrube folgten bald, der Anfang war gemacht.
Wie in so vielen anderen Betrieben auch folgten unter den Nazis wenig ruhmreiche Jahre: in Heringen wurden unter anderem die Betonbauteile für den Aufbau des Mittelwerkes im Kohnstein und dem dazugehörigen Konzentrationslager Dora gefertigt.
Mit dem Ende des Krieges und dem Beginn der DDR sollte der Standort einen Aufschwung nehmen, an dessen Höhepunkt insgesamt 1169 Menschen im "VEB Betonwerk Heringen" arbeiteten und zwar nicht nur in der Fertigung, sondern auch in den anderen Bereichen, die ein Großbetrieb in der DDR vorhalten musste: eigene Küche, "Polytechnik", Datenverarbeitung, Kontroll- und Berichtswesen oder auch technische und ökonomische Leitung. Tätigkeiten wie Be- und Entladung mussten 24 Stunden am Tag sichergestellt werden und auch der Bereich Instandhaltung war Personalintensiv.
Nach dem Krieg fing man wieder klein an: 19 Menschen gingen in Heringen wieder an die Arbeit (Foto: Universalbeton Heringen GmbH & Co. KG)
Heute sieht das freilich ganz anders aus: etwa 350 Personen arbeiten noch am Standort Heringen. Das sind zwar bedeutend weniger als 1989, Universalbeton ist damit aber immer noch der größte Arbeitgeber in Heringen und Umgebung. Und die Produktivität der Arbeiter habe sich in den vergangenen 25 Jahren um das fünf- bis zehnfache gesteigert, meint Universalbeton Geschäftsführer Dr. Jens Stark. Nach dem Krieg hatte man 1948 wieder ganz klein anfangen müssen: 8 Facharbeiter, 10 Ungelernte und ein Betriebsleiter produzierten Dach-, Gips-, und Hohlblocksteine, Brunnenringe, Betonrohre und Wegeplatten. Nach der Zusammenlegung mit anderen Betrieben zum "VEB", zum "Volkseigenen Betrieb" waren es 1952 schon 158 Beschäftigte, was die Heringer zu einem Schwergewicht der Branche machte.
Mitte der 50er investierte der Staat kräftig in das Werk und wollte in kurzer Zeit eine komplexe Industrieanlage hochziehen, Rohstoff- und Arbeitskräftemangel sowie Streitigkeiten um die technologische Ausrichtung der Fabrik verzögerten die Fertigstellung jedoch. Zunächst stellte man Teile für Einfamilienhäuser und Bedarfselemente für die Baubetriebe und Produktionsgesnossenschaften der Bezirke Erfurt und Halle her.
Anfang der 60er Jahre wird von Seiten des Staates beschlossen, die Wirtschaftszweige der DDR weiter umzukrempeln. Für Heringen hat das zur Folge, das 1964 erst das Werk in Roßla den Heringern zugeordnet wird und kurz darauf die Standorte Rudolstadt mitsamt Arnstadt hinzukommen.
Mitte der 50er Jahre investiert der Staat kräftig in den Betrieb bei Heringen (Foto: Universalbeton Heringen GmbH & Co. KG)
Anfang der 70er bricht für die Betonwerke mit der Einführung des "mehrgeschossigen Gewerbebaus" wieder eine neue Zeit an. Gemeint ist das Plattenbauverfahren, welches das Bild der ostdeutschen Städte bis 1990 und darüber hinaus prägen wird. Zwischen 1970 und 1990 fertigt man in Heringen 10 Millionen Quadratmeter "Bruttogeschossfläche", das entspricht etwa 2900 kompletten Gebäuden. Außerdem entsteht Betonpflaster, das vornehmlich in den Westen exportiert wurde.Der Umbruch 1990 ging mit ähnlichen Entwicklungen einher, wie sie auch in anderen Betrieben der DDR beobachtet werden konnten. Es wurde heftig diskutiert: Sozialismus verbessern oder das Modell der Bundesrepublik übernehmen. Das Ergebnis ist bekannt.
Erste Kontakte mit Unternehmen aus dem Westen hatte es bereits Ende `89 gegeben, doch es sollte bis Mitte des Jahres 1990 dauern, ehe aus dem VEB endgültig die Universalbeton Heringen GmbH wurde.
Allein auf dem Markt zu bestehen, ohne Weisungen von "oben", war ungewohnt und vielleicht wäre man wie so viele andere Betriebe mit der Zeit aufgerieben oder zerstückelt worden. Es kam aber anders, dank der Übernahme durch die Firma HABAU im Oktober 1992. Rückblickend habe es keine bessere Lösung für die Heringer geben können, meint Geschäftsführer Stark.
Das Heringer Werk hat sein Gesicht verändert in den vergangenen 25 Jahren: altes musste weichen, neues kam hinzu (Foto: Universalbeton Heringen GmbH & Co. KG)
Zum Jubiläum, an dem auch die Stadt Heringen den Wandel vor 25 Jahren feierte, öffnete man zum zweiten Mal die Tore des Werkes für die Öffentlichkeit. Das Fabrikgelände hat sein Angesicht geändert, das Heizhaus und viele der Betonsilos sind verschwunden, neue Hallen hinzugekommen. Heute werden hier individuelle Fertigteile speziell angefertigt, dazu kommen Wandplatten, Spannbeton und schwere Stützen und Träger.
All das konnte man sich vergangenen Samstag bei einer kleinen Führung durch das Werk ansehen. Gekommen waren nicht nur Beschäftigte und Ehemalige mit ihren Familien, sondern auch Landrat Matthias Jendricke, Heringens Bürgermeister Maik Schröter, einige Partner aus der Region und sogar eine Delegation aus Polen.
Die Resonanz sei sehr gut gewesen, sagte Geschäftsführer Jens Stark, das Wetter war bestens, die Pensionäre des Betriebes standen äußerst pünktlich, also bereits um Zehn, vor ihren ehemaligen Werkstor und die Angebote drumherum wie das Kegeln auf einer Wiese am Werk fanden ebenfalls Anklang.
Und wie sehen die nächsten 25 Jahre aus? Die Ausrichtung auf die Zukunft habe begonnen, sagt Stark, "wir werden in allen Bereichen sinnvoll investieren, von der Energiegewinnung bis zu neuen Produktionsmethoden aus Forschung und Entwicklung. Unsere gesamte Kraft und unser Wissen werden wir für eine erfolgreiche Produktion von Fertigteilen einsetzen." Wer gemeinsam die Zukunft gestaltet, der könne alle Stürme meistern.
Angelo Glashagel


